Lange wurde es erwartet, nun ist er da, der Anwärter auf den Thron der oberen Mittelklasse Smartphones. Meizu präsentiert das E3. Der Angriff gegen das Redmi Note 5 von Xiaomi beginnt und der Tjost dieser Smartphones wird etwas Besonderes, denn beide glänzen mit ihren Vorteilen im Sattel, bringen aber auch Nachteile mit sich. Wer den Schlagabtausch für sich entscheidet, ist bisher ungeklärt, wohl hauptsächlich mangels veröffentlichter Smartphones – aber egal.

Etwas teurer ruft Meizu das E3 aus, umgerechnet ungefähr 220 €, es soll dafür aber auch bessere Bilder knipsen. Bei der Akkukapazität wurde gespart, dennoch soll das E3 dem Redmi Note 5 in vielen Bereichen das Leben schwer machen oder zumindest eine Alternative bieten. Ob das Klappt und wie sich das E3 im Test schlägt, erfahrt Ihr in den folgenden Absätzen!

Design, Verarbeitung und Lieferumfang

Meizu E3 Display 3

Meizu ist bekannt dafür, bei der Verarbeitung sehr ordentlich abzuliefern. So ist das E3 ringsum top verarbeitet und man hat auf den ersten Blick eigentlich keinen Grund zur Beanstandung. Da man aber genauer und penibler wird, wenn der Preis und die Erwartung steigen, gibt es doch einen Grund zu meckern. Der Power Button hat quasi ein µ Spiel in der Fassung. Nichts Tragisches, Jammern auf hohem Niveau trifft es wohl besser, dennoch eine Ungereimtheit, die das sonst so perfekte Gesamtbild trübt. Zumindest bei dem vorliegenden Testgerät.

Kommen wir zu ein paar Rohdaten: 157 mm ist das E3 lang 74 mm breit und die Dicke beläuft sich auf extrem schlanke 6,5 mm. Die Erhöhung der Kamera macht nochmal 1,5 mm aus. Überwiegend sehr geringe Maße, die sogar etwas besser ausfallen als auf der Herstellerseite angegeben. Vermutlich zählt Meizu in der Breite die ebenfalls ca. 1 mm herausstehenden Tasten mit dazu. Die Handhabung des Smartphones ist erfreulich einfach. Das Metall-Unibody Gehäuse liegt sehr gut in der Hand. Das geringe Gewicht von 160 Gramm tut das Übrige. Zum Einsatz auf der Rückseite kommt leicht gebürstetes Aluminium. Das Material ist anfällig für schwitzende Finger, normale Fingerabdrücke werden hingegen recht gut kaschiert. An der oberen und unteren Kante der Rückseite haben wir die bekannten und bewährten Antennenstreifen aus Kunststoff. Oben rechts, hochkant ausgerichtet, findet sich die Dual-Kamera, welcher ein zweifarbiger LED-Blitz zur Seite gestellt wird.

Meizu E3 Design und Verarbeitung 4 Meizu E3 Design und Verarbeitung 3 Meizu E3 Design und Verarbeitung 2 Meizu E3 Design und Verarbeitung 1

An der rechten Flanke findet man beim M3 den Fingerabdrucksensor und den Power-Button. Für ersteren war kein Platz an der Front und die Rückseite wollte man wohl möglichst clean halten. Etwas unglücklich gewählt ist die Neigung des Sensors, diese ist etwas nach hinten ausgerichtet Meizu E3 Fingerabdrucksensorstatt parallel zur Flanke oder zum Nutzer hingerichtet zu sein. Erreichen ließ sich der Fingerabdrucksensor jedoch trotzdem leicht und entsperrte das Smartphone zuverlässig und schnell bei allen Versuchen. Auf der gegenüberliegenden Seite findet man noch die Lautstärke Tasten. Bewusst ist hier die Rede von Tasten denn lauter und leiser sind nicht via Wippe verbunden. Über der Taste zum Anheben der Lautstärke befindet sich das Simkarten-Tray. Dieses beherbergt wie üblich entweder zwei Nano-SIM-Karten oder eine Nano-SIM Karte und eine microSD-Karte (max. 256 GB). Einen Übergang von Tray zum Rahmen ist nicht spürbar.

Das Frontglas ist aalglatt. Das Gleiten mit dem Finger geht fast schon ohne Widerstand vonstatten. Eine Kehrseite gibt es dennoch. Wer die Angewohnheit besitzt, sein Smartphone auf der Frontseite abzulegen, sollte sichergehen, dass der Untergrund nicht abschüssig ist. Mir wäre das Gerät zweimal beinahe langsam vom Tisch gerutscht. Dafür ist auch die Front recht Fingerabdruck beständig. Zum Rand des Glases hin wird eine 2,5D Abrundung genutzt, die einen sehr weichen Übergang in den Metallrahmen schafft.

Etwas gewöhnungsbedürftig, aber keinesfalls schlecht, ist die Reduzierung von drei On-Screen Buttons auf eine einzelne Taste in der Mitte, die dafür kapazitive Eigenschaften besitzt. Sie reagiert also auf die Stärke des Drucks. Später mehr dazu.

Auf der Vorderseite befindet sich neben einem großen 6 Zoll Display im 18 : 9 Format auch der Lichtsensor und Näherungssensor. Die ebenso vorhandene Selfie Kamera wird dabei von einer „unsichtbaren“, leider nur weiß gehaltenen Benachrichtigungs-LED zur Linken flankiert. Unsichtbar übrigens deshalb, weil man die LED nicht sichtbar ist, bevor diese aufleuchtet.

An der oberen Kante des Rahmens findet man lediglich das zweite, geräuschunterdrückende Mikrofon, an der unteren Kante hingegen tummeln sich ein paar Öffnungen mehr. Neben gleich sechs Löchern für den Monolautsprecher, gibt es auch noch das Hauptmikrofon und einen modernen USB Type-C Anschluss. Selbst der gute alte 3,5 mm Klinkenanschluss ist mit von der Partie und rundet das Feature-Set ab.

Meizu hat ein optisch ansprechendes Smartphone kreiert. Der Grundriss ist zwar weiterhin an ein IPhone angelehnt, doch schafft es Meizu seine eigenen Akzente zu setzen die es auch vom Redmi Note 5 abhebt. Die Ausstattung ist gut und abgesehen vom wirklich kaum merklichen Spiel des Power-Buttons ist die Verarbeitung makellos. Das Zusammenspiel aus mattgoldener Rückseite und weißer Front gibt dem Ganzen einen zusätzlichen hochwertigen Touch.

Lieferumfang des Meizu E3

Während das Smartphone eine ordentliche Ausstattung besitzt, scheint man bei der Packungsbeilage etwas zu sparen. So erhält man weder eine erste Schutzhülle, noch eine Folie. Die Schachtel ist etwas größer als normal, jedoch recht schmucklos geraten.
Inhalte:

Meizu E3 Testbericht LieferumfangMeizu E3 Sim Empfang

  • Quick Start Guide (Chinesisch)
  • Quick Charge Netzteil Chinesisch (ohne EU Adapter, 2A)
  • USB auf USB Type-C Kabel
  • Stecknadel für SIM-Karten-Tray

 

Display

Meizu E3 Display 1 Meizu E3 Display 2

Weiter geht es mit einer Paradedisziplin des E3. Das Display misst, wie schon erwähnt, 6 Zoll und hat ein 18 : 9 Format. Die Auflösung beträgt 2160 x 1080 Pixel, das übliche Full HD+ Format mit entsprechenden 403 ppi. Einzelne Pixel sind somit nicht erkennbar und auch subjektiv wirkt das Gezeigte sehr knackig. Hinzu kommt, dass die seitlichen Außenränder mit gerade mal 2,5 mm zu Buche schlagen. Der Rand kann schon fast als Formsache beschrieben werden. Oben und unten bleiben ebenfalls gerade mal 13 mm Platz. Damit erreicht das E3 ein sehr gutes Screen to Body Verhältnis von 80 %. Abzüglich des Bereichs für die kapazitive Taste bleiben davon ca. 75 % bestehen.

Die Farben des Displays sind sehr kräftig und größtenteils akkurat, kommen aber mit einem leichten Blaustich. Bei Bedarf kann dieser jedoch reduziert werden. Dabei kommt nicht MiraVision zum Einsatz, sondern eine Lösung von Meizu. Die Farbtemperatur lässt sich damit nach Belieben anpassen und man hat gleichzeitig ein gutes Beispielbild vorgeblendet, auf dem sich die Auswirkungen noch vor dem Übernehmen der Einstellungen erkennen lassen. Das Display Meizu E3 PixelTestglänzt mit einer sehr guten Helligkeit, angegeben sind 450 cd/m². Selbst bei starker direkter Sonneneinstrahlung sind Inhalte noch sehr gut ablesbar. Bei schwacher Beleuchtung lässt sich das E3 auch sehr weit herunterregeln. Die adaptive Helligkeitsregelung nimmt einem dabei einen Großteil der Arbeit ab und passt die Helligkeitsstufen sehr zuverlässig an die Umgebung an. Die Abstufungen könnten aber etwas feiner sein.

Die Schwarzwerte sind sehr gut, wenn auch nicht so „unendlich“ wie bei einem AMOLED Display. Ebenso besticht der sehr gute Kontrast. Das IPS Display macht einen guten Job. Die Verteilung der Hintergrundbeleuchtung ist gelungen, denn beim Wort Lichthofbildung erhält man eine Fehlanzeige.
Wie schon erwähnt ist die Oberfläche angenehm gleitfähig, bei der Ablage auf dieser ist mit Bedacht zu handeln. Die 10 Berührungspunkte die das E3 erkennt werden schnell und präzise umgesetzt. Schnellschreiber und Klicker-Gamer haben sozusagen freie Hand.

Für Gravuren der eigenen Initialen in das Frontglas bedarf es mehr als einen Schraubendreher oder ein Messer, das Glas ist definitiv kratzfest, auch wenn nicht direkt mit Gorilla Glas geworben wird.
Ebenfalls mit an Bord sind Einstellungen, wie double tap to wake (Doppel tippen, um das Display aufzuwecken) oder Gestensteuerung über Buchstaben die auf das abgeschaltete Display gezeichnet werden, um eine App direkt aufzurufen.

Leistung

Xiaomi legte mit dem neuen Mittelklasse-Monster-Chip Snapdragon 636 im Redmi Note 5 vor und erreichte neue Spitzenwerte, die schon beinahe zu alten Flaggschiffen wie dem Snapdragon 835 aufschließen. Das moderne 14 nm Fertigungsverfahren ermöglicht dabei sogar eine effizientere Energieausbeute als bei den alten Top SOCs. Meizu spendiert dem E3 denselben Snapdragon 636 und erreicht dabei auch ähnliche Werte in den Benchmarks. Die Kryo 260 getaufte Architektur erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 1,8 GHz im Leistungscluster mit 4 Cortex A73 Kernen und 1,6 GHz im Stromsparcluster mit den genügsameren 4 Cortex A53 Kernen. Zur Seite steht dem Hauptprozessor eine Andero 509 GPU, die mit noch unbekannten Taktraten werkelt, ihre Arbeit aber definitiv hervorragend bewältigt.

Meizu E3 Antutu Meizu E3 Antutu HTML Meizu E3 Geekbench CPUMeizu E3 Geekbench GPU

Im direkten Vergleich der Benchmarks bleibt das E3 zwar ein paar Punkte hinter dem Redmi Note 5 zurück, der allgemein hervorragenden Performance tut dies jedoch keinen Abbruch. Apps werden ohne Verzögerung gestartet, die Navigation erfolgt ohne sichtbare Ruckler. Der 6 GB fassende LPDDRX RAM (5,1 GB/s) frisst offene Apps zum Frühstück und war nie ausgelastet und das, obwohl schon 3 GB vom System besetzt werden. Der Hauptspeicher (eMMC 5.1) steht mit 64 GB zur Verfügung. Abzüglich des Betriebssystems bleiben noch ca. 50 GB übrig, die nach Belieben genutzt werden können. Der Speicher erreicht Lese/Schreibraten von 260/236 MB/s. Damit übertrumpft das E3 sogar die Konkurrenz in Form des Redmi Note 5, wenn es um pure Zahlen geht.

Meizu E3 3D Mark Meizu E3 A1SD Bench

Spiele wie Asphalt 8 oder Nova 3 liegen dem E3 ebenso ohne Probleme wie dem Xiaomi-Spross, für den Alltag ist man mit einem derart performanten Chip sowieso mehr als gut ausgestattet.

Das E3 verliert ein paar Punkte in den Benchmarks und gewinnt diese beim Speicher wieder. Weder Meizu noch Xiaomi schenken sich bei der gebotenen Performance etwas. Beide stellen mehr als genug Power zur Verfügung, um Alltagsaufgaben ohne Wartezeiten zu erledigen. Selbst grafisch aufwendige Spiele werden flüssig wiedergegeben. Diese Runde geht also in ein klares unentschieden. Rein leistungstechnisch sticht keines der beiden Geräte hervor, beide rangieren jedoch auf einem sehr hohen Niveau.

Antutu Ergebnis Geekbench Multi Ergebnis Geekbench Single Ergebnis

System mit Flyme 6.3.2.1A auf Nougat (7.1.1) Basis

Meizu E3 System 1

Meizu verwendet auf dem E3 das Hauseigene Flyme OS auf Basis von Android 7.1.1 (alias Nougat). Der Sicherheitspatch der aktuellsten Version ist vom Februar 2018. Android 7.1 gehört Meizu E3 System 3sicher noch nicht zum Alteisen, ist aber auch nicht mehr taufrisch. Xiaomi macht es hier besser und liefert das Redmi Note 5 schon auf 8.1 Basis. Immerhin ist Flyme OS 7 für das E3 in den kommenden Monaten angekündigt, welches ebenfalls den Android 8.1 unterbau nutzt. Flyme OS selber bietet eine stark modifizierte Oberfläche nach MIUI Vorbild mit eignen App-Symbolen. So gibt es keinen App-Dawer (Übersichtsseite) und alle Apps finden auf der ersten Ebene ihren Platz. Zur besseren Verwaltung und Sortierbarkeit lassen sich per drag & drop Ordner anlegen. Auch wird das E3 ohne Google Play Store an die Haustür geliefert. Die grundsätzlichen Play-Features lassen sich im vorinstallierten chinesischen App-Store herunterladen. Der Play Store lässt sich anschließend via APK nachinstallieren, eigentlich kein Hexenwerk. Einen kurzen Guide zur Einrichtung findet ihr HIER!

Meizu E3 System 13

Drop down-Liste

Da das E3 ausschließlich für den chinesischen Markt gedacht ist, sind einige rein chinesische Standard-Apps vorinstalliert. Die meisten von Ihnen lassen sich vollständig deinstallieren. Die System-Apps bleiben jedoch bestehen und lassen sich auch nicht durch Deaktivierung aus der App-Übersicht entfernen. Etwas suspekt sind manche Berechtigungen, die einige Apps verlangen.

Meizu E3 System 6

System Apps

Eigentlich alle wollen Internetzugang, auch der Taschenrechner. Viele Fragen den Standort ab oder möchten dies zumindest in Zukunft tun und auch der Zugriff auf die Kontakte ist von mehr Apps gefordert als es logisch erscheint. Ohne diese Berechtigungen funktionieren die vom System gestellten Apps jedoch gar nicht. Des Weiteren gibt es nur eine geringe Auswahl an verfügbaren Sprachen. So stehen zwar verschiedenste Variationen von Chinesisch bereit, außerhalb des Reichs der Mitte ist man jedoch auf Englisch beschränkt. Etwas Abhilfe schafft hier die App „MoreLocals 2“ die versucht das System auch ohne Root-Rechte zu übersetzten. In den meisten Bereichen wie den Systembenachrichtigungen klappt das auch. Das Einstellungsmenü und die obere Taskleiste bleiben aber Englisch. Eine Anleitung wie Ihr „MoreLocals 2“ auf dem E3 installieren könnt, folgt zusammen mit der Einrichtungshilfe.

Abseits von sprachlichen Barrieren verhält sich Flyme OS aber sehr solide. Die Navigation kommt Meizu E3 Maleware 2 Meizu E3 Malware 2ohne Stocker aus und fühlt sich butterweich an. In den Einstellungen kann man unterdessen zwischen verschiedenen vorinstallierten „Themes“ wählen. Ein Theme-Shop steht online (chinesisch) zur Verfügung, der auch ohne sprachliche Kenntnisse eine schier endlose Anzahl an Möglichkeiten bietet, kostenlos versteht sich. Wer keinen Bock auf Flyme OS hat, kann aber auch ohne Probleme z. B. den Nova Launcher aus dem Play Store herunterladen und installieren. Malware oder Trojaner konnte ich übrigens nicht finden. Der Theme Launcher wurde zwar als „Riskware.Agent“ erkannt, ist aber unproblematisch. Als „Riskware“ werden alle nicht eindeutig im Archiv hinterlegten Elemente angezeigt. Vermutlich lößt Malewarebyetes Alarm aus weil der Theme-Launcher über wesentlich mehr Berechtigungen verfügt als normal notwendig sein sollte. Das System ist abseits von einigen doppelt belegten Apps clean.

Meizu E3 System 7Meizu E3 System 8Meizu E3 System 2

Ein Highlight des E3, das vor allem mit dem Flyme OS harmoniert, ist der kapazitive Button, der die On-Screen-Buttons ersetzt. Wie schon angeschnitten, reagiert dieser nicht nur auf die Berührung, sondern auch auf die Intensität, mit der diese Stattfindet. Eine einfache Berührung funktioniert wie die standardmäßige Zurück-Schaltfläche, ein stärkerer Druck bringt den User zurück auf den Startbildschirm. Starker Druck gehalten schaltet das Display aus. Die Wiederholung von starkem, weichem und wieder starkem Druck startet die Kamera. Dabei lassen sich die Funktionen teilweise selbst belegen. Lediglich die Grundeinstellung für „Zurück“ ist unveränderbar. Wer sein Display mit dem Power-Button ausschaltet, kann aber beispielsweise auch den Google Assistenten über eine der Eingabearten starten. Nach einigen Minuten(!) Eingewöhnungszeit ging die Navigation mit dem Button schon gut von der Hand und mir fehlten die drei On-Screen-Buttons kein bisschen.

WMeizu E3 System 20er aber gar nicht mit dem einzelnen Knopf auskommt, der kann in den Einstellungen auf die altbewährten On-Screen-Buttons umschalten, verliert aber die kapazitiven Eigenschaften des mittleren Buttons. Die Navigationsbar lässt sich jederzeit verbergen, bei Bedarf Festpinnen und nach der Nutzung wieder aus dem Bild wischen, sehr schön Meizu.

Wer noch mehr Platz zum Navigieren brauch, aber die „Full-Screen Gestures“ des Redmi Note 5 vermisst, bekommt von Meizu die „Smart-Touch“ Einstellungen. Der aus meiner Sicht ein nicht ganz so gelungene Ersatz. Smart-Touch erzeugt mitten auf dem Display einen kleinen Punkt, den man, wie einen Joystick, in alle Richtungen bewegen kann und damit bestimmte Aktionen auslöst. Der Button belegt jedoch einen, wenn auch kleinen, Teil des Bildschirms und überlagert damit darunterliegende Apps. Die Navigation mit dem Joystick-Punkt ist zwar recht ähnlich zu Xiaomis „Full-Screen Gestures“ aber nicht ganz so elegant umgesetzt.

Global ROM, China ROM, Custom ROM

Meizu E3 System 12

Nova-Launcher

Mit seinem Snapdragon 636 ist das E3 ein guter Kandidat für Custom ROMs. Die Fangemeinde von Meizu ist groß und für einen größeren Erfolg im europäischen Raum wäre eine Custom ROM sogar wünschenswert. Denn nicht jeder kann sich mit Meizus Hauseigenen Flyme OS anfreunden. Ein anderer Launcher (beziehbar aus dem Play Store) schafft erste Abhilfe, die ganze Bloatware und doppelt besetzten Apps bleiben jedoch auf dem Smartphone bestehen. Eine Global ROM wird es voraussichtlich nicht geben, da das E3 ausdrücklich nur für den chinesischen Markt erscheinen wird. Eine Chance, dass bei vielen Exporten in die EU ein Umdenken bei Meizu stattfindet, besteht zwar, ist aber nicht sehr hoch.

Wer das Meizu E3 aus China bestellt, hat bei den meisten Shops die Möglichkeit, das Smartphone mit einer modifizierten Custom-ROM zu bestellen. Dann hat das Smartphone von Werk aus den Google Playstore und die deutsche Sprache. Bei CECT-Shop besteht zum Beispiel diese Möglichkeit. Allerdings ist dies auch nur eine halbe Lösung, da die Smartphones mit chinesischen Custom-ROM keine Updates erhalten werden.

Andere Custom ROMs (z.B. von den XDA-Developers) gibt es bisher auch noch keine. Dies dürfte bei der Ausstattung des Smartphones aber nur eine Frage der Zeit sein. In Naher Zukunft wird es also vermutlich updatebare Custom-ROMs mit deutscher Sprache und Google Playstore geben – wenngleich nicht vom Hersteller selbst. Ein Entsperren des Bootloaders ist nicht ohne weiteres in den Entwicklereinstellungen möglich. Wie schwer es Meizu den Entwicklern macht, muss sich noch zeigen. Sobald die ersten Custom ROMs verfügbar sind, wird es einen Guide auf Chinahandys.net geben, der euch hilft das E3 zu flashen.

Kamera

Eines vor weg: Die Bilder die das E3 erstellt sind klasse, stehen dem Redmi Note 5 kaum nach und übertreffen selbiges sogar in einigen Bereichen. Gerade die Bokeh Aufnahmen wirken in manchen Situationen besser umgesetzt.
Aber langsam. Das E3 ist auf der Rückseite mit einer Dual-Kamera ausgestattet. Ein Sony IMX 362 Sensor mit 12 MP und einer f/1.9 Blende bilden den Hauptsensor. Schaltet man auf Dual um, werden die Bilder um die Tiefeninformation des zweiten Sensors ergänzt. Dabei handelt es sich um den Sony-Sensor IMX 350 mit 20 MP und einer f/2,6 Blende.

Ohne Frage: Die Bilder bei Tageslicht sind einfach toll, die Farben sind neutral, die Schärfe hoch und Details werden ordentlich abgebildet. Einen wirklichen unterschied zu Flaggschiffen wird erst beim Hereinzoomen der Bilder sichtbar. Dabei soll auch 1,8 Facher Zoom ohne Qualitätsverlust möglich sein. Einen Eindruck davon könnt ihr euch in der Bildergalerie machen.

Bei starkem Gegenlicht kommt es zu einem Verwaschen der Details. Einen OIS (optischer Bildstabilisator) gibt es zwar nicht, EIS (elektronischer Bildstabilisator) ist jedoch mit von der Partie und vollführt sein Werk sehr zufriedenstellend. Auch Video Aufnahmen in 4K und Full HD gelingen damit. Xiaomi bietet mit dem Redmi Note 5 aber das ruhigere Bild. In den Kamera Einstellungen bietet sich noch die Möglichkeit einen Profi-Modus anzuwenden, in dem Einstellungen wie Belichtungszeit oder Fokus in der eigenen Hand liegen. Videoaufnahmen sind außerdem in Zeitlupe und Zeitraffer möglich. Ersteres schaltet dafür auf 720p um und ist auf eine Minute beschränkt. Zeitraffer Aufnahmen laufen in Full HD und sind 0,5 Sekunden lang möglich.

Absolute Nachtaufnahmen führen zu starkem Bildrauschen und werden wesentlich unschärfer. Aufnahmen bei wenig Licht, zum Beispiel während der Dämmerung, gelingen jedoch noch recht gut, auch wenn sich hier ebenfalls schon Bildrauschen zeigt. Der Bokeh-Effekt benötigt gute Lichtverhältnisse und ist schon bei schwacher Lichtausbeute nicht mehr zu gebrauchen.
HDR ist ebenfalls vorhanden und sorgt für eine bessere Dynamik und optische Verbesserung gerade bei schlechteren Lichtverhältnissen. HDR und Bokeh sind nicht gleichzeitig nutzbar.

Die Frontkamera stellt ein unbekannter Sensor mit 8MP. Die Qualität geht dabei in Ordnung. Für ein paar Erinnerungsfotos ist sie allemal zu gebrauchen, solange die Lichtausbeute im Rahmen ist. Der Beauty-Mode hingegen war für mich viel zu aufgesetzt – Aliens lassen auf Stufe 5 grüßen – das hätte man schöner machen können.

Schwierig ist die Frage, wer die Kamera Krone erhält. Beide Kontrahenten knipsen hervorragende Bilder in dieser Preisklasse. Viel Luft zu den Flaggschiffen ist bald nicht mehr vorhanden. Ein OIS und etwas bessere Details würden für mich den nächsten logischen Schritt darstellen.

Ich persönlich würde Meizus E3 eine Krone gönnen, tatsächlich ist es eine Frage des Geschmackes. Beide Firmen könnten mit Software Updates die Qualität der Kamera verbessern, wahrscheinlicher ist das allerdings eher bei Xiaomi. Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Meizu für das E3 einen gewissen höheren Preispunkt anstrebt, als Xiaomi mit dem Redmi Note 5. Der Aufpreis beträgt ca. 30 €, wenn das Redmi Note 5 im Angebot ist, dafür erhält man die aus meiner Sicht schöneren Fotos und die bessere Bokeh Umsetzung. Über längere Zeit wird sich zeigen, wer die Nase vorn behält.

Vergleichsbilder RN5 vs. OP3 vs. E3

Hier sind sie nun die Vergleichsbilder zwischen dem Redmi Note 5 (immer links) und dem E3 (immer rechts). Zusätzlich habe ich mir die Freiheit herausgenommen ein altes Flaggschiff in Gestalt des Oneplus 3 (wenn vorhanden immer mitte) hinzuzuziehen. Um auch einen Vergleich in die Oberklasse zu haben, auch wenn das OP3 nicht mehr das allerneuste ist.

Konnektivität und Kommunikation

Machen wir uns nichts vor, in diesem Bereich muss sich das E3 vor dem Redmi Note 5 geschlagen geben. Nicht weil die Verbindung schlecht ist oder die Sprachqualität zurückliegt. Nein. Schlicht und ergreifend, weil Meizu bei dem E3 auf Band 20 verzichtet! In China wird Band 20 nicht genutzt. Das E3 wird offiziell nur für China erschienen. Es gibt also kein Grund für Meizu, Band 20 zu nutzen. Eine Global-Version, ursprünglich mal E3E getauft, ist nicht vorgesehen und würde nur mit sehr viel Glück noch realisiert werden. Somit fällt man bei dem E3 immer wieder, selbst in der Stadt, vom 4G Netz in das 3G Netz zurück. Auf dem Land kann man sich wohl großräumig von LTE verabschieden. Die Verbindung die letzten Endes aufgebaut wird, egal ob 3G oder doch mal 4G ist hingegen sehr gut, selbst in Räumen hatte ich einen ordentlichen Datendurchsatz und sehr guten Empfang. Wer in stadtnähe wohnt, wird daher auch mit 3G immer genug Datendurchsatz bekommen, um unterwegs Full-HD Youtube Videos anzuschauen. Kritisch wird es allerdings für Bewohner ländlicher Gegenden. Hier ist die 4G Abdeckung mit LTE Band 20 für konstanten Datenempfang wichtig.

Auch im W-LAN Netz leistet sich Meizu kein weiteres Fettnäpfchen. Verbunden wird in den 5 GHz und 2,4 GHz nach .ac Standard.

Meizu E3 Speedtest 2 W LAN

W-LAN (max. 50/10 Mbit/s)

Meizu E3 Speedtest 1 3G

3G-Netz

Meizu E3 Speedtest 3 4G

4G-Netz

 

Die Reichweite für den W-LAN Empfang ist dabei ebenso als gut zu bezeichnen wie bei der mobilen Datenverbindung. Bluetooth steht in Version 5.0 zur Verfügung und erreichte ebenfalls sehr gute Übertragungsdistanzen. Selbst bei einem Stockwerk und mehreren Mauern dazwischen, stand die Verbindung zu meinem OnePlus 3 und Dateien konnten, wenn auch langsamer, übertragen werden.

Der interne Lautsprecher des E3 liefert angemessene Soundqualität mit gewohnt wenig Bass. Die Lautstärke lässt sich dabei bis 50 % recht moderat steigern. Ab 50 % werden die Sprünge größer, die Lautstärker erreicht bei 100 % einen ordentlichen Pegel ohne sich großartig Verzerrung oder Übersteuern zu leisten. Eine UKW-Erweiterung fehlt leider.
Die Verfolgung des Standortes via GPS lief ohne Probleme ab. Nach einer kurzen Ladezeit findet das E3 den derzeitigen Standort und navigierte ohne Aussetzer ans Ziel. Dabei unterstützt das E3 A-GPS, GLONASS und BDS.

Bei der Sensorik gibt sich Meizu keine Blöße und spendiert quasi die ganze Palette, die da wären: Beschleunigungs-Sensor, Kompass, Gyroskop, Hall-Sensor, Licht und Näherungssensor.

Wäre Band 20 vorhanden, hätte man mit dem E3 einen extrem starken Konkurrenten. Hier wird beinahe sinnlos durch die Ausrichtung auf den nationalen Markt viel Potenzial verschenkt. So wird das Feld jedoch weitestgehend Xiaomi überlassen und das obwohl die restliche Ausstattung überzeugen kann.

Akkuleistung

Beim Akku befindet sich Meizu mit dem E3 in einem soliden durchschnittlichen Bereich. Mit 3360 mAh hat man kein Monster verbaut. Doch kommt man ohne Probleme über den Tag. Auch zwei Tage in Folge waren oft erreichbar. Im Akku-Bench erzielte das E3 eine Display on Time von ca. 10,5 Stunden. In der Realität waren 7–8 Stunden möglich, wenn man aufs Spielen verzichtete.
Verschiedene Spiele verbrauchen im Durchschnitt 8 -9 % alle 30 Minuten. Ein Youtube-Video bei halber Helligkeit gönnt sich ca. 15% pro Stunde. Die Werte sind allesamt keine Überflieger, haben aber ein gutes hohe Niveau.

Das Laden über Quick Charge 3.0 durch das mitgelieferte Netzteil geht zügig von statten. Von 8 % auf 57 % in genau 30 Minuten ist ein guter Wert, vorrausgesetzt man hat den benötigten Adapter für die EU-Steckdose zur Hand! Nach weiteren 40 Minuten war das E3 wieder voll einsatzbereit!

Akkulaufzeit Ergebnis Einheit: Std

Meizu E3 System 4 Meizu E3 System 5
Als letzte Rettung im Akkunotfall, gibt es in den Einstellungen die Möglichkeit einen Super-Energiesparmodus zu aktivieren. Dieser reduziert die Oberfläche auf ein Minimum (z. B. Telefon und SMS) und schaltet alle Farben ab. Übrig bleiben Grautöne und das gewünschte Mindestmaß an Erreichbarkeit.

 

Fazit und Alternative

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Max Drechsel:

Die Festlichkeiten sind vorüber, das Turnier vorbei. Nur einer Sitzt noch im Sattel und es ist nicht das E3.

Meizu hätte hier einen echten Brecher auf Lager, der kräftig in Xiaomis Jagdgründen wildern könnte. Ich gehe sogar davon aus, dass Meizu mit dem E3 in China viel Erfolg haben wird. Leider steht das E3 aufgrund vom fehlenden Band 20 und der fehlenden Global ROM in der EU hinten an und muss dem Redmi Note 5 den Thron und den Vorzug überlassen. Auch der höhere Preispunkt spielt in diese Einschätzung mit rein. Dabei ist das E3 bis auf Band 20 durchweg über jeden Zweifel erhaben. Wenn den potenziellen Käufer die geringe 4G Verfügbarkeit nicht stört, bekommt er das leichtere, schlankere Smartphone. Alle anderen sind mit dem Redmi Note 5 besser aufgestellt. Wer zu Meizus E3 greift, macht aber rein technisch keinen Fehler.

Eine echte Global-Version könnte dem Note 5 durchaus den Rang ablaufen. Auch Custom ROMs werden die Nutzererfahrung noch verbessern. Wer aber keine Lust auf „basteln“ hat und vom Einschalten an eine optimale Erfahrung will, für den ist das E3 nichts.

88%
  • Design und Verarbeitung 90 %
  • Display 100 %
  • Leistung und System 100 %
  • Kamera 85 %
  • Konnektivität 75 %
  • Akku 75 %

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*Preise inkl. Versand und Zoll. Zwischenzeitliche Änderung der Preise, Rangfolge, Lieferzeit und -kosten möglich. Preise zuletzt aktualisiert am 17.05.2018

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Gast
Luki

Habe für 188€ € das Note 5 4/64 bestellt, das Meizu ist doch preislich eine andere Liga und dafür eventuell und vielleicht etwas besser?!
Nö voll daneben ist das!
Preis Leistungsverhältnis stimmt da Null im Vergleich zum Xiaomi. Warten wir ab was das A2 kosten wird, das vernichtet dann endgültig jedem Versuch anderer Hersteller schon im Ansatz.

Mitglied
Andreas Guenther

Ihr nennt 2 Minuspunkte

– englisch
– noch keine Global

Wäre da nicht 1 Minus ausreichend?

Jedes Handy rutscht auf dem Display bei Gefälle.

Weiß auch nicht, warum ich mein Handy auf das Display legen sollte. Aber ist wohl Geschmackssache.

Ansonsten Meizu vom Feinsten. Das mit dem Band 20 werden sie wohl nicht mehr begreifen. Das sollte für Meizu ja nun echt kein Problem mehr sein. Schade.

Gast
Enzio

Das billigere M6 hat ja Band 20. Warum sie ausgerechnet beim E3 darauf verzichten, obwohl sie gerade damit dem Note 5 Anteile abluchsen könnten, weiß wohl nur Meizu. Komplett sinnfrei irgendwie

Gast
Enzio

Wäre meine Nummer eins geworden, wenn man Band 20 unterstützen würde. In meinen Augen ein kapitaler Fehler von Meizu, hier dem Note 5 ohne Not das Feld zu überlassen.

Gast
Dirk

Im europäischen Feld wird Meizu das definitiv ein Genikbruch, außer der Preis liegt ~30 Euro unter dem Redmi Note 5, dass seh ich aber nicht.

Gast
Dirk

Und ja, ich hab die 220€ oben gesehen, ich meine in naher Zukunft.