Huami hat die beiden Mi Bands mitentwickelt und steht unter dem Markennamen „Xiaomi“, mit Apple zusammen an der Spitze der erfolgreichsten Wearables Hersteller. Seit der Vorstellung der Amazfit Smartwatch im letzten Sommer geht das Unternehmen, zumindest was den Markennamen angeht, jedoch eigene Wege. Auch die beliebte Mi Fit App wurde durch eine von Huami selbst entwickelte und bisher leider fast nur auf Chinesisch verfügbare App ersetzt. Dieses Jahr wurden außerdem zwei Nachfolger für das Mi Band vorgestellt, das in der Ausstattung vergleichbare Amazfit A 1603 und das mit Herzfrequenz- und Herzrhythmus-Sensoren ausgestattete Premium-Modell Amazfit Heart Rate Smartband. Wie sich das etwa viermal so teure Gerät gegen das beliebte Mi Band 2 schlägt, erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

Verarbeitung und Design

Das Gewicht des Amazfit Heart Rate Smartbands liegt etwas über dem des Mi Band 2, was beim Tragen am Handgelenk aber nicht weiter auffällt. Insgesamt sind uns in unserem Test keine großen Qualitätsunterschiede zwischen den beiden Wearables aufgefallen. Der Tragekomfort ist hoch und man hat nie das Gefühl, ein günstiges Gerät am Arm zu tragen. Je nach Bedarf kann die Länge des Bands in elf Stufen auf 160 bis 214 mm eingestellt werden. Mit einer Breite von 19 mm fällt es etwas breiter aus, als wir es vom Xiaomi-Modell gewohnt sind. Auch beim Amazfit ist es möglich, das Band bzw. die beiden Band-Teile auszuwechseln. Ersatzteile oder Zubehör in anderen Farben war jedoch zum Zeitpunkt dieses Tests nicht verfügbar.

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Das Steuerelement des Amazfits wird nicht wie bei den Xiaomi-Modellen von hinten in das Band hineingedrückt, sondern mit zwei Clips an den Bandhälften befestigt. Mit dem grauen Touch-Button am unteren Ende der Vorderseite können der Display-Inhalt durchgeschaltet und Messungen gestartet werden. Oberhalb davon befindet sich eine schwarze, spiegelnde Plastikfläche, hinter der sich das 0,42 Zoll große Display verbirgt. Der verbaute OLED-Bildschirm erleuchtet im Gegensatz zum vom Mi Band 2 gewohnten Hellblau in Weiß. Einziger Nachteil ist das starke Spiegeln und damit die schlechte Lesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung. An der Unterseite des Steuerelements sind zwei Sensoren für die Messung der Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität (HRV) angebracht. Durch den Wasser- und Staubschutz nach IP67 ist es problemlos möglich, das Band auch beim Duschen oder Händewaschen am Handgelenk zu tragen. Dauerndes Untertauchen beim Schwimmen wird vom Band mitunter nicht toleriert.

Lieferumfang des Huami Amazfit Heart Rate Smartband

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In der übersichtlich gestalteten Box befinden sich neben dem Band ein USB-Ladekabel, das durch Magnete zum Laden an der Unterseite des Smartbandes befestigt wird, sowie zwei chinesisch-sprachige Handbücher.

Bedienung

Das Band kann über die die App Amazfit Health konfiguriert und alle Daten ausgelesen werden. Am Gerät selbst dient der berührungsempfindliche Knopf zum Umschalten der Anzeige und Starten der Messung von Herzfrequenz und Puls.

Das Umschalten funktioniert genau wie beim Mi Band, das Amazfit reagiert jedoch merkbar langsamer. Es finden sich die bekannten Symbole für Schrittzahl, Distanz, Kalorienverbrauch und Akkustand wider, hinzugekommen ist eines für Herzfrequenz. Was auf der Uhr angezeigt werden soll, kann in den Einstellungen der Amazfit Health App konfiguriert werden. Neben der reinen Uhrzeit ist auch ein Layout mit Datum und Wochentag verfügbar. Ebenfalls kann eingestellt werden, dass das Display bei Anheben des Handgelenks angeschaltet und bei Drehen der Inhalt weitergeschaltet wird.

Amazfit Health App

Screenshot Tencent App Store 300x260Die offizielle App von Huami ist mit Android-Geräten ab Version 4.4 und iPhones ab iOS 8.0 kompatibel. Da ihr über den in der Anleitung aufgedruckten QR-Code erst den Tencent App Store installieren müsst, empfehlen wir euch die APK direkt von dessen Website (keine Anmeldung oder Installation des Stores nötig) herunterzuladen. Dazu müsst ihr nur auf den unteren grünen Button auf der rechten Seite des Bildschirms klicken, schon wird die APK auf euren Computer oder euer Telefon geladen. Leider ist die App aktuell nur teilweise auf Englisch verfügbar, es wird jedoch an einer vollständigen Übersetzung gearbeitet.

Nach dem Konfigurieren des Bands kommt man auf den Hauptbildschirm der App. Hier werden alle gesammelten Daten übersichtlich angezeigt. Unter dem 100-Punkte Gesamtscore finden sich die Herzfrequenzvariabilität (HRV), ein Gesundheitsindex eures Herz-Kreislauf-Systems, die Herzfrequenz, die Schrittzahl und die Schlafdaten. In einem weiteren Tab sind Sport- und Atemübungen integriert. In den Einstellungen können die eigenen Gesundheitsdaten mit anderen geteilt und die Werte von Benutzern, die einem den Zugriff erlaubt haben, angesehen werden. Auch Screen Unlock und die Weckfunktion (separat für das Band oder verknüpft mit dem Handywecker) können hier aktiviert werden.

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Funktionen

Messung der Herzfrequenzvariabilität (HRV)

Screenshot 7 169x300Eine der großen Neuerungen des Amazfit Heart Rate Smartbands ist die Messung der Herzfrequenzvariabilität. Die findet jedoch nicht dauerhaft statt, sondern muss manuell über die App oder den Button am Band gestartet werden. Erinnerungen können in den Einstellungen konfiguriert werden. Da die beiden Kontakte an der Unterseite des Bands auf der Haut aufliegen müssen, muss der Touch-Button während der Messung (ca. 60 Sekunden) gehalten werden. In der App wird anschließend ein Score auf einer Skala von 0 (schlecht) und 100 (sehr gut) und dessen Verlauf über die letzten 15 Tage angezeigt. Sollte einmal keine Messung durchgeführt worden sein, berechnet die App den Tageswert aus den vorliegenden Daten.

 

Herz-Kreislauf-System

Screenshot 8 169x300Die Amazfit Health App bietet außerdem an, einen Gesundheitsindex eures Herz-Kreislauf-Systems zu berechnen. Hierfür sind ebenfalls manuelle Messungen nötig. Es wird die gleiche Skala wie bei der HRV verwendet. Unter dem aktuellen Wert wird die Wahrscheinlichkeit in den nächsten zehn Jahren an Angiopathie zu erkranken angezeigt. Seit dem letzten Update der App ist es in China sogar möglich, diese Daten per WeChat an einen Arzt zu schicken und direkt eine Beratung zu bekommen.

 

Herzfrequenzmessung

Screenshot 9 169x300Anders als beim Mi Band wird der Puls des Trägers kontinuierlich durch das Band aufgezeichnet (mit Drittanbieter-Apps auch beim Mi-Band 2 möglich). Die Amazfit Health App zeigt den Tagesverlauf der Herzfrequenz an und hebt hohe Werte durch eine andere Farbgebung hervor. Sowohl Schlafphasen als auch körperliche Aktivität sind sofort zu erkennen. Zusätzlich wird der Ruhepuls in Schlägen pro Minuten und die bekannte 100-Punkte-Skala angezeigt.

 

 

Schrittzähler

Screenshot 10 169x300Diese Funktion dürfte für Nutzer des Mi Band 2 schon bekannt sein und unterscheidet sich auch nicht groß vom Xiaomi-Gerät. Leider werden die Schritte nur in Stundenblöcken (z.B. 9:00-10:00) angezeigt und nicht wie in der Mi Fit App in kürzere Phasen mit Angabe von Entfernung und verbrannten Kalorien unterteilt. Als Gimmick vergleicht die App die Entfernung noch mit, zumindest für Chinesen, bekannten Strecken wie der Länge des Bunds in Shanghai.

 

Überwachung der Schlafphasen

Auch hier sind wenige Unterschiede zur Mi Fit App feststellbar. Zwar ist die Darstellung etwas unterschiedlich, es werden aber die gleichen Daten geliefert. Einzige wirkliche Neuerung ist die 100-Punkte-Skala, die auch anderswo in der App zu finden ist. In unserem Vergleichstest mit dem Mi Band 2 maßen beide Geräte die gleiche Schlafdauer, bei der Aufteilung in Tiefschlaf und Leichtschlaf gab es jedoch Unterschiede. Während das Mi Band den Tiefschlaf mit 1:32h maß, gab das Amazfit 2:25h an, also fast 60% länger! Welcher Wert näher an der Realität liegt, konnten wir nicht überprüfen, es gibt aber offensichtlich große Unterschiede in der Messung.

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Benachrichtigungen

Das Amazfit Band unterstützt die Benachrichtigung bei Anrufen, SMS und App-Notifications. Diese zeigen jedoch nur das App-Symbol (soweit in der Firmware des Bandes vorhanden) und keinen Text an. Bei Anrufen kann hingegen die Anzeige von Name oder Telefonnummer aktiviert werden. Zum Zeitpunkt des Tests waren die vom Mi Band 2 bekannten 3rd-Party Apps nicht kompatibel und daher auch keine exaktere Konfiguration der Benachrichtigungen möglich.

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Akkulaufzeit

In unserem Test mit Standardeinstellungen und aktivierten Benachrichtigungen hielt das Band etwa 1,5 Wochen durch. Das Amazfit kommt damit zwar nicht an die von uns beim Mi Band 2 gemessenen 25 Tage heran, was aber durch die regelmäßige Pulsmessung nicht verwunderlich ist. Die Ladezeit des Akkus mit 95 mAh Kapazität beträgt etwa zwei Stunden.

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Fazit und Alternative

76% Genial

Das Huami Amazfit Heart Rate Smartband zielt klar auf Sportler und Anhänger der Quantified Self Bewegung ab. Wer eine dauerhafte Überwachung seiner Gesundheitsdaten sucht, ist bei diesem Gerät sehr gut aufgehoben. Die dazugehörige App bietet einen schnellen Überblick über alle Werte und gibt bei schlechten Daten Tipps, wie man diese verbessern kann. Leider steht eine vollständige Übersetzung noch aus. Wir werden den Testbericht ergänzen, sobald auch eine englische oder deutschsprachige zur Verfügung steht. Die Verarbeitung und der Tragekomfort lassen keine Wünsche offen. Für Nutzer, die auf die kontinuierliche Aufzeichnung ihrer Herzfrequenz verzichten können und mehr Wert auf anpassbare Benachrichtigungen legen, empfehlen wir weiterhin das Xiaomi Mi Band 2. Solltet Ihr jedoch zur Zielgruppe des Amazfit Bandes gehören, sprechen wir eine klare Kaufempfehlung aus.

  • Verarbeitung und Design 90 %
  • Funktionalität 80 %
  • Bedienung 70 %
  • Akkulaufzeit 70 %
  • Preis/Leistung 70 %

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Kommentar Updates
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Dirk
Gast
Dirk

Hallo, wie bekomme ich die App für iOS ?
Komme einfach nicht weiter.
Kann mir jemand weiter helfen?
Der QR Code funktioniert bei mir nicht.

Tom
Gast
Tom

Hm… klingt für mich nicht wirklich nach einem Upgrade. Klar, permanente Herzfrequenzmessung wäre schon cool beim Band 2, aber ansonsten fällt mir nichts auf, das den Preis rechtfertigt.

Pit
Gast
Pit

Der Name des Anrufers wird nun angezeigt

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