Das Blackview P2 Lite ist die abgespeckte Version des P2. Rein äußerlich gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen. Unter der Schale sieht das schon anders aus: Die Lite-Version muss mit weniger Arbeitsspeicher, Speicher und schwächerem Prozessor auskommen. Das macht sich vor allem bei der Leistung bemerkbar. Ob das eine Ersparnis von rund 30 Euro rechtfertigt, soll der Test zeigen.

Design und Verarbeitung

Es ist wie bei einem Blind Date: Der erste Eindruck zählt, manch einer spricht sogar von Liebe auf den ersten Blick. Nun ist das Äußere durchaus Geschmackssache, doch im Fall des Autors dieser Zeilen ist der Funke beim Anblick des P2 Lite nicht übergesprungen.

Das fängt schon damit an, dass nichts so recht zusammenpasst: Weißes Ladekabel, schwarzes Display, eine stahlblaue Rückseite und zu allem Übel noch eine Hülle in Lederoptik. „Matte Black“ wäre da sicherlich hübscher, alternativ gibt es noch „Mocha Grey“ und „Champagne Gold“.

Mit den Maßen 154 x 77 x 10.4 mm und einem Gewicht von 230 Gramm liegt das „Full-Metal-Body“-Phone gut in der Hand. An der Ober- und Unterseite ist Plastik verbaut, um die Antenne unterzubringen. Das schlanke Design lässt das P2 Lite nicht klobig wirken, die Verarbeitung ist hochwertig, große Spaltmaße sucht man vergeblich.

Die Kamera auf der Rückseite ist sauber integriert und ragt nur minimal heraus. Unter der Kamera liegt ein Fingerabdrucksensor, der zwar anstandslos und zügig seinen Dienst verrichtet (9 von 10 Versuchen erfolgreich), aber eher umständlich mit dem Zeigefinger zu erreichen ist bei dieser Telefongröße.

Die Tasten für „Ein“ und „Aus“ sowie „Laut und Leise“ befinden sich an der rechten Flanke des Metall-Rahmens. Links ist der Einschub für nanoSIM und microSD oder wahlweise zweimal nanoSIM. Über dem Display sind Hörmuschel, Frontkamera, Sensoren und eine Benachrichtigungs-LED untergebracht. Obenauf sitzt der Kopfhörer-Anschluss, an der Unterseite glänzt der Lautsprecher zwar durch Anwesenheit, nicht aber durch guten Klang.

Lieferumfang des Blackview P2 Lite

Das Blackview P2 Lite kommt in einer schlichten, weißen Box daher. Eine weder schöne, noch nützliche Folie pappt auf dem Display. Das ist aber zu verschmerzen, wenn man die ansonsten doch recht üppige Standard-Ausstattung betrachtet: Ladegerät (9V/2A), Datenkabel (USB-Typ-C), Anleitung, Lederhülle, Nadel für den SIM-Einschub, OTG-Kabel und Kopfhörer, die ihren Dienst erfüllen, jedoch keinen musikalischen Hochgenuss garantieren.

Akkulaufzeit

Aber, lassen wir für einen Moment die Optik außen vor; denn es kommt ja auf die inneren Werte an. Und davon hat das Blackview P2 Lite jede Menge – zumindest auf dem Papier. Der Hersteller verspricht einen stattlichen 6000 mAh-Akku und damit eine „unglaubliche Standby-Laufzeit“.

Im Test war genau das Gegenteil der Fall: Samstagmorgen vom Ladekabel gezogen, bis Montagmorgen nicht mehr angefasst – aus, Ende, Akku leer. Das mag einerseits an der Software liegen, vor allem aber daran, dass das P2 Lite tatsächlich nur rund 5000 mAh zur Verfügung hat, wie die Messung zeigte. Da hilft auch das vermeintlich clevere System nichts, dass durch (eher nervige) Hinweise versucht, im Hintergrund laufende Apps zu killen und dadurch Energie zu sparen.

Im Ausdauertest (PC Mark – Work battery life) ging dem Lite ebenfalls schnell die Puste aus. Nach 7:41 Stunden war Schicht im Schacht. Ein Wert, den gute Geräte schon mit 4000 mAh erreichen.

Der einzig positive Punkt in Sachen Akku ist die Ladedauer: Quick Charge arbeitete tadellos und pumpte den Energiespeicher in zwei Stunden wieder auf. Die Buchse ist ihrer Zeit schon voraus: Blackview hat einen USB-Anschluss Typ C verbaut, der höhere Datenraten erlaubt und nicht so schnell ausleiern. Nachteil: Wer sein ganzes Setup auf Micro-USB abgestimmt hat, sieht alt aus.

Ein nettes Extra ist die Lade- oder Datentransferfunktion via OTG. Per mitgeliefertem Kabel lässt sich ein anderes Telefon an die „Nabelschnur“ hängen.

Display

Am Display gibt es nichts auszusetzen. Mit 5,5″ Full-HD IPS, 1920 x 1080 und 2.5 D Glas unterscheidet sich das „P2 Lite“ nicht von seinem älteren Bruder, dem „P2“. Weil das Glas zu den Rändern hin gebogen ist, wirkt es schon fast „curved“. Das Display reagiert auf Eingaben schnell und registriert bis zu fünf Berührungspunkte gleichzeitig.

Das praktische Tool „Mira-Vision“ zum Nachjustieren fehlt, ist aber auch nicht wirklich notwendig. Denn die Farben sind satt, die Blickwinkelstabilität ordentlich und die Kontraste stark. Die minimale und maximale Helligkeit bewegen sich im akzeptablen Bereich, es dürfte in beide Richtungen einen Tick mehr sein.

Ob es sich um widerstandsfähiges Gorilla-Glas handelt, gibt der Hersteller nicht an. Von Haus aus ist eine dünne Displayschutzfolie aufgeklebt, die erstens: wenig schützt, und zweitens: billig aussieht und gleich zu Beginn des Tests weichen musste.

Leistung

In Sachen Rechenpower macht sich zum ersten Mal das „Lite“ deutlich bemerkbar. Statt eines MT6750T Octacore muss die abgespeckte Version mit einem MTK6753 (1.3 GHz) auskommen. Ebenfalls gespart hat Blackview am Arbeitsspeicher: 3 statt 4 GB RAM hat das P2 Lite mit in die Wiege gelegt bekommen. Der interne Speicher ist von 64 auf 32 GB geschrumpft.

Und diese Diät spürt man deutlich: Der Arbeitsspeicher arbeitet mit nur noch 2.8 GB/s, der interne Speicher hat eine Lese- und Schreibgeschwindigkeit von 91 bzw. 78 MB/s. Das ist selbst für ein Telefon im unteren Preisbereich mittelmäßig. Wem der Speicher zu klein ist, kann ihn mit einer SD-Karte um 128 GB aufstocken.

Während Geekbench bei P2 und P2 Lite nahezu die gleichen Werte ausspuckt, rauscht das Ergebnis bei Antutu-Benchmark von 45.000 auf 38.000 Punkte. Im Alltag, beim Surfen und Whats-Appen, ist das kaum zu spüren. Fordert man das Smartphone jedoch mehr, gönnt es sich schon mal eine Denkpause. Leistungshungrige Apps oder grafiklastige Spiele können zwar geöffnet und verwendet werden, jedoch nicht auf höchstem Niveau.

Android 7 Nougat

Es fällt schwer, für die Benutzeroberfläche des Blackview P2 Lite schmeichelhafte Worte zu finden. Nun gut, Android 7, das passt schonmal. Allerdings hat Blackview das System dermaßen verunstaltet, dass man schnell die Übersicht und Lust verliert. Den Löwenanteil zu dieser ungemütlichen Bedienung leistet der App-Drawer. Der nämlich punktet durch chronische Abwesenheit. Heißt: Alle Apps landen auf dem Homescreen und nicht in der Schublade. Wer Ordnung liebt, muss mühsam sortieren. Darüber trösten auch nicht die praktischen, aber nicht beleuchteten Soft-Touch-Buttons hinweg.

Vom ersten Start an sind die wichtigsten Google-Apps installiert, der Rest flattert über den PlayStore rein. Ansonsten läuft das System stabil und ist naturbelassen, sofern man davon noch reden kann. Das derzeit (Stand Mitte Mai) jüngste Sicherheitsupdate ist vom 13. April 2017.

Obendrein hat Blackview die Icons in Gold „verschönert“, dadurch wirkt alles dunkel und noch unübersichtlicher. Einziger Lichtblick im ansonsten dichten Android-Dickicht: Mit einem Doppeldruck auf den Centerbutton schrumpft das Display und es lässt sich bequem mit einem Daumen navigieren. Einhandmodus nennt sich das dann.

Kamera

Knackige Farben, scharfe Bilder: Die Kamera des Blackview P2 Lite kann bei guten Lichtverhältnissen durchaus punkten. Sie löst an der Rückseite mit 13 Megapixel aus und erzeugt, wenn das Motiv gut ausgeleuchtet und nah dran ist, gute Bilder. Fokus und Auslösezeit sind in Ordnung.

Doch sobald das Licht schwächer wird, offenbart sie ihre große Schwäche. Es rauscht, soweit das Auge reicht und die Bilder sind ein Fall für die Tonne. Der LED-Blitz ist da auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch mit seitlich einstrahlendem Licht kommt die Samsung-Kamera mit Blende 2.0 gar nicht zurecht und produziert Flares sowie Überbelichtung.

Die Frontkamera in aller Kürze: 8 Megapixel, leicht verwaschene Fotos, reicht für ein kurzes Skype-Telefonat oder das Selfie an den Liebsten/die Liebste.

Konnektivität und Kommunikation

Das Blackview P2 Lite ist ein Alleskönner, was die Frequenzen betrifft. 2G, 3G, 4G – alles kein Problem. Das Problem ist nur, dass es trotz seiner Fähigkeiten nicht wirklich zum Telefonieren taugt. Zwar waren die Empfangs-Balken in Stadt und Land (D-Netz) immer gut gefüllt, doch half das der Gesprächsqualität nicht wirklich auf die Sprünge. Mal verstand der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung kaum ein Wort, mal war die Übertragung unterirdisch leise. Ein anderes Mal klappte alles ohne Fehler. Möglich, dass es nur am Testgerät lag.

Deutlich mehr überzeugen konnte das GPS. Blitzschnell war die Position bestimmt, die Lokalisierung klappte anstandslos. Die Daten-Übertragung via Bluetooth funktionierte ebenfalls ohne Probleme. An Bord sind Licht-, Näherungs- und Beschleunigungssensor. Auf Kompass und Gyroskop muss man leider verzichten!

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Fazit und Alternative

70% Genial

Für einen Preis von derzeit (Stand Mai 2017) rund 130 Euro ist das Blackview P2 sicherlich keine schlechte Wahl. Aber: Es hat seine Macken. Die überraschend schlechte Akkulaufzeit, die Aussetzer beim Telefonieren und die misslungene Benutzeroberfläche fallen hierbei am schwersten ins Gewicht. Wer bereit ist, 50 Euro mehr zu investieren, bekommt beispielsweise mit dem Ulefone Power II oder dem Oukitel K6000 Plus einen Akkuriesen, der seinem Namen auch gerecht wird.

  • Verarbeitung und Design 90 %
  • Display 80 %
  • Betriebssystem und Performance 50 %
  • Kamera 60 %
  • Konnektivität und Kommunikation 70 %
  • Akkulaufzeit 70 %

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