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Das vierte Mobilfunknetz für Deutschland – Hat jemand auf 1&1 gewartet?

Am 8. Dezember 2023 wurde ein neues, spannendes Kapitel in der Geschichte des deutschen Mobilfunks aufgeschlagen – 1&1 trat als vierter Netzbetreiber in den deutschen Wettbewerb ein. Der aufstrebende Netzbetreiber strebt nun an, sich von den etablierten Größen wie Telefónica, Telekom und Vodafone abzuheben. Obwohl ehrgeizige Ziele verfolgt werden, hängt 1&1 den Platzhirschen natürlich noch in vielen Sachen hinterher. In folgendem Artikel wollen wir Euch Aufschluss über alle relevanten Informationen und Hintergründe zum Netzstart von 1&1 in der deutschen Mobilfunklandschaft geben.

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Der Weg zu flächendeckender Versorgung

1&1 verfügt mit 2 Core-Rechenzentren, 23 Edge-Rechenzentren, 81 Far-Edge-Rechenzentren und aktuell 503 Antennenstandorten über deutlich weniger Möglichkeiten, als die “Big-Player” des deutschen Mobilfunknetzes. Im Vergleich zu Vodafone, die über 26.000 Mobilfunk-Stationen, darunter fast 15.000 5G-Stationen, betreibt, befindet sich der “Newcomer” also noch auf einem langen Weg. Die ehrgeizige Vision von 1&1 sieht allerdings vor, bis Ende 2024 rund 3.000 Antennenstandorte zu betreiben. Um bereits im Vorhinein eine stabile und flächendeckende Versorgung gewährleisten zu können, setzt 1&1 vorerst auf nationales Roaming. Bis zum Sommer 2024 wird dieses im Netz der Telefónica realisiert, danach im Netz von Vodafone. Die Kooperation eröffnet 1&1 die Möglichkeit, die Infrastruktur anderer Netzbetreiber zu nutzen und sogar eine 5G-Bereitstellungen durch Vodafone ab Juli 2024 ermöglichen zu können.

Open RAN – Innovativ, aber nicht ohne Risiken

Beim Netzaufbau verfolgt 1&1 einen vergleichsweise innovativen Ansatz mit modernen Standards, insbesondere durch den Einsatz von Open RAN. Das Ziel dabei ist, das “modernste Mobilfunknetz Europas” zu schaffen. Im Gegensatz zu den etablierten Netzbetreibern, die ihre Netzarchitektur von 4G zu 5G migrieren, plant 1&1, alle Vorteile von 5G von Grund auf zu realisieren. Dabei setzt der Netzbetreiber auf leistungsfähige Gigabitantennen und die Virtualisierung von Netzfunktionen in einer Cloud namens “1&1 O-RAN”. Dieser Ansatz ermöglicht die Kombination standardisierter Komponenten von unterschiedlichsten Herstellern, was potenzielle Qualitäts- und Kostenvorteile bieten kann. Allerdings birgt die Open RAN-Technologie auch Herausforderungen, wie in Vergangenheit bereits die japanischen Firma Rakuten zeigte, welche unter anderem mit explodierenden Kosten und Verbindungsproblemen zu kämpfen hatte.

Herausforderung Netzausbau

Trotz ambitionierter Pläne und des Starts des eigenen 5G-Netzes stehen massive Verzögerungen und Konflikte mit der Bundesnetzagentur im Fokus. Die Behörde hat allen Netzbetreibern, einschließlich 1&1, Frequenzauflagen auferlegt, die bis Ende 2022 die Errichtung von 1.000 5G-Antennenstandorten vorsahen. Die Realität sieht jedoch anders aus, da der Newcomer die eigenen Zielmarken mehrfach verfehlt hat. Das Unternehmen sieht sich deshalb seit April 2023 einem Bußgeldverfahren der Bundesnetzagentur gegenüber, mit möglichen Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro pro Standort. Im schlimmsten Fall droht also eine schlappe Summe von 50 Millionen Euro.Funk

Trotz verschiedensten Hindernissen stieg 1&1 im Dezember 2023 als vierter deutscher Netzbetreiber ein. Der Start erfolgte, obwohl aufgrund von Auflagen der Bundesnetzagentur nur 200 Antennenstandorte aktiv sind. Die Behörde hat Ende 2022 klargestellt, dass eine Doppelrolle als Diensteanbieter und Netzbetreiber nicht zulässig ist und der Vertrieb als Diensteanbieter bis Ende 2023 eingestellt werden muss. 1&1 sah sich also gezwungen, sein Netz noch im letzten Jahr zu aktivieren.

Fazit zum kommenden vierten Mobilfunknetz

Trotz Verzögerungen und regulatorischer Auflagen konnte 1&1 Ende 2023 als vierter Netzbetreiber in Deutschland starten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob man als großer Modernisierer in der Mobilfunkbranche agieren kann oder auf dem Markt als Trittbrettfahrer wahrgenommen wird. In jedem Fall wird der Weg des neuen Netzbetreibers den Wettbewerb in der Branche prägen. Aus Verbrauchersicht bleibt abzuwarten, ob der ehrgeizige Ansatz von 1&1, in Verbindung mit innovativen Technologien wie Open RAN, zu einer positiven Veränderung der deutschen Mobilfunklandschaft führen wird. Näheres wird sich sehr wahrscheinlich bereits in naher Zukunft sagen lassen.

Quellen


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Jürgen
Gast
Jürgen (@guest_104813)
2 Monate her

Welche praktischen Auswirkungen hat das denn für mich als 1&1-Kunden mit 4G-Handy? So wie ich das verstehe, lande ich ja irgendwann im Sommer im Netz von Vodafone und kann dann gespannt sein, wie sich die Netzabdeckung ändert. Brauche ich dann (schon wieder) eine neue SIM-Karte?

jonas-andre
Autor
Team
Jonas Andre(@jonas-andre)
2 Monate her
Antwort an  Jürgen

Servus Jürgen, aktuell hast du Roaming bei O2, wenn dein 1&1 Netz nicht ausreicht und ab Sommer dann bei Vodafone. Vielleicht nächstes Jahr dann bei der Telekom 😜. Du hast quasi deren Netze + durchgehenden 1&1 Ausbau, also ziemlich cool. Eine neue SIM brauchst du natürlich nicht, da deine SIM einfach das fremde Netz nutzen darf. Bist du direkt bei 1&1 oder bei einem Drillisch-Anbieter? Wo 1&1 mit Band 78 echtes 5G baut, ist auch immer noch Band 7 als 4G Unterstützung dabei.

Beste Grüße

Jonas

Jürgen
Gast
Jürgen (@guest_104831)
2 Monate her
Antwort an  Jonas Andre

Bin direkt bei 1&1. Dass hier in der Kleinstadt bzw. einer der Kreisstädte eines Flächenlandkreises 1&1 eigene Funkstationen errichtet halte ich für unwahrscheinlich – die werden sich auf Großstädte und Ballungszentren konzentrieren.

Ali
Gast
Ali (@guest_104806)
2 Monate her

Der genehmigte Verkauf von E-Plus war schon korrupt. Dass der Wettbewerb mit 3en ausgeschaltet würde, könnte man schon vorher am Beispiel Österreich sehen.
Jetzt spielt ein 4. Player mittlerweile keine Rolle mehr, da man sich bereits an anderen Oligopolen orientiert.
Eine “Einschaltgebühr” von 60€ – für was?
Auch 1&1 bietet preislich keine echte Alternative.
Das ist kein Wettbewerb.

Jan
Gast
Jan (@guest_104771)
2 Monate her

Hab ich da irgendwie, irgendwas verpasst? Als O2 damals E – Plus gefressen hat mussten diese damals vom Kartellamt (als Auflage) 30% ihres Mobilfunk Netzes verkaufen was diese auch Taten, indem sie schauten wo es Überkapazitäten gab und das haute damals gerade so hin und diese 30% vom Mobilfunk Netz wurden damals von Drillisch gekauft. Ebenso kaufte Drillisch Primacom die damals selbst Tele Columbus kaufen wollten (beides TV Kabelnetz Betreiber). Was aus Tele Columbus letztendlich geworden ist weiß ich zwar leider nicht aber aus Primacom wurde Pyur (gehört zu Drillisch). Somit hatte Drillisch 30% Mobilfunk Netz und ein vorhandenes Kabelnetz,… Weiterlesen »

Rolfi
Mitglied
Mitglied
Rolfi(@rolfi)
2 Monate her
Antwort an  Jan

Tele Columbus ist in Pyur aufgegangen.
1&1 /Drillisch waren bisher Service Provider. Jetzt Netz Betreiber mit eigenen (wenigen) Sendemasten. Was nicht versorgt werden kann, wird per National Roaming noch bei O2 und ab Sommer von Vodafone abgedeckt/eingekauft. O2 wollte ursprünglich nur 4G bereitstellen, daher der Wechsel zu Vodafone.

dani
Mitglied
Mitglied
dani(@dani)
2 Monate her

Interessanter Artikel. Habe ich tatsächlich gar nichts von mitbekommen.
Klingt zunächst auch so, als wäre dieses Unterfangen schier zum Scheitern verurteilt, aber anscheinend steckt da jede Menge Gewinnpotenzial drin. Wie, ist mir aber tatsächlich schleierhaft.

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