Mit dem Chuwi Hi9 Pro präsentiert der chinesische Hersteller ein Tablet, das für seinen Preis von 120€ zumindest auf dem Datenblatt eine Menge zu bieten hat. Mit von der Partie sind neben einem 8,4 Zoll Display mit 2K-Auflösung ein 10-Kern Prozessor, 3/32GB Speicher und Dual-SIM LTE mit voller Netzabdeckung in Deutschland. Kann ein so günstiges Gerät wirklich so viel leisten? Im folgenden Testbericht werden wir dieser Frage nachgehen.

Design und Verarbeitung

Chuwi Design und Verarbeitung

Das Chuwi Hi9 Pro macht auf den ersten Blick einen ordentlichen Eindruck, der den günstigen Verkaufspreis nicht vermuten lässt. Bei den Materialien hat der Hersteller nicht gespart und dem Tablet einen Metallrahmen verpasst, der bündig mit dem abgerundeten 2.5D-Glas abschließt und oben und unten in zwei Antennenleisten aus Kunststoff übergeht. Das Metall sorgt für einen optisch als auch haptisch gelungenen Eindruck. Drückt und biegt man jedoch etwas an dem Tablet herum, merkt man, dass ohne größeren Kraftaufwand ein Spalt zwischen dem Displayglas und dem Rahmen entsteht. Klar, in der normalen Verwendung wird man sein Gerät kaum einem solchen Belastungstest unterziehen, aber dennoch wäre eine solidere Bauweise wünschenswert gewesen. Mit einer Breite von 8,5mm an der dünnsten und 9,3mm an der dicksten Stelle ist das Chuwi recht schlank. Allerdings gibt es recht breite Ränder um das Display, sodass das Tablet insgesamt 22cm lang und 13cm breit ist. Das Gewicht liegt mit 375g im mittleren Bereich. Für die Bedienung auf der Couch sind Maße und Gewicht aber sehr angenehm.

Chuwi Hi9 Pro 7Chuwi Hi9 Pro 5

In dem Rahmen des Tablets befinden sich auf der rechten Seite der Powerbutton und die Lautstärke-Regler. Die Buttons bestehen aus Metall und haben einen guten Druckpunkt. Zudem ist der Powerbutton in rot gefärbt und leicht geriffelt, was ein guter Akzent am ansonsten eher schlichten Design ist. Die Lautstärke-Regler sitzen allerdings etwas klapprig im Gehäuse.

Auf der Unterseite des Chuwi Hi9 Pro befindet sich ein Kopfhöreranschluss, ein USB Type C Anschluss und der SIM-Karten Einschub. In diesem finden wahlweise zwei Nano-SIMs oder eine SIM und eine Micro-SD zur Speichererweiterung Platz. Die Lautsprecheröffnung befindet sich auf der Rückseite. Eine Status-LED gibt es nicht.

Auf der Oberseite des Tablets befindet sich die Frontkamera und eine Ohrmuschel – Jawohl, eine Ohrmuschel. Es ist also möglich, mit diesem Gerät zu telefonieren. Auch wenn man dabei zwangsläufig verwunderte Blicke auf sich zieht.

Chuwi Hi9 Pro 3 Chuwi Hi9 Pro 16

Insgesamt ist die Verarbeitung des Chuwi Hi9 Pro seinem Preis entsprechend. Die verwendeten Materialien geben zwar den Anschein eines Premium-Gerätes, dieser hält einer genaueren Betrachtung allerdings nicht stand. Auf dem Schreibtisch macht sich das Gerät dennoch sehr gut.

Display

Chuwi Hi9 Pro 11

Das 8,4 Zoll große Display hat eine Auflösung von 2560 x 1600 Pixel, was für ein solch günstiges Gerät ziemlich beeindruckend ist. Die Pixeldichte von 360ppi sorgt dafür, dass mit dem bloßen Auge keine einzelnen Bildpunkte mehr sichtbar sind. Wer also Wert auf eine scharfe Darstellung legt, wird mit dem Chuwi Hi9 Pro sehr zufrieden sein. Ebooks, Youtube-Videos oder Zeitungsartikel kommen hier voll zur Geltung. Das verwendete IPS-Panel hat sehr natürliche Farben und durchschnittlich gute Kontraste. Die Farbwiedergabe kann im integrierten MiraVision Tool den eigenen Vorlieben angepasst werden. Ein Punkt, in dem das Display jedoch nicht wirklich überzeugen kann, ist die Helligkeit. Mit knapp 250 Lux ist das Tablet nicht gerade besonders leuchtstark. In Innenräumen ist dies zwar kein Problem, für die Verwendung im Sonnenlicht ist das Tablet aber schlichtweg nicht geeignet. Auch ist kein Helligkeitssensor zur automatischen Anpassung der Helligkeit vorhanden.

Der Touchscreen registriert bis zu 5 Berührungspunkte gleichzeitig und arbeitet sehr präzise. Erfreulicherweise ist das Tablet auch sehr reaktionsfreudig und man muss nicht, wie bei vielen anderen Billig-Tablets, einen stärkeren Druck zur Bedienung ausüben. Kratzfestes Glas wurde allerdings nicht verbaut. Wer das Tablet häufig in den Rucksack steckt, sollte daher über eine Schutzhülle oder Panzerglasfolie nachdenken. Beides gibt es zu günstigen Preisen auf Gearbest oder Aliexpress.

Leistung

Ein 10-Kern Prozessor! Das hört sich für Laien erstmal so vielversprechend an wie eine Kamera mit 20 Megapixel. Wer sich aber etwas mit Technik auskennt, weiß, dass technische Daten nicht alles sind. Aber kommen wir erst einmal zum Prozessor selbst.

Der Helio X20, bzw. MT6797, kommt mit gleich 10 Kernen und maximal 2,3 GHz. Der Deca-Core setzt sich aus 2 x Cortex A72 zu 2,3GHz, 4 x A53 zu 1,85GHz und 4 x A53 zu 1,4GHz zusammen. Die drei verschiedenen Cluster sollen für einen geringen Energieverbrauch bei leichten Aufgaben oder Standby sorgen, während das Leistungscluster für anspruchsvolle Apps hinzugeschaltet wird. Die Fertigung im etwas älteren 20nm Verfahren sorgt aber trotzdem dafür, dass der Chip nicht gerade besonders stromsparend ist. Die ARM Mali-T880 MP4 GPU taktet mit 780 MHz und sorgt dafür, dass auch moderne 3D-Games auf dem hochauflösenden Display flüssig wiedergegeben werden sollten.

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Soweit so gut. Das Problem ist nur, dass der Chip mit dem 2K-Display des Hi9 Pro schlichtweg überfordert ist. Die Systemperformance ist daher weniger phantastisch, als die hohe Kern- und Taktzahl es vermuten lässt. Damit soll zwar nicht gesagt sein, dass das Hi9 Pro lahm wie eine Schnecke ist, allerdings stottert das System schon bei recht einfachen Dingen wie dem Wechseln zwischen Homescreens. Auch beim Aufbau und Scrollen von Websites sind deutliche Rendering-Verzögerungen wahrnehmbar. Im Prinzip lässt sich zwar alles nutzen, aber es wirkt eher wie auf einem Mittelklasse-Handy von vor 3 Jahren. Was die Gaming-Performance angeht, können wir dem Chuwi zumindest bestätigen, dass es mit einfacheren 3D-Titeln wie Modern Combat oder Dead Trigger fertig wird. Bei aufwendigeren Games wie Asphalt 9 oder PUBG sollte man aber auf die geringste Detailstufe wechseln und wird auch dann noch den ein oder anderen Ruckler wahrnehmen. Leider verhindert Widevine L3 die Nutzung von Netflix und Amazon in HD, was bei einem Tablet schon sehr schade ist.

Gespart wurde offenbar auch beim internen Speicher. Dieser ist mit 60MB/s im Lesen und 23MB/s so langsam, dass wir uns ernsthaft fragen, ob Chuwi erfolgreich den billigsten Speicherchip auf Chinas großen Elektronikmärkten für das Tablet ausfindig gemacht hat. Der interne Speicher ist mit 32GB immerhin gut bemessen und kann auch durch eine Micro-SD erweitert werden. An Arbeitsspeicher stehen 3GB RAM zur Verfügung. Dies genügt für eine grundlegende Multitasking-Fähigkeit, sodass sich auch einige Apps im Zwischenspeicher lagern lassen.

System

Auf dem Chuwi Hi9 Pro kommt ein reines Android System der Version 8.0 zum Einsatz. Der Hersteller hat keinerlei Anpassungen vorgenommen und auch keine zusätzlichen Apps installiert. Lediglich DuraSpeed ist als Tool zur Kontrolle von Hintergrundprozessen integriert. Auf der einen Seite ist es schön, ein komplett sauberes System geboten zu bekommen, auf der anderen Seite wären ein paar Kleinigkeiten wie Einstellung für die Position der On-Screen-Buttons oder ein Lesemodus nicht verkehrt gewesen. Immerhin ein Multi-Windows Modus ist aber vorhanden.

Chuwi Hi9 Pro Android 8 3  Chuwi Hi9 Pro Android 8 5 Chuwi Hi9 Pro Android 8 2 Chuwi Hi9 Pro Website Chuwi Hi9 Pro Multiwindows

Chuwi Hi9 Pro Android 8 1

Das System arbeitete in der Testphase stets zuverlässig und es gab keine Abstürze oder Bugs zu beklagen. Auch der Google Playstore funktioniert problemlos. Updates bekommt das Tablet bequem über Wifi geliefert. Eine neue Android Version sollte man aber nicht erwarten.

Kamera

Die 8MP Rückkamera des Chuwi Hi9 Pro kann sich, wie eigentlich bei allen Tablets, nicht mit denjenigen von Smartphones messen. Allerdings sind die Bilder bei guten Lichtverhältnissen noch halbwegs brauchbar, was in diesem Preisbereich schon eher selten ist. Die Farbwiedergabe ist ausreichend, beim Hereinzoomen zeigt sich natürlich, dass nicht allzu viele Details vorhanden sind. Gleiches gilt für die 5 Megapixel Frontkamera. Auch hier ist der Einsatz eher Skype und Videotelefonie. Hierfür eignet sie sich aber gut.

Konnektivität

Chuwi Hi9 Pro GPSDas Chuwi Hi9 Pro hat einen Dual-SIM Slot. Zudem werden alle in Deutschland relevanten 3G und 4G Frequenzen unterstützt. Unsere SIM-Karte wurde problemlos erkannt und lieferte einen durchschnittlich starken Empfang, wie man es auch vom Smartphone kennt.

Die Gesprächsqualität des Hi9 Pro beim Telefonieren ist okay. Mit einem Handy kann sich das Tablet zwar nicht messen, da es der Stimme etwas an Volumen fehlt und Nebengeräusche direkt mitübertragen werden, für ein kurzes Telefonat ist die Qualität aber ausreichend.

 

Das integrierte Wifi-Modul unterstützt Dual-Band mit .ac-Standard. Hier muss man dem Hersteller also ein Lob aussprechen. Auch der Datendurchsatz und die Empfangsstärke sind gut. Gleiches gilt für das Bluetooth 4.1 Modul, welches zwar nicht gerade besonders neu ist, seinen Dienst aber trotzdem zuverlässig verrichtet.

An weiteren Sensoren sind ein Beschleunigungs-Sensor und ein Näherungssensor vorhanden. Ein Gyroskop oder einen E-Kompass gibt es nicht, was angesichts des Preises aber auch nicht verwunderlich ist. Dafür kann das Hi9 Pro aber mit GPS und einem FM-Radio punkten. Die Standortbestimmung funktioniert für ein Tablet recht gut. Als vollwertiges Navigationsgerät kann man das Hi9 Pro zwar nicht verwenden, aber um sich in der Stadt mal kurz zurechtzufinden, reicht das GPS-Signal aus.

Der interne Lautsprecher hat nur eine sehr kleine Öffnung. Der Klang ist trotzdem in Ordnung. Rudimentäre Bässe sind vorhanden und der Sound übersteuert auch nicht stark. Um ab und an ein Video zu schauen, genügt die Qualität. Positiv ist zudem der 3,5mm Kopfhörer-Anschluss, der einen sauberen Klang liefert.

Akkulaufzeit

Chuwi Hi9 Pro Battery LifeWie bereits erwähnt, zählt der Helio X20 nicht gerade zu den stromsparenden CPUs auf dem Markt. Es war insofern keine Überraschung, dass das Hi9 Pro nur eine durchschnittliche Akkulaufzeit erreicht. In Schnitt konnte über 3 Tage verteilt eine On-Screen-Time von knapp 3,5 Stunden erreicht werden. Über Nacht gehen etwa 10% des Akkus im Stand-by verloren, wenn man nur im Wifi ist. Mit eingelegter SIM-Karte sind es 15%. Nutzt man das Tablet über einen Tag verteilt sehr viel, kommt man auf 5 Stunden Nutzungsdauer mit leichten Anforderungen wie Facebook, Surfen und Lesen. Wer sein Tablet eher fürs Gaming benutzt, wird etwa 4 Stunden aus dem Akku herauskitzeln können. Dies alles sind keine Traumwerte, aber für den Alltag dennoch ausreichend. Vollgeladen ist das Hi9 Pro in 3,5 Stunden.

Fazit und Alternative

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Benjamin Kalt:

Das Chuwi Hi9 Pro liefert für seinen geringen Preis Vieles – Vieles jedoch auch nicht. Was man mit dem Tablet nicht bekommt, ist ein allround Gaming-taugliches Tablet mit schnellem System. Auch ist der Außeneinsatz aufgrund des recht dunklen Displays schwer bis unmöglich. Und auch hinsichtlich der Verarbeitung hätten wir uns etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht. Wo das Tablet aber punkten kann, ist der Einsatz von Multimedia sowie Surfen in Innenräumen. Hier kommt das schöne 2K-Display gut zum Einsatz. Multimedia-Genuss wird aber bei Neflix und Amazon durch Widevine L3 limitiert und ist damit nicht in HD Auflösung möglich.

Wer die Stärken und Schwächen des Tablets bedenkt, macht mit dem Kauf sicherlich nichts verkehrt. Im Prinzip eignet sich das Chuwi Hi9 Pro für alle, die nach einem Tablet fürs Lesen von Texten und Anschauen von Multimedia suchen und daher viel Wert auf ein hochauflösendes Display legen. Allerdings muss man auch bedenken, dass für einen Preis von 170€ bereits ein Xiaomi Mi Pad 4 im Angebot ergattert werden kann, das in den meisten Belangen doch eine ganze Menge mehr zu bieten hat.

70%
  • Design und Verarbeitung 70 %
  • Display 70 %
  • Leistung und System 60 %
  • Konnektivität und Kommunikation 90 %
  • Akkulaufzeit 60 %

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*Preise inkl. Versand und Zoll. Zwischenzeitliche Änderung der Preise, Rangfolge, Lieferzeit und -kosten möglich. Preise zuletzt aktualisiert am 17.11.2018

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