Snapdragon Wear 3100 – die Wiedergeburt der Smartwatch?

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Lange Zeit war es um das Thema Smartwatch ziemlich still geworden. Die großen Hersteller wie Samsung oder LG haben zwar weiter ihre Produkte raus gehauen, doch viel Aufmerksamkeit haben diese nie erhalten. Beide Hersteller setzen übrigens nicht auf Wear OS, das Betriebssystem von Google. Wenn man sich Hersteller von Smartwatches mit Wear OS anguckt, wird es irgendwie noch trauriger. Zuletzt hat eigentlich nur noch Fossil neue Produkte veröffentlicht.

Doch woran liegt das?

Im speziellen auf Wear OS (vormals Android Wear) bezogen liegt das daran, dass einfach keine Innovation mehr möglich war. Lasst mich kurz ausholen. In Smartphones ist der Prozessor nicht nur der Prozessor, sondern ein sogenannter System on Chip (SoC). Je nach SoC lassen sich mehr oder weniger Kameras, nur eine gewisse RAM-Kapazität und nur eine bestimmte Display-Auflösung realisieren. Ein Einsteiger-Smartphone mit dem Mediatek MT6739 und sechs Gigabyte RAM wäre also gar nicht möglich, weil dieser SoC maximal vier Gigabyte RAM unterstützt.

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Die Michael Kors Acces läuft auch mit Wear OS.

Genau deshalb sind immer wieder neue Prozessoren auch nötig. Mittlerweile verbauen die Hersteller zig Kameras (zum Oppo R17 Pro mit Tripple Kamera) in ihren Smartphones und ein SoC von vor drei Jahren könnte damit überhaupt nicht umgehen. Die Hersteller von Smartphones sind also auf Qualcomm, Mediatek und co. angewiesen, denn wenn diese nicht liefern, ist auch Innovation nicht wirklich möglich. Das dürfte wohl einer der Hauptgründe sein, warum Samsung und Huawei mittlerweile ihre eigenen Chips herstellen.

Um zurück auf die Smartwatch zu kommen: Der einzige wirklich vernünftige Prozessor für Smartwatches mit Wear OS ist der Snapdragon Wear 2100 aus dem Jahr 2015. Da dieser SoC nun schon drei Jahre alt ist, haben die Hersteller eigentlich schon alles was möglich ist in ihren Smartwatches realisiert und können nun nicht mehr liefern, da Qualcomm es verschlafen hat einen Nachfolger zu veröffentlichen.

Das größte Problem war immer die Akkulaufzeit, die bei Smartwatches mit Wear OS einen Tag nie nennenswert überschritten hat. Das lag aber nicht daran, dass die Hersteller zu dumm waren, sondern am SoC selber, der aber nahezu konkurrenzlos auf dem Markt steht. Selbst wenn zum Beispiel Fossil also an einer Smartwatch mit deutlich längerer Akkulaufzeit interessiert gewesen wäre, wäre das unmöglich gewesen.

Und der Snapdragon Wear 3100 macht alles besser?

Nun, vielleicht. Er beinhaltet ein energiesparendes Zusatz-Cluster, wodurch Smartwatches im „Traditional Watch Mode“ (sprich: nur die Anzeige der Uhrzeit; kein Bluetooth, Puls-Messung etc.) bis zu eine Woche durchhalten sollen. Auch im Normalbetrieb mit eingeschalteten Smart-Funktionen soll die Laufzeit um vier bis zwölf Stunden erhöht worden sein, zwei Tage sind also unter Umständen drin.

Ehrlich gesagt sind das keine riesigen Sprünge, aber vielleicht bringt der neue SoC endlich wieder ein bisschen Leben in die eingeschlafene Smartwatch-Branche. Neben Fossil hat auch der Stift-Hersteller Mont Blanc bereits bestätigt, eine Uhr mit dem neuen SoC verkaufen zu wollen. Louis Vuitton wird demnächst auch eine neue Smartwatch vorstellen.

Smartwatches werden wieder interessanter werden

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Die aktuellen Smartwatches der Fossil Group mit NFC.

In der Vergangenheit waren die schlauen Uhren eigentlich nur der verlängerte Arm des Smartphones um ein paar Benachrichtigungen anzuzeigen. Viele der günstigen China-Uhren können tatsächlich auch nicht viel mehr. Doch mittlerweile hat sich das Feld gewandelt, neue interessante Möglichkeiten haben sich eröffnet.

Den Google Assistant über die die Uhr zu bedienen und zum Beispiel Erinnerungen zu erstellen ist zeitsparend und super sinnvoll. Selbst die eher schicken Uhren von Diesel, Emporio Armani und co. haben mittlerweile Puls-Messer mit an Bord und sind mit Google Fit und anderen Fitness-Diensten kompatibel. Mobiles Bezahlen per Google Pay ist mit Wear OS auch überhaupt kein Problem.

Und in Zukunft werden sich vielleicht mehr Möglichkeiten ergeben. In China ist es zum Beispiel Gang und Gäbe, statt eines Bus-Tickets einfach nur seine Smartwatch an das entsprechende Terminal zu halten und damit Einlass in den Bus zu kriegen. Und zumindest hier in Aachen ist das gar nicht mal so weit gesponnen, immerhin arbeiten die eTickets unseres Verkehrsverbundes ja auch mit NFC. Das in einem kleinen Programm auf Wear OS zu portieren wäre gar nicht mal so schwierig.

Warum ich dennoch keine Smartwatch besitze

Obwohl ich mich schon durch einige smarte Uhren durchprobiert habe, bin ich kein regelmäßigerwristwatch 1283184 1920 Smartwatch-Träger. Warum? Für das was sie bieten waren sie mir bisher zu teuer. Für ein Ding was ein paar mal am Tag vibriert mehrere hundert Euro zu zahlen wollte ich einfach nicht. Natürlich kann man einfach auf das Mi Band o.ä. ausweichen, dieses passt aber im Gegensatz zu einer schönen runden Uhr von Fossil nicht unbedingt zu meinem Stil und ist auch im Funktionsumfang noch begrenzter.

Den Ausschlag gegeben haben für mich der neue, performantere und stromsparendere Prozessor Snaprdragon Wear 3100 und die Möglichkeit via Google Pay an mittlerweile (fast) allen Kreditkartenterminals zu bezahlen. Ich bin nun bereit für eine Smartwatch und warte auf die ersten Modelle mit dem neuen SoC. Preislich muss ich leider dennoch in den sauren Apfel beißen.

Eine China-Smartwatch mit Wear OS erscheint mir persönlich leider als eher unwahrscheinlich, da die Google-Dienste wie Google Pay und der Google Assistant in China keine allzu hohe Verbreitung haben. China-Hersteller wie OnePlus, die offiziell in Deutschland verkaufen, werden sich aber nun den Bau einer Smartwatch vielleicht nochmal überlegen. OnePlus hat die Pläne zur Veröffentlichung einer Smartwatch ja leider 2016 auf Eis gelegt.

 
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Geoldoc
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Eine China-Smartwatch mit Wear OS erscheint mir persönlich leider als eher unwahrscheinlich,
Quelle: https://www.chinahandys.net/snapdragon-wear-3100-die-wiedergeburt-der-smartwatch/

Mobvoi ist eine chinesische Firma und hat neben der Ticwatch S und E mit der Ticwatch pro auch das aktuell innovativste Android Wear Konzept im Angebot.

Dank Dualdisplay besteht vielleicht sogar die Chance, nur jeden zweiten Tag aufladen zu müssen, obwohl man die smarten Funktionen benutz und Sensation (!) immer die Uhrzeit ablesen kann.

Ich befinde mich da aktuell in einem Dilemma:
Einen Fitnesstracker brauche ich nicht. Wofür überhaupt irgendwer einen Computer braucht, um zu merken, dass man sich an einem Tag am Schreibtisch nicht genug bewegt hat, erschließt sich mir nicht. Wenn dann schon richtig smart mit Fußgängernavigation am Handgelenk und Telefoniefunktion. Mit smarten Assistenten, Musiksteuerung und der Möglichkeit direkt auf Nachrichten zu antworten. Blöd nur, dass man das alles kaum nutzen kann, wenn die Uhr nicht schon am späten Nachmittag auf „Notstrom“ schalten soll.

Nachdem ich gerade die Lenovo Watch X als Alternative zu meiner 3 Jahre lang täglich getragenen Zenwatch 2 ausprobiere, wird mir das immer klarer.

Ob der 3100 ein Gamechanger wird, wenn man die Uhr mit viel Glück auch ohne Dualdisplay über 2 Tage am Stück berteiben kann? Ich weiß nicht recht.

Ob vollständig Smart und zumindest mal eine Woche Akkulaufzeit überhaupt geht? Vielleicht funktioniert das ebensowenig, wie ein Familienauto mit einem Liter Benzinverbrauch? Garmin oder auch Amazfit haben ja Uhren die länger durchhalten, aber vielleicht auch, weil sie eben doch weniger smart sind als Android Wear?

Jens
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Jens

Hallo,
wir bringen die Tage einen Testbericht zur TicWatch Pro von Mobvoi – vllt. ist die ja was für dich 😉

Geoldoc
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Geoldoc

Cool, da freue ich mich drauf.

Wobei beim Test von der Watch X war ich etwas enttäuscht, da gab es kein einziges Foto vom Display und die Beschreibung der smarten Funktionen war auch mehr ein Abtippen der App-Einstellungen. Was dann konkret angezeigt wird und dass die Benachrichtigung eben auch nur im Moment des Eintreffens angezeigt wird und man keinen Hinweis auf ausstehende Benachrichtigungen sieht, etc. wäre für einen Test schon angemessen gewesen.

Tina F
Gast
Tina F

Ich bin auch schon seit langem überlegen mit eine SW zuzulegen. Beim Sport speziell beim Laufen würde ich endlich mal gerne auf das Handy verzichten wollen und die Musik von der Uhr per Bluetooth an die Kopfhörer hären wollen.
Gibts denn inzwischen eine Smartwatch die offline die Spotify Songs abspielen kann?

Joscha Becking
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Joscha Becking

Hallo! Am ehesten wirst du da wohl Erfolg mit einer Smartwatch mit richtigen Android-System haben. Du kannst mal einen Blick in die Liste der von uns getesteten Modelle werfen. Spontan fällt mir da die Zeblaze Thor S ein. Momentan haben wir auch die neue Thor 4G im Test. Die wäre auch ein Kandidat.

Tina F.
Gast
Tina F.

Kannst mir mal den link zum Test der Thor 4G schicken?

Joscha Becking
Admin
TeamMitglied
Joscha Becking

Der Test ist noch nicht fertig 😉

Stefan
Gast
Stefan

Also ich habe die Gear Fit 2, die kann offline Misuk über Bluetooth abspielen. Musst halt vorher als mp3 vom Handy übertragen. Ob Dir die Spotify Songs als mp3 vorliegen weiß ich natürlich nicht… Zieht aber stark am Akku. Musik, permanente Herzfrequenz und GPS an, dann ist nach knapp 2h Schicht im Schacht.
Zum Joggen reicht das prima, aber zum Radfahren wärs zu wenig.