Das Ugee UG 2150 ist ein Grafik-Tablet zum digitalen Zeichnen, das man als Bildschirm an seinen PC anschließen kann.

Ugee Grafikdisplay Sample 300x222Kreative Menschen, Grafiker oder jeder aus der Medien-Branche kennt das Problem: für das Zeichnen am PC nutzt man entweder ein Tablet ohne Bildschirm oder einen Touchscreen. Preislich liegen diese zwei Alternativen um das zehnfache auseinander. Steigt man in das Thema gerade ein und möchte den Geldbeutel schonen, muss man sich mit einem günstigen Zeichentablett arrangieren. Hier ist eine gute Hand-Augen-Koordination Pflicht, sonst kommt man mit so etwas nicht zurecht.

Das UGEE Zeichentablett zeigt wie es geht: ein 21,5 Zoll Display, präziser Touchscreen und farbgetreues Display. Will man so etwas vom Branchenspezialisten Wacom, zahlt man gut und gerne das dreifache. Ist das UGEE UG 2150 für 400€ eine Alternative?

Verarbeitung & Design

Das UGEE UG 2150 verfügt über einen großen Bildschirm von 21,5 Zoll, was ein professionelles Arbeiten ermöglicht, da man auch großflächige Arbeiten stets gut im Blick behalten kann.  Sein Gewicht von fast 4957 g ist zwar recht hoch – dies wird auch benötigt, dass es beim Zeichnen und beim Aufstützen der Hand nicht verrutscht. Zusätzliche Gummiflächen an den Standfüßen unterstützen diese Stabilität. Dafür bietet es Full HD Auflösung, 2048 Druckstufen, 14ms Reaktionszeit und so weiter … im Endeffekt kommt es darauf an, wie gut es sich mit dem Grafikdisplay arbeiten lässt.

Der Bildschirm des Tablets besteht aus einer kratzfesten Glasfläche, die leider auch sehr stark spiegelt. Auch wenn ein professionelles Zeichentablet, das einen eigenen Strombedarf hat, im Normalfall wahrscheinlich eher nicht draußen genutzt wird, muss man deshalb jedoch mitunter auch im Innenbereich hinsichtlich der Zimmerbeleuchtung Rücksicht nehmen, da man sonst im Zweifel nur die Glühbirne seiner Lampe sieht, anstelle des Bildschirminhalts.

Ugee Grafikdisplay 03 Ansicht 300x225 Ugee Grafikdisplay 09 Stift 300x225

Die Glasfläche verläuft über die gesamte Größe des Bildschirms, was keinen Platz für zusätzliche Tasten erlaubt, wie sie beispielsweise an einem vergleichbaren Modell von Wacom zu finden sind, um die Bedienung zu erleichtern: Hier läuft alles über den mitgelieferten Stift.

Das Tablet lässt sich in seiner Neigung von aufrechtem Stehen bis hin zu einer liegenden Position beliebig um 89° verstellen, indem man einen Hebel auf der Rückseite des Tablets anhebt und die gewünschte Neigung einstellt. Wenn der Hebel losgelassen wird, rastet dieser automatisch ein und das Tablet steht sicher.

Zur Bildübetragung vom PC verfügt das Tablet auf seiner Rückseite über einen USB-, VGA-, D-Sub-, DVI- sowie einen HDMI-Eingang. Die Positionierung dieser Eingänge ist ein wenig suboptimal, da die Kabel von unten angeschlossen werden. Je nachdem, wie sehr man das Tablet neigen möchte, ist dies dahingehend problematisch, als dass die Kabel stark gebogen werden und nicht sonderlich viel Platz zwischen Bildschirm und Stellfläche haben. Hier muss man im Zweifelsfall ein wenig rumprobieren, wie die Kabel am besten sortiert werden können, sodass das Tablet nicht darauf steht und wackelt.

Ugee Grafikdisplay 02 Anschlüsse mit Kabeln 300x225 Ugee Grafikdisplay 04 Anschlüsse ohne Kabel 300x225

Im Lieferumfang enthalten sind alle nötigen Anschlusskabel (für Strom, USB, VGA und HDMI), die nötige Treibersoftware auf einer CD-ROM, sowie gleich zwei Zeichenstifte samt microUSB-Ladekabel und ein Stifthalter.

Einrichtung des Ugee Grafikdisplay

Die Einrichtung des Tablets an sich ist rein theoretisch sehr problemlos: Einfach das Tablet an den PC anschließen, den auf der CD-ROM mitgelieferten Treiber installieren und loslegen (der Treiber lässt sich alternativ auch online herunterladen).

Bei der Treiberinstallation kann man nicht viel falsch machen. Man folgt dem Installationsprogramm, sagt zu allem ja und amen und startet am Ende den PC neu.

Praktisch könnte es unter Umständen nicht ganz so problemlos sein, da nur ein HDMI-zu-HDMI Kabel im Lieferumfang enthalten ist. Sollte man an seinem PC oder Laptop nur über einen Mini- oder gar einem Micro-HDMI Eingang verfügen, muss man sich – wenn nicht vorhanden – zunächst ein passendes Kabel besorgen. Auch wichtig ist, dass das Grafikdisplay mit dem USB-Kabel verbunden wird. Sonst bekommt man zwar ein Bild, aber der Touchscreen funktioniert nicht.

Bei den jeweiligen Grafikprogrammen erwies es sich als mehr oder weniger einfach, in den Tablet-Modus zu wechseln und mit dem mitgelieferten Stift zu arbeiten. Während es über Manga Studio 5.0 ggf. einer Einstellung über den Shortcut Ctrl + K bedarf, war es über Photoshop (CS2) nicht so einfach, das Zeichnen über den Stift zu aktivieren. Je nach PS Version funktioniert es unterschiedlich, aber eine Lösung findet man schnell im Netz.

Ugee Grafikdisplay 01 Arbeitsplatz 300x225Das Tablet wurde angeschlossen an einen Laptop getestet. Zu Anfang gab es hier oft das Problem, dass es eine große Diskrepanz zwischen dem, was auf dem Tablet dargestellt wurde, und der tatsächlichen Position des Stiftes auf dem Tablet gab. Ein Arbeiten war so nicht möglich. Das Problem konnte nur dadurch gelöst werden, indem das Tablet nicht als gedoppelter, nicht als erweiterter, sondern als primärer Bildschirm eingestellt wurde. Ein erweiterter Bildschirm hätte natürlich viele Vorteile, die nicht explizit erwähnt werden müssen, jedoch ist es so leider unmöglich, auf dem Tablet zu zeichnen, da die Maus sich nur auf dem Bildschirm des PCs bewegt. Beim Anschließen an einen stationären PC fungiert es somit als einziger Bildschirm – im Endeffekt auch angeschlossen an einen Laptop.

Praxis

Ugee Grafikdisplay 01 Druckempfindlichkeit 300x169

Druckstufen

Ist das Ugee-Tablet einmal richtig angeschlossen und betriebsbereit, macht es einen guten Job. Die 2048 Stufen der Druckintensität lassen sich mit dem Stift sehr gut kontrollieren. Durch die schnelle Informations-Übertragung vom Stift zum Display von 14 Millisekunden sowie einer Genauigkeit von 0,25 mm lässt sich rundum sehr genau und in einem weitestgehend natürlichen Fluss arbeiten.

Durch die Glasfläche ist es zwar unvermeidbar, jedoch sieht man in einer natürlichen Zeichenposition den Stift nicht genau da, wo man ihn ansetzt. Dies ist durch den zusätzlichen Punkt, der darstellt, wo genau der Stift sich gerade auf der Zeichnung befindet, nicht weiter wild – kann am Anfang jedoch etwas irritieren.

Zudem ist die Glasfläche naturgemäß sehr glatt. Dies trübt das Zeichengefühl etwas, da man Striche nicht so kontrolliert ausführen kann, wie es beispielsweise auf Papier der Fall ist. Abhilfe schaffen könnte eine Schutzfolie mit etwas mehr Profil, eine solche wurde jedoch nicht mitgeliefert. Trotz längeren Arbeitens an dem Tablet entwickelt es auch keine ungewöhnlich große Wärme – diese liegt durchaus im annehmbaren Bereich.

Der Stift funktioniert mit einer eingebauten 2.4 V, 60 mAh Lithium-Ionen Batterie, die sich durch das Anschließen des Stiftes mit einem USB-Kabel an den PC aufladen lässt. Ein erfreulicher Pluspunkt, da es auch zahlreiche Stifte auf dem Markt gibt, die mit handelsüblichen AA-Batterien funktionieren und sowohl Umwelt als auch Geldbeutel mehr belasten. Trotz dessen stellt der Stift den Schwachpunkt des Ugee-Tablets dar, da dieser in der Praxis ein paar Probleme bereitet.

Er hat 2 Tasten integriert, man muss jedoch aufpassen, dass man sie während des Arbeitens nicht berührt, da sie sehr druckempfindlich sind – sonst wechselt man unwillentlich beim Drücken der unteren Stift-Taste in den Radiergummi-Modus. Dies wäre an sich sehr praktisch, da man fehlerhafte Zeichnungen ohne viel Aufwand direkt weg radieren könnte. Jedoch ist es mitunter schwierig, den Radiergummi-Modus durch erneutes Drücken der besagten Taste zu beenden und normal fortzufahren: Während der Stift eigentlich ohne Probleme beim Drücken der Taste zwischen diesen beiden Modi hin- und her wechseln sollte, kommt es vor, dass man trotz Drückens der Taste nicht mehr aus dem Radiergummi-Modus heraus kommt.

Ein großes Rätsel gibt die zweite, obere Stift-Taste auf. Trotz Drückens öffnet sich hierdurch nur ab und zu die Pipette (in Manga Studio), durch die man eine bestimmte Farbe aufnehmen kann, um damit zu zeichnen.

Während dieses Problem bei Manga Studio nicht akut bestand, hat der Stift in Photoshop oft seine Druckintensität verloren – und dies ohne ersichtlichen Grund. Um das Problem zu beheben, half es nur, das Programm noch einmal neu zu starten. Die Quelle des Problems wird allerdings weniger in dem Stift selbst, als vielmehr darin liegen, dass Tablet und Zeichen-Programm nicht optimal aufeinander abgestimmt sind.

Allgemein eignet sich das Ugee-Tablet aufgrund dessen, dass es eine sehr präzise Arbeitsweise erlaubt und eine sehr hohe Druckempfindlichkeit aufweist, ideal für professionelle Zwecke. Durch seine im Vergleich zu ähnlichen Modellen geringen Kosten ist es aber auch ein sehr gutes Gerät für und Hobby-Künstler im digitalen Bereich.

Vergleich

Ein ähnliches Modell wie das Ugee Tablet haben wir leider noch nicht getestet und können daher keinen direkten Vergleich zu Konkurrenzmodellen, wie sie beispielsweise von Wacom hergestellt werden, anstellen.

Ugee Grafikdisplay Wacom Intous 300x248Zum rein subjektiven Vergleich kann ein Zeichentablet von Wacom, das Wacom CTH-490AK-S Intuos Art Stift-Tablet herhalten. Dies ist ein reines Tablet, das ohne Bildschirm funktioniert und das Gezeichnete direkt auf den PC-Bildschirm überträgt.  Ein objektiver Vergleich ist allerdings aufgrund dessen, dass die beiden Tablets von Grund auf anders konzeptioniert sind, nicht möglich.

Subjektiv lässt sich sagen, dass die Variante der direkten Eingabe des Gezeichneten auf dem Tablet-Bildschirm des Ugee weitaus weniger Übung bedarf und Zeichnungen durch ein natürlicheres Zeichengefühl genauer umgesetzt werden können.

Das Wacom-Tablet hat den Vorteil, dass der Stift sich natürlicher auf dem Tablet bewegen lässt, da dieses angeraut ist. Auch der Stift an sich funktioniert zuverlässiger als der, der sich im Ugee-Zubehör befindet. Durch die kleine Fläche auf dem Wacom Tablet lassen sich allerdings nicht immer alle Menüpunkte auf dem Bildschirm erreichen, was einen zusätzlichen Gebrauch der Computermaus unabdingbar macht. Das Ugee-Tablet wiederum kann dadurch, dass der gesamte Computerbildschirm auf ihm abgebildet wird, auch perfekt ohne Maus funktionieren.

Vom rein technischen Gesichtspunkt aus betrachtet, machen beide Geräte einen sehr guten Job – mit welcher man hier gehen möchte, ist reine Geschmackssache und eine Frage des Kontostandes.

Fazit und Alternative

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Erik Zürrlein:

Zusammenfassend funktioniert das Tablet sehr zufriedenstellend: Es ist stabil und gut verarbeitet und der Stift arbeitet mit so viel Genauigkeit und Druckintensität, dass sich mit ein wenig Übung auch auf dem recht glatten Bildschirm ein natürliches Zeichengefühl- und Bild einstellt.

Es ist schade, dass man das Tablet nicht funktionsfähig als einen erweiterten Bildschirm nutzen kann. Dies könnte die Arbeit stark erleichtern, wenn man mehrere Dateien gleichzeitig geöffnet haben möchte.

Der Stift funktioniert zwar löblicher Weise mit einem eingebauten Akku, weist jedoch leider einige Makel in seiner Bedienung auf, die darauf zurück zu führen sind, dass sich die Tasten auf dem Stift zu leicht – und damit oft unwillentlich – drücken lassen. Zudem reagiert der Stift oft nicht auf die Tastenbefehle, was ihn dahin gehend leider etwas unzuverlässig macht. Optimal wäre es, die Funktionen der Stift-Tasten ausstellen zu können, um das versehentliche Drücken der Tasten zu vermeiden. Umgekehrt würden Tasten auf dem Tablet selbst als Shortcuts eine einfache Bedienung unterstützen – vor allem da der Laptop, an den das Gerät angeschlossen ist, mitunter nicht immer so einfach zu erreichen ist.

Wenn man ein paar Abstriche machen kann, ist das Tablet von Ugee ein solides Gerät, auf dem sich genau und sauber arbeiten lässt – für dieses Tablet muss man schließlich lange nicht so weit in die Tasche greifen, wie für ein vergleichbares Modell beispielsweise von Wacom.

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