Vor wenigen Jahren noch war es nur möglich, kleinere Gadgets und Smartphones kostengünstig aus China zu bestellen. Mittlerweile stellt selbst die Bestellung größerer Geräte wie Fernseher oder E-Bikes kein Problem mehr dar. In diesem Testbericht werden wir uns das Fiido D1 genauer anschauen. Mit einem Preis von 380€ handelt es sich um ein klappbares E-Bike aus China, das über einen Pedelec- und Moped-Modus verfügt, bis zu 25km/h schnell fahren kann und angeblich sogar eine Reichweite von 40-80km hat. Handelt es sich hierbei um leere Versprechen oder ist das Fiido D1 tatsächlich ein echter Geheimtipp? Im Folgenden gehen wir dieser Frage nach.

Fiido D1 Ebike China 11

Bestellung

Das Fiidoo D1 wurde uns von Gearbest für diesen Test zur Verfügung gestellt. Aufgrund seiner Größe wird das Gerät nicht wie üblich mit dem Flugzeug transportiert, sondern kommt mit dem Zug von China nach Deutschland. Die entsprechende Liefermethode heißt „Europe Railway Express“ und dauert 6 Wochen (Screenhot Sendungsverfolgung). Zollkosten bleiben dem Käufer bei dieser Versandmethode erspart, weil der Onlineshop sich praktischerweise um die Einfuhr kümmert und das Paket dann per UPS an die Haustür liefert.

Nach dem Auspacken des 22kg schweren Kartons offenbart sich das Fahrrad in seinem zusammengeklappten Zustand. Im Lieferumfang befindet sich neben einer sehr knapp gefassten Anleitung noch ein Paar Imbussschlüssel und ein Schraubenschlüssel.

Inbetriebnahme und Klappfunktion

Der Einsatz der Schraubenschlüssel ist zur Inbetriebnahme zum Glück nicht nötig, denn das Fiido D1 ist schon vollständig zusammengebaut. Um das E-Bike fahrbereit zu machen, muss man lediglich die Schaumpolster entfernen, die Scharniere zusammenführen und diese mit dem Schnellspanner sichern. Zunächst klappt man hierzu die Spanne am Lenker hoch und sichert diese mit dem Hebel und Sicherheitshaken. Danach wiederholt man das gleiche Procedere mit dem Rahmen und setzt den Fahrradsitz ein. Schließlich muss man nur noch die Pedale ausklappen und dann kann es eigentlich schon losgehen.

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Verarbeitung, Größe & Transport

Das Fiido D1 hat einen relativ kleinen Rahmen und vor allem ziemlich kleine 14 Zoll Reifen. Diese verleihen dem Fahrrad auf der anderen Seite auch seine kompakte Größe, sodass das E-Bike zusammengeklappt auch in einem mittelgroßen Kofferraum noch problemlos unterkommt. Die Maßangaben des Herstellers mit 130 x 58 x 95 cm im ausgeklappten Zustand sowie 75 x 35 x 65 cm im zusammengefalteten Modus können wir bestätigen. Das Gewicht des Fahrrads liegt unserer Messung nach allerdings bei 16kg und nicht 18kg. Da es sich um ein sehr kleines Fahrrad handelt, war ich vor dem Test sehr skeptisch, ob ich gut auf dem Fiido D1 fahren kann. So cool ein E-Bike auch ist, wer will beim Fahren schon aussehen wie „der Affe auf dem Schleifstein“. Erfreulicherweise lassen sich Lenkerstange und Sattel des Fiido D1 aber bis auf eine Höhe von 100cm (Sattel) bzw. 110cm (Lenker) ausfahren, sodass ich mit meinen 1,92m sehr bequem auf dem Fahrrad sitzen kann. Die maximale Last das E-Bikes wird mit 120kg angegeben.

Fiido D1 Ebike China 12

Das Fiido D1 hat direkt über dem Rahmen einen Tragegriff, mit welchem sich das Fahrrad gut hochheben lässt. Den Griff kann man zudem sehr praktisch zum Anketten des Rads mit einer Fahrradkette benutzen. Auch wenn das Gewicht mit 16kg noch etwas niedriger ist als die angegebenen 18kg, ist das Fiido D1 nicht gerade leicht zu tragen. Natürlich kann man als mittelstarker Mann die ein oder andere Treppe mit dem Fahrrad hinaufsteigen, für längere Transporte zu Fuß ist das Fahrrad aber zu schwer.

Was die Verarbeitung des Fiido D1 angeht, merkt man dem Bike seinen günstigen Preis kaum an. Der Rahmen und der Lenker bestehen aus matt lackiertem Metall und wirken sehr solide. Zudem verfügt das D1 über Scheibenbremsen auf der Vorder- und Rückseite, was bei diesem Preisbereich auch keine Selbstverständlichkeit ist. Die Scheibenbremsen sind zudem über einen Sensor mit dem Gasgriff gekoppelt, sodass bei einer Betätigung der Bremse automatisch der Antrieb gestoppt wird. Der Sattel des Fiido D1 ist ein weiteres Teil, das mich positiv überrascht hat. Er hat eine relativ breite Sitzfläche und ist angenehm weich, was gerade bei längeren Strecken dem Fahrvergnügen zuträglich ist. Alle wichtigen Steuerelemente sind an der Lenkstange untergebracht. Hier gibt es auf der rechten Seite einen Gasgriff, über den sich das Rad beschleunigen lässt. Zudem befindet sich hier ein Zündschloss zum Anschalten des Rades. Im Lieferumfang sind zwei passende Schlüssel enthalten. Ohne die Schlüssel kann der Elektromotor nicht angeschaltet werden. Dreht man den Schlüssel herum, leuchtet sogleich das Display auf der rechten Seite auf und informiert mit einem Balkendiagramm über den Akkustand. Mehr Funktionen hat das Display leider nicht. Eine Kilometer-Anzeige oder wenigstens eine Info, in welchem Modus sich das Fahrrad befindet, wäre definitiv sinnvoll gewesen. Auf der linken Seite befindet sich ein kleiner roter Knopf, mit dem man die Hupe des E-Bikes betätigen kann. Gibt einen lauten Piep-Ton von sich, der aufgrund seines ungewöhnlichen Klangs definitiv alle Passanten zum Stillstehen bringt. Zudem gibt es einen On-/Off-Button für die Beleuchtung des Fahrrads. Ist dieser angeschaltet, leuchtet auf der Vorderseite eine recht starke LED in weißer Farbe auf. Eine Beleuchtung auf der Rückseite gibt es jedoch nicht, hier ist lediglich ein Reflektor angebracht. Schließlich ist auf der linken Seite des Lenkers noch ein Schalter, mit dem man zwischen den 3 Fahrmodi wechseln kann. Das Smartphone kann man zudem in einer Vorrichtung einklemmen, sodass man diesesunterwegs als Navi nutzen kann. Unter der Smartphone-Ablage gibt es praktischerweise noch einen USB-Slot, über den sich das Handy während der Fahrt aufladen lässt. Der Slot ist von einer Schutzkappe bedeckt.

Insgesamt handelt es sich bei dem Fiido D1 um ein ordentlich verarbeitetes Fahrrad, das angesichts seines günstigen Preises kaum Raum zur Kritik lässt. Der Faltmechanismus ist einfach durchzuführen und innerhalb von einer Minute hat man das Rad auf einen Bruchteil seiner Größe geschrumpft. Im ausgeklappten Zustand bietet das Fiido trotz der kleinen Maße auch für große Personen noch einen guten Komfort.

Fahreigenschaften

Fiido D1 Ebike China 10Das Fiido D1 hat einen Elektroantrieb mit 250 Watt. Inwiefern man von diesem Gebrauch macht, hängt davon ab, in welchem Modus man das Ebike betreibt. Durch ein Verschieben des kleinen Schalters lassen sich folgende Modi aktivieren:

 

 

  1. Manueller Modus: Das Bike beschleunigt nicht und man bewegt sich lediglich durch eigenes Treten vorwärts. Da das Fiido D1 nur 14 Zoll große Reifen hat, ist dieser Modus sehr mühsam und macht auf Dauer keinen Spaß. Man ist mit etwas Strampeln zwar immer noch schneller als der durchschnittliche Jogger, aber es wird auch ein entsprechend großer Kraftaufwand benötigt, der nicht mit einem normalgroßen Fahrrad zu vergleichen ist.
  2. Moped-Modus: In diesem Modus wird das E-Bike durch eine Betätigung des Gasgriffes beschleunigt. Dabei werden 100% der zur Verfügung stehenden Motorkraft verwendet. Der Hersteller gibt an, dass das Fahrrad damit auf bis zu 25km/h beschleunigen kann. Ob und wie schnell man diesen Wert erreicht, hängt natürlich von der Größe und dem Gewicht des Fahrers ab. In meinem Fall (92kg) erreichte das Fiido D1 auf grader Strecke noch 20 Sekunden Beschleunigung eine Geschwindigkeit von etwa 23km/h. Insofern sind auch hier die Angaben des Herstellers relativ realistisch. Natürlich ist es möglich, auch in diesem Modus noch in die Pedale zu treten, um das Ebike noch mehr zu beschleunigen. Allerdings beschränkt sich bei normalem Treten die Beschleunigung auf etwa 2-3km/h mehr. Beachten solle man zudem, dass der Gasgriff auf im Stand sofort eine Beschleunigung auslöst. Wer hier unvorsichtig ist, dem kann es passieren, dass das E-Bike sich versehentlich ohne den Fahrer davonmacht.
  3. Pedelec-Modus: In diesem Modus arbeitet das Fiido D1 nach Angaben des Herstellers mit 50% der Motorkraft. Ich schätze allerdings, dass in Wirklichkeit etwa 60 bis 70% eingesetzt werden. Im Pedelec-Modus wird die Beschleunigung erst gestartet, nachdem man das Bike auf 5km/h beschleunigt hat und der Gasgriff verliert seine Funktion. Beschleunigt wird nur so lange, wie auch getreten wird. Insofern ist es auch nicht möglich, das Bike versehentlich aus dem Stand zu startet. Sobald die 5km/h durch eigenes Treten erreicht sind, schaltet sich der Elektromotor ein und unterstützt den Fahrer. Hört man auf zu treten, wird auch die Beschleunigung abgestellt. Mit moderatem Kraftaufwand erreicht man hierbei etwa 20km/h ohne größere Anstrengung. Eine Beschleunigung über diese Geschwindigkeit hinaus ist auf Dauer aber sehr anstrengend.

Egal ob man im Moped- oder Pedelec-Modus fährt: Es macht einen Riesenspaß sich mit dem Fiido fortzubewegen. Die erreichbare Geschwindigkeit entspricht derjenigen eines mittelschnellen Radfahrers – nur mit wesentlich weniger Kraftaufwand des Fahrers. In meiner Testzeit hat sich das Fiido daher als Gerät gezeigt, um ins Fitnessstudio zu fahren oder Einkäufe zu erledigen. Da das Fahrrad recht hochwertig verarbeitet ist, hat man dabei auch nie das Gefühl, besonders riskant unterwegs zu sein. Mit Steigungen kommt das Rad ebenfalls gut zurecht, wobei 20% Steigung realistischer sind als die Herstellerangabe von 30%.

Akku

Der Akku des Fiido D1 ist in den Rahmen integriert und wird über ein kompaktes Netzteil aufgeladen. Der Ladevorgang dauert etwa 6 Stunden bis die 7,8Ah aufgefüllt sind. Damit soll sich laut Hersteller eine Strecke von bis zu 40km im Moped-Modus und 80km im Pedelec-Modus zurücklegen lassen. Diese Angaben klingen nicht nur utopisch, sondern sind es auch. Im Praxiseinsatz mit ca. 80% Pedelec- und 20% Moped-Modus kam ich mit dem Fahrrad 35km weit. Obwohl damit die Herstellerangaben bei Weitem nicht erreicht sind, ist das Ergebnis durchaus akzeptabel. Wenn man mit dem Fahrrad pro Tag etwa 5km fährt, muss man nur 1x pro Woche aufladen.

Ein etwas nerviger Fehler bei der Akkuanzeige ist uns während der Testphase aufgefallen. Diese stellt den Akkustand in 25%-Schritten in Balken dar. Leider ist die Anzeige nicht sonderlich genau und springt gelegentlich zwischen zwei Ladeständen hin und her. Somit kann sie zwar als ungefährer Indikator der Restkapazität genutzt werden, wirklich präzise ist sie aber nicht.

Wer mit dem 7,8Ah Akku nicht auskommt, kann übrigens zu einer Extended-Version des Fiido D1 mit 10,4Ah Akku greifen. Diese sollte noch einmal ein drittel Mehr Laufzeit erreicht werden.

Rechtslage in Deutschland

Da wir keine Rechtsexperten sind, können wir nur eine unverbindliche Einschätzung zu diesem Punkt abgeben. Klar ist in jedem Fall, dass das Fiido D1 im Moped-Modus ohne Nummernschild und behördliche Prüfung nicht legal auf deutschen Straßen unterwegs ist. Der Pedelec-Modus als solcher sollte jedoch zulässig sein, da das Fahrrad nur bis zu einem Grenzwert von 25km/h beschleunigt. Allerdings stellt das Fiido D1 unseres Erachtens nach trotzdem einen Sonderfall dar, da eben jener Moped-Modus vorhanden und somit prinzipiell zur Verfügung steht. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass man von der Polizei angehalten wird, wenn man das Fiido D1 mit unterstützendem Treten unterwegs ist, allerdings sollte jedem klar sein, dass man im Zweifelsfalls mit einer Strafe rechnen muss.

Prinzipiell könnte es möglich sein, das Fiido D1 durch einen kleinen Umbau rechtskonform zu betreiben. Es ließe sich beispielsweise der Gasgriff fixieren oder der Schalter zur Aktivierung des Moped-Modus ausbauen. Da wir allerdings weder Rechtsexperten noch Fahrradmechaniker sind, haben wir von diesem Unterfangen abgesehen.

Fazit und Alternative

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Joscha Becking:

Das Fiido D1 kann trotz seines niedrigen Preises in unserem Test überzeugen. Das E-Bike ist solide verarbeitet, lässt sich gut zusammenklappen, hat einen starken Akku und bietet ein angenehmes Fahrerlebnis. Im Vergleich mit gängigen E-Bikes aus Deutschland kann man hier mit Fug und Recht von einem echten Geheimtipp sprechen. Beachten sollte man allerdings, dass die Rechtslage des Fiido D1 durchaus prekär ist, da das Bike neben dem legalen Pedelec-Modus noch einen in Deutschland unzulässigen Moped-Modus bietet.

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Patrick
Gast
Patrick

Unterschied zwischen fiido D1 und D2

Christian
Gast
Christian

Hallo,
wie ist denn der Durchmesser der Sattelstütze ? Evtl. Befestigung eines Sattelstützengepäckträgers möglich ?
Sendungsverfolgung der THxxxxxxxxxxxxx Nr. mit welcher Tracking Seite oder App möglich ?
Danke

Jonas Andre
Admin
Jonas Andre

Hi,

die kannst du hier verfolgen: https://real.1tracking.net/

Gruß Jonas

Jan
Gast
Jan

Wie hoch ist die Maximallast des „E-Bikes“? 🙂

Erik Zürrlein
Editor
Erik Zürrlein

Servus, die „Maximum payload“ liegt bei 120kg. Ich ergänze das mal im Artikel! Beste Grüße

Luki
Gast
Luki

Aufschlussreicher Test dankeschön.
Besser man hat keinen Führerschein, die Polizei wird ganz sicher bald auf das Thema E-Bike in dieser Ausführung aufmerksam werden sobald sich mehrere davon auf den Wegen tummeln.
In Bamberg interessieren sie sich aktuell nicht dafür, egal ob Roller, Skateboard Mono-wheel bisher bleiben alle unbehelligt, allerdings betreiben alle die Leute welche ich kenne die letzteren lediglich auf Fahrradwegen.

Inbusschlüssel mit einem „n“.

Rider on the Storm
Gast
Rider on the Storm

Im Originalzustand ist das Dingens sehr wahrscheinlich als Mofa zu betrachten. Es braucht dann eine inländische Betriebserlaubnis und eine Pflichtversicherung. Fahren ohne Pflichtversicherung ist eine Straftat. Der einschlägige Paragraf ermöglicht theoretisch sogar Gefängnisstrafen. Realistischer ist sicher eine Geldstrafe. Außerdem kann der PKW-Führerschein gefährdet sein.

Rider on the Storm
Gast
Rider on the Storm

Die Rechtslage ist durchaus eindeutig: Es geht um das Vorhandensein des „pure-electric“-Modus, nicht darum ob man ihn tatsächlich benutzt. Damit das Gerät ein Fahrrad sein kann, müsste dieser Modus permanent verschwinden. Zum Fahrrad fehlen ihm auch noch ein paar Sicherheitsaustattungen, aber das sind alles Dinge die der lokale Handel billig verklickert.