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Chuwi LarkBox Testbericht

Getestet von Benjamin Kalt am
Vorteile
  • Sehr, sehr kompakt
  • mehr oder weniger leiser Lüfter
  • solides Grundgerüst an Anschlüssen
  • M.2 SSD Steckplatz
  • aktueller Intel-Prozessor
  • niedriger Stromverbrauch
  • HDMI 2.0
Nachteile
  • Fake USB-C Slot
  • Lüfter arbeitet häufig
  • Performance ist dem Preis entsprechend niedrig
  • RJ45, USB-C und Display Port fehlen
  • nur M.2 SATA SSDs und kein PCI-E M.2 SSD Slot
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Die Chuwi LarkBox wird aktuell über Indiegogo finanziert. Für etwa 150€ bietet Chuwi einen vollwertigen PC mit Windows 10, einer SSD und einem Intel-Prozessor. Der Kniff: Das Gehäuse ist so klein, dass es nur etwa die Größe eines Apfels einnimmt. Dennoch verspricht der Hersteller genug Leistung und alle wichtigen Anschlüsse untergebracht zu haben.

Wir haben einen Prototypen der Chuwi LarkBox für zwei Wochen testen können und beantworten euch heute einige Fragen zum Mini-PC. Wie viel Power steckt wirklich in dem kleinen Gehäuse? Ist die Chuwi LarkBox wirklich so leise und energiesparend wie beworben? Und für wen eignet sich so ein Mini-PC überhaupt? Das und vieles mehr lest ihr in unserem Testbericht!

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Design & Verarbeitung der Chuwi LarkBox

Beginnen wir mit dem Elefanten im Raum. Trotz der schier riesigen Umverpackung ist die Chuwi LarkBox mit ihren 61 x 61 x 43 Millimetern wirklich ziemlich klein. In der Hosentasche würde ich sie nicht unbedingt mitnehmen, aber in der Manteltasche oder einer kleinen Umhänge- oder Handtasche verschwindet sie problemlos und stört auch nicht.

Das Gehäuse ist komplett aus schwarzem Kunststoff, der sich nicht übertrieben hochwertig, aber dafür relativ stabil anfühlt. Der Ein-/Ausschalter auf der Vorderseite ist aus Metall und hat einen sehr guten Druckpunkt. Darüber befindet sich eine blaue Status-LED, die gerne ein bisschen heller hätte sein dürfen. Im Dauerbetrieb stört die LED aber somit auch nicht.

Ein Großteil der Lüftungsschlitze befindet sich auf der Oberseite der Chuwi LarkBox, wo sich auch ein Markenlogo befindet. Links befindet sich gar nichts, rechts ein 3,5mm-Klinkenanschluss und ein Slot für Micro SD-Karten. Der überwiegende Teil der Anschlüsse findet auf der Rückseite seinen Platz: einmal USB-C für den Strom (und leider auch ausschließlich dafür), zweimal USB-A (3.0) für externe Festplatten und Eingabegeräte und einmal HDMI.

Der USB-C Anschluss unterstützt leider kein Power Delivery. Es handelt sich also wirklich um einen reinen Stromanschluss und es sollte ausschließlich das mitgelieferte Netzteil verwendet werden. Hier hat Chuwi wirklich am falschen Ende gespart, da Power Delivery deutlich mehr Flexibilität bringen würde.

Die Unterseite wird von einigen Schriftzügen und Aufklebern, vier gummierten Standfüßen und zwei Gewinden geziert. Letztere können mit Hilfe einer mitgelieferten Platte aus Metall für eine feste Montage der Chuwi LarkBox verwendet werden. Ich habe das nicht in Anspruch genommen, finde es aber grundsätzlich gut, diese Möglichkeit zu haben. Einfach an der einen oder anderen Stelle ein paar Gewinde einzuschrauben kostet nicht viel und manchen Nutzern bringt es einen großen Nutzen. Zudem kann man den Mini-PC so auch hinter einem PC-Monitor befestigen und sich einen kompakten “All-in-One-PC” zaubern.

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Lüfter: Lautstärke und Hitzeentwicklung der Chuwi LarkBox

Die wichtigste Aufgabe der Lüfter ist, die Technik im Gehäuse kühl zu halten. Das gelingt der Chuwi LarkBox sehr gut, kommt aber mit zwei Nachteilen. Unter mittlerer bis hoher Last laufen die Lüfter nahezu durchgehend und das nicht super leise. Versteht mich DSC4996nicht falsch, ihr holt euch mit der LarkBox kein Äquivalent zur Playstation 4 ins Haus, aber hörbar sind die Lüfter allemal. Der Ton ist relativ hochfrequent und könnte einige Leute nach längerer Nutzung durchaus nerven. Das klingt schlimmer als es ist, ich habe nur irgendwie mit einem unhörbaren Mini-PC gerechnet. Das ist die Chuwi LarkBox definitiv nicht.

Außerdem wird das Kunststoffgehäuse unter Last ein bisschen warm. Das ist an sich kein großes Problem und selbst nach mehreren Benchmarks wurde die LarkBox nie unangenehm heiß. Wirklich leise und kühl ist der Mini-PC aber wirklich nur bei anspruchslosen Aufgaben. Ein paar mehr offene Tabs in Google Chrome reichen schon aus, um den Lüfter hin und wieder zu aktvieren.

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Lieferumfang

In der typischen Chuwi-Packung, in diesem Fall mit überragend guter Polsterung, befinden sich neben der LarkBox selbst das Netzteil inklusive der zugehörigen Kabel und die eben erwähnte Metallplatte. Ein HDMI-Kabel muss man also selber beisteuern, Chuwi beschränkt sich hier auf die nötigsten Accessoires. Das haben wir in Anbetracht des Preises aber nicht anders erwartet und möchten es auch nicht als wirkliche Kritik verbuchen.

Systemleistung

Bei dem günstigen Preis und dem kompakten Gehäuse kann man definitiv keine Höllenmaschine erwarten und das will die Chuwi LarkBox auch gar nicht sein. Mit dem Intel Celeron J4115 ist eine brandneue CPU verbaut, die bisher nur in einer Handvoll anderer Geräte zum Einsatz gekommen ist. Der Vierkern-Prozessor kommt mit einem Basis-Takt von 1,8 GHz und einem maximalen Takt von 2,4 GHz.

Für die grafisch aufwändigeren Jobs ist eine Intel UHD Graphics 600 zuständig. Außerdem stehen sechs Gigabyte DDR4-RAM bereit. Als Out of the Box bekommt man normalen eMMC-Speicher mit 128 Gigabyte. Dieser erreicht 307,57 MB/s im Lesen und 101,91 MB/s im Schreiben. Keine Spitzenwerte, aber befriedigend. Der Speicher lässt sich zudem noch über einen M.2-Slot erweitern. Leider gibt es hier auch eine kleine technische Beschränkung. So werden nur ältere M.2 2242 SATA SSDs unterstützt und keine M.2 2242 PCI-E NVME SSDs. Dies schränkt die Auswahl der SSD natürlich etwas ein.

Die Benchmarks zeichnen ein deutliches Bild: Die Chuwi LarkBox ist nicht sonderlich leistungsstark. Aber synthetische Benchmarks geben immer nur einen Anhaltspunkt über die tatsächliche Performance. Vor allem dank der SSD laufen viele Aufgaben auf der Chuwi LarkBox flüssiger als es die Ergebnisse aussehen lassen.

Durchs Internet surfen, Office-Anwendungen verwenden, Videos und Fotos anschauen und andere Multimedia-Aufgaben kriegt die Chuwi LarkBox durchaus gestemmt. Gaming kann man komplett vergessen und sehr fordernde Aufgaben wie Videoschnitt, Bildbearbeitung oder Farbkorrektur laufen auf dem Mini-PC gar nicht oder nicht flüssig. In diesem Preisbereich kann man aber nicht mehr als einen Multimedia-PC erwarten, und genau in diesem Gebiet glänzt die LarkBox.

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Konnektivität

Das liegt unter anderem auch an der ausgezeichneten Konnektivität. WLAN im Dual Band, Bluetooth 5.1 und zwei vollwertige USB 3.0-Anschlüsse sind in diesem Preisbereich alles andere als selbstverständlich. Meine Bluetooth-Maus von Xiaomi verbindet sich innerhalb weniger Sekunden und hält die Verbindung konstant. Das Wlan ist durchschnittlich schnell und sehr stabil. Bei dem HDMI-Anschluss handelt es sich übrigens um einen neuen HDMI 2.0 Port, womit auch 4K Monitore mit 60Hz nutzbar sind. Hierbei sollte man natürlich beachten, dass die hohe Auflösung dem kleinen Mini-PC auch ordentlich etwas abverlangt.

Ich persönlich hätte sehr gerne einen zweiten USB-C Anschluss an der Chuwi LarkBox gesehen. Der vorhandene Anschluss ist leider immer durch das Stromkabel belegt. Leider betreibt Chuwi bei dem USB-C Anschluss auch etwas Augenwischerei: Der Anschluss erfüllt nur die Ladefunktion und unterstützt nicht einmal Power Delivery. Es ist also weder möglich, einen USB-C Dongle dazwischen zu schalten, noch die Larkbox mit einem normalen USB-C PD Netzteil aufzuladen. Auch ist es nicht möglich, die Box mit einer Powerbank unterwegs zu betreiben. Es handelt sich um einen reinen Ladeport, der dazu auch noch auf Chuwis hauseigenes Netzteil beschränkt ist. Hier wurde wirklich am falschen Ende gespart.

Windows 10 auf der Chuwi LarkBox

Auf meiner Chuwi LarkBox befindet sich Windows 10 Pro in einer mehrsprachigen Variante. Deutsch konnte ich ohne Probleme einstellen und die Eingabe eines Aktivierungscodes war nicht nötig. Bei den Serienmodellen ist das aber vermutlich nicht der Fall, da Chuwi nirgendwo mit einem vorinstallierten und aktivierten Windows 10 wirbt. Einen Windows Key bekommt man aber auch für ein paar Euro bei Ebay. Ansonsten kann man laut Chuwi auch problemlos Linux Distributionen wie Ubuntu oder Debian auf die Larkbox installieren.

Genau das habe ich dann irgendwann auch gemacht. Viele werden die Chuwi LarkBox zwar als Office-PC und für Multimedia einsetzen, ich hatte allerdings etwas anderes geplant. Ich werde meine Chuwi LarkBox als privaten Webserver für kleinere Projekte und möglicherweise als Server für eine Owncloud-Instanz verwenden. Für den Live-Einsatz bei mittleren bis größeren Webseiten würde ich den Mini-PC aber nicht empfehlen, da er ausschließlich WLAN unterstützt.

Chuwi Larkbox kaufen

Die Chuwi Larkbox gibt es bisher nur bei Indiegogo zu kaufen. Wie immer raten wir davon ab, bei Crowdfunding-Plattformen zu bestellen, da die Produkte von China versendet werden und kein zollfreier Versand zur Verfügung steht. Zudem bekommt Ihr nach Release bei den einschlägigen Onlineshops wie Gearbest und Banggood bessere Preise.

Chuwi Larkbox auf Indiegogo

Testergebnis

Getestet von
Benjamin Kalt

Die große Frage ist ja eigentlich: Für wen ist die Chuwi LarkBox? Wenn du einen relativ leisen, stromsparenden Computer für Office- oder Multimedia-Jobs suchst, bist du hier durchaus gut beraten. Du wirst zwar ein paar Kompromisse eingehen müssen (kein USB-C, nur zwei mal USB 3.0, kein RJ45, nur HDMI und kein Display Port), die Leistung ist aber ausreichend und Chrome, LibreOffice und Co mit flüssiger Geschwindigkeit. Ein wirklich gravierender Nachteil ist eigentlich nur, dass der USB-C Anschluss reine Augenwischerei ist.

Wenn du einen Mini-Server für den Dauereinsatz suchst, könnte die LarkBox also durchaus interessant für dich sein. Mit maximal 24 Watt Stromverbrauch (durch das Netzteil mit 2V/12A beschränkt) und 5-12 Watt im Normalbetrieb sind die Kosten nicht sonderlich hoch und die Leistung ist für rudimentäre Aufgaben (kleine Instanzen von Owncloud, Apache, MySQL, Teamspeak 3 etc.) ausreichend.

Wenn du hohe Ansprüche an die Geschwindigkeit deines PCs hast, solltest du dich woanders umsehen. Dann ist die Chuwi LarkBox nichts für dich.


Gesamtwertung
78%
Design & Verarbeitung
80 %
Leistung
70 %
Konnektivität
85 %

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Ralf Friedrich
Gast
Ralf Friedrich (@guest_65304)
13 Tage her

Nun mit neuem Netzteil

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Joschbo
Autor
Team
Joscha (@joschbo)
13 Tage her
Antwort an  Ralf Friedrich

Ja, allerdings hat sich nur das Format geändert, wenn ich das richtig sehe. Danke trotzdem für den Hinweis!

Ralf Friedrich
Gast
Ralf Friedrich (@guest_65302)
13 Tage her

Könnt ihr evtl. Auch etwas zum Netzteil schreiben? Dank der erfolgreichen Finanzierung erhielt das Netzteil ein Upgrade und ist jetzt kleiner. Aber meiner Meinung nach ist das eher ein Nachteil, da an dem kleinem Netzteil die Kontakte direkt befestigt sind. Ein Austausch des Kabels wie bei eurem alten, großen Netzteil ist hier nicht möglich. Würde ein Raspi 4 Netzteil passen?