Fast alle großen Hersteller bringen jetzt ein Phone mit Notch heraus – „das müssen wir jetzt auch unbedingt tun. Koste es was es wolle“. Das ungefähr muss sich Homtom gedacht haben, als das Homtom H10 entwickelt wurde. Die sonstigen Merkmale des Gerätes entsprechen weitestgehend dem eines typischen Low-Budget-Gerätes. Der Mediatek-Prozessor MTK6750T und das HD-Display sprechen für diese Preisklasse. Ein interner 64GB Speicher und 4GB Arbeitsspeicher findet man jedoch auch in teureren Geräten. Die Auflösung der Kamera wird mit 16 + 2 MP angegeben. Was das Gerät mit dieser Hardwarekombination in der Praxis bringt, haben wir für euch getestet.

 

Design und Verarbeitung

Trotz 5,85 Zoll großem Display schafft es das Homtom H10 tatsächlich noch ausreichend kompakt zu sein. Die 74 x 152,6 x 7,8 mm lassen sich gut in einer Hand halten und auch bedienen. Mit 193 Gramm auf der Waage ist das Gewicht recht hoch, aber noch akzeptabel.

HomTom H10 Lieferumfang HomTom H10 Design 4 HomTom H10 Rückseite HomTom H10 Design 3

Designtechnisch dürfte jedem klar sein, welches Gerät hier das Vorbild war. Das ein oder andere Detail schaut sich ja auch gerne mal ein großer Hersteller von einem anderen ab. Das ist kein großes Geheimnis. Doch das Homtom H10 geht einige Schritte weiter und kann durchaus als freche Kopie des iPhone X bezeichnet werden. Die breite Notch, stark abgerundete Displayecken, die Dualcam mit Blitz in der Mitte und sogar der Schriftzugauf der Rückseite ist gleich. Es gibt nur kleine Unterschiede. So fällt der Rand unterhalb des Displays deutlich größer aus als beim iPhone und die Rückseite hat einen schönen Wellen-Effekt. Sieht man nun davon ab, dass es sich um einen Klon handelt, macht das Homtom H10 optisch einen guten Eindruck und ist ein echter Hingucker.

Soviel zum Eindruck nach dem ersten Blick. Sieht man sich das Smartphone etwas genauer an, fallen schnell deutliche Mängel in der Verarbeitung auf. Die Blende des Hybrid-Simkartenslots wackelt wie ein Dackelschwanz, gleiches gilt für Power- und Lautstärkebutton,  das Glas auf der Rückseite scheint unsauber aufgebracht zu sein und am Glasrand befinden sich Kleber-Reste. Zudem konnte ich beim Testgerät ein Spaltmaß zwischen dem weit herausstehenden Kameramodul und der Glasrückseite feststellen. Die Rückseite ist zudem keineswegs kratzfest. Im Testzeitraum bildeten sich bereits erste unschöne Furchen auf der Oberfläche. Anzumerken ist noch die Positionierung des Fingerabdruck-Scanners. Dieser ist gut erreichbar auf der linken Seite angebracht. Diese Position kennen wir noch aus dem Hause Sony. In der Praxis sorgt der Scanner häufig für Unmut. Nicht immer reagiert der Scanner. Wenn er funktioniert, wird das Gerät ausreichend schnell entsperrt. Eine alternative Enstsperrmethode liegt in der Gesichtserkennung, welche deutlich besser und zuverlässiger funktioniert. Bei Dunkelheit ist die Erkennung jedoch chancenlos und Sicherheit bietet der Face-Unlock keineswegs.

Alles in allem lässt sich die Verarbeitung mit dem Adjektiv „mangelhaft“ recht gut beschreiben. Das Design ist kopiert, aber schön.

Der offizielle Lieferumfang umfasst folgendes Zubehör:

  • eine englische Schnellstartanleitung
  • ein OTG Label
  • ein USB Type C Kabel
  • Type-C zu Klinke Adapter
  • einen Ladeadapter
  • Sim-Nadel
  • Silikonschutzhülle

Display

Das durch eine Notch „verzierte“ Display machte im Test einen durchwachsenen Eindruck. Die HD-Auflösung von 1440 x 720 Pixel führt zu einer – gerade noch – scharfen Darstellung und ist der Preiskategorie angemessen. Das führt zu einer Pixeldichte von 286 dpi. Etwas schwach erscheinen die Farben. Dass keine knackige Darstellung wie auf einem AMOLED-Display zu erwarten ist, dürfte klar sein, dennoch wirken die Farben eine Spur zu kraftlos. Selbst bei dem Preis könnte hier etwas mehr geboten werden. Viele Geräte lassen eine Konfiguration der Farbdarstellung zu. Nicht so das Homtom H10. Die Displayhelligkeit ist okay. Der Lux-Messer spuckt einen noch brauchbaren Wert von über 380 aus.HomTom H10 Hand

Der Touchscreen reagiert manchmal (gefühlt) etwas widerwillig. Eingaben wurden ab und zu ungenau erkannt. Vielleicht waren in den letzten Tagen bei 35 Grad Außentemperatur meine Finger etwas zu schwitzig, aber ein Touchscreen aus dem Jahre 2018 sollte das abkönnen. Zudem ich im gleichen Zeitraum auf anderen Smartphones keine derartigen Probleme hatte. Mit fünf maximalen Berührungspunkten unterstützt das Gerät immerhin Multitouch.

System

Wie schon das äußerliche Design kommt auch die Software in Apfelschale daher. Die Oberfläche erinnert stark an Apples iOS. Während Android 8 eigentlich auf runde Symbole umgestiegen ist, orientiert sich das Homtom H10 an den Apple-Icons mit einer quadratischen, an den Ecken abgerundeten und farbfreudigen Darstellung der App-Verknüpfungen. Auch bei dem Verzicht auf einen App-Drawer folgt man hier dem Vorbild. Die Einstellungen sind ungenügend übersetzt, einige Menüpunkte sind noch komplett auf Englisch. Das sollte Homtom eigentlich besser hinbekommen. Die Navigation durchs System geschieht durch On-Screen-Tasten.

Auch kleine Bugs haben sich in das System geschlichen. So lässt sich die Kamera-App zwar vom Sperrbildschirm aus starten, aber es wird nur das Framework angezeigt. Die Hauptfläche bleibt schwarz. Drückt man den Auslöser, wird dennoch ein Foto geschossen. Hinzu kommt, dass dieses anschließend auch bei einem normalen Start der Kamera-App auftritt. Auch bei Spielen kam es des Öfteren zu störenden Anzeigefehlern. Hier muss dringend durch Updates nachgesteuert werden! Leider gibt der Update-Server bei einer Abfrage nach aktuellen Updates eine Security-Exception zurück. Ob diese merkwürdige Fehlermeldung auch auftritt wenn tatsächlich Updates vorhanden sind, ist uns leider nicht bekannt. Das wäre ein weiteres No-Go. Immerhin kann man die aktuellsten Firmwares auch über die offizielle Homtom-Homepage herunterladen. Leider ist hier aber das H10 noch nicht gelistet.

Wenigstens für die Aktualität des Systems gibt es mit Android 8.1 einen Pluspunkt. Wenn mir auch ein gut umgesetztes Stock-Android 7 noch lieber gewesen wäre, als dieses Trauerspiel von Software. Als „besonderes“ Feature ist die Toolbox zu nennen, welche ein Lineal, Wasserwaage, Kompass und weitere Werkzeuge beinhaltet. Derartiges könnte jedoch auch einfach aus dem Playstore installiert werden. Zusatzsoftware ist auch die White-List-Option. In dieser lassen sich Apps auswählen, welche nicht im Hintergrund gekillt werden sollen. Sinnvoll ist diese Option für Messenger. Auch einen hauseigenen Power-Saving-Mode gibt es.

Homtom H10 System 3 Homtom H10 System 2 Homtom H10 System 1

Insgesamt konnte das System im Test nicht überzeugen. Derartige Bugs sollten einfach nicht in einem aktuellen Smartphone zu finden sein. Egal in welcher Preisklasse.

Leistung

Bei der Systemleistung wird das Homtom H10 den Erwartungen gerecht. Diese sind in der Low-Budget-Klasse selbstverständlich nicht besonders hoch. Zum Navigieren durch das System und für einfache Spiele reicht der Mediatek MTK6750T mit seinen acht Kernen aus. Vier der Kerne takten mit 1,5 GHz, die anderen mit 1 GHz. Den Speicher für aufwendige 3D-Games kann man sich hingegen sparen. Wer gerne mal eine Runde PUBG spielt, wird hier definitiv enttäuscht. Es gibt deutlich spürbare Ruckler und das Gerät wird teilweise sehr heiß bei starker Forderung der Hardware. Bis zu 48 Grad Celsius erkannte das Laserthermometer auf der Oberfläche. So kann man die Rückseite wenigstens noch als kleine Kochplatte nutzen.

Bei Antutu erzielt das Gerät knappe 57000 Punkte, was die Eindrücke aus dem praktischen Einsatz bestätigt. Der Speicher arbeitet nicht besonders schnell. Mit einer Schreibgeschwindigkeit von 112 MB/s und einer Lesegeschwindigkeit von 82 MB/s sollte man zurechtkommen. Das ist noch akzeptabel. Ähnliches gilt für den Arbeitsspeicher, welcher mit knapp 3,7 GB/s noch ausreichend schnell arbeitet. Das Laden von Games dauert zwar etwas länger, aber im Low-Budget-Bereich sollte das nicht überraschen.

Antutu Ergebnis Geekbench Multi Ergebnis 3D Mark Ergebnis

Homtom 10 A1 SD Bench Homtom H10 PCMark Homtom H10 3D Mark Homtom H10 Antutu

Kamera

Wie es sich für einen iPhone-Klon gehört, prangt auf der Rückseite des Homtom H10 selbstverständlich eine Dual-Cam. Diese löst mit 16 MP und 2 MP auf. Wie erahnt ist die zweite Linse einfach nur ein Design-Element, denn eine Funktion lässt sich hier nicht erkennen. Ob man die zweite Linse verdeckt oder nicht hat keinerlei Unterschied bei der Bildqualität. Witzigerweise hat sich Homtom nicht einmal die Mühe gemacht, einen Bokeh-Modus oder Ähnliches mit in die Kamera-Anwendung zu nehmen.

Nun aber zur Bildqualität der 16 MP-Linse. Hier wird nicht besonders viel geboten. Tagsüber können die Bilder einigermaßen überzeugen, wenn man den Preis des Gerätes im Hinterkopf behält, aber bei schlechten Lichtverhältnissen ist die Cam natürlich unbrauchbar. Tagsüber werden die Bilder für meinen Geschmack oft zu blass. Die Schärfe reicht aus für das Handy-Display. Dieses löst ja sowieso nur mit HD-Auflösung auf. Beim Hineinzoomen nimmt die Qualität schnell ab. Der HDR-Modus holt nochmal ein wenig mehr aus den Bildern, jedoch wirken sie dann auch häufig überbelichtet. Also kurz gesagt, wer Ansprüche an die Smartphone-Kamera hat, sollte die Finger vom Homtom H10 lassen, wer nur mal ab und zu einen Schnappschuss für Whatsapp machen will, dem sollte die Cam des Geräts reichen. Videos werden mit Full-HD Auflösung aufgenommen. Es gibt sogar einen aktivierbaren Bildstabilisator (EIS). Dieser macht sich jedoch nicht wirklich bemerkbar.

Auch die Frontkamera liefert keine Spitzenqualität. Sie löst mit 8 MP auf und reicht für Gelegenheits-Selfies, mehr aber definitiv nicht. Details verschwinden auf den Bildern.

Kommunikation und Konnektivität

HomTom H10 Netz EmpfangWie in fast allen Punkten liefert das Homtom H10 auch bei der Konnektivität einige Patzer. Im Test konnte das Gerät schlichtweg nicht mit meiner funktionstüchtigen Simkarte (ePlus) umgehen. Es wurde ein PIN abgefragt, aber keine Verbindung aufgebaut. Das Suchen nach Providern ist auch möglich, aber es erfolgt keine Einwahl. Mehrere Versuche auch mit wechsel des Slots, führten zu keinem postiven Ergebnis. Mit einer Telekom-Karte funktionierte das Ganze hingegen tadellos. Hier war auch eine gute Empfangsleistung vorhanden. Offiziell werden alle deutschen Frequenzen im 3G- und 4G-Bereich unterstützt. Darunter auch das Band 20. Der Speicher kann übrigens bei Verzicht auf Dual-SIM mit einer Micro-SD erweitert werden.

passende MicroSDs auf

Beim WLAN fällt der nächste Makel auf. Im Betrieb änderte das Gerät einfach mal seine MAC-Adresse bei Aktivierung des WLAN-Moduls. Zuhause nutze ich einen Router mit aktivierter Whitelist, d.h. einzelne Geräte müssen erst freigegeben werden. Das funktioniert über die MAC-Adresse. Da das H10 diese nun immer wieder ändert, muss man hier jedes Mal eine Freischaltung durchführen. Das ist einfach nur inakzeptabel, zudem eine MAC-Adresse eigentlich die physikalische Adresse eines Gerätes ist und sich somit nie ändern dürfte. Die meisten Nutzer dürfte dies nicht stören. Nur eben jene, welche die Whitlisting-Funktion des WLAN-Routers nutzen. Die WLAN-Empfangsstärke ist ausreichend.

Keine Probleme gab es bei den sonstigen Verbindungen. Bluetooth funktionierte tadellos. Auch die Navigation per GPS war gut möglich. Als kabelgebundene-Schnittstelle kommt USB-Typ-C zum Einsatz. Laut Hersteller kommt hier der USB 3.0 Standard zum Einsatz. In einem Low-Budget-Phone ist dies eigentlich nicht unüblich. Den schlechten Gesamteindruck zum Gerät kann das aber nicht wirklich verbessern. Einen AUX-Anschluss besitzt das Phone übrigens nicht. Ein USB-Typ-C auf AUX-Adapter lag nicht bei.

Sensorisch hingegen ist das Homtom H10 recht gut ausgestattet. Mit Beschleunigungs-, Licht- und Annäherungssensor, Kompass und sogar Gyroskop ist alles Notwendige an Bord.

Akku

Screenshot 20180811 103158Der angesprochene negative Gesamteindruck führt sich auch beim Akku fort. Dieser hat nicht besonders viel Puste. Eigentlich sollten 3500 mAh genug Kapazität für ein Gerät mit HD-Display und schwach getakteter CPU sein. Aber der PCMark Battery-Test zeigt schnell die Grenzen des Homtom H10 auf. Nach 5 Stunden war hier schon Schluss. Das ist ein schwacher Wert. Bei normaler Nutzung kommt man hier noch über den Tag. Beansprucht man das Phone jedoch etwas mehr, wird es schon sehr eng. Besser hingegen funktioniert Quick-Charge. Nach 40 Minuten sind 54% geladen. Von 0 auf 100 kommt man in guten 1,5 Stunden.

Akkulaufzeit Ergebnis Einheit: Std

Fazit und Alternative

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Michael Froschauer:

Zum Homtom H10 fällt mir eigentlich nur eines ein: „Katastrophe!“. Entweder das gelieferte Gerät ist eine Presale-Version und nicht das finale Produkt, oder Homtom hat einfach nur einen Müll zusammengeschraubt. Update: HomTom hat uns mitgeteilt, dass es sich bei unserem Gerät noch um eine Vorabversion handelt, wir werden den Testbericht aktualisieren, sobald wir die finale Version erhalten! Man verzeihe mir diese Ausdrucksweise, aber anders lässt es sich einfach nicht sagen. In absolut keiner Kategorie konnte das Smartphone überzeugen. Im Gegenteil, es gab überall Mängel, welche teilweise als schwerwiegend einzustufen sind. Angefangen bei der schlampigen Verarbeitung, über ein verbugtes System, bis hin zu starken Problemen beim Mobilfunk. Lediglich die Kamera und die Performance entsprachen einigermaßen der Preisklasse. In einer Vitrine macht es bestimmt was her, mit dem Hinweis „Schlechtestes Smartphone mit USB-Type-C 3.0“, oder man schenkt es einem schlechten Freund. Für wen diese beiden Optionen nicht in Frage kommen, sollte definitiv einen riesigen Bogen um das Homtom H10 machen. Alternativen gib es genug. In der Preiskategorie sollte man sich das Xiaomi Redmi 6, oder das Honor 7C ansehen. Wer gerne eine Notch hat, bekommt zudem mit dem Xiaomi Mi A2 Lite ein super Gerät.

53%
  • Design und Verarbeitung 60 %
  • Display 60 %
  • Leistung und System 50 %
  • Kamera 60 %
  • Konnektivität 40 %
  • Akku 50 %

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Enzio
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Enzio

Wie überlebt diese Firma? Bisher war praktisch jedes ihrer Smartphones Müll oder maximal unterdurchschnittlich. Ist mir ein Rätsel.

stas
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stas

Bester Hersteller am Markt !