Der China Hersteller Nomu ist ein wahrer Outdoor Spezialist. Bis jetzt gab es mit dem S10, S20, S30, S30 Mini und T10 nur Outdoor Handys zu sehen. Auch das neue NOMU M6 ist ein rugged Smartphone, aber das robuste Äußere steht nicht mehr so sehr im Fokus und man will hier scheinbar neue Kunden gewinnen. Ob es demnächst auch ein normales Smartphone geben wird, hat der Hersteller uns leider nicht verraten. Das S10 Pro dominierte den Low Budget Bereich der Outdoor Handys und wurde auch vom Hersteller Archos in der gleichen Konfiguration angeboten (Archos 50 Saphir). Das M6 ist auf dem Datenblatt betrachtet nun eigentlich in vielen Belangen ein Schritt zurück.

Der Akku schrumpft von 5000 auf 3000 mAh und auch der Speicher fällt mit 2/16GB nun geringer aus (3/32GB beim S10 Pro). Doch an Spezifikationen sollte man sich nur bedingt orientieren, im Praxiseinsatz zeigen Smartphones erst ihr wahres Gesicht und wir haben die Dunkle Seite des NOMU M6 offengelegt. Mit knapp über 100€ gehört das M6 zu den günstigsten Outdoor Handys und konkurriert vor allem mit dem Cubot KingKong. Wie viel Outdoor im Low-Budget Preissegment möglich ist, zeigt der ausführliche Test.

Design und Verarbeitung

Chinesische Werbeslogans sind gewöhnungsbedürftig und man muss eine gewisse Distanz wahren, um nicht verrückt zu werden. Nomu betitelt das M6 mit „Most beautiful Rugged Phone“: Mit 185g ist das NOMU M6 für ein 5 Zöller fast schon normalgewichtig und auch die 10,5mm Dicke gehen noch für ein gewöhnliches Smartphone durch. Das einzige Outdoor-Designelement ist ein dicker Gummirahmen. Dieser schützt auch vor Stürzen und Schäden, aber eben nur am Rahmen. Die auf den Werbebildern toll angepriesene glänzenden Rückseite ist extrem empfindlich gegenüber Kratzern und auch wenn das Display durch Gorilla Glas 3 kratzresistent ist, schützt kein überstehender Rand vor Glasbruch. Mit dem schönen Design, gehen also offensichtlich auch die markanten Outdoor-Features verloren. Etwas stabiler als ein normales Smartphone ist das NOMU M6 aber dennoch. Die weiteren Abmessungen betragen 144 in der Länger und 73,5 in der Breite.

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Kopfhörer-Anschluss, Micro-USB und Dual-SIM Einschub (Hybrid Slot mit Speichererweiterung) sind durch Gummistöpsel vor Wasser und Schmutz gut geschützt.

passende MicroSDs auf

Es passen auch gewöhnliche USB-Kabel in den Anschluss, was für ein Outdoor-Handy durchaus positiv ist. Gesteuert wird das Nomu M6 leider mit On-Screen-Tasten, obwohl unter dem normalen 16:9 Display genügend Platz ist für klassische Android Sensortasten. Power-Knopf und Lautstärkeregler bestehen aus Kunststoff und sitzen sicher, mit angenehmen Druckpunkt an der rechten Außenseite. Die Vorderseite ist ansonsten klatsch gehalten und fällt lediglich durch eine silberne Farbgebung und einen unbrauchbaren LED-Blitz auf. Ein einzelner Kamera Sensor mit LED Blitz und der Nomu LOGO auf der Rückseite sind jeweils in 2 getrennten Elementen untergebracht.

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Den Ausdruck „Form follows funktion“ hat wohl jemand bei Nomu missverstanden. Als Outdoorsmartphone gesehen, bietet das Design bis auf den dicken Rahmen keinen nennenswerten Vorteil. Laut Nomu ist das Gerät dennoch IP68 zertifiziert und ist entsprechend absolut staubdicht und auch gegen dauerndes Untertauchen geschützt. Im Test überlebte das Gerät ein 30-minütiges Wasserbad ohne Schaden. Auf der Nomu Webseite findet man dann noch die Bezeichnung „MIL-STD-810G“, was zwar ein Militärstandard ist, aber den man getrost ignorieren sollte. Kritisieren sollte man NOMU für die fehlende Benachrichtigungs-LED und auch die überaus kratzempfindliche Rückseite ist ein NOGO für ein angebliches Outdoor Handy. Andererseits kann man das Nomu dann aber wie ein gewöhnliches Smartphone nutzen. Es ist nicht übertrieben dick und schwer und liegt angenehm in der Hand. Auch die Verarbeitung ist ansonsten sehr gut.

Display

Beim Display gibt sich das Nomu M6 trotz des Preises keine Blöße. Das 5 Zoll große Display ist im Standard 16:9 Format gehalten und löst mit 1280 x 720 Pixel auf. Die 294 Pixel pro Zoll sorgen beim Nomu Outdoor-Smartphone für ein scharfes Bild. Das IPS Display glänzt mit akkurater Farbwiedergabe und guten Kontrasten. Im Optionsmenü steht auch MiraVision für die individuelle Feinjustierung zur Verfügung. Sehr gut ist auch die Helligkeit des Displays, man kann im Freien auch bei Sonneneinstrahlung das Display noch sehr gut ablesen, einzig die Spiegelungen sind je nach Winkel zur Sonne problematisch. Die automatische Helligkeitsanpassung arbeitet zuverlässig, aber ist nicht die schnellste.

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Der Touchscreen verarbeitet 5 Berührungspunkte gleichzeitig und ist ausreichend schnell und zuverlässig. Wer nicht rasend schnell tippt, wird keine Probleme haben. Hier limitiert eher der Prozessor, als das Display selbst. Wie schon bei Design und Verarbeitung erwähnt, wird das Nomu M6 durch Gorilla Glas 3 vor Kratzern geschützt. Der Test mit dem Schraubenzieher verlief bei der Vorderseite problemlos, auf der Rückseite aber eben nicht.

Leistung

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Das Nomu M6 setzt auf einen Mediatek MT6737T Prozessor mit 4 x 1,5 GHz. Im Cubot Note Plus arbeitet der Prozessor sogar in Kombination mit einem FHD Display, beim M6 löst es nur in HD auf. Die Mali T720 GPU sorgt für die Grafikleistung und leider gehören nur noch 2GB RAM zur Ausstattung. So richtig schnell ist das Nomu M6 mit dieser Hardware kaum, aber das nahezu unveränderte Android 7 System läuft flüssig. Normale Spiele aus dem Playstore können gespielt werden und etwas Multitasking ist auch noch möglich. Von den 2GB RAM stehen 1,2 für Hintergrund-Apps zur Verfügung und die Geschwindigkeit ist mit 2,5 GB/s gerade noch in Ordnung. Der interne Speicher bemisst 16GB und kann bei Verzicht auf Dual-SIM (Hybrid Slot) um 128GB erweitert werden.

passende MicroSDs auf

Die Geschwindigkeit des internen Speichers fällt mit 96/25 MB/S Lese/Schreibgeschwindigkeit ernüchternd aus. Von der Bezeichnung „leistungsstark“ ist das Nomu M6 weit entfernt, aber im Low Budget Bereich reicht eine flüssige Bedienung allemal aus. Etwas Geduld muss man mitbringen, aber dann kommt auch das Nomu meistens zum Ziel.

System

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Während viele kleine Hersteller schon Smartphones mit Android 8 ausliefern, wie z.B. das Cubot X18 Plus, läuft auf dem Nomu M6 noch ein altes Android 7.0 System. Der Google Sicherheitspatch wird wohl bei Januar 2018 verbleiben und auch ein Android 8 Oreo Update sollte man nicht zu erwarten. Ein paar Bugfixes sind jedoch notwendig: blendet man z.B. die Onscreentasten aus, sind diese nur sehr schwer wieder zurückzuholen. Man muss mehrmals an verschiedenen Stellen an der Unterseite des Displays nach oben ziehen.

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Nomu M6 VirenSchön anzusehen ist, dass Nomu den Google Now Launcher gleich zur Auswahl stellt. Die Modifikationen am System halten sich in Grenzen und keine Antivirenapp findet irgendwelche Bedrohungen. Auch an Bloatware ist bis auf die Google Garde nichts vorinstalliert. In den Einstellungen findet man intelligente Assistenten die auch halbwegs funktionieren, wie z.B. ein 3 Finger Screenshot oder einen Taschenmodus (automatisch hohe Lautstärke für Klingeltöne, wenn das Nomu in der Tasche ist). Auf dem Nomu M6 lässt sich angenehm navigieren und das System läuft auch überwiegend flüssig und stabil.

Kamera

Eine große Überraschung liefert der 8 Megapixel Sony Sensor IMX219 im Nomu M6 ab. Anstatt einer Fake Dual-Kamera findet man hier einen ordentlichen Sensor und dieser sorgt für die nötige Schärfe bei Bildern. Die Auslösezeit ist mit 1,5 Sekunden recht lange, aber der Fokus arbeitet schnell und meist auch genau. Bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Aufnahmen sehr grobkörnig und rauschen stark. Aber sobald genügend Licht zur Verfügung steht, schießt das Nomu Aufnahmen mit 12 Megapixel in brauchbarer Qualität. Die Bilder sind meist ausreichend scharf, der Fokus ist richtig gesetzt und die Farbabstimmung akkurat gehalten. Die Frontkamera liefert für den geringen Preis ebenfalls brauchbare Selfies mit ausreichend Schärfe und akzeptabler Farbwiedergabe. Der Frontblitz ist absolut unbrauchbar, der Blitz auf der Rückseite liefert bei Nahaufnahmen aber durchaus Unterstützung.

Videos sind theoretisch mit 30FPS bei FHD möglich, in der Praxis erreicht man aber nur knapp über 20 FPS und auch die fehlende Stabilisierung lässt Videos nicht ansehnlich wirken. Die Soundqualität kann ebenfalls nicht überzeugen.

Kommunikation und Konnektivität

Nomu m6 test 13Das Nomu funkt auf folgenden Frequenzen und deckt damit in Deutschland auch Band 20 LTE ab:

GSM (2G):850/900/1800/1900

WCDMA/UMTS (3G):900/2100

FDD-LTE (4G):800/900/1800/2100/2600

Die eigene Stimme wird im Gespräch etwas dumpf weitergeleitet aber Verständigungsprobleme gab es keine. Der Freisprecher erzeugt ein deutliches Echo und kann fast nicht verwendet werden.

Der WIFI Empfang ist nur im 2,4GHz Netz möglich und unterstützt lediglich den n-Standard. Reichweite und Datendurchsatz sind leider nur durchschnittlich und nicht so stark, wie man es bei einem Outdoorhandy gerne hätte. Das Bluetooth 4.0 arbeitet fehlerfrei und es ist auch ein FM Radio Empfänger verbaut.

Nomu M6 GPS

Der Lautsprecher ist laut, aber sehr flach und frei von Bässen. Auf höchster Lautstärke übersteuern auch die Höhen sehr stark. Für Klingeltöne und Benachrichtigungen wahrzunehmen, ist der Lautsprecher aber genau das richtige. Der Klinkenanschluss liefert lauten und klaren Sound mit angeschlossenen Mittelklasse Kopfhörern.

An Sensoren gibt es neben den 3 Standardsensoren (Beschleunigungs-, Näherungs- und Lichtsensor) noch einen Kompass. Letzterer funktioniert mit gelegentlicher Kalibrierung auch zuverlässig. Der GPS Empfang ist nicht der stärkste, reicht aber für eine zuverlässige Autonavigation aus. Auf welcher Straßenseite man sich befindet, kann man als Fußgänger aber nicht feststellen.

Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Ergebnis Einheit: Std

Das Nomu M6 hat einen 3000 mAh Akku an Bord, was angesichts der HD-Auflösung des 5 Zoll Displays in Ordnung ist. Trotzdem sind es im Vergleich zu einem S10 Pro einfach mal 2000 mAh weniger. Im Praxiseinsatz genügend eine Akkuladung für 1,5 Tage intensive Nutzung (7-8 Stunden Zeit mit eingeschalteten Display). Damit ist die Akkulaufzeit gut und eigentlich auch recht nahe am Nomu S10 Pro dran, obwohl der Akku hier deutlich kleiner ausfällt. Quick-Charge oder ähnliches wird nicht unterstützt, bis das Handy voll aufgeladen ist vergehen 3,5 Stunden.

Fazit und Alternative

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Jonas Andre:

Wozu braucht man ein Nomu M6, wenn man bereits das Nomu S10 Pro hat? Auf diese Frage hatte der Hersteller eine schnelle Antwort parat: Das neue Nomu ist ein Handy für jedermann und nicht nur für Outdoor-Enthusiasten. Da gibt es nur ein Problem, wenn man den Outdoor-Aspekt weglässt, wird das Nomu von der Konkurrenz wie einem Cubot Note Plus, Vernee M5 oder Redmi 5a Global gnadenlos vernichtet – die mitgelieferte Silikonhülle gibt die nötige Sicherheit. Wenn man schon ein Outdoor Handy sucht, dann sollte eine gewisse Wiederstandfähigkeit nicht fehlen. Das Nomu S10 Pro bleibt im Vergleich zum M6 die deutlich bessere Wahl in vielen Belangen. Das M6 macht mit dem gleichen Sensor allerdings etwas bessere Bilder. Ansonsten ist das S10 Pro fast überall überlegen. Insbesondere der größere Speicher (3/32), der größere Akku (5000 mAh) und das widerstandsfähige Gehäuse sind die klaren Vorteile des S10 Pro. Wer ein sehr günstiges Outdoor Smartphone sucht, kann sich demnächst auch das Cubot KingKong anschauen. Es gibt von uns keine Kaufempfehlung für das Nomu M6, außer man findet das Design wirklich so schön. Echte Outdoor-Smartphones findet ihr in unserer Bestenliste!

72%
  • Design und Verarbeitung 70 %
  • Display 80 %
  • Leistung und System 70 %
  • Kamera 60 %
  • Konnektivität 70 %
  • Akku 80 %

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Enzio

Mal meine Meinung als Outdoor-Enthusiast: Die relativ langsame CPU und „nur“ 2 GB RAM sind für mich kein Thema, denn wenn ich ein solches Smartphone nutze, sitze ich nicht irgendwo in der Ecke und zocke Spiele. So lange Navi-Apps zügig geöffnet werden und alle für eine Wanderung nötigen Systeme (Kompass, GPS) gut funktionieren, reicht mir solch eine Hardware absolut aus. Worauf ich allerdings Wert lege, ist eine relativ gute Kamera, da ich so ein Smartphone als Komplettpaket ansehe und nicht auch noch extra eine Kompaktkamera mitschleppen möchte.

Unterm Strich lege ich nur Wert auf Robustheit, starkes GPS, einen guten Kompass und eine gute Kamera. Und ich denke, dass es vielen anderen Outdoorlern genauso geht. Schade, dass so viele Hersteller der Meinung sind, gerade auf eine gute Kamera verzichten zu können. Statt in überflüssige CPU-Leistung, die ich mit so einem Smartphone nicht benötige, sollte man lieber das dort gesparte Geld in eine bessere Kamera investieren.