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Anycubic Vyper 3D-Drucker im Test

Getestet von Joscha am Preis-Leistungs-Tipp!
Vorteile
  • ausgezeichnete Druckqualität
  • Autoleveling
  • schneller Zusammenbau
Nachteile
  • laute Lüfter
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Am 10 Juni 2021 hat Anycubic seinen neuen FDM-Drucker namens Vyper bei einem Online-Launch-Event vorgestellt. Die Vyper verspricht einen schnellen Zusammenbau, ein 4,3 Zoll großes Display mit neuer Benutzeroberfläche, einen leisen Druckvorgang, eine magnetische Druckoberfläche aus beschichtetem Federstahl und echtes Autoleveling.

Anycubic Vyper Komplett mit Beispielen

Die ersten 3500 Geräte werden im offiziellen Anycubic Store im Presale für 299 US-Dollar (im EU-Raum 255 €) angeboten. Wir haben die Gelegenheit bekommen, uns das gute Stück genauer anzuschauen. Für Anycubic ist dieser Drucker der erste FDM-Drucker mit vollautomatischer Bettnivellierung. Ob diese Funktion überzeugen kann und wir den 3D-Drucker empfehlen können, erfahrt ihr im Test.

Lieferumfang und Aufbau

Im „Karton-Anzug“ mit maßgeschneidertem Schaumstofffutter kommt der Anycubic Vyper unversehrt bei uns an. 12,6 kg bringt der Karton auf die Waage und enthält neben dem Drucker folgenden Lieferumfang:

  • Eine SD-Karte gefüllt mit einem Testfile, einer Anleitung im PDF-Format sowie einem Druckerprofil für die Slicing-Software Cura in der Version 4.2.1
  • Ein SD-Kartenadapter
  • Ein USB-Kabel für die direkte Verbindung zum PC
  • Eine ausführliche gedruckte Anleitung für die Erstinbetriebnahme
  • Eine Toolbox, die im Drucker verstaut werden kann und alle wichtigen Werkzeuge für den Zusammenbau und Betrieb enthält
  • Einige Ersatzteile (Kabelbinder, 2x 0,4 mm Nozzle)
  • Ein paar Meter weißes PLA-Filament für den ersten Druck

Anycubic Vyper Lieferumfang

Dass das beiliegende Werkzeug einen Platz im Drucker findet, hat mich besonders begeistert. Für den alltäglichen Betrieb ist es einfach sehr praktisch, wenn das nötige Werkzeug immer griffbereit am entsprechenden Drucker zu finden ist.

Anycubic Vyper Toolbox 1

Der Aufbau geht schnell von der Hand. Die Basis des Druckers, auf der sich das Druckbett in Y-Richtung bewegt, muss lediglich mit vier Schrauben mit dem „X-Z Portal“ verbunden werden. Einzige Schwierigkeit ist hier, dass das Portal bereits mit der Basis verkabelt ist. Daher muss man beim Zusammenfügen der beiden Teile etwas Vorsicht walten lassen, um nicht am Kabelbaum zu zerren – eine dritte Hand ist hier von Vorteil. Mit etwas Geschick ist dies aber auch alleine zu bewältigen und man spart sich schließlich viel Zeit im Aufbau, da der Kabelstrang schon vorinstalliert ist.

Das „X-Z-Portal“ richtig zu platzieren fällt leicht. An der Basis sind die Aluminiumprofile an der entsprechenden Stelle ausgefräst und die Profile des Portals rutschen spielfrei in die Nut.

Nachdem beide Teile verbunden sind, wird das 4,3 Zoll große Display mit drei Schrauben am rechten vorderen Ende der Basis angebracht. Nun können die Transportsicherungen (in Form von Kabelbindern) entfernt und die Kabel der Motoren in die entsprechenden Buchsen gesteckt werden. Zu guter Letzt sollte die Rollenführung aller Achsen auf festen Sitz überprüft werden. In unserem Fall war etwas Spiel bei der Führung der Y-Achse vorhanden, welches sich mit den Exzenterschrauben an den entsprechenden Rollen und dem mitgelieferten Maulschlüssel beseitigen ließ. Ein entsprechender Hinweis, wie vorgegangen werden soll, ist auch auf der Anleitung zu finden. Insgesamt war der mechanische Aufbau des Anycubic Vyper nach rund 25 Minuten erledigt.

Hardware

Der Anycubic Vyper ist ein klassischer kartesischer 3D-Drucker. Dabei bewegt sich das Druckbett auf der Basis entlang der Y-Achse hin und her. Der Druckkopf bewegt sich entlang der X-Achse und diese wiederum bewegt sich, angetrieben von zwei Gewindespindeln in Z-Richtung. Das Konstruktionsprinzip hat sich in der Preisklasse dieses Druckers bewährt. Die Basis des Druckers besteht aus 4 x 4 cm Aluprofilen, verkleidet mit schwarz beschichtetem Blech. Hier versteckt sich die gesamte Elektronik, bestehend aus einem 32-Bit-Motherboard mit TMC2209 Motortreibern, das genügend Rechenleistung mitbringen sollte, und einem 24 V Netzteil mit einer Leistung von 350W, sowie die oben erwähnte Schublade mit den wichtigsten Tools. Nach dem einfachen Zusammenbau zeigt sich: Alles sitzt bombenfest und bildet einen sehr stabilen Rahmen. Damit kann der gesamte Druckraum (245 mm (L) × 245 (B) × 260 mm (H)) ohne Qualitätsverluste voll ausgenutzt werden. Die Abmessungen des Druckers sind mit 508 mm × 457 mm × 516 mm recht kompakt.

Alle verwendeten Komponenten machen einen hochwertigen Eindruck. Eine Besonderheit sind die optischen Endschalter der Z-Achse – ja richtig gelesen, plural – Anycubic spendiert der Z-Achse des Anycubic Vyper sowohl links als auch rechts je einen Endschalter, das könnte mit dem vollautomatischen Autoleveling zusammenhängen.

Außerdem hervorheben sollte man die verwendete „Kupplung“, mit der die Kraftübertragung der Spindeln auf die Z-Achse realisiert wurde. Diese sorgt dafür, dass eine leicht gebogene Spindel – und das ist eher die Regel als die Ausnahme – die eiernde Bewegung nicht auf den Druckkopf überträgt. Das findet man auch bei teureren Druckern nicht unbedingt im Repertoire. Der durchdachte Aufbau und das an den richtigen Stellen eingesetzte Knowhow (Spindelkupplung) führen zu einer sehr hohen Positionsgenauigkeit, die Anycubic mit 0,0125 mm in X und Y und 0,002 mm in Z angibt. Für den Filamentvorschub kommt ein Dual-Drive Bowden-Extruder zum Einsatz, der laut Anycubic auch das Drucken von flexiblem Filament wie TPU ermöglicht. Optisch hat der Extruder große Ähnlichkeit mit dem bekannten BondTech Extruder. Das Hotend kommt mit einer 0,4 mm Düse und erreicht eine maximale Temperatur von 260 °C. Das magnetische PEI-Druckbett erreicht eine Maximaltemperatur von 110 °C und erlaubt damit auch das Drucken von ABS. Für die Bauteilkühlung kommen zwei Lüfter zum Einsatz. Damit ist gewährleistet, dass die bereits gedruckten Schichten von allen Seiten schnell gekühlt werden und Überhänge sauber aussehen.

Anycubic Vyper Druckkopf

Bedient wird der Vyper über das 4,3 Zoll große Farbdisplay, das zügig reagiert. Druckdateien können entweder über einen SD-Kartenslot oder über eine USB-Verbindung per Kabel mit dem PC bereitgestellt werden. Beide Anschlüsse befinden sich an der Front des Druckers und sind gut zu erreichen. Der Netzschalter sitzt neben dem Netzkabelanschluss an der Rückseite des Druckers.

Betrieb

Bei der ersten Inbetriebnahme des Druckers muss das Druckbett gelevelt werden. Hier kommt das Autoleveling zum Einsatz – die bekannten Schrauben, um das Bett selber auszurichten, sucht man vergebens. Anycubic scheint von seiner Technik überzeugt und sieht kein manuelles Justieren des Bettes vor. Über den farbigen Touchscreen kann der entsprechende Menüpunkt schnell angewählt werden, alles Weitere erledigt der Drucker von selbst. Nach ca. 8 Minuten hat der Vyper das Druckbett selbstständig an 16 Punkten gelevelt und ist für den ersten Testdruck bereit. Während des Testzeitraumes war kein zweites Leveln erforderlich – selbst ein Ortswechsel hat den stabilen Rahmen nicht verzogen.

Um den ersten Druck starten zu können, muss der Drucker mit Filament versorgt werden. Auch hier gibt es einen Menüpunkt, der dabei unterstützt. Per Hand muss das Filament lediglich durch den Filamentsensor bis zum Extruder eingeführt werden, dabei hakelt nichts. Sowohl das Laden als auch das Entladen von Filament kann über den entsprechenden Menüpunkt angewählt werden. Das Hotend wird ´ automatisch auf 230 °C aufgeheizt und das Filament in die Düse gefördert. Über einen Stop-Button kann der Vorgang beendet werden, wenn das Filament die Düse erreicht hat.

Ist dieser Punkt erledigt, kann auch schon gedruckt werden. Sofern eine vorbereitete Datei auf der SD-Karte ist, wird diese im Menü „Print“ angezeigt. Mit einem Click wird der Druckprozess gestartet und die Aufheizphase beginnt. Das Druckbett heizt, dank des 24V Netzteils, zügig auf die benötigten 60 °C für PLA.

Während der Aufheizphase tritt das eigentlich einzige Manko des Druckers zu tage – die Lüfter des Netzteils und des Mainboards. Sobald das Netzteil eine gewisse Leistung liefert, schalten sich die Lüfter ein und diese sind leider relativ laut. Das ist schade, denn die TMC2209 Motortreiber leisten exzellente Arbeit. Flüsterleise bewegt sich der Druckkopf an die gewünschte Position, zumindest wenn keine hohe Leistung für das Heizen von Hotend und Druckbett angefordert wird. Dennoch ist die Geräuschkulisse während des Druckens nicht zu vergleichen mit der eines Druckers aus den Anfängen der 3D-Druckära. Wenn man nicht direkt daneben sitzt, weil man sich vielleicht den Schreibtisch mit dem Drucker teilen muss, ist die Lautstärke noch gut zu verkraften. Im Nebenraum ist nichts mehr zu hören.

Sobald ein Druck läuft, kann man über das Display die gängigen Parameter wie Druckgeschwindigkeit, Hotend-Temperatur, Lüfterdrehzahl und, was mich gefreut hat, auch die Z-Höhe einstellen. Letzteres kann hilfreich sein, wenn man mit dem Ergebnis des Autoleveling nicht 100%ig zufrieden ist oder das verwendete Filament eine Anpassung nötig macht.

In meinem Fall hat das Autoleveling aber perfekt funktioniert. Der erste Layer hat an jeder Stelle des Druckbettes hervorragend gehaftet. Die ungeliebten Elefantenfüße an den Druckobjekten sind damit Geschichte. Generell war ich von dem Druckbett (PEI beschichtete Federstahlplatte) begeistert. Alle Drucke hafteten perfekt. Sobald das Druckbett abkühlt, lassen sich die fertigen Objekte einfach ablösen. Sollte ein Objekt mit sehr großer Grundfläche einmal festkleben, so ist das mit dem magnetischen Federstahlblech kein Problem. Löst man es von der Basis und biegt es leicht, springen alle Objekte von der Platte – mit Ausnahme von TPU natürlich, dieses macht die Bewegungen einfach mit und muss mit sanfter Gewalt von der Platte gelöst werden. Ansonsten hatten wir aber keinerlei Schwierigkeiten beim Druck von TPU und das, obwohl der Anycubic Vyper mit einem Bowden-Setup arbeitet, was bekanntermaßen häufig zu Problemen mit flexiblem Filament führt. Bei allen Drucken wurden die von Anycubic mitgelieferten Slicer-Profile für die Drucksoftware Cura verwendet und lediglich hier und da die Schichthöhe angepasst. Im gesamten Testverlauf kam es zu keinem Fehldruck.

Noch zu erwähnen wäre die Resume-Funktion, die bei einer Unterbrechung die aktuelle Position speichert und nach einem Stromausfall das Weiterdrucken ermöglicht. Das hat in der Praxis auch gut funktioniert. Jedoch ist eine Fortsetzung nach einem Stromausfall nur dann möglich, wenn man die Unterbrechung sofort erkennt und behebt. Da sich die Drucke beim Abkühlen des Druckbettes wunderbar einfach lösen, würde das Hotend den bereits gedruckten Teil des Objektes beim Wiederansetzen von der Platte schubsen. Diesen Umstand können wir Anycubic aber nicht zur Last legen, da das bei allen Druckern mit Resume-Funktion ein prinzipbedingtes Problem darstellt.

Ist der Laufende Druck beendet und das Hotend sowie das Druckbett abgekühlt, schaltet der Vyper alle Lüfter aus. So ist er im Standby nicht zu hören.

Wir sind von der Bedienung des Druckers begeistert, gerade für Einsteiger ist das Handling klasse. Der Anycubic Vyper übernimmt alle Aufgaben, die – gerade für Anfänger – großen Frust auslösen können. Anycubic liefert hier ein echtes Paket, bei dem sofort mit dem Drucken begonnen werden kann – toll!

Druckqualität des Anycubic Vyper

Wie man vielleicht aus dem vorangegangenen Text schon erahnen kann, hat uns der Anycubic Vyper auch bei der Druckqualität überzeugt.

Für den ersten Druck haben wir den mitgelieferten Testfile „owl.gcode“ gedruckt. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Oberfläche ist sehr gleichmäßig und die Nahtstellen sind kaum bis nicht zu sehen. Überhänge sind für den Vyper ebenfalls kein Problem, das klassische Benchy, welches gerne zur Qualitätsüberprüfung herangezogen wird, sieht ausgezeichnet aus. Diese Qualität setzte sich auch bei allen weiteren Drucken fort. Auch beim Druck großer Objekte wie der goldenen Vase bleibt die Qualität sehr hoch. Das spricht für die stabile Konstruktion des Druckers. Selbst bei einer Höhe von 250 mm – das ist dicht an der maximalen Höhe von 260 mm – treten keine Schwingungen auf, die das Druckbild beeinträchtigen. Beim Druck von TPU haben wir die Druckgeschwindigkeit über das Menü etwas reduziert, um dem Filament etwas mehr Zeit für die Extrusion zu geben. Hier sind wir ebenso mit dem Ergebnis zufrieden. Die Oberfläche wirkt etwas raus, aber das liegt daran, dass das TPU, welches uns zur Verfügung stand Feuchtigkeit aufgenommen hat und es infolgedessen zur Blasenbildung während der Extrusion kam.

Der Dualgear-Extruder leistet optimale Arbeit, Drucke mit häufigem Filamentrückzug kommen ohne oder mit minimaler Fadenbildung (stringing) aus dem Drucker.

Anycubic Vyper Objekt Vase 250 mm

Testergebnis

Getestet von
Joscha

Die Lüfter des Anycubic Vyper sind unser einziger Kritikpunkt. Bastler und versierte Nutzer könnten diese mit vergleichsweise geringem Aufwand auch gegen leisere Lüfter tauschen.

Sieht man von den Lüftergeräuschen ab, bekommt man ein echtes Rundum-sorglos-Paket, das einfach Spaß macht. Hier steht das Drucken im Vordergrund und nicht das Aufbauen eines halbwegs funktionierenden Druckers.

Für den Preis von etwa 300 Euro kann man praktisch nichts falsch machen. Neben der ausgezeichneten Druckqualität ist der Anycubic Vyper auch ein echtes Arbeitstier. Alle Drucke, die wir gestartet haben, sind anstandslos fertiggestellt worden.

Anycubic hat hier ganze Arbeit geleistet und sein Knowhow an den richtigen stellen eingesetzt – für uns eine klare Kaufempfehlung und Daumen hoch!

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*Preise inkl. Versand und Zoll. Zwischenzeitliche Änderung der Preise, Rangfolge, Lieferzeit und -kosten möglich. Preise zuletzt aktualisiert am 22.07.2021

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HerzZorro
Gast
HerzZorro (@guest_79425)
9 Tage her

Ich hätte da auch mal eine Frage, wie hoch ist der komplette Drucker, müsste die Daten haben wegen Platzstellung:

Danke im vorraus :-=

Andreas C
Gast
Andreas C (@guest_79123)
25 Tage her

Mich würde interessieren war der Test Druck mit dem mitgelieferten Material oder mit eigenem, wenn eigenes benutzt wurde, welches war das?

RutenRudi
Gast
RutenRudi (@guest_79104)
26 Tage her

Danke für den Testbericht! Zwei Fragen tun sich mir auf. 1) wie sieht es mit den Kabeln vom Bett aus, wenn das Bett komplett zurück gefahren ist? Stehen die dann weit ab? Das find ich immer schwierig weil ich so das Gerät nicht weit an eine Wand schieben kann. Bei meinem aktuellen Drucker hab ich das Bett 90° gedreht, wie es sich hier aber anhört wird das hier eher nicht so einfach zu machen sein? 2) das Filament wird ja von der Seite in den Bowden geladen; ich find die maßgebliche Verbreiterung des Geräts durch den Filamenthalter (den ich eh… Weiterlesen »