Mit dem Wiko View Go haben wir ein Low-Budget Handy des französischen Herstellers im Testlabor. Das Smartphone richtet sich an Käufer, die ein günstiges Handy für die Grundfunktionen suchen. Um diesen günstigen Preis zu erreichen, verbaut Wiko Hardware, die weitestgehend den günstigen Chinahandys entspricht. So kommt zum Beispiel der altbekannte Mediatek MT6739 Prozessor zum Einsatz, welcher von 2GB RAM und 16GB Speicher unterstützt wird. Ob man mit dem View Go wirklich ein alltagstaugliches Gerät bekommt, erfahrt Ihr im folgenden Testbericht.

Design und Verarbeitung

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Das View Go hat ein sehr nüchternes Design. Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff und der Rahmen des Smartphones ist abnehmbar. Daher erwartet uns ein fast gänzlich ausgestorbenes Feature: Ein wechselbarer Akku! Oberhalb davon finden wir 2 Micro-SIM Slots und einen Micro-SD Einschub.

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Ein etwas moderneres Design erhält das Wiko durch das 18:9 Format. Dieses sorgt dafür, dass das Handy trotz des 5,7 Zoll Bildschirms noch ziemlich handlich ist. Das Handy hat Maße von 152 x 73 x 8,3 mm und wiegt nur 142g. Oberhalb und unterhalb des Displays befindet sich ein etwa 1cm breiter Rand. Dieser wird leider nicht für Soft-Touch Buttons genutzt, um die nutzbare Displayfläche zu vergrößern. Stattdessen wird das Handy mit On-Screen-Buttons bedient. Oberhalb des Displays befindet sich neben der Ohrmuschel und der Frontkamera eine Benachrichtigungs-LED. Auf der Rückseite gibt es neben der Kamera einen LED-Blitz. Ein Fingerabdrucksensor ist weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite vorhanden. Dies kennen wir eigentlich nur von erheblich günstigeren Handys wie dem Xiaomi Redmi 6A. Bei auf Amazon käuflichen, gleichteuren Chinahandys wie dem Umidigi A1 Pro oder dem Cubot Nova gibt es bereits einen Fingerabdrucksensor. Zum Entsperren muss man daher jedes Mal ein Muster zeichnen oder einen PIN-Code eingeben, was ich persönlich ziemlich nervig finde.

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Insgesamt ist das Wiko View Go ordentlich verarbeitet und bietet durch den wechselbaren Akku ein Feature, das wir in aktuellen Handys durchaus vermissen. Gleichzeitig sieht man dem Handy seinen günstigen Preis aber auch an, denn das Kunststoff-Gehäuse versprüht nicht gerade Premium-Optik und es gibt keinen Fingerabdruck-Sensor.

Display

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Das Display hat die für die Preisklasse typische HD+ Auflösung von 1440 x 720 Pixel. Auf dem 5,7 Zoll großen Panel im 18:9 Format kommt man damit auf eine Bildpunktdichte von 282ppi. Für ein Low-Budget Handy geht das in Ordnung und einzelne Bildpunkte sind nur bei genauer Betrachtung sichtbar. Das Panel arbeitet mit klassischer IPS-Technik und hat eine gute Blickwinkelstabilität und durchschnittliche Kontraste. Die Farbdarstellung ist tendenziell etwas kalt, aber insgesamt noch ausreichend natürlich. Leider gibt es keine Möglichkeit, die Darstellung in den Einstellungen anzupassen und auch sonstige Features wie einen Lesemodus mit reduzierter Blaustrahlung gibt es nicht. Angesichts der Unmenge an Bloatware, die Wiko auf das Handy installiert (Erklärung folgt), wäre hier etwas mehr Mühe schön gewesen. Immerhin gibt es die Möglichkeit, die Position der On-Screen-Button anzupassen und auch der Helligkeitssensor fehlt nicht.

Auch was das Display angeht, zeigt sich das Wiko View Go als durchschnittliches Handy in seinem Preisbereich. Das HD+ Panel leistet sich keine groben Schnitzer. Gleichzeitig gibt es für wenig Geld mehr schon die ersten Smartphones mit Full-HD.

Leistung

Nun zur Krux an der ganzen Sache: Das Wiko View Go hat mit dem Mediatek MT6739 Prozessor nicht gerade den schnellsten Vertreter seiner Klasse an Board. Der Prozessor arbeitet mit 4 Kernen und einer Geschwindigkeit von 1,5 GHz. Eigentlich kennen wir die CPU aus noch günstigeren Chinahandys wie dem Cubot Nova und Umidigi A1 Pro. Und auch bei diesen waren wir von der Performance nicht gerade beeindruckt. Das Wiko View Go treibt die Leistungsflaute nun auf die absolute Spitze. Das Smartphone ist derart langsam, dass allein bei der Nutzung des Systems starke Verzögerungen und Laggs an der Tagesordnung sind. Für mich persönlich liegt die Nutzungsgeschwindigkeit jenseits der Annehmlichkeitsgrenze. Klar – ein komplett unerfahrener Smartphone-Einsteiger wird vielleicht mit dem Handy zurechtkommen. Dies aber auch nur, weil er keinen Vergleich hat.

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Bis Apps geöffnet werden, vergehen gut und gerne 3-5 Sekunden Wartezeit, die Darstellung von Websites ruckelt stark und selbst Google Maps scheint das Handy heillos zu überfordern. Dies liegt zum einen am geringen Arbeitsspeicher von 2GB und zum anderen an einer schlechten Systemoptimierung. Natürlich kann man bei einem Handy dieses Preises nicht Top-Performance erwarten, ohne Nervenzusammenbruch des Benutzers sollte es sich aber schon verwenden lassen. Dies ist beim Wiko View Go definitiv nicht der Fall. Im Praxiseinsatz ist buchstäblich jedes Handy unserer 50-100€ Bestenliste dem Wiko View Go haushoch überlegen. Auch im Benchmark-Vergleich bildet das Wiko View go aufgrund der schlechten Systemoptimierung das Schlusslicht.

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System

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Das Wiko View Go hat ein Android 8.0 System. Die Oberfläche wurde vom Hersteller nicht allzu sehr angepasst. Als besondere Dreingabe gibt es außerdem eine extra Homescreen mit zuletzt verwendeten Apps, anstehenden Termin und interessanten „Nachrichten“. Bei den Nachrichten handelt es sich um billige Click-Bait Artikel à la „Mann klaut Kleinigkeit für 1,69€ bei Aldi – seine Strafe ist ungewöhnlich hoch“, die auch nicht den eigenen Interessen anpassbar sind. Zudem gibt es wiederkehrende Pop-Ups in der Status-Leiste, die einen über neue Games und Apps aus dem Wiko-Store informieren. All diese „Zusatzfeatures“ nutzt der Hersteller vermutlich, um durch die permanente Werbeeinblendung ein paar Euros dazuzuverdienen – dass irgendein Programmierer diese Funktionen zur Verbesserung des Nutzungserlebnisses integriert hätte, halte ich aufgrund der Qualität der Artikel für ausgeschlossen. Immerhin lassen sich die zweifelhaften App-Empfehlungen und Nachrichten deaktivieren, sodass man das Handy ohne größere Einschränkungen nutzen kann.

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Ist erstmal sämtliche Werbung deaktiviert, läuft das System ohne Abstürze oder Fehler. Die Geschwindigkeit ist, wie oben erwähnt, jedoch sehr niedrig. Zudem ist die Benutzeroberfläche teilweise in Englisch oder mit fehlerhaftem Deutsch („Installierung läuft“).

Kamera

Auf der Rückseite befindet sich eine 13 Megapixel Kamera. Diese schießt für den Preisbereich gerade so durchschnittliche Bilder. Die Farben sind relativ kraftlos und beim Hereinzoomen ist schnell Bildrauschen ersichtlich. Das Rauschen nimmt bei schlechteren Lichtverhältnissen schnell zu. Der Autofokus arbeitet zuverlässig, brauch jedoch etwa eine Sekunde, um richtig gesetzt zu werden. Die Auslösezeit ist mit etwa 2 Sekunden ebenfalls ziemlich langsam.

Kaum einen besseren Eindruck macht die 5 Megapixel Frontkamera. Diese wird zusätzlich durch einen LED-Blitz unterstützt, der allerdings kaum eine Hilfe ist. Bei Aufnahmen in Innenräumen oder bei weniger Licht rauschen sehr stark. Dennoch gelingen brauchbare Fotos bei Tageslicht mit einer guten Schärfe und Farbdarstellung.

Konnektivität

Wiko View Go 1Etwas aufatmen kann man in punkto Konnektivität, denn hier erlaubt sich Wiko keine groben Schnitzer. Mit dabei ist Dual-SIM bei gleichzeitiger Speichererweiterung und auch alle in Deutschland relevanten LTE-Frequenzen werden unterstützt. Der Empfang ist aufgrund des Kunststoff-Gehäuses gut. Gleiches gilt für das WLAN und Bluetooth 4.2. WiFi gibt es nur im n-Standard und 2.4 GHz, aber das reicht aus. Auch das GPS-Modul arbeitet zufriedenstellend und die Standortbestimmung gelingt ohne Abbrüche. Wie gesagt ist das Navigieren aufgrund der schwachen Systemperformance aber nicht gerade sonderlich angenehm.

Der Kopfhörer-Anschluss liefert durchschnittlichen Sound. Gleiches gilt für die Lautsprecher. Wie man es aus dieser Preisklasse kennt, ist der Sound zwar ausreichend laut, verfügt aber über keine Tiefen und klingt etwas blechern. Erfreulich sind die verbauten Sensoren. Mit einem Gyroskop und E-Kompass findet sich hier alles, was man in diesem Preisbereich erwarten kann.

Akku

Akkulaufzeit Ergebnis Einheit: Std

Wenn man beachtet, dass auf dem Wiko Go ohnehin keine anspruchsvollen Apps genutzt werden können, reicht eine Akkuladung über ein bis zwei Tage. Dies ist ein ziemlich gutes Ergebnis. Nur wenn man sein Smartphone recht intensiv nutzt,  jeden Abend an die Steckdose. Mit mal kurz 5 Minuten aufladen hat man leider nicht sonderlich viel gewonnen, da auf Quickcharge verzichtet wurde. Im Billigsegment ist dies jedoch auch nicht verwunderlich. In 15 Minuten lädt sich der Akku um ca 10%. Für eine komplette Akkuladung sollte man dem Wiko View Go etwa 3 Stunden Zeit geben. Natürlich ist auch der wechselbare Akku ein Vorteil. Die Tatsache, dass sich der Akku einfach wie in alten Zeiten wechseln lässt, ist schon ein sehr großer Vorteil gegenüber konkurrierenden Geräten. Wie lange man die Akkus aber kaufen kann, bleibt fraglich. Im PCMark Akku Test kam das Smartphone auf knapp 5,5 Stunden. Dies ist ein akzeptabler, wenngleich kein guter Wert.

Fazit und Alternative

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Joscha Becking:

Das Wiko View Go kann in unserem Testbericht keine Kaufempfehlung für sich verbuchen. Dies ist insbesondere schade, da das Handy in einigen Bereichen einen guten Eindruck macht. Das Display ist ordentlich, die Verarbeitung ist gut und auch wechselbare Akku ist ein Pluspunkt. Allerdings ist das Handy aufgrund der langsamen Hardware und schlechten Systemoptimierung einfach viel zu langsam. Mit einem Smartphone wie 80€ teuren Xiaomi Redmi 6a ist man daher erheblich besser beraten. Mit dem gleichteuren Xiaomi Redmi 6 oder Ulefone X kann sich das Handy bei weitem nicht messen.

68%
  • Design und Verarbeitung 70 %
  • Display 80 %
  • Leistung und System 40 %
  • Kamera 60 %
  • Konnektivität 80 %
  • Akku 80 %

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FH82
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FH82

Der Test liest sich, als wäre das Handy unterirdisch, trotzdem bekommt es 68%. Ist Euch da ein Fehler unterlaufen?