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Xgody Smartphones für 60€ im Test

Getestet von Erik Zürrlein am Bewertung: 23%
Vorteile
  • irgendwie ein "Smartphone" für ca. 60€
  • wechselbarer Akku
  • inspirierendes Design...
Nachteile
  • massiv veraltete Software mit Sicherheitslücken
  • grauenhafte Leistung unter dauerhaftem Ruckeln
  • essentielle Ausstattung & Standards fehlen
  • Akkulaufzeit kaum für einen Tag
  • ...nein, einfach nein
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Wie schlecht können Smartphones heutzutage eigentlich noch sein? Wir haben uns zwei Kracher von XGody in der Praxis angeschaut. Bei eBay bekommt man die Smartphones für jeweils ungefähr 60€ und mit der Kennzeichnung „NEW 2022“ werden sie doch wohl brandneue Hardware bieten…

Ja… Immer diese abgehobenen Smartphone-Tester mit ihren 1000€ Flagships – Jetzt wird zumindest dieser Autor hier zurück auf den Boden der Billig-Geräte geholt. In unserem Artikel zu „XGody“ nutzten wir noch die Bezeichnung „Bauernfänger“ – Sind die Smartphones zu einem Preis von unter 60€ wirklich so schlecht? Das XGody K40 und XGody X50 im Test.

Ein paar Worte vor dem Test:

Hier erwartet euch kein ausführlicher Testbericht, wie ihr es sonst von Chinahandys.net gewohnt seid. Nach dem Auspacken der XGody Smartphones wurde mir schnell bewusst, dass die Handys zwar als „Smartphones“ bezeichnet werden können, aber damit kann kein Nutzer glücklich werden. Zumal auf den „neuen“ Handys eure Daten nicht mal sicher sind.

Ein ausführlicher Test der Geräte wird das hier also nicht und auch die gewohnte Kamera-Analyse oder zahlreichen Benchmarks werdet ihr hier nicht wiederfinden. Viel mehr wollen wir uns auf die Probleme der XGodys Handys konzentrieren.

Gut nutzbare Smartphones bekommt man von den bekannten Marken schon ab ungefähr 100€ und ab 150€ winkt so manches Technik-Schmankerl: Zum Beispiel das Realme 8 mit der starken Hauptkamera oder das 90 Hertz AMOLED des Redmi Note 11. Und solche Smartphones nutzt man dann auch gerne mal zwei Jahre oder vielleicht noch länger – Schont die Ressourcen der Umwelt und über die Nutzungszeit auch den Geldbeutel.

Probleme vor und nach dem Start

Beim Auspacken erst mal den starken chemischen Geruch entweichen lassen, die klapprige Rückseite entfernen und dann die Trennfolie zwischen Akku und Kontakten herausziehen. Ein Netzteil fehlt bei beiden XGody Geräten, sonst ist das übliche Zettelwerk und auch ein Micro-USB-Kabel enthalten. Die Schutzfolie ist viel zu rau und auch mit Blasen angebracht.

Beide Geräte haben Android Go: Android 8.1 beim kleinen K40 und Android 10 mit einem speziellen Launcher auf dem großen XGody X50. Beunruhigend: Beim Einschalten wird man nicht durch den üblichen Einrichtungsprozess von Android geführt, sondern landet direkt auf dem Homescreen. Die Smartphones waren also schon in Betrieb, wahrscheinlich um Software zu installieren. Tatsächlich ist auf dem „K40“ sogar ein Browser vorinstalliert, der zwar das Google Chrome Icon nutzt – es aber nicht ist. Natürlich fordert der Chrome-Fake erst mal alle möglichen Berechtigungen an. Den Safety Net Check bestehen die XGody Smartphones natürlich auch nicht. Zwei Virenscanner habe ich durchlaufen lassen, die zum Glück aber nicht anschlagen.

Design & Verarbeitung

Gefertigt sind beide XGody K40 Handys komplett aus Kunststoff und haben eine abnehmbare Rückseite. Die muss man lösen, um den Akku – jeweils 3000mAh – und die SIM-Karten einzusetzen. Das Design ist aktuellen Xiaomi Geräten nachempfunden – eine Ähnlichkeit des K40 zum Mi 11 Lite 5G NE und beim X50 zum Redmi K40 sieht man definitiv. Zumindest die Farben gefallen mir mit einem geriffelten Wellen-Muster in Rosa bzw. einem spiegelnden Lila. Mein Design-Highlight ist aber das XGody X50: Nein, die Notch auf dem Produktbild wurde nicht schlecht mit Photoshop eingefügt, das ist tatsächlich der Versuch einer Punch-Hole-Notch, die halb im Display hängt. Das Smartphone misst 163 x 82 x 9,5mm bei 216,7g.

Das XGody K40 sieht da schon mehr nach einem 5 Jahre altem Android Smartphone aus. Ein 16:9 Display, dicke Ränder oben und unten und drei Sensor-Tasten. Diese dienen als Zurück, Home und Optionen (! – üblich wäre letzte Apps) Buttons. Das kleine Smartphone misst 111 x 73 x 9,65mm bei 158g.

Mit dem überwiegenden Einsatz von Kunststoff reagieren die beiden Smartphones auch ziemlich schlecht auf Biegen und Verwinden. Mit etwas Kraft gelingt es ganz sicher. Bis auf spürbare Kanten am Akkudeckel und dem hohlen Gefühl beim Klopfen, haben wir sonst nichts auszusetzen am XGody K40 und dem X50.

Display

Bei den Displaygrößen haben wir uns für zwei Gegensätze entschieden. Das große XGody X50 bietet sagenhaft 960 x 480 Pixel bei einer Displaygröße von 6,8 Zoll. Mit der Spiegelreflexkamera kann ich hier sogar die einzelnen Pixel für den Praxistest ablichten. Das Xgody K40 ist da mit 5 Zoll und einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel schon wesentlich besser aufgestellt. Aber die Helligkeit ist bei beiden kaum zu gebrauchen. Bei den Fotos im Freien konnte man kaum noch etwas erkennen und auch schon das Licht der Fotolampen (für die Produktfotos) war, wie man sieht, bereits zu viel.

Ob nun das verbaute Touchpanel schlecht reagiert oder das System die Eingaben einfach nur langsam umsetzt, kann ich nicht beurteilen. Ist die lange Gedenksekunde vorerst um, dann tippt es sich auf der On-Screen-Tastatur halbwegs präzise. Das Panel verarbeitet bis zu 5 Berührungspunkte gleichzeitig.

Hardware & System

Würden die Smartphones wenigstens einigermaßen ruckelfrei laufen, gäbe es zumindest noch Einsatzzwecke, aber die normale Nutzung wird zur Geduldsprobe. Zum Einsatz kommt ein MediaTek MT6580A Quad Core Prozessor. Gefertigt wurde der Chip noch im 28nm-Verfahren. Die integrierte GPU reicht den meisten Benchmark-Apps nicht aus und auch einfache Spiele aus dem Play Store verweigern den Dienst.

Das XGody X50 lieferte kein Ergebnis von AnTuTu, da es nicht kompatibel ist. Das kleine K40 startete den Benchmark, aber ohne das Ergebnis der GPU-Leistung aufgrund von Inkompatibilität. Nach gut 20 Minuten war es so weit: Mit stolzen 22.000 Punkten haben wir wohl einen neuen Negativrekord.

Antutu
Geekbench Single
Geekbench Multi

Beim XGody X50 geht es sogar so weit, dass das Handy im normalen Betrieb – beim Installieren der nötigen Test-Apps – und gleichzeitigem Navigieren in den Einstellungen zu heiß wurde. Der Temperaturmonitor zeigte dann schon eine 90% Auslastung der CPU an und Temperatur von 60 Grad. Also gewissermaßen beim Multitasking von zwei Anwendungen schaltete sich das Handy aus und vollführte einen Neustart. Der Speicher wird mit 2GB Arbeitsspeicher und 16GB Systemspeicher beim X50 angegeben. Das K40 hat nur 1/8GB zur Verfügung. Im normalen Betrieb bleiben circa 250MB RAM verfügbar.

Veraltete Android Versionen

Beim XGody X50 wird in dem aufgespielten Launcher zwar Android 10 angezeigt, aber so Original bzw. wie bei Stock Android sieht das nicht aus. Zwar zeigt auch CPU-Z (ein Hardware- und Software-Analyse-Tool) als Software Android 10 an, aber 3D Mark verweigert den Dienst, weil der Benchmark die Version 10 oder höher benötigt. Zu 100% bestätigen kann ich die Angabe aber nicht. Der Sicherheitspatch ist von Mai 2018 – und das, obwohl Android 10 erst 2019 kam. Die App “Fake Device Check” zeigt uns gar Android 6 als Basis an. Wie gesagt, abschließend können wir diesen Sachverhalt nicht beurteilen. Aber ein mulmiges Gefühl hinterlässt der Verdacht auf eine gefakte Android-Version auf jeden Fall.

Das XGody K40 wird mit Android Go in der Version 8.1 ausgeliefert. Der Sicherheitspatch ist hier auch noch von 2018. Positiv vermerken kann man dafür das fast Stock-Android System ohne optische Anpassungen.

Selbst das steinalte LeEco Le Pro 3, das ich vor Jahren für 80€ gekauft habe, sprintet im Vergleich hierzu durch das halbwegs aktuelle Android 11! Das neuere Realme C31 konnte sich zuletzt zwar auch nicht gerade als Performance-Wunder beweisen, funktioniert dafür aber problemlos mit Android 11.

Kamera

XGody K40 Test Screenshots 7Hauptsache man kann optisch mit einem großen Kameramodul und gleich drei Sensoren auftrumpfen. Eine brauchbare Funktion haben die zwei zusätzlichen Sensoren natürlich nicht.

Fotos schießen beide Smartphones, aber von Qualität kann nicht die Rede sein. Schauen wir uns dennoch ein paar Testaufnahmen an. Das XGody K40 und X50 bieten eine Haupt- und Frontkamera mit jeweils 5MP Auflösung – Und die Bildqualität spricht Bände:

Ausstattung

Einsetzen lassen sich zwei Nano-SIM-Karten für den Dual-SIM-Betrieb. Unsere beiden günstigen Modelle unterstützen nicht mal 4G, das gibt es bei Xgody erst für ca. 80€ und dann auch nur mit den LTE-Bändern B2, B4, B5 und B7. Es fehlt dann also auch das für Deutschland wichtige LTE Band 20. Sonst sind Konnektivitätsstandards an Bord, aber in sehr alter Ausführung. Das Single-Band WiFi 4 machte Herunterladen von Apps zur Geduldsprobe, Bluetooth 4.0 reicht zwar aus, aber das GPS braucht fast eine Minute, bis der Standort genau bestimmt wurde. Beachtet, dass ein Lichtsensor für die automatische Helligkeitsanpassung nicht verbaut ist.

Akkulaufzeit

Verbaut ist beim XGody X50 ein 3000mAh großer Akku. Das K40 muss mit 2500mAh auskommen. Dieser lässt sich bei beiden auch herausnehmen. Geladen wird über Micro-USB mit maximal 5 Watt. Die Akkulaufzeit des kleinen XGody K40 ist in Ordnung und beim Einrichten hat es in gut anderthalb Stunden nur die halbe Kapazität verloren.

Beim XGody X50 hingegen kann man bei Benchmarks zusehen, wie die Prozente nur so purzeln. An einem Abend – Apps installieren, Sachen testen, Screenshots machen – war es nach nicht einmal zwei Stunden bei 15% angekommen. Der übliche PC Mark Akkubenchmark fehlt, weil dieser sich entweder nicht starten ließ (X50) oder nach gut einer Stunde abbrach (K40).

Tipp – Günstig geht, aber nicht so

Oben habe ich es bereits geschrieben: Derzeit gibt es brauchbare neue Smartphones ab 100€, wobei man für knapp 150€ schon etwas Gutes geboten bekommt. Klar ist das absolut gesehen kein großer Aufpreis, aber relativ gesehen schon fast der doppelte Betrag. Und da ist es auch löblich, dass das „Grundbedürfnis: Smartphone“ schon so günstig zu haben ist.

Aber dann bitte nicht so! Wenn der Preis weiter gedrückt werden muss, dann kann man sich auch nach gebrauchten Modellen umsehen. Als Anlaufstelle würde ich hier diverse lokale Facebook-Gruppen vorschlagen oder auch eBay Kleinanzeigen. Android-Smartphones, die schon zwei bis drei Jahre alt sind, sollten günstig zu haben sein. Und auch wenn ein „iPhone“ ein Luxusprodukt ist, so läuft ein 5 Jahre altes Modell dank der Software-Pflege von Apple noch ausgesprochen gut.

Fazit zum XGody X50 und K40

Fassen wir uns kurz: Die beiden Handys von XGody, die wir im Test hatten, funktionieren irgendwie als Android-Smartphone … wie großzügig man nun „funktionieren“ auslegt, überlasse ich euch. Gut nutzbar sind das XGody K40 und XGody KX50 keinesfalls: Es sind nicht alle Apps kompatibel und ich würde auch nicht mal alle nutzen wollen. Ob die Geräte bzw. die Software überhaupt sicher ist? Irgendwie ist es ja schön, dass sie so günstig sind, von preiswert kann aber einfach nicht die Rede sein. Schauen wir auf den Automobil-Markt, um es zu verdeutlichen: Ich kann mir auch ein Schrottauto kaufen, das noch 2 Monate TÜV hat, danach aber zu 100% ein wirtschaftlicher Totalschaden ist.

Bessere Alternativen findet ihr in unserer Bestenliste bis 100€ oder in der Preisklasse 100 – 150€.

Quellen

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Sascha
Gast
Sascha (@guest_88450)
15 Tage her

Android 10 gibt es erst seit 2019 und daher kann es keinen Sicherheits Level von 2018 geben, zudem ist die API von 23 von Android 6.0 und das sind Hinweise darauf, dass die Geräte gefälscht sind.

Chris
Gast
Chris (@guest_88367)
20 Tage her

Ist euch langweilig? Solche Tests machen NULL Sinn.

deo
Gast
deo (@guest_88368)
20 Tage her
Antwort an  Chris

Doch, sie bringen Klicks.

Fred
Gast
Fred (@guest_88356)
20 Tage her

da ist wirklich jedes gebrauchte Smartphone eine bessere Wahl

Steinlaus
Gast
Steinlaus (@guest_88354)
20 Tage her

Netter “Test”. 🙃

Diese XGody-Krücken und baugleiche Geräte anderer Betrüger vagabundieren schon seit Jahren auf eBay herum und sind eigentlich immer gleich. Ein gefaktes Uralt-Android + MT6580 in jeweils dem Zeitgeist angepasster Hülle.

Grausig, dass sowas immer wieder seine unbedarften Käufer findet.

Shorty
Gast
Shorty (@guest_88351)
21 Tage her

Schöner Bericht! Tja die xgody bleiben einfach Fake, ohne bestanden saftycheck nicht mal als WLAN Hotspot oder Internetradio nutzbar, sehr Schade

deo
Gast
deo (@guest_88348)
21 Tage her

Danke für den erheiternden Test. Die Fake Device Test App kannte ich noch nicht.

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