„Ein Smartphone für 60€? Damit kann man doch nichts anfangen!“ Vor ein paar Jahren hätte diese Aussage wohl jeder zugestimmt. Zwischenzeitlich beginnen chinesische Hersteller dieses Dogma aber zu widerlegen. Seit 2006 gehört dazu unter anderem Bluboo, eine Firma, die trotz ihres Alters noch recht unbekannt ist. Bluboo konzentriert sich hauptsächlich auf den Low Budget Bereich, liefert hier aber solide Geräte ab, wie das hier getestete Bluboo D6. Das Smartphone bietet trotz des sehr geringen Preises von ungefähr 60€ einen Fingerabdruckscanner, 2GB RAM sowie 16GB ROM. Abstriche muss man dafür beim LTE und der Displayauflösung machen.

Verarbeitung und Design

Bluboo D6 Testbericht 1

Obwohl man es heute fast schon als ausgestorben bezeichnen kann, lässt sich beim Bluboo D6 die Rückseite abnehmen. Spätestens dann wird klar, dass sie nicht, wie auf der Herstellerhomepage behauptet, aus Metall, sondern aus Plastik besteht. Auch sonst flunkert Bluboo hier und da gerne einmal. So sind zum Beispiel auf den Produktbildern im Internet schöne, moderne, abgerundete Displayecken zu sehen, was das Handy aber schlicht nicht hat. Auch die Dualkamera, die mit 8 und 5 Megapixeln beworben wird, entpuppt sich als einfache 8 Megapixel Kamera und ragt einen knappen Millimeter aus dem Gehäuse. Durch die abnehmbare Rückseite knarzt das Handy, wenn man Druck darauf ausübt. Sonst gibt es an der Verarbeitung aber nichts auszusetzen. Die Druckpunkte der Tasten sind ebenfalls gut und das Handy liegt angenehm in der Hand. Trotz der mattierten Plastikrückseite hat das Smartphone mit 163g ein ordentliches Gewicht.
Auch bei den Maßen hat Bluboo wieder gelogen. Anstatt einer Dicke von 7.6mm, hat das Handy die Maße 146.5 x 72.1 x 9.1 mm. Dass es abgerundete Kanten hat und damit zur Mitte hin dicker wird, wurde einfach unterschlagen. Die Displayränder sind zwar nicht ganz so schmal, wie es die Produktbilder vermuten lassen, trotzdem ist es mit 5,4 Zoll (anstatt den angegebenen 5,5) das Display angenehm groß.

Bluboo D6 Testbericht 6Bluboo D6 Testbericht 7 Bluboo D6 Testbericht 8 Bluboo D6 Testbericht 5

Soft-Touch-Buttons, Benachrichtigungsleuchten, oder einen Dual-LED Blitz gibt es nicht, was sich im Preis widerspiegelt. Dafür haben wir einen Fingerabdrucksensor und Platz für eine Micro-SIM, eine Nano-SIM und eine Micro-SD Karte gleichzeitig.

passende MicroSDs auf

Der Lieferumfang bestehend aus einem transparenten Silicon Case, einer Displayschutzfolie, einem Ladekabel und einem EU-Stecker. Die Qualität ist durchweg gut, wobei der Stecker beim Laden sehr warm wird. Besonders gut gefallen hat mir die Folie, die sich ohne Probleme staubfrei aufbringen lässt und bei der man Luftblasen nicht zum Rand streichen muss, sondern einfach „durch die Folie“ ausdrücken kann.

Display

Bluboo D6 Testbericht 2

Das 5,5 Zoll IPS TFT Display ist wohl der Hauptgrund für den günstigen Preis. Denn eine Auflösung von 960 x 480 Pixel mit einer Pixeldichte von 195ppi ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Dafür orientiert sich Bluboo mit einem Seitenverhältnis von 18:9 am aktuellen Trend. Innen lässt sich das Display trotzdem erstaunlich gut ablesen und ist blickwinkelstabil. Draußen bei Sonnenlicht ist es jedoch hoffnungslos überfordert, was nicht zuletzt an der geringen Helligkeit liegt. Die Darstellung der Farben wirkt im Vergleich zu anderen Modellen auch ziemlich blass.

Laut Bluboo ist das Display mit einem 2,5D Glas geschützt, das recht gut in das Gehäuse eingepasst ist. Lediglich auf der rechten Seite sitzt es beim Testgerät etwas zu tief, woraus ein winziger Spalt resultiert. Da BOE als Zulieferer für viele namenhafte Hersteller bekannt ist, kann man davon ausgehen, dass das Glas durchaus gute Eigenschaften besitzt. Dies bestätigt auch ein Kratztest mit Messer und Schlüssel, der keine Spuren auf dem Display hinterlassen konnte. Der Touchscreen reagiert meist zuverlässig auf Eingaben, kann aber nur zwei Druckpunkte gleichzeitig erkennen, was für Smartphone-Einsteiger noch in Ordnung ist.

Leistung

Das Kernstück des D6 ist ein 1,3 GHz MediaTek MT6580 basierend auf 4 ARM Cortex-A7 Kernen mit einer ARM Mali-400 MP Grafikeinheit. Dieses Chipset wird gerne von den Low-Budget Herstellern gewählt und ist zum Beispiel auch im Blackview A30 verbaut. Der Arbeitsspeicher hat eine Kapazität von 2GB, der Hauptspeicher fasst 16GB, wovon aber nur ca. 10GB frei verfügbar sind.

Antutu Ergebnis Geekbench Multi Ergebnis Geekbench Single Ergebnis

Für alltägliche Aufgaben ist diese Ausstattung ausreichend. Nachrichten schreiben, Wechsel zwischen Apps und auch Scrollen funktionieren meist ohne viele Ruckler. Mit Multitasking und Apps, die mehr Rechenleistung benötigen, bringt man das System aber an seine Grenzen. Von einem Gerät für 60€ kann man aber auch nicht erwarten, dass man rechenintensive Spiele damit spielen kann.

Dluboo d6 Geekbench v4 3 0 compute Dluboo d6 Antutu v7 1 0 Dluboo d6 3D Mark

Die Benchmark Ergebnisse lassen sich mit denen des Blackview A30 vergleichen, wobei das Antutu Ergebnis knapp über, das Geekbench Ergebnis aber knapp unter dem des Konkurrenten liegt.

Android 8.1

Bluboo wählt als Betriebssystem Android 8.1 (Oreo). Viel gibt es dazu nicht zu sagen. Denn Besonderheiten konnte ich abgesehen von DuraSpeed keine feststellen. Diese Funktion schränkt Apps, die im Hintergrund laufen ein, um mehr Rechenleitung für die Vordergrund App bereitzustellen, was sich leider nur marginal bemerkbar macht.

Dluboo d6 Apps Dluboo d6 Leiste Dluboo d6 Malewarebytes Dluboo d6 Einstellungen

Erfreulicherweise ist keine Bloatware vorinstalliert. Lediglich die Standard Apps wie Rechner, UKW-Radio, Dateimanager,… und die Google Apps finden sich auf dem Telefon.

Zwar wurde Oreo inzwischen schon von Android 9 (Pie) abgelöst, angesichts der schwachen Hardware ist es aber eine gute Entscheidung nicht auf die aktuellste Version zu setzen.

Sollte sich wiedererwartend der Hardware und dem Bekanntheitsgrad von Bluboo eine Community bilden, die Custom-ROMs entwickelt, steht dem auch nichts im Weg. Der Bootloader lässt sich einfach in den Entwickleroptionen entsperren.

Kamera

Die Dualkamera des Bluboo D6 entpuppt sich im Test als normale, einfache 8MP Kamera mit einer f/2.0 Blende und einfachem LED Blitz. Der Hersteller wird an keiner Stelle genannt, es ist also davon auszugehen, dass auch an der Kamera gespart wurde. Das merkt man an den Bildern, die in keinem Fall wirklich klar dargestellt werden. Am besten meistert die Kamera noch Nahaufnahmen mit manuell gesetztem Fokus. Bilder, die weit in die Ferne reichen, sind unklar und blass. Auch bei verschieden hellen Bereichen klappt die Belichtung nicht mehr.

Der Versuch einer Bokeh Funktion wurde eher schlecht als recht umgesetzt – teilweise sind Teile, die in der scharfen Ebene liegen sollten, verschwommen und Teile, die verschwommen sein müssten, werden scharf dargestellt. Das ist wohl das Resultat einer Software, die den Bokeh Effekt mangels zweiter Linse softwareseitig errechnet.

Bei Nacht ist das D6 völlig überfordert. Entweder der Bildschirm bleibt schwarz, oder wenn es doch eine Lichtquelle in der Nähe gibt, ist diese zu hell und der Rest lässt sich nicht mehr erkennen.

Videos nimmt die Kamera in HD auf. Dies tut sie allerdings mit nicht einmal 20 FPS, was dann doch ganz unten auf der Messlatte liegt.

Positiv überraschen kann die Selfie Kamera. Sie bietet eine Auflösung von 5MP bei einer Blende von f2.8. Damit gelingen im Vergleich zur Hauptkamera sogar farbenfrohere und klarere Bilder, die auf jeden Fall für ein Profilbild oder ähnliches ausreichen.

Konnektivität und Kommunikation

Bluboo D6 Testbericht 10Leider unterstützt das D6 kein LTE sondern nur 3G mit den Bändern B1 und B8, sowie 2G mit B2, B3, B5 und B8, also alle nötigen Frequenzen. Solange man aber nicht in einem abgelegenen Dorf wohnt oder ständig 4K-Inhalte auf seinem Handy streamen möchte, lässt sich damit noch gut leben. Es gibt einen Micro-SIM und einen Nano-SIM Karten Schacht und zusätzlich kann man noch eine Micro-SD Karte (bis 32GB) nutzen, was ein großer Pluspunkt ist. Der Simkartenschacht ist leider so konstruiert, dass man die Karte nur mit Hilfe einer Nadel/Pinzette wieder entfernen kann.
Der Empfang ist gut, sowohl im Mobilfunknetz, als auch mit WLAN. Letzteres beherrscht nur die Übertragung mit 2,4GHz und nutzt laut Hersteller den Standard 802.11a/b/g/n.

Bluetooth Übertragung arbeitet mit 4.0 Standard tadellos über ca. 10 Meter. A-GPS und GPS arbeiten ebenfalls zuverlässig, wenn man von den zwei Minuten absieht, in denen die Verbindung aufgebaut wird und das Handy noch Entscheidungsschwierigkeiten hat, wo genau man sich denn jetzt befindet.

Sensoren sind im Bluboo D6 Mangelware. Allerdings ist das wichtigste vorhanden. So gibt es einen Näherungs-, Beschleunigungs- und einen Fingerabdrucksensor. Letzterer funktioniert leider nicht sehr zuverlässig. Fast jedes Mal braucht man zwei bis drei Versuche, bis der Finger erkannt wird. Bisweilen funktioniert er auch gar nicht und man muss auf Pin/Faceunlock zurückgreifen. Die Gesichtserkennung wird mit einem einzigen Foto eingerichtet und funktioniert über die Frontkamera, mit der angeblich 3000 Punkte im Gesicht ausgewertet werden. Aber mal ehrlich – Alleine an der Einrichtungsprozedur, die in 5 Sekunden erledigt ist, kann man erkennen, dass sie sich leicht überlisten lässt.

Die Gesprächsqualität beim Telefonieren ist gut. Der Lautsprecher zum Musikhören klingt allerdings sehr blechern. Der Aux-Ausgang bietet akzeptable Power und Klang, daran ist nur zu bemängeln, dass er ziemlich eng sitzt und es einiges an Kraft braucht, um Kopfhörer anzustecken. Das Mikrofon bietet ebenfalls gute Ergebnisse.

Akkuleistung

Bluboo D6 Testbericht 9Der Akku hat eine Kapazität von 2700mAh. Damit kommt man gut über den Tag. Wer nicht gerade alle 5 Minuten seine Nachrichten checkt, schafft es auch 2 Tage. Voll geladen ist der Akku in ungefähr 3 Stunden – mangels Quick-Charge eine durchschnittliche Zeit. Eine Stunde Youtube bei halber Helligkeit verschlingt 19 % Akku. Damit kommen wir auf eine Screen-On-Time von ungefähr 4 Stunden, womit man wirklich etwas anfangen kann. Ein Vorteil ist in jedem Fall, dass der Akku wechselbar ist.
%name

Fazit und Alternative

7b0527b80f61074535251c193165aaaa s131
Joscha Becking:

Wer wirklich nicht mehr Geld für ein Smartphone ausgeben kann/will, kann mit dem Bluboo D6 durchaus etwas anfangen. Ich war positiv überrascht, was so ein günstiges Gerät schon alles kann. In einer ähnlichen Preisklasse wäre das Blackview A30 eine Alternative. Hier bekommt man immerhin eine Auflösung von 1132 x 540 Pixeln und eine Notch, dafür aber keinen Fingerabdruckscanner. Beim Betriebssystem und der Hardware unterscheiden sich beide Geräte sonst kaum. Wer 30€ mehr investiert, bekommt ein Xiaomi Redmi 6a, was für den geringen Preisunterschied (aber 50% mehr!) einiges mehr an Leistung bietet. Trotzdem ist das D6 als Backuphandy oder als erstes Smartphone gut geeignet – Sollte es mal kaputt gehen, ist das verkraftbar und für WhatsApp, Telefonieren und gelegentlich etwas Surfen reicht es allemal.

60%
  • Design und Verarbeitung 70 %
  • Display 50 %
  • Leistung und System 60 %
  • Kamera 50 %
  • Konnektivität 70 %
  • Akku 60 %

Preisvergleich

Nur 51 EUR*
10-15 Tage - "direkte Lieferung" wählen
Zum Shop
70 EUR*
Prime-Versand innerhalb von 24 Stunden
Zum Shop
70 EUR*
10-15 Tage – Duty-Free shipping – zollfrei
Zum Shop
77 EUR*
10-15 Tage – Priority Direct Mail wählen - zollfrei
Zum Shop

*Preise inkl. Versand und Zoll. Zwischenzeitliche Änderung der Preise, Rangfolge, Lieferzeit und -kosten möglich. Preise zuletzt aktualisiert am 19.05.2019

Newsletter bestellen
Hol Dir die neuesten Infos zu Chinahandys und Gadgets direkt ins Postfach!
 
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei