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Virtueller RAM – echtes Feature oder Spielerei?

Oppo und Vivo haben es vorgemacht, jetzt zieht wohl auch Xiaomi nach. In Zukunft soll es möglich sein, den Arbeitsspeicher eines Smartphones zu erweitern – und das ganz ohne physischen Eingriff. Dafür wird ein Teil des Massenspeichers umformatiert und als Arbeitsspeicher genutzt. Besonders interessant ist das für Mittelklasse-Smartphones. Denn so kann ein vergleichsweise kleiner Arbeitsspeicher deutlich aufgehübscht werden. Wann Xiaomi das Feature bringt und für welche Geräte es dann zur Verfügung steht, ist noch unklar. Ebenso unklar ist, um wie viele Gigabyte sich der Arbeitsspeicher aufrüsten lassen wird.

Vivo erlaubt bei 8GB RAM eine Erweiterung um 3GB.

Bei anderen Anbietern herrscht da schon mehr Klarheit. Bei Oppo etwa gibt es das Feature unter dem Namen “RAM Expansion” seit diesem Monat für die Geräte A74, A94, A54 und Find X3 Lite. Hier kann der Arbeitsspeicher um bis zu fünf Gigabyte erweitert werden. Stellt sich noch die Frage, wie sinnvoll solch ein Feature ist?

Was gibt es für Speicher?

Grundsätzlich unterscheidet man Arbeitsspeicher (kurz RAM = Random Access Memory) und Massenspeicher. Das gilt für Computer aller Art und damit natürlich auch für Smartphones. Massenspeicher ist für das langfristige Abspeichern von Daten aller Art gedacht. Hier werden also Bilder, Videos, Musik und Co. gelagert. RAM hingegen ist für das kurzfristige Einlagern von Daten vorgesehen. Die wichtigste Funktion des Arbeitsspeichers ist es die aktuell genutzten Daten schnell zugänglich zu machen. Das passiert etwa, wenn ihr eine App öffnet. Die Daten, auf die die App zugreift, werden in den Arbeitsspeicher geladen. RAM macht es somit möglich, dass eine App nicht immer wieder neu geladen werden muss. Somit ist Arbeitsspeicher die Grundlage für Multitasking.

In der Natur der Sache liegt es, dass Arbeitsspeicher möglichst schnell sein muss. Nur so kann garantiert werden, dass Apps schnell geladen werden können. Massenspeicher hingegen profitiert natürlich auch von Geschwindigkeit, sie ist aber nicht ganz so essenziell. Somit ist der verbauten Arbeitsspeicher immer schneller als der verbaute Massenspeicher.

Wie funktioniert virtueller RAM?

Um den Arbeitsspeicher ohne physischen Eingriff zu erweitern, wird virtueller Arbeitsspeicher genutzt. Das bedeutet, dass ein Teil des Massenspeichers umformatiert und als RAM genutzt wird. Die technischen Einzelheiten sparen wir uns an dieser Stelle. Stattdessen werfen wir mal einen Blick auf ein Beispiel. Sagen wir ein Smartphone hat 4GB RAM und 128GB Massenspeicher. 5GB können nun als virtueller Arbeitsspeicher verwendet werden. Damit ergäben sich 9GB RAM und 123GB Massenspeicher. Damit sollte es jetzt möglich sein deutlich mehr Multitasking zu betreiben, oder?

Das Redmi Note 10 Pro, ein Kandidat für virtuelle RAM Erweiterung?

Die Antwort ist Jein. Denn der neu gewonnene Arbeitsspeicher kann zwar genutzt werden, ist aber deutlich langsamer als sein physisches Gegenstück. Somit hat virtueller RAM zwar eine Funktion. Erwartet aber keine Leistungssprünge, nur weil etwas Speicher umformatiert wird. Was virtueller RAM leisten kann, ist eine etwas besser Multitasking Performance, also zum Beispiel mehr Apps, die gleichzeitig laufen. Was ihr nicht erwarten dürft, ist, dass ein altes Android Phone auf einmal wieder flüssig läuft.

Weiterhin gilt es zu beachten, welche Speicherart verbaut ist. Setzt ein Smartphone noch auf den alten eMMC Standard, kann der Massenspeicher überhaupt nicht mit dem schnelleren Arbeitsspeicher mithalten. Entsprechend langsam und nutzlos wäre virtueller Arbeitsspeicher. Bei modernerem UFS Speicher, am besten in der Version 3.0 oder höher, ist der Geschwindigkeitsunterschied zwar immer noch hoch, aber nicht mehr ganz so dramatisch. Der Sweetspot für virtuellen RAM sind also Mittelklasse Geräte, insbesondere die Versionen mit wenig echtem Arbeitsspeicher und UFS Festspeicherchips. Drastische Leistungsänderungen dürft ihr aber auch dort nicht erwarten. Zudem ist das Feature bei Smartphones mit 8GB RAM oder mehr eigentlich unnötig, da in der Praxis kaum so viel Arbeitsspeicher verwendet wird.

Unsere Einschätzung

Virtueller Arbeitsspeicher wird in PC-Systemen schon länger genutzt und ist prinzipiell ein sinnvolles Feature. Wie gut das Prinzip auf Smartphones klappt, hängt natürlich von der Umsetzung und der Speichergeschwindigkeit des Festspeichers ab. Wenn jemand von Euch bereits virtuellen RAM nutzt, würden wir uns sehr über einen kleinen Erfahrungsbericht in den Kommentaren freuen!

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Jan Bonkerz
Gast
Jan Bonkerz (@guest_79920)
1 Monat her

Irgendwie schon blöde gedacht mit dem Virtuellen Arbeitsspeicher da man dafür auch erstmal auch wieder ne halbwegs gute Internet Verbindung braucht die natürlich nicht immer und überall gegeben ist. 🤔😶

DIGINON
Gast
DIGINON (@guest_79924)
1 Monat her
Antwort an  Jan Bonkerz

Text nicht gelesen? Der virtuelle Arbeitsspeicher ist nicht cloud-basiert, sondern lagert lediglich einen Teil des Arbeitsspeicher-Inhalts auf den Massenspeicher des Handys aus. Dazu ist keine Internetverbindung nötig.

lars
Gast
lars (@guest_79915)
1 Monat her

4gb langen in der heutigen Zeit auch noch auf dem Handy, wenn wir mal ehrlich sind.
Es gibt natürlich auch Leute die alles im Speicher haben wollen um nur nicht mal eine halbe Sekunde zu warten bis die App startet.
Der virtuelle Speicher ist nur eine Gelddruckmaschine auf dem Handy .So können die Hersteller einfach Euros Sparen da sie einfach den Arbeitsspeicher virtuell auslagern und somit kosten sparen.

barbudo
Gast
barbudo (@guest_79905)
1 Monat her

Sinnloses feature. 6gb ram was die meisten handys haben reicht vollkommen aus. wer halt die finanziellen mittel nicht hat und sich deshalb mit einem handy unter 200€ begnügen muss, bringt dem auch nichts. denn in dieser preisregion gibts kein ufs 3.x speicher damit es annähernd nützlich wäre. auf dem datenblatt toll wenn man plötzlich 11gb ram hat, aber real nichts bringt.

Wolferl
Gast
Wolferl (@guest_79894)
1 Monat her

Beim PC hatte der V-Ram enorme Auswirkung auf die Geschwindigkeit, wenn man die Auslagerungsdatei/Temporäre Datein von Windows bis zumindest W7 auf das virtuelle Laufwerk legte. In Verbindung mit einer SSD als Betriebssystemdatenträger waren dann auch Systeme mit einer Mittelklasse-CPU “sauschnell”. Beim Handy kann ich mir eigentlich keinen markanten Geschwindigkeitsvorteil vorstellen, eher im Gegenteil. Vielleicht gibt es ja bald Benchmarks, dann wüsste man mehr.

PanEuropean
Gast
PanEuropean (@guest_79889)
1 Monat her

Da werden die Kunden mal wieder verarscht. Die Hersteller sparen am RAM und senken damit dann die Produktionskosten. Und ganz dreist wird das dann vermutlich als zusätzliches Feature verkauft.

Tom
Gast
Tom (@guest_79887)
1 Monat her

Verarsche für die Leichtgläubigen.
Beim Oppo a54 kann ich das ja noch verstehen, es hat nur 4GB RAM, heutzutage ja schon echt wenig, aber alle andern oben genannten haben 6GB oder sogar 8GB.
Wie viel braucht man denn noch?
Mein 3 Jahre altes MiMix2s hat auch “nur” 6GB, und das Poco X3 meiner Tochter auch. Hier lädt alles innerhalb von 2 Sekunden.
Selbst wenn die App geschlossen war.
Alles andere liegt am Energiemanagement.

Felix
Gast
Felix (@guest_79883)
1 Monat her

Wenn es dazu führt, dass bei Xiaomi nicht ständig Apps geschlossen werden.

Tom
Gast
Tom (@guest_79886)
1 Monat her
Antwort an  Felix

Das liegt nicht am RAM, sondern eher am Akku / Energie-management.
Das kann man aber über die Einstellung Energiesparmodus ändern.
Und zwar für jede App einzeln.
Und sollte man auch tun, gerade für Sport und Trainingsapps.

Felix
Gast
Felix (@guest_79890)
1 Monat her
Antwort an  Tom

Die Einstellung im Energiesparmodus bringt leider nicht viel. Xiaomi meint sie weiß es besser, ob ich die App noch brauche oder neu starten muss.

Shorty2020
Gast
Shorty2020 (@guest_79891)
1 Monat her
Antwort an  Felix

Dann zu Realme greifen, hier muss man zwar auch alles einzeln festlegen wie bei xiaomi, aber dann bleibt es ich offen, wenn man es festlegt