Huawei P50 vorgestellt

Einst der Stern am Android Himmel, ist Huawei in den letzten Jahren tief und hart gefallen. Der US-Bann macht dem chinesischen Giganten das Leben schwer so schwer, dass man mittlerweile von einer führenden Position auf dem Markt weit entfernt ist. Dennoch gibt Huawei nicht auf – das zeigt die neue Huawei P50 Reihe. Mit dem Huawei P50 Pro (zur Ankündigung) hat man ein echtes Kamera-Flaggschiff vorgestellt, das trotzt der schwierigen Situation auf dem Papier brillieren kann. Doch das P50 Pro ist nicht das einzige neue Modell. Dazu gesellt sich der kleine Bruder, das Huawei P50. Was das Gerät so kann, schauen wir uns jetzt mal etwas genauer an.

Design und Display

Mit 156,6 x 73,8 x 7,92 Millimeter ist das Huawei P50 geringfügig kleiner als sein großer Bruder. Das spiegelt sich auch in dem etwas niedrigerem Gewicht von 181 Gramm wider. Beim Design entscheidet man sich mit der P50 Reihe für neue Wege. Besonders auffällig sind die zwei kreisrunden, gigantischen Kamerahügel, die die Rückseite des P50 zieren. In ihnen verbergen sich drei Kamerasensoren, auf die wir später noch genauer eingehen werden. Farblich spart sich Huawei die Ausflüge in wilde Farbkreationen und setzt auf die bewährten Klassiker: Schwarz, Weiß und Gold stehen für das P50 zur Wahl. Wie es sich für ein Flaggschiff gehört ist das Huawei P50 vor Wasser und Staub geschützt. Offiziell zertifiziert nach IP68 ist das Gerät laut Huawei aber nicht.

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Wie auch im P50 Pro spart Huawei sich für das P50 die Dual-Frontkamera, die wir aus dem Vorgänger kennen. Sehr erfreulich, denn einen wirklichen Mehrwert hatte der zweite Sensor nie. Für viele von euch dürfte das Wegfallen eines Curved Displays ebenso erfreulich sein.

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Grundsätzlich bleibt das Display des P50 leider dennoch hinter unseren Erwartungen an ein echtes Flaggschiff zurück. Das 6,5 Zoll große OLED Panel setzt auf eine Kombination aus hoher Auflösung von 2700 x 1228 Pixel und einer Bildwiederholungsrate von 90Hz. Hier finden wir die Prioritäten falsch gesetzt. Von der etwas höheren Pixeldichte gegenüber normalem Full HD wird kaum jemand profitieren, 120Hz Bildwiederholungsrate hätten dem P50 hingegen gut zu Gesicht gestanden. Immerhin bietet schon ein Redmi Note 10 Pro für 300€ diese Kombination. Als weiteres Feature liefert Huawei eine hohe Touch-Abtastrate von 300Hz, davon dürften vor allem Gamer profitieren.

Hardware des Huawei P50

Huawei P50 2Im Huawei P50 Pro werkelt entweder ein Kirin 9000 oder ein Snapdragon 888. Im normalen P50 hingegen gibts immer den Snapdragon 888. Darüber dürfte niemand traurig sein, denn immerhin liefert der SD888 auf dem Papier eine etwas höhere Leistung. Der verbaute Chip stellt die momentane Spitze in der Welt der Android Prozessoren dar. In Kombination mit einer Adreno 660 GPU zwingt das Huawei P50 so schnell nichts in die Knie. Egal welches Game, es wird flüssig auf dem Handy laufen. Das Gleiche gilt für Multitasking. Dank 8GB RAM können problemlos mehrere Apps parallel genutzt werden. Außerdem bringt das P50 beim Speicher ein echtes Alleinstellungsmerkmal mit, denn der 128 oder 256 GB große Festspeicher kann erweitert werden. Zwar ist dafür eine von Huaweis proprietären Nano-Memory Karten notwendig, aber immerhin. Besser als gar keine Speichererweiterung ist das allemal.

Software des Huawei P50

Wer sich auch nur etwas für die Technik-News interessiert, wird mitbekommen haben, dass Huawei keinen Zugriff mehr auf Android hat. Stattdessen kommen Huawei Smartphones mit einer hauseigenen Benutzeroberfläche namens HarmonyOS. HarmonyOS erinnert stark an das frühere EMUI, ist im Detail allerdings etwas moderner. Der große Nachteil an dem neuen Betriebssystem ist der fehlende Google Support. Beliebte Dienste wie Gmail, Google Maps oder Google Drive können auf Huawei Geräten nur über Umwege genutzt werden. Alle andere Android Apps können weiterhin installiert werden, solange sie auf Google unabhängigen Marktplätzen zu finden sind.

Kamera

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Seit jeher ist Huawei darauf bedacht seine Flaggschiffe mit besonders guten Kamerasetups von der Konkurrenz abzusetzen. Wir erinnern uns etwa an den damals revolutionären Night Mode des P30 Pro oder dessen oft kopierte Periskopkamera. Das P50 Pro scheint ohne solch eine Kamerarevolution zu kommen und auch das normale P50 lässt uns nicht vor Begeisterung aufspringen. Verbaut sind folgende Sensoren:

  • Hauptkamera: 50 MP, f/1.8, 23mm, 1/1.28″, 1.22µm, PDAF, Laser AF, OIS
  • Ultraweitwinkel: 13 MP, f/2.2, 13mm
  • Zoom: 12 MP, f/3.4, OIS
  • Selfie: 13 MP, f/2.4

Hauptkamera, Ultraweitwinkel und Selfiecam sind identisch zur Pro-Version,Huawei P50 3 ansonsten handelt es sich um andere Sensoren. Erstaunlicherweise spendiert Huawei dem P50 sogar einen 5x optischen Zoom. Der große Bruder schafft es hingegen nur auf 3,5x. Allerdings kommt das P50 Pro digital auf eine bis zu hundertfache Vergrößerung, während das normale P50 nur auf einen Zoom von 50x kommt. Den Schwarz-Weiß Sensor aus dem P50 Pro spart man sich für die normale Version. Damit macht Huawei unserer Meinung nach sinnvolle Abstriche. Ein dezidierter Sensor für Schwarz-Weiß Fotografie und einen 100x Zoom brauchen wahrlich nur Profis. Bei den restlichen Features hingegen dürfte sich die Bildqualität innerhalb der P50 Familie nicht unterscheiden.

Konnektivität und Akku

Eigentlich geht mit einem Snapdragon 888 zwingend 5G einher. 5G Komponenten dürfen aber nach dem US-Bann nicht mehr aus den USA an Huawei geliefert werden. Also kommt im Huawei P50 ein spezieller SD 888 zum Einsatz, der den neuen Mobilfunkstandard nicht unterstützt. Während das in China ein echter Dealbreaker sein dürfte, kann das den Meisten hierzulande herzlich egal sein. Insbesondere Vodafone und o2 haben eh kaum 5G Netz. LTE hingegen wird natürlich unterstützt. Mit dabei sind alle in Deutschland und der EU wichtigen Frequenzen:

  • 4G FDD LTE: Bands 1/2/3/4/5/7/8/12/17/18/19/20/26/28
  • 4G TDD LTE: Bands 34/38/39/40/41

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Ansonsten unterstützt das P50 Dual-Band WiFi 6, Bluetooth 5.2 und Ortung per GPS, Gallileo, Beidou, Glonass und QZSS. Einen NFC Chip hat das P50 auch, ohne Google Pay ist der allerdings seiner wichtigsten Fähigkeit beraubt. Widevine L1 fehlt ebenfalls und damit können Netflix, Amazon Prime Video und Co. nur in niedriger Qualität gestreamt werden. An Bluetooth Audio-Standards werden SBC, AAC und LDAC unterstützt, aptX fehlt leider. An Sensoren gibt es neben dem Standard für Näherung, Helligkeit und Beschleunigung noch einen E-Kompass, Gyroskop, Barometer, Infrarot-Sender und einen Hall-Sensor. Für die Wiedergabe von Sounds setzt Huawei auf ein Hybrid-Stereo Aufbau aus einem Lautsprecher an der Unterseite und der Ohrmuschel.

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Geladen werden kann das Huawei P50 nur kabelgebunden, dafür aber mit bis zu 66 Watt. Der verbaute Akku kommt auf eine Kapazität von 4100mAh, was an der unteren Grenze des wünschenswerten ist. Deutlich erfreulicher ist der USB-C Port, der USB 3.1 unterstützt. Dadurch ist etwa das Übertragen von Bild auf einen externen Monitor möglich.

Einschätzung und Preis

Insgesamt liefert Huawei mit dem P50 für uns ein mäßig gelungenes Flaggschiff. Klar, irgendwie muss sich das P50 vom P50 Pro abgrenzen, aber in dieser Weise? Das Wegbleiben von Schwarz-Weiß Kamera und 100x Zoom sind für uns vertretbare Entscheidungen, aber nur 90Hz Bildwiederholungsrate und kein kabelloses Laden, das ist schon schade. Ansonsten gilt für das P50 das, was nun für alle Huawei Geräte gilt: Kein Android und keine Google Dienste. Wir sind gespannt auf das P50 und vor allem darauf, wie es sich im Alltag vom P50 Pro unterscheidet.

Noch ist das P50 nicht in Huaweis Shop gelistet, das dürfte sich allerdings zeitnah ändern. Wann das Gerät international an den Start geht wissen wir noch nicht, das es kommen wird, ist allerdings von Huawei bestätigt. Preislich liegt das P50 in China bei umgerechnet 586 Euro. Ein stolzer Preis, dennoch weit unter dem, was etwa Samsung und inzwischen auch Xiaomi für seine Flaggschiffe als UVP ansetzt.

Quellen


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Holger Ruhnau
Gast
Holger Ruhnau (@guest_79782)
1 Monat her

Ich finde es sehr vorteilhaft, das dass P50 ohne Google auskommt. Das Böse soll draußen bleiben.

Paul
Gast
Paul (@guest_79851)
1 Monat her
Antwort an  Holger Ruhnau

dass das ;D

Medmedoc
Gast
medmedoc (@guest_79903)
1 Monat her
Antwort an  Holger Ruhnau

Aber kann man nicht einfach die Google-Apk von z.B. Chip.de downloaden und dann netsprechend mit anderen Google-Apps vorgehen?

jonas-andre
Autor
Team
Jonas Andre (@jonas-andre)
1 Monat her
Antwort an  medmedoc

Wenn das nur so einfach wäre. Hier ist unsere Anleitung für die aktuellen P50 Geräte: https://www.chinahandys.net/huawei-playstore-anleitung-googlefier/

beste Grüße

Jonas

Peter M
Gast
Peter M (@guest_79777)
1 Monat her

Ich finde das Handy super gelungen – vielleicht lässt sich nicht so einfach mit Pegasus knacken:) Mein Vertrauen in IOS ist auf jeden Fall dahin – ein Handy mit iMessage komplett zu übernehmen?

In Deutschland ist nicht mal LTE überall vorhanden, daher ohne 5G kann man gut leben. Und eine Alternative zu den US IT Systemen ist immer gut zu haben.