Huawei OakOS kommt – Was bedeutet das für den Nutzer?

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Huawei steht unter Zugzwang. Nach einem drastischen Wachstum in den letzten drei Jahren hat sich Huawei zu den Top-3 Herstellern neben Samsung und Apple hochgearbeitet – doch jetzt steht der ganze Erfolg in Frage. Auf den potentiellen Super-Gau „Google Bann“ reagiert der Hersteller nun mit einem eigenen Android-System, das den Namen OakOS tragen soll und schon August/September fertiggestellt sein soll. Im folgenden Artikel werfen wir einen Blick auf die Vor- und Nachteile, die ein eigenes Huawei-System für Nutzer mit sich bringen wird.

OakOS bleibt Android

Räumen wir gleich mal mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf. Huaweis neues Betriebssystem wird sich nicht von der Android-Basis verabschieden. Zwar könnte es sein, dass der Hersteller nicht mehr direkt mit Google kooperieren darf, allerdings steht ihm im Rahmen des Android Open Source Project (AOSP) weiterhin Zugriff auf das Grundgerüst von Android zu. Dies bedeutet, dass Huawei sein System quasi nicht mehr in Absprache und Zusammenarbeit mit Google entwickelt, aber immer noch auf die Google Software-Basis zugreift. Dies kann und wird Google Huawei auch nicht untersagen, da AOSP als quelloffene Software jedem zur Verfügung steht. Ein klassisches Beispiel für ein Gerät auf Android Open Source Basis sind die Amazon Fire Tablets. Auch hier gibt es keinen Google Playstore und das System sieht oberflächlich nicht nach Android aus, allerdings befindet sich durchaus Android unter der Haube.

App-Nutzung unter OakOS

Google Apps

Apps wie Google Maps, YouTube oder der Google Playstore gehören für uns im Westen fest zu jedem Android-Telefon. Es könnte allerdings sein, dass der Hersteller in Zukunft diese Apps nicht mehr auf seinen Geräten vorinstallieren darf. Dies bedeutet allerdings nicht, dass diese Apps nicht auf dem Gerät genutzt werden können. Prinzipiell ist jedes AOSP System auch mit den Google Apps kompatibel. Wer schonmal ein für den chinesischen Markt bestimmtes Smartphone gekauft hat, kennt das Procedere: Das Smartphone wird ohne Google Apps geliefert und man selbst installiert die Apps dann anhand einer Anleitung. Mal ist dieser Prozess kinderleicht, mal brauch man ein gewisses technisches Know-How.

Meizu M5 Google Installer (1)

Für zahlreiche China-Smartphones gibt es Google Playstore One-Click-Installer

Wie schwer die Google Apps auf OakOS gebracht werden können, kann man derzeit noch nicht beurteilen. Wir denken allerdings, dass Huawei sozusagen „die Pforten offenlassen“ wird, sodass eine Installation relativ einfach von der Hand geht. Schließlich hat der Hersteller selbst ja gar kein Interesse daran, dass seine Nutzer nicht auf die Google Software zugreifen können.

Zur Erläuterung zwei Beispiele: Der chinesische Hersteller Xiaomi hat auf den China-Versionen seiner Geräte natürlich keine Google Apps. Prinzipiell hat der Hersteller aber nichts dagegen, dass man die Google Apps auf sein Smartphone installiert. Die Installation vom Google Playstore und damit YouTube, Gmail und Co. ist daher kinderleicht (z.B. Anhand dieser Anleitung). Im Gegensatz dazu hat Amazon ein starkes Interesse daran, dass Käufer der Fire HD Tablets nicht auf die Google Apps zugreifen. Schließlich sind die Geräte an den Amazon App-Store angebunden und sollen so dem Hersteller auch nach dem Kauf weiterhin Geld bringen. Die Installation der Google Apps ist daher ziemlich schwierig und kann nur von versierten Nutzern vorgenommen werden.

Kurz und knapp: Von Werk aus wird es eventuell keine Google Apps auf Huaweis OakOS geben. Allerdings könnte es sehr gut sein, dass sich der Google Playstore und damit alle anderen Google Apps sehr einfach „nachinstallieren“ lassen.

Apps wie Facebook, Whatsapp, Instagramm etc.

Auch hier gab es in den letzten Tagen reichlich Click-Bait Artikel im Internet: „KEIN WHATSAPP MEHR AUF HUAWEI SMARTPHONES“ heißt es, sodass auch noch der letzte Huawei-Nutzer verunsichert den Artikel anklickt. In der Praxis ist diese Darstellung ebenfalls gänzlich übertrieben. Huawei wird es zwar möglicherweise verboten sein, die entsprechenden Apps auf seinen Handys vorzuinstallieren, allerdings spricht nichts gegen eine nachträgliche Installation. Huaweis OakOS Betriebssystem wird wie gesagt auf Android basieren und ist dementsprechend auch mit Android-Apps kompatibel.

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Am wahrscheinlichsten ist es, dass man sich die Apps Huaweis eigenen App-Store herunterladen kann. Sollte auch dies für den Hersteller verboten sein, kann man sich die Apps einfach über einen alternativen App-Store wie Aptoide mit wenigen Klicks auf das Handy installieren. Und schließlich gibt es noch die Alternative, sich die Apps einfach auf einer Seite wie APKpure herunterzuladen und zu installieren.

Unsere Einschätzung

Noch ist lange nicht klar, wie es mit Huawei weitergeht. Wir halten es für mindestens genauso wahrscheinlich, dass sich der Hersteller mit der US-Regierung einigt und alles weitergeht wie bisher. Sollte der Google-GAU jedoch eintreten, wird der Hersteller mit einem eigenen System auf Android-Basis weitermachen. Dies würde dazu führen, dass die Smartphones bei der Einrichtung dem Nutzer etwas mehr Arbeit abverlangen. Allerdings würden mit großer Sicherheit die Möglichkeit bestehen, die Google Apps „nachzurüsten“ und das Smartphone ohne größere Einschränkungen normal zu benutzen.

Was denkt Ihr, wäre ein eigenes Huawei-System eine Katastrophe oder vielleicht sogar die Basis für eine bessere Optimierung von Hard- und Software?
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Simon
Gast
Simon

Warum eigentlich OakOS? Alle anderen Medien berichten von ArkOS. Was stimmt nun?

mib2berlin
Mitglied
mib2berlin

Läuft das OSS Android eigentlich auf allen Systemen oder muss das an CPU/GPU etc. angepasst werden. Es gibt ja unzählige ROM für XIAOMI Geräte z.B. und das ist ein Riesen Aufwand.

Gruß, mib

juwie
Gast
juwie

Vor allem hoffe ich, dass Huawai den Boot loader öffnet; eine ‘vernünftiges’ Recovery-System installiert und es einfach macht, dass Linage und alle denkbaren anderen Systeme für die Geräte bereitgestellt werden können.

Mul lan
Gast
Mul lan

die Sollen ein eigenes System entwickeln und alle großen Chinesen wie Xiaomi,One plus, oppo und wie sie alle heißen mitnehmen … dann wird es auch was 😉 und dann gibt es auch für Google einen echten Konkurrenten … und viel wichtiger Trump werden seine grenzen aufgezeigt …

Eljoki
Gast
Eljoki

Interessanter Ansatz, aber schwer zu verwirklichen.. bis sowas durch und etabliert ist, ist Trump längst nicht mehr Präsident…

Peterle
Gast
Peterle

Ich hoffe sehr das Huawei demnächst das System als Alternative zu Android öffnet, auf Xiaomi und co. Und es auch auf die Kette bekommen für jeden schnelle Updates zu liefern. Google wird zunehmend unsympathisch. Wird mal Zeit denen als Konsument,einen Denkzettel zu verpassen.