Jeder, der sich näher mit dem Kauf eines 3D-Druckers auseinandergesetzt hat, wird ihm schon einmal begegnet sein – dem Anet A8. Durch seinen günstigen Preis und dem auf dem ersten Blick guten Einsteigerpaket steht er auf den Bestsellerlisten ganz oben. Wir waren daher gespannt, ob Anet mit den für einen so niedrigen Preis nötigen Qualitätskompromissen trotzdem einen brauchbaren Drucker zusammengestellt hat. Ob der 3D-Drucker mit Kampfpreis ein empfehlenswertes Low-End-Gerät ist, erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

Anet A8

Hardware

Beim Anet A8 handelt es sich um einen Klon des beliebten und für seine Qualität bekannten Prusa i3. Die Qualität wurde aber leider beim Nachbau völlig vernachlässigt. Eigentlich sehen die Specs auf dem Papier gar nicht so schlecht aus: Standard 0,4mm-Düse, die Layerhöhen von 0,1 bis 0,3mm unterstützt, Kompatibilität mit den gängigen Materialien (PLA, ABS, sogar PP, Holz- und Nylonfilament) sowie den gewohnten Dateiformaten und Slicern. Einzig die fehlende USB-Druckfunktion (v.A. für OctoPrint), die kleine Druckfläche (220x220x240mm) und der Acrylrahmen unterscheiden auf den ersten Blick den Anet A8 von der teureren Konkurrenz, z.B. dem Creality3D CR-10.

In der Realität sieht man aber schnell, wie es Anet geschafft hat auf einen solchen Kampfpreis zu kommen. Fangen wir bei meiner Meinung nach den garvierendsten Problemen an: Der Stromversorgung und Elektronik.
Die Mängel ziehen sich hier im Grunde genommen vom Stromkabel bis zum Hot End, beginnen wir also ganz am Anfang. Das mitgelieferte EU-Kabel wird nicht etwa mit einem Kaltgerätestecker an den Drucker angeschlossen, sondern die Adern werden direkt am Netzteil angeschlossen – ohne zusätzliche Sicherung oder gar einen simplen An-/Ausschalter dazwischen. Das Netzteil an sich ist an der linken Außenseite des Geräts angebracht, jedoch ohne zusätzliches Gehäuse. Alle Kontakte werden nur von einer durchsichtigen Plastiklappe geschützt, bei 230V völlig unakzeptabel.

Anet A8 Netzteil

Auf der rechten Seite geht es mit der Hauptplatine ähnlich gruselig weiter. Auch hier wurden alle Kosten und Mühen gescheut – ähnlich wie beim Netzteil hat es nicht mal für ein Plastikgehäuse für ein paar Cent gereicht. Weiter geht es mit den Anschlüssen für Netzteil, Heated Bed und Hotend: Beim festschrauben der Kontakte der ersten Beiden drehten sich die Anschlüsse schon gefährlich mit. Wer hier nicht aufpasst riskiert direkt eine Beschädigung der Lötstellen. Auch die Klammern des Hot End-Steckers machen keinen besonders soliden Eindruck. Außerdem sucht man MOSFETs – Bauteile, die die Platine entlasten und vor Defekten schützen – vergeblich. Daher häufen sich auch Berichte über defekte Platinen und schmorende Druckbett-Anschlüsse. Wer den Anet A8 ernsthaft betreiben möchte, sollte definitiv über ein Upgrade nachdenken. Eine Anleitung findet sich hier, MOSFETs sind bei Amazon für ca. 9€ zu haben.

Anet A8 Platine #1
Zu den größeren Problemen kommt auch noch eine ganze Liste kleinerer Ärgernisse dazu. So hat, um eines davon herauszugreifen, Anet zu kurze Gewindestangen verbaut. Drei Zentimeter Material hätten die Z-Achse wesentlich stabiler gemacht und den Preis wahrscheinlich kaum erhöht. Zudem wurde der Rahmen komplett aus Plexiglas gefertigt, das auf Kurz oder Lang dazu neigt sich zu verzeihen. Bei diesem Preis kann man aber wohl auch keinen Aluminiumrahmen, wie etwa beim Creality CR-10 oder dem Anet E10, erwarten.

Anet A8 Gewindestangen
Was man dem Anet A8 zu Gute halten muss, ist sein unschlagbarer Preis. Man bekommt – auch mit allen Schwachstellen und Mängeln – einen vollständigen Drucker für unter 150€. Durch die hohen Verkaufszahlen hat sich eine aktive Community gebildet, die viele Anleitungen und Upgrades entwickelt hat. So kann man mit etwas Zeit aus dem Anet A8 doch noch einen mit gutem Gewissen verwendbaren Drucken machen, wenn dabei auch die beim Kauf gesparten Euros wieder draufgehen. Ob einem das der Aufwand für Upgrades und Zusammenbau wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Aufbau & Inbetriebnahme

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten, sowohl von anderen Herstellern als auch von Anet selbst, wird der A8 in Einzelteilen geliefert. Zwar findet sich auf der beiliegenden SD-Karte eine PDF-Anleitung, mit der ehrlich gesagt wohl selbst die Ingenieure bei Anet das Gerät nicht zusammenbauen könnten. Stattdessen haben wir uns an der offiziellen YouTube-Anleitung orientiert (hier Teil 1 und Teil 2). Die ist zwar detaillierter und anschaulicher gestaltet, hat aber auch ihre Schwächen. Im zweiten Teil wurde zum Beispiel einfach das Video falsch zusammengeschnitten, sodass man erst einige Minuten nach vorne springen muss, um an der richtigen Stelle weiterarbeiten zu können. Trotzdem hier ein (seltenes) Lob für Anet, alles in allem ersparte uns die Videoanleitung viel Frust beim Aufbau.

Anet A8 Lieferumfang

Hat man die Anfangsschwierigkeiten überwunden, geht der Aufbauspaß erst richtig los. Insbesondere die Schritte, bei denen Rahmenteile nötig sind, werdet ihr nicht in guter Erinnerung behalten. Da Anet voll und ganz auf das für einen 3D-Drucker eigentlich nicht besonders gut geeignete Acryl setzt, müsst ihr von allen Teilen erst die Schutzfolie mit den Fingern abziehen. Von den insgesamt circa 6 Stunden Bauzeit haben wir sicherlich 30 Minuten nur damit verbracht Klebereste vom Rahmen abzukratzen.
Leider bleibt der Acrylrahmen nicht die einzige Frustrationsquelle. Teilweise wurden Metallteile zusammengeschraubt ohne vorher Schutzfolien zu entfernen, sodass wir eigentlich schon vormontierte Teile erst wieder auseinanderlegen mussten, bevor wir sie einbauen konnten. Einen besonders nachlässigen Eindruck machte das bei den Teilen des Druckbetts.

Anet A8 Folie

Hier gingen die Probleme auch gleich weiter: Die sich erhitzende Aluplatte (Hot Bed), auf die später die Objekte aufgedruckt werden, muss mit vier langen Schrauben am Schlitten befestigt werden. Hier kommen auch noch vier Federn ins Spiel, die die Montage nochmals erschweren. Der eigentliche Schwachpunkt hier ist aber die Kombination aus schlechten Gewinden im Schlitten und den butterweichen Schrauben. So war es eigentlich auch vorauszusehen, dass sich die vierte von vier Schrauben verkantete und schlussendlich der Kopf der Schraube so zerstört war, dass wir sie nur mit einer Zange langsam wieder herausdrehen konnten.
Der weitere Aufbau verlief zum Glück doch relativ reibungslos, wenn auch hier weiter die Qualitätsschwierigkeiten offensichtlich wurden. Bei mechanischen Komponenten mag das zwar ärgerlich, aber noch akzeptabel sein, sobald es aber an die Elektronik geht, wird es schnell kritisch. Die Probleme des Netzteils und der Hauptplatine habe ich ja bereits ausführlich beschrieben.

Anet A8 Platine #2

Schlussendlich waren wir doch, nach langer Bauzeit, am Ende des Video-Tutorials angekommen und waren gespannt auf die ersten Lebenszeichen des Anet A8s. Obwohl wir es nach den Qualitätsschwierigkeiten, die wir schon beim Aufbau festgestellt hatten, eigentlich hätten ahnen sollen, gingen wir optimistisch an die Sache heran.
Als wir, um das Filament einzustecken, Druckbett und Hot End aufheizen wollten, machte letzteres plötzlich bei etwa 90 Grad Schluss. Beim nächsten Versuch tat sich an der Temperatur des Heizelements gar nichts mehr – entweder die Platine oder das Element selbst musste wohl Defekt sein. Da die Status-LED leuchtete und damit eigentlich auch Strom fließen müsste, entschieden wir uns dafür, ein Ersatz-Hot End zu bestellen. Nach dem Einbau funktionierte auch erstmal alles wie gedacht – bis das Hot End etwa 140 Grad erreichte. Zuerst fiel uns ein merkwürdiger Geruch auf, dann sahen wir schon dünnen Rauch aus dem Heat Block steigen. Wir zogen sofort den Stromstecker, um schlimmeres zu vermeiden. Hier nochmals der Hinweis: Man sollte generell 3D-Drucker nicht ohne Aufsicht betreiben, da viele Modelle keinen „doppelten Boden“ haben, der Überhitzen o.Ä. rechtzeitig erkennt und das Gerät ausschaltet. Wer trotzdem darauf angewiesen ist, sollte sich lieber in Richtung der Premiummarken (etwa MakerBot oder Ultimaker) oder der Industriegeräte orientieren.
Nichtsdestotrotz sollte es natürlich nicht vorkommen, dass Rauch aus dem Gerät steigt. Da wir nicht nur eines, sondern gleich zwei defekte Hot Ends hintereinander auf unseren Tisch bekommen haben, müssen wir wirklich stark an der Qualitätskontrolle selbst dieser wichtigen Teile zweifeln. Es ist natürlich möglich, dass wir einfach nur Pech hatten, unser Eindruck von den restlichen verbauten Komponenten lässt aber leider auf anderes schließen.

Anet A8

Dies bildet leider auch das Ende unseres Tests. Gerne hätten wir euch, trotz oder gerade wegen der Probleme, die wir mit dem Gerät hatten, gerne die Druckqualität gezeigt. Leider hat uns da das Hot End bzw. das Heizelement einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Selbst wenn die Druckqualität der des CR-10 in Nichts nachstehen sollte und wir zweimal hintereinander unglücklicherweise eines der wenigen defekten Hot Ends erwischt haben, ist der Anet A8 unserer Meinung nach wegen der mangelhaften Qualität wichtiger Bauteile keine Kaufempfehlung. Möchte man die dringendsten Schwachstellen beheben, kommen sicherlich nochmals Kosten von etwa 100€ auf den Kaufpreis hinzu, wodurch man schon nahe an den Creality3D Cr-10 Mini herankommt. Da dieser schnell einsatzbereit ist und eine größere Druckfläche vorzuweisen hat, empfehlen wir euch statt dem Anet A8 direkt dieses Gerät zu kaufen.

Fazit und Alternative

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Christian Amend:

Wie hoffentlich schon klargeworden ist, halten wir den Anet A8 nicht für eine gute Wahl – weder für Anfänger noch für Fortgeschrittene. Für Erstere dürfte der Aufbau und die Fehlersuche zur Herausforderung werden. Für letztere stimmt, selbst als Selbstbau-Basis, die Preis-Leistung nicht – es muss einfach noch zu viel investiert werden. Die schlechte Verarbeitung und der Pfusch bei der Elektronik sollten für jeden potentiellen Käufer ein Ausschlussgrund sein.
Solltet ihr weiterhin Interesse am Thema 3D-Druck haben, legen wir euch den Creality3D CR-10 ans Herz, den wir hier in der kompakten Mini-Version getestet haben. Hier müsst ihr zwar zunächst etwas mehr Geld in die Hand nehmen, bekommt aber ein zufriedenstellendes Gesamtpaket ohne ständigen Kampf gegen Produktmängel.

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