Die letzten Versuche von Doogee ein paar gute Smartphones auf dem Markt zu werfen, waren durchwachsen. Mit dem X70 soll nun wieder ein Low-Budget Smartphone erscheinen, das es in sich hat. Ob Doogee mit dem X70 die goldene Mitte trifft oder ob die 70€ noch zu hoch sind, erfahrt ihr im Test.

Design / Verarbeitung / Lieferumfang

Doogee X70 Display

Das Doogee X70 ist in punkto Design an das I-Phone X angelehnt. Hat aber ansonsten nicht viel mit dem Apple-Gerät gemeinsam. So hat das X70 beispielsweise einen Fingerabdrucksensor auf der Rückseite und das Gehäuse besteht aus Kunststoff und nicht aus Metall und Glas.
Doogee versucht, das der Oberklasse Smartphones vorbehaltene „Feature“ nun auch in den Low-Budget-Markt zu bringen, das X70 hat also eine Notch! Diese ist alles andere als schlank geraten. 3,3 cm bei einer maximalen Displaybreite von 5,9 cm ist ein ordentlicher Batzen. Die Sensorik, die Platz in der Notch findet, ist Standardkost. Da wären eine Selfie Kamera, sowie Licht und Näherungssensor. Natürlich ist auch ein Lautsprecher vorhanden. Eine Benachrichtigungs LED fehlt in jedweder Form, obwohl in der Notch wohl mehr als genug Platz dafür gewesen wäre.

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Der Fingerabdrucksensor ist zwar gut erreichbar, gleichzeitig aber auch nicht der präziseste oder schnellste. Eine Entsperrung dauert schon mal 2 Sekunden, bis der Hauptbildschirm zu sehen ist. Noch viel langsamer ist die Gesichtserkennung mit fast 4 Sekunden. Da ist es oft schneller, seinen Pin einzugeben oder die Linien zum Entsperren zu ziehen. Auf der Rückseite findet man natürlich die Dual-Fake Kamera. Sie befindet sich sehr weit außen oben Links und beherbergt in der Mitte einen einfachen LED Blitz. Auf der Rückseite ist ansonsten nur der Doogee Schriftzug zu finden. Positiv ist der verbaute 3,5 mm Klinkenanschluss an der Oberkante. Unten haben wir einen Monolautsprecher und ein hinter dem Lautsprechergitter verborgenes Mikrofon. In der Mitte befindet sich der Micro USB-Port.
Apropos Rückseite: Diese lässt sich abnehmen, was auf den ersten Blick gar nicht so ersichtlich ist. Der fehlende Simkarteneinschub an der Außenseite lässt es aber schon vermuten. Das X70 kann zwei Mikro-SIM-Karten verwalten oder eine Sim und eine MicroSD-Karte. Statt nebeneinander werden die beiden Karten untereinander eingesteckt. Der Akku lässt sich entnehmen, was auch notwendig ist, um eine SIM-Karte einzusetzen. Wieder verschlossen sitzt die Rückseite bombenfest an ihrem Platz.

Die allgemeine Verarbeitung des X70 ist zwar okay, allerdings sollte man Wasser in der Nähe tunlichst vermeiden. Grund hierfür ist die schlechte Abdichtung, die sich vor allem dadurch bemerkbar macht, dass man die Hintergrundbeleuchtung des Smartphones durch den USB-Port hindurchsehen kann. Abgesehen davon scheint das X70 ein solider kleiner Brocken (184,6 Gramm) zu sein, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Mit den Maßen von 144 x 68 x 11 mm liegt es gut in der Hand und lässt sich sogar ohne Schwierigkeiten einhändig bedienen.

ÜbrigensDas Erste Doogee X70 in unserem Test hat nach dem erstmaligen Entfernen des Akkus den Geist aufgegeben. Es ist einfach nicht mehr angegangen. Das Austauschgerät hatte dann einige Probleme mit dem Display, welche in der Kategorie auch beschrieben sind.

Lieferumfang

Doogee X70 8Doogee X70 7

An die Haustür kommt eine recht große schlichte schwarze Box mit allerlei Dreingaben. Die Aufschrift „Affordable and Durable“ sticht auf jedenfalls ins Auge. Letzteres kann man nicht so ohne weiteres unterschreiben.

  • Garantiekarte
  • Quickstart Guide (Multilingual
  • Netzteil (EU, 1A)
  • Mikro-USB auf USB-A Kabel (1 m)
  • Gummi Case (Bumper)
  • Schutzfolie
  • Mikrofasertuch
  • SIM-Stecker

Display

Doogee X70 2

Die Notch ist wohl eines der umstrittensten „Features“ der letzten Jahre. Meiner Erfahrung nach mag man sie oder eben nicht. Das Display ist mit 5,5 Zoll im 19:9 Format zwar recht groß, abzüglich der Notch bleiben aber nur noch 5,1 Zoll übrig. Zieht man noch die One-Screen-Buttons ab, schrumpft der Platz auf dem Display auf unter 5 Zoll zusammen. Und so fühlt es sich auch an.

Die Displayränder sind auch nicht besonders klein ausgefallen. Links und rechts hat man 5 mm Rand. Nach oben ohne Notch ebenfalls 5 mm, mit Notch 11 mm. Das größte Randstück ist jedoch mit 16 mm der Unterseite, in der sich auch ein Doogee-Schriftzug befindet.

Das Display hat eine Auflösung von 1132 x 540, was in einer Bildpunktdichte von 232ppi resultiert. Somit sind einzelne Pixel noch sichtbar und man bekommt kein „Retina-Feeling“ wie bei teureren Smartphones. Im Gegenteil, an den Rändern der Notch lassen sich richtige Treppen erkennen! Die Helligkeit geht in Ordnung und man kann bis zu einem bestimmten Grad auch bei Sonneneinstrahlung noch gut ablesen. Die minimale Helligkeit ist auch gut, hätte aber noch etwas dunkler ausfallen dürfen. Bei der Blickwinkelstabilität erhält man durchschnittliche Ergebnisse. Bei einem mittelmäßig flachen Winkel wird das Bild stark abgedunkelt. Von oben und unten bekommt das Display einen starken Braun-Stich. Die grundsätzliche Farbwiedergabe ist für ein IPS-LCD Display normal und hat einen leichten Blaustich. Diesem kann mit einer Bildanpassung in den Einstellungen etwas entgegengewirkt werden. Ein großes Farbspektakel darf man aber nicht erwarten.

Das Smartphone erkennt theoretisch fünf Finger, von denen aber nur zwei überhaupt brauchbar umgesetzt werden. Zudem gibt es bei unserem zweiten Testmodell tote/schlecht registrierte Punkte an den Rändern des Displays, an denen die Touch-Erkennung streikt. Zufällig befindet sich einer dieser Flecken genau auf dem Löschen-Button der Tastatur und ein weiterer unter dem Zurück-Button in den Einstellungen, was Texten quasi unmöglich macht. Überhaupt ist die Reaktionszeit des Touchpanels nicht die schnellste und man vertippt sich häufig, weil Eingaben nicht umgesetzt werden.

Performance

Doogee X70 6

Im X70 wird ein Low Budget Prozessor verbaut. Der MT6580 (ARM Cortex-A7) von Mediatek ist eigentlich kaum noch zumutbar. Dieser hat zwar vier Kerne, zwei im Leistungs- und zwei im Stromspar-cluster (1,3 Ghz und 0,6 Ghz), diese schwitzen aber schon, wenn sie Arbeit auch nur riechen. Selbst einfache Apps wie Telegram oder Whatsapp brauchen mehrere Sekunden bis diese geladen und alle Verläufe aktualisiert sind. Wenn man sie dann auch noch einige Minuten nicht benutzt, fliegen sie aus dem gerade mal 2 GB (1500 MB/s) großen RAM, der einfach viel zu klein bemessen ist. Das Laden geht zwar etwas schneller vonstatten, wenn die App einmal im RAM war, allerdings auch nur etwas. Auf Grafikseite steht dem Prozessor eine ebenso lahmende Mali-400 MP GPU zur Seite. Spiele laufen kaum bis gar nicht. Selbst einfachste 2D Spiele werden zu Qual, haben ewige Ladezeiten.

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Antutu Ergebnis Geekbench Multi Ergebnis Geekbench Single Ergebnis

Der interne Speicher ist mit 12 GB (96 MB/s write) so mager ausgestattet wie der Rest des Smartphones und bekleckert sich vor allem bei der Geschwindigkeit nicht mit Ruhm. Von diesen 12 GB bleiben immerhin 9 für den Eigenbedarf. Kleiner Trost, der Speicher lässt sich um bis zu 128 GB erweitern.

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Nutzungstechnisch hatte das X70 mal bessere und mal schlechtere Tage, wobei die schlechteren überwogen. Manchmal schien die CPU auf Hochtouren zu laufen und eine App öffnete sich überraschend schnell, beim nächsten Öffnen dauerte es dafür gefühlt doppelt so lang. Um es mal grob zusammen zu fassen, ich hatte noch nie ein so langsames Smartphone.
Tatsächlich wunderte mich, dass der Face-Unlock überhaupt genügend Rechenleistung zur Verfügung gestellt bekommt, um zwei Bilder abzugleichen.

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System – Android 8.1 Oreo

 

Doogee X70 5Das System, das auf Android 8.1 alias Oreo basiert, wurde kaum verändert. Die Symbole in den Einstellungen wurden durch eine farbenfrohe Variante ersetzt. Design-technisch ist man nicht weit weg von einem puren Android. Die Entscheidung hierzu ist erstmal löblich. Einige Anpassungen gibt es dann aber doch. Zum Beispiel ist DuraSpeed zu finden. Diese App soll die Leistung von Mediatek Prozessoren erhöhen, indem einer App immer die komplette Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hintergrundprozesse werden nach Möglichkeit gekappt und der RAM immer schnell geleert. Tatsächlich führt das aber zu einer schlechteren Performance, da Apps noch länger zum Laden brauchen und der Geschwindigkeitszuwachs in Apps nicht spürbar ist. Ins System integriert Doogee X70 Screnshot 4wurden auch eine Bildschirm-Aufzeichnung und ein QR-Code Scanner. Auch auffindbar war der Menüpunkt „Smart somatosensory“, was im Prinzip einer zusätzlichen Gestensteuerung entspricht. Funktioniert hat das Ganze eher mäßig und wenn stark zeitverzögert. Die Navigation durchs System ist keinesfalls flüssig und immer wieder werden auch falsche Eingaben erkannt, dann stockte der Scroll-Vorgang und schließlich landet man in einem Menü Unterpunkt, in den man gar nicht reinwollte. So richtig Spaß wollte bei der Bedienung des X70 also nicht aufkommen.

Die Gesichtsentsperrung ließ sich mit einem guten Foto vom Benutzer überlisten, war aber sowieso recht langsam, wodurch sie kaum Verwendung fand.

Custom ROMs

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt das der Bootloader in den Entwicklereinstellungen entsperrbar ist. Viel erwarten brauch man von der Funktion aber nicht. Das X70 hat nicht wirklich Custom ROM Qualitäten.

Kamera

Die Kamera ist vorhanden. Das trifft es wohl am ehesten. Wirklich brauchbar sind die Fotos des 8,3 MP Sensors meist nicht. Ab und an kann mal ein Schnappschuss gelingen, die meiste Zeit braucht man aber zwei bis drei Anläufe, bevor ein Foto vorzeigbar ist. Je geringer die Lichtausbeute desto schwieriger wird der Vorgang. Immerhin gibt es zu den Ecken und Rändern hin keine deutlich sichtbare Unschärfe. Wenigstens etwas.
Nach Bokeh braucht man denke ich gar nicht fragen. Die Dual-Kamera ist ein Fake und alle damit zusammenhängenden Features seitens der Kamera nur Augenwischerei. Die Selfie Kamera ist kaum besser ausgestattet. Mit einem 5,3 MP Sensor und ebenfalls einer f/2.8 Blende steht sie dem Hauptsensor allerdings in nicht so viel nach. Der Autofokus arbeitet im Rahmen seiner Möglichkeiten, ein beherztes Tippen auf den Bildschirm, um das gewünschte Objekt zu fokussieren, ist jedoch meist nicht vermeidbar.

Der HDR Modus bringt ungefähr gar nichts, ab und an schafft er es das Bild etwas aufzuhellen, meist aber in den falschen Situationen, wodurch die Aufnahme nur überbelichtet wirkt. Ein EIS (Elektronischer Bildstabilisator) ist zwar angeblich vorhanden, spürbar ist er bei den Aufnahmen nicht, egal ob Video oder Foto. Apropos Video. Aufnahmen sind in 30 FPS und maximal 1080p (Full HD) möglich, wobei das aufgenommene nicht im Ansatz wie High Definition wirkt. Kamera-technisch ist das X70 jedenfalls ein Griff ins Klo.

Konnektivität

Erstmal vor weg: 4G ist beim X70 nicht möglich. Der Empfang ins 3G Netz war weitestgehend in Ordnung. Da das Gehäuse aus Plastik ist, sollte es auch nicht anders sein. Die 2G Bänder sind ebenfalls alle vorhanden.

Im Standard Repertoire ist ein Dual Nano-SIM-Slot oder Platz für eine microSD-Karte und eine Nano-SIM-Karte. Ebenfalls mit dabei ist Bluetooth, allerdings nur in Version 4.0. Dementsprechend ist auch die Verbindung. Besonders weit ist diese nicht nutzbar. Wenn man 8 Meter erreicht, hat man einen guten Tag. Wände und Etagenunterschiede haben sich dabei kaum auf die Verbindung ausgewirkt.

Doogee X70 Screnshot 9W-LAN ist nur auf dem 2,4 GHz Band nach 802.11b/g/n möglich. Die Verbindung ist gut. Der Datendurchsatz ist eher nicht so, beziehungsweise schwankt dieser stark von gut bis schlecht.

GPS ist vorhanden, brauchte aber durch den langsamen Prozessor eine ganze Weile, um sich einzupendeln. Ganz ohne Fehler lief eine Navigation nicht ab, es gab mehrere Aussetzer, die sich aber immer wieder korrigierten. Angegeben ist A-GPS und GPS. Die Genauigkeit pendelte meist zwischen 5 und 8 Metern.

Bei der Sensorik bedient man sich aus der „bloß nicht zu viel“ Kiste. Das heißt vorhanden sind: Helligkeits- und Näherungssensor, sowie ein Beschleunigungssensor. Der Fingerabdrucksensor sei ebenfalls nochmal erwähnt.

Sound

Der 3,5 mm Klinkenanschluss ist mit von der Partie. Etwas was dieses X70 dem iPhone Xs voraus hat. Klanglich war dieser allerdings nicht berauschend. Ziemlich leise, selbst bei eigentlich sehr lauten Kopfhörern und Details blieben stark auf der Strecke. Selbst Bässe plätscherten oft nur so vor sich hin. In der Verbindung mit Bluetooth sieht das Ganze nicht viel besser aus. Auch hier schepperte es mehr als das es musizierte. Der Medienlautsprecher ist gleich dreimal nicht zu gebrauchen. Hier plärrt es schon bei halber Lautstärke. Höhen oder Tiefen, beides schrecklich, und sollte es Mitten geben, gehen sie im „Lärm“ unter. Da wird ganz schnell aus einem Orchester, ein Schulquartett mit drei Tagen Probezeit. So bitte nicht.
In Ordnung ist die Qualität der Ohrmuschel. Bei einem Telefonat hat der Gegenüber zwar keine klare Stimme, konnte aber gut verstanden werden. Selbes gilt für die eigene Stimme. Diese war zwar nicht „originalgetreu“ konnte aber zumindest ebenfalls gut verstanden werden.

Akkuleistung

Doogee X70 9

Immerhin ein Punkt in dem das X70 nicht komplett versagt. Der 4000 mAh Li-Ion Akku hielt ohne Probleme zwei Tage stand. Das ist nicht selbstverständlich, zieht doch der Prozessor und die GPU schon aufgrund des alten Fertigungsverfahrens mehr Energie aus den Zellen. Im Standby kann das X70 ohne Probleme eine Woche durchhalten, bis es geladen werden muss. Eine Ladung dauert, dank fehlendem Quick Charge (oder in der Mediatek Variante „Pump Express“) ca. 5 Stunden. Das Handy wurde dabei nicht merklich warm, das Netzteil hingegen schon! Die höchstmögliche Auflösung 480p schluckte bei einem YouTube Video ca. 12 Prozent bei halber Helligkeit in einer halben Stunde. Gerade so Durchschnitt. Vor allem mit Blick auf die geringe Auflösung.

Doogee X70 Screnshot 7 Doogee X70 Screnshot 13

Akkulaufzeit Ergebnis Einheit: Std

Fazit und Alternative

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Max Drechsel:

Vergesst am besten, dass es ein Doogee X70 überhaupt gibt. Die Alternativen zu einem ähnlichen Preis sind um Welten besser. Das X70 lässt sich kaum einer Zielgruppe überhaupt zusprechen. Es gibt quasi nichts außer dem ordentlich bemessenen Akku, was für das Super Low Budget Smartphone spricht. Als Alternative empfiehlt sich das Meizu M6T, wenn man ein paar Euro mehr investieren kann oder das Xiaomi Redmi 6a. Das Doogee X70 möchte ich auf jedenfall niemandem zumuten.

63%
  • Design und Verarbeitung 70 %
  • Display 60 %
  • Leistung und System 50 %
  • Kamera 55 %
  • Konnektivität 70 %
  • Akku 75 %

Preisvergleich

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