Eine GoPro ist im Bereich der Actioncams bislang das Maß aller Dinge. Das neueste Modell, die Hero5, kostet fast 400 Euro und hat sich damit zu einem Luxus-Produkt entwickelt. Yi-Technology agiert bereits aus einer Augenhöhe mit dem US-Unternehmen. Günstigere Alternativen zur GoPro konnte bis dato auch SJCAM liefern. Der neue Hersteller Andoer bietet mit der AN7000 nun ebenfalls eine preiswerte Alternative, die nur rund 120 Euro kostet. Der Test soll klären, in welchen Disziplinen die Kopie dem Original das Wasser reichen kann und wo sie hinter dem teureren Produkt zurückbleibt. 

Design und Verarbeitung

Kompakt und griffig, so lässt sich die Andoer-Actioncam kurz und knapp beschreiben. Das Design ist stark an das der Elephone Explorer 4K angelehnt. Die Außenhülle besteht, bis auf das 2-Zoll-Display, aus einer gummierten Oberfläche und misst 6 x 2,3 x 4,2 cm, wobei die Linse noch 1 cm nach vorne ragt. Negativ aufgefallen ist an der ansonsten sehr guten Verarbeitung nur, dass nach mehrfacher Benutzung des wasserdichten Gehäuses der Gummi rund um die Linse ein wenig leiden musste.

Lieferumfang AndoerAN7000 2 300x200 Lieferumfang AndoerAN7000 3 300x200

An der Vorderseite befindet sich der On/Mode-Button, der die Kamera entweder an- und ausschaltet oder zwischen den Modi (Video/Photo/Galerie/Einstellungen) wechselt. Insgesamt verfügt die kompakte Spaß-Kamera über sechs LEDs, die den Status der Aufnahme oder andere Funktionen signalisieren. Zwei an der Vorderseite, zwei im Displayglas, eine an der Unterseite und eine, die den „Auslöse“-Knopf an der Oberseite hinterlegt. Alle Knöpfe haben eine angenehme Größe, einen knackigen Druckpunkt und lassen sich leicht erreichen.

Andoer AN7000 1 900x900

Bei dem LCD-Screen handelt es sich nicht um einen Touchscreen – zwei seitliche Tasten ermöglichen das Navigieren durch das Menü. Der Einschub für die Micro-SD-Karte (bis 64 GB) sowie die Buchsen für HDMI und Mini-USB befinden sich an der linken Flanke. Staub und Schmutz haben jedoch freie Bahn, die ungeschützten Anschlüsse zu infiltrieren. Das Mikrofon hat Öffnungen an der Oberseite sowie den Flanken.

Lieferumfang und Zubehör

Lieferumfang AndoerAN7000 1200x759

Verpackt in schlichtem Weiß kommt die AN7000 daher, die Kamera selbst gibt es in schwarz oder schwarz/silber. Der Inhalt des Kartons ist üppig:

– Actioncam mit Batterie
– USB-Kabel
– Wasserdichtes Gehäuse (60 Meter)
– wechselbare Klappe
– J-Form Halterung
– Helm-Halterung
– 2 x Fahrradhalter
– Kabelbinder
– Doppelseitiges Klebepads
– Mikorfasertuch
– verschiedene Befestigungen (u. a. kurze Gurte)
– Anleitung

Gute Nachrichten für diejenigen, die vielleicht schon eine GoPro haben und ihr System um eine AN7000 erweitern wollen: Das mitgelieferte Zubehör ist mit dem GoPro-Equipment kompatibel und lässt sich also nach Lust und Laune erweitern.

Im Test kam hauptsächlich der Fahrradhalter zum Einsatz, der seinen Zweck tadellos erfüllte. Sogar an einem dicken Mountainbike-Lenker lässt er sich mühelos befestigen und – bei rasanten Abfahrten unerlässlich – bleibt er an Ort und Stelle. Ein Standard-Gewinde an der Unterseite ermöglicht die Montage auf einem Stativ.

Bedienung

Ein Druck auf den dicken Power-Button – und zwei Sekunden später ist die Actioncam einsatzbereit. Das 2-Zoll-Dispay gibt das wider, was die Linse sieht und gibt obendrein Auskunft über die eingestellten Parameter. Dazu zählen: Auflösung, Modus, Bildwiederholungsrate, WLAN/Mikrofon an/aus, verfügbarer Speicher, Akkustand und das aktuelle Datum.

Andoer AN7000 2 900x900

Enttäuschend ist die App, die über WiFi mit der Kamera kommuniziert, beziehungsweise kommunizieren sollte. Mit diversen Android-Geräten wollte sie gar nicht kooperieren, anders sah es mit einem Apple Iphone 5 aus, da klappte die Verbindung.

Das interne Menü der Andoer AN7000 ist nach einer längeren Zeit der Eingewöhnung einfach zu bedienen. Mit leichter Verzögerung zappt man sich durch die Menüpunkte, die da wären: Video, Foto, Galerie Foto, Galerie Video, Galerie Foto und Einstellungen. Die ersten beiden Punkte lassen sich je nach Gusto tauschen. Pluspunkt: Die Menüsprache lässt sich auf „deutsch“ stellen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Lesbarkeit des Displays. Selbst in der prallen Sonne und mit Sonnenbrille im Gesicht lässt sich die AN7000 ohne Einschränkungen nutzen. So lassen sich auch die aufgenommenen Filme auf dem 2-Zoll-Schirm gut anzeigen.

Einziges Manko: In den Einstellungen für die Video-Auflösung hat sich im Testgerät ein kleiner Software-Fehler eingeschlichen. Wählt man „1920 x 1080 120p 16:9 aus“ zeigt das Display später „4:3“ an. Das Video wird aber ganz normal im gewählten 16:9-Format gespeichert.

Akkulaufzeit

Der Akku versteckt sich unter einer Klappe an der Unterseite, die sich verriegeln lässt. Mittels einer Schlaufe lässt sich der 1050mAh-Energiespender leicht entnehmen und, wenn er mal den Geist aufgibt, durch einen neuen ersetzen.

Laut Hersteller sollen auf höchster Auflösung 100 Minuten Dauer-Aufnahme möglich sein. Im Test kam die Cam nahe an diese Marke heran: Während eines siebentägigen Urlaubs und dutzenden Videoschnipseln musste sie einmal an die Steckdose. Doch Vorsicht: Beim Anstöpseln an das Netzteil wacht die Actioncam auf und aktiviert auch den Bildschirm während des Ladens. Bereits nach wenigen Minuten war die Kamera glühend heiß, was sich aber mit einem Knopfdruck zu Ladebeginn ganz einfach beheben lässt.

Bilder

Eigentlich sollte die Foto-Qualität in diesem Test zur Nebensache werden, doch überraschte die Andoer AN7000 in diesem Punkt. In der Praxis kam fast ausschließlich die Auflösung 4000 x 3000 im 4:3 Format zum Einsatz, mit verblüffendem Ergebnis: Während andere Actionscams in dieser Preisklasse nur verwaschene und verwackelte Bilder knipsen, produzierte die AN7000 so gut wie keinen Ausschuss. Bei gutem Licht waren fast alle Bilder scharf und gut belichtet, die Farben wirken satt und echt.

Selbst bei Nacht, wenn man die Cam auf ein Stativ oder eine ebene Fläche stellt, lassen sich brauchbare Bilder schießen. Aus der Hand gelingen die Fotos bei schlechtem Licht nicht, da stößt der Chip an seine Grenzen. An Bord sind Spielereien wie Burst Photo, Self Timer und Time Lapse, die allerdings umständlich zu bedienen sind und deshalb wenig Spaß bringen. Ein echter Spaßkiller ist auch das Auswerten der Aufnahmen. Die Ordnerstruktur auf der SD-Karte ist wirr, die Bilder landen ohne erkennbare Sortierung auf dem Speicher.

Die Foto-Auflösungen (JPEG):

– 16M 4608 x 3456 4:3 (interpoliert)

– 14M 4254 x 3264 4:3

– 12M 4000 x 3000 4:3

– 8.3M 3840 x2160 16:9

– 5M 2560 x 1920 4:3

– 3M 2048 x 1536 4:3

Videos

Die wichtigste Disziplin, das Filmen von Videos, erfüllt die Andoer AN7000 mit Bravour. Verbaut sind ein Ambarella A12S75 Chip und ein Sony IMX117 CMOS Sensor, der 4K-Aufnahmen ermöglicht. Die Super-Auflösung gibt es mit höchstens 30 FPS im 16:9-Format. Für eine Urlaubsaufnahme am Strand ist das mehr als ausreichend und sieht auch im Nachgang top aus. Actiongeladene Aufnahmen wirken bei dieser Bildwiederholungsrate und 4K ein wenig kaugummiartig und sind dadurch anstrengend anzusehen.

Die Qualität der Aufnahme leidet kaum, wenn man auf FullHD herunter schaltet und dafür in den Genuss von jeder Menge Frames kommt. Bei 1920×1080 serviert die AN7000 flüssige, satte und gestochen scharfe Bilder, 120 fps sei Dank. Bis zu sagenhafte 240 Bilder pro Sekunde schießt die Actioncam bei einer Auflösung von 1280 x 960. Wer bereit ist, mit 60 FPS fps bei FullHD zu arbeiten, kommt in den Genuss des Bildstabilisators (EIS), der einen guten Job macht und sogar bucklige Fahrradwege schlucken kann.

Am äußersten Rand der Aufnahme ist das Bild verzerrt, was aber nur natürlich ist bei einer Weitwinkellinse mit 166 Grad Blickwinkel. Die Audioqualität ist ziemlich gut, Stimmen sind auch aus weiterer Entfernung zu verstehen und die Umgebungsgeräusche haben einen angenehmen Pegel. Sobald das wasserdichte Gehäuse aufgesteckt ist, ist der Ton dumpf, aber noch hörbar. Ein externes Mikrofon lässt sich nicht anschließen.

Mit dem Automatik-Modus ist man in der Regel am besten bedient. Wer Lust hat, zu experimentieren, muss viel Zeit mitbringen: Auf zehn Seiten können sich ambitionierte Filmer beispielsweise mit Zeitraffer, Serienbildern, Langzeitbelichtung, Loop-Aufnahme und Selbstauslöser austoben. Durch eine Bewegungserkennung lässt sich die Actioncam auch als Überwachungskamera einsetzen.

Die Video-Auflösungen (MP4):

– 3840 x 2160 30fps 16:9

– 3840 x2160 25fps SuperView

– 2880 x 2160 30fps 4:3

– 2704 x 2028 30fps 4:3

– 2704 x 1520 30fps SuperView

– 2704 x 1520 30fps 16:9

– 2560 x 1440 60/30fps 16:9

– 1920 x 1440 60/30fps 4:3

– 1920 x 1080 120/100/60/30

– 1920 x 1080 60/30fps SuperView

– 1280 x  960 120/60f/30fps 4:3

– 1280 x 720 240/200/120/60/30fps 16:9

– 1280 x 720 120/30fps SuperView / 1280*720 30fps SuperView

Andoer AN7000 – Fazit

Um den Preis zu drücken, hat Andoer auf einige Funktionen verzichtet, wie zum Beispiel einen Touchscreen, eine Fernbedienung oder ein externes Mikrofon. Die Actioncam kommt aber sehr gut ohne diese Features aus, denn das Gesamtkonzept ist stimmig und überzeugt letztlich auch durch das üppige Zubehör. Den Vergleich mit einer GoPro Hero4 oder Xiaomi Yi 2 muss die Andoer AN7000 nicht scheuen, denn sie liefert akzeptables 4K oder sehr gute FullHD Aufnahmen mit bis zu 120 fps. Der Preis von unter 120 Euro ist eine echte Kampfansage an die etablierte Konkurrenz.

Preisvergleich

ShopPreis 
EmpfehlungNur 130 EUR * 3-6 Tage – zollfrei
116 EUR * 
TomTop Erfahrung Bewertung147 EUR * 3-6 Tage – zollfrei

* Preise inkl. Versand und Zoll. Zwischenzeitliche Änderung der Preise, Rangfolge, Lieferzeit und -kosten möglich. Preise zuletzt aktualisiert am 17.10.2017

Schreibe einen Kommentar

Kommentar Updates
avatar
 
axel
Gast
axel

Schöner Bericht. Mich interessiert allerdings brennend, ob Andoer optischen Zoom anbietet. Bislang haben die Action cams nur Weitwinkel und keinen Zoom. Manchmal ist er aber wichtig ;-). Das kleinere Modell Andoer AN5000 soll 5X optischen Zoom und 170 Weitwinkelautoobjektiv besitzen, stimmt das???
Viele Grüße Axel

wpDiscuz