Vor wenigen Monaten hat Chinahandys.net das Ulefone Gemini vorgestellt, ein 130 Euro-Smartphone mit Dualkamera. Da musste der Konkurrent Oukitel natürlich nachlegen: Mit dem U22, das gleich vier Linsen verbaut hat – Ein Dual Dual-Kamera sozusagen. Der Preis lässt ebenfalls aufhorchen: Derzeit kostet es unter 70 Euro.

Kamera

Eines vorweg: Für ein Smartphone in dieser Preisklasse kann sich die Leistung der Kamera(s) sehen lassen. Alltägliche Schnappschüsse bei gutem Licht sind vernünftig belichtet, ausreichend scharf und haben halbwegs satte Farben. Der Autofokus arbeitet recht zuverlässig, jedoch keinesfalls mit den versprochenen 0,1s.

Aber: Wer mit vier Kameralinsen und „fantastischen Fotos“ wirbt, muss damit rechnen, dass das Gerät kritisch auf dem Prüfstand landet. Gleich beim ersten Blick durch die Kamera fällt auf: Das Bild kommt verzögert auf dem Bildschirm an, ein vorbeifahrendes Auto ruckelt sich regelrecht von links nach rechts. Obendrein vergehen zwei Sekunden nach Drücken des Auslösers, bis das Bild im Kasten ist. Wer damit leben kann, bekommt, wie oben beschrieben, ein vernünftiges Bild dank 8 Megapixel (interpoliert 13 MP).

Soweit zur Pflicht, als nächstes muss es die Kür bestehen: Aufgrund der jeweils zwei Kameralinsen an Vorder- und Rückseite soll das Oukitel U22 mittels Blende F2.0 in der Lage sein, ein „Bokeh“ zu erzeugen, also einen unscharfen Hintergrund hinter dem eigentlichen, scharfen Motiv. Diesen Effekt können normalerweise nur teure Objektive bei Offenblende erzeugen.

Die Kamera-App bietet folgende Modi: Panorama, Photo, Video, Broken, Beauty und Mono. Aktiviert man „Broken“, so erscheint zusätzlich zum Helligkeitsregler ein Blenden-Regler. Mit dem Finger wird der Bereich der Szene angetippt, der scharf bleiben soll. Mittels des Schiebers (rauf/runter) wird eine kleine/große Blende simuliert. Kleine Blende bedeutet: Das gesamte Bild rund um das Motiv ist scharf. Große Blende bedeutet: Alles hinter dem Motiv ist unscharf, besser gesagt: verwaschen.

Zugegeben, die Software arbeitet gut, Nutzer mit geringen Ansprüchen dürften mit dem „Bokeh“ zufrieden sein. Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass die Software immer nur einen gewissen Radius rund um das angetippte Motiv scharf stellt, egal welche Entfernung es zur Kamera hat.

Also drängt sich der Verdacht auf, dass es sich nur um eine Art Blur-Filter handeln könnte. Und tatsächlich: Wenn man eine Linse abklebt, ändert sich rein gar nichts. Die Ergebnisse sind mit einer Linse absolut reproduzierbar. Gleiches gilt für die Frontlinse (5MP, 8MP interpoliert), die nebenbei bemerkt passable Selfies produziert. Handelt es sich also um eine Schummelkamera? Auf Nachfrage beim Hersteller gab es bislang keine Antwort.

Android

Keine bösen Überraschungen gibt es beim Betriebssystem. Vorinstalliert ist ein blitzsauberes Android, auf dem sich jeder gleich zurechtfinden dürfte. Getestet wurde das Gerät mit der Version Oukitel_U22_V17_20170609_143627. Im Verlauf der zweiwöchigen Testperiode sind keine Fehler aufgetaucht, positiv aufgefallen ist die „App Suchen“-Funktion im AppDrawer. Die Menüsprache ist Englisch, mit zwei Klicks lässt sie sich auf Deutsch stellen. Der Google Playstore ist natürlich vorinstalliert und Updates bekommt das Gerät bequem über die integrierte OTA-Funktion.

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Design

Beim Design setzt Oukitel auf eine Kombination aus Heavy Metal und Plastikbomber. Der Rahmen ist aus Metall gefräst, das abnehmbare Backcover ist aus Plastik, was zwar nicht sonderlich hochwertig ist, dafür aber den entscheidenden Vorteil mit sich bringt, dass der Akku kinderleicht zu entnehmen ist.

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Ebenfalls unter der Plastik-Abdeckung finden sich die Slots für die beiden SIM-Karten und die MicroSD-Karte (bis 32 GB). Dank der drei Slots lassen sich zwei SIMs und die Speicher-Erweiterung parallel betreiben.

Mit seinen 149 Gramm liegt das U22 leicht und angenehm in der Hand, die glatte Oberfläche macht es ein wenig rutschig. Die mitgelieferte, transparente Silikon-Hülle schafft Abhilfe. Die schlanken Maße von 15,4 x 7,6 c x 0.96 cm, in Verbindung mit dem Metallrahmen, lassen es sehr filigran wirken, das Gesamtbild ist sehr stimmig.

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Die Verarbeitung ist gut, minimal krumme Spaltmaße lassen sich nur bei genauerem Betrachten auf Höhe der Anschlüsse an Ober- und Unterkante erkennen. Sauber eingearbeitet und mit einem angenehmen Druckpunkt ausgestattet sind die On/Off- sowie Laut/Leise-Tasten an der rechten Flanke. Letztere fungieren in der Kamera-App auch als Auslöser. Oben sitzt die Klinkenbuchse, unten das Mikrofon, die Lautsprecher und der Anschluss für MicroUSB.

Auf der Rückseite ist der Fingerabdruck-Sensor angebracht, der bei 7/10 Versuchen das Display erfolgreich entsperrt. Links daneben sind die Kameralinsen samt LED-Blitz platziert, die bündig mit der Rückseite abschließen.

Display

Als erstes fällt auf: Es könnte ein bisschen heller sein, bei starker Sonneneinstrahlung ist das Display zu dunkel. Gleiches Problem beim Wechseln des Blickwinkels – bereits ab 45 Grad Neigung wird es schattig auf dem 5,5 Zoll großen IPS-Schirm mit 2.5D Glas.

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Nichts zu meckern gibt es an der Auflösung. 1280 x 720 (267 ppi) sind mehr als genug für den täglichen Gebrauch. Positiv fallen die kräftigen Farben, die starken Kontraste und die Soft-Touch-Buttons am unteren Rand der Vorderseite auf. Zwar sind sie nicht beleuchtet, doch sie erleichtern die Navigation ungemein.

Gespart hat Oukitel dafür an einer Benachrichtigungs-LED, ebenso an der Multitouch-Fähigkeit: Schon bei zwei Berührungen ist Schluss, mehr registriert der Bildschirm gleichzeitig nicht.

Lieferumfang des Oukitel U22

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In der kleinen, orangenen Schachtel liegen neben dem Oukitel U22:

  • USB-Kabel
  • Netzteil
  • Silikon-Hülle
  • Anleitung auf Englisch

Leistung

Fakt ist: Ein Smartphone in dieser Preisklasse ist kein Rechenmonster. Wie schon der 3D-Mark- oder PC-Mark-Test zeigen, ist das Oukitel U22 signifikant langsamer als beispielweise der 40 Euro teurere Bruder U13.

Eine träge Lese- und Schreibzeit des internen Speichers (106MB/s und 47 MB/s) kombiniert mit nur 2GB RAM tragen ihr Übriges dazu bei, dass die Quad Core CPU (MTK6580A) nicht in Fahrt kommt. Logisch, dass Multitasting nicht zu den Stärken des Gerätes zählt.

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Trotz allen Schimpfens über die schwache Hardware darf nicht vergessen werden, dass sie allemal ausreicht, um einfache, alltägliche Aufgaben zu erledigen. Surfen, Mailen, simple Spiele und ein bisschen Multimedia sind mit dem Handy drin. Wer sein Handy primär für Whatsapp und Co. nutzt, bekommt also ein ausreichend schnelles Gerät.

Akku

Anders als in Sachen Kamera spielt Oukitel hier mit offenen Karten. 2700 mAh Akkukapazität stehen auf der Website, 2700 mAh sind drin, wie der Test mit dem Messegerät zeigt. Mit dieser Akkugröße spielt das Oukitel U22 zwar nicht in der Oberliga, muss sich aber auch nicht verstecken. Eine volle Ladung reicht bei häufiger Nutzung gut durch den Tag, dann muss es wieder an die Steckdose. Einmal Volltanken dauert gut zwei Stunden.

Konnektivität

oukitelu22 sensorbox 169x300Telefonieren klappt gut mit dem Oukitel U22, die Empfangsstärke kam fast an die eines doppelt so teuren Gerätes heran. Die Gesprächsqualität am anderen Ende der Leitung ist einwandfrei, die Stimme aus der Hörmuschel klingt allerdings ein wenig blechern. Wichtig für Vielsurfer: 2G (GSM 850/900/1800/1900MHz) und 3G (WCDMA 900/1900/2100MHz) empfängt das Gerät mühelos, für das schnelle 4G fehlt jedoch die Grundlage.

Die Bluetooth-Verbindung im Auto lässt sich problemlos herstellen und die Qualität der Tonübertragung stimmt ebenfalls. In Kombination mit dem Google-Navi stellt sich das U22 treu als Navigator in den Dienst. Nach der Eingabe des Ziels braucht das Oukitel eine Minute, um sich zurechtzufinden. Dann aber findet es die aktuelle Position und den Weg zuverlässig.

Schmalhans Küchenmeister herrscht bei den Sensoren: Es sind nur die Standard-Fühler für Beschleunigung, Licht und Näherung an Bord. Die Qualität und Lautstärke der integrierten Lautsprecher ist – in Anbetracht des Preises – gar nicht mal schlecht. Mit Kopfhörern (nicht mitgeliefert) lässt sich der Musikgenuss deutlich steigern.

Fazit und Alternative

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Philip Hauck:
Fazit & Alternative

Das Oukitel U22 hat so seine Schönheitsfehler: Kein LTE, Dual-Kameras, die keine sind, und eine mittelmäßige Gesprächsqualität. Auf der anderen Seite bekommt man für unter 70 Euro eine vernünftige Ausstattung in einem offensichtlich ausgereiften Gerät ohne Software-Macken mit neuer Android-Version. Weitere Pluspunkte sind die drei nutzbaren SIM/MicroSD-Slots und die gute Verarbeitung. Wer über den Kauf des Gerätes nachdenkt, sollte die vielumworbenen Dual-Kameras bei der Kaufentscheidung unberücksichtigt lassen.

75% Okay
  • Design und Verarbeitung 80 %
  • Display 80 %
  • Leistung und Betriebssystem 70 %
  • Kamera 80 %
  • Konnektivität und Kommunikation 70 %
  • Akkulaufzeit 70 %

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Matt
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Wie siehts mit GPS aus?

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