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Kospet Prime S im Test

Getestet von Jonas Andre am
Vorteile
  • Systemperformance
  • LTE Empfang und WLAN
  • vollwertiges Android System
  • ausreichende Akkulaufzeit
  • Face-Unlock funktioniert
  • gute Gesprächsqualität
  • solide Verarbeitung
Nachteile
  • klobig
  • viele Apps nicht oder schlecht optimiert
  • App bietet kaum Mehrwert
  • Trackingfunktionen sind ungenau
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Ende 2019 hatten wir bereits die Kospet Prime Smartwatch im Test. In den letzten 7 Tagen hatte ich die Kospet Prime S, also den indirekten Nachfolger, für euch am Handgelenk. Die Kospet Prime 2 hat Jens zu Beginn des Jahrs getestet, die war aber derart absurd riesig, dass der Hersteller nun doch etwas zurückrudert. Kospet beliefert den Weltmarkt seit einigen Jahren mit einer eigentlich großartigen Idee: Smartwatches mit vollwertigem Android-System, die das Smartphone komplett ersetzen sollen. Wer an diesen Traum glaubt und kein Handy mehr mit sich tragen will, der darf nun weiterlesen. Alle anderen schauen sich einfach unsere normalen Smartwatchtests an, denn ohne das Android-System ist die Kospet Prime S nicht mehr als ein riesiges Xiaomi Mi Band 6 für 100€.

Kospet Prime S Handygelenk Test 3

Design und Verarbeitung

Die Kospet Prime S trägt mit ihrem 54 x 17 Millimeter runden Gehäusekörper nicht nur am Handgelenk dick auf. Auch das Datenblatt trägt z.B. mit IP67 dick auf. Darauf folgt aber der Hinweis: “Die Uhr ist nicht zum Schwimmen geeignet“. Das ist irgendwie eigenartig, aber der nicht abgedichtete SIM-Slot der Kospet Prime S würde unter Wasser wohl volllaufen. Ich hatte die Uhr beim Duschen stets am Arm und bislang ist noch nichts passiert. Wer länger Spaß mit der Kospet Prime S haben will, dem würde ich aber empfehlen, sich von Wasser fernzuhalten. Neben dem Kunststoffgehäuse hat die Kospet Prime S Smartwatch eine aufgesetzte Keramiklünette. Die ist kratzresistent und fühlt sich auch hochwertig an. Inklusive Armband ist die Uhr 265mm lang und wird von einer Standard Dornschließe am Handgelenk gehalten. Damit die Uhr nicht lächerlich aussieht, sollte man ein etwas dickeres Handgelenk haben. Inklusive Armband wiegt die Uhr 68 Gramm, was ich beim Tragen nicht als störend empfunden habe. Im Bett hat mich die Prime S aber die ersten 3 Nächte etwas gestört, danach war auch das kein Problem mehr.

Selfie Time

Ein schwarzes Kunststoffarmband liegt dem Lieferumfang bei und wird über einen einfachen Schnellverschluss am Uhrenkörper befestigt. Damit passen auch handelsübliche 24mm Armbänder an die Smartwatch. Die Kospet Prime S verfügt gleich über 2 Kameras. Eine Kamera ist zum Nutzer hingerichtet und für Face-Unlock gedacht. Damit lassen sich aber auch Selfies in fragwürdiger Qualität aufnehmen :). Die Entsperrung mit dem Gesicht klappt mit einer kurzen Verzögerung von 2-3 Sekunden ziemlich genau. Alternativ muss man dann eben sein gewähltes Muster eingeben. Die zweite Kamera ist nach “Norden” gerichtet. Wenn man also normal auf die Uhr schaut, kann man mit der 8MP Auflösung nach vorne fotografieren. An der rechten Seite befindet sich oben der Power- und Funktionskopf und unten der Zurück-Knopf. Sämtliche Sensoren zum Sporttracking, das Mikrofon, der Lautsprecher und die 4 Ladepins sind an der Unterseite zu finden. Die Kospet Prime S ist grundsätzlich gut verarbeitet und hinterlässt mit ihrer silbernen Lünette einen hochwertigen Eindruck.

Im Lieferumfang befindet sich neben dem Ladeadapter noch eine kurze Anleitung. Eine Displayschutzfolie ist mit dabei und eine weitere ist bereits aufgebracht. Die war aber leider unsauber appliziert und wurde somit umgehend entfernt. Es handelt sich allerdings um ein Glasdisplay, also ist man vor Kratzern gut geschützt.

Der Lieferumfang der Kospet Prime S

Spezifikationen der Kospet Prime S

Die Kospet Prime S hat gleich zwei Prozessoren an Bord. Laut Hersteller sorgt ein Unisoc SC9832E Vierkernprozessor für ein flüssiges Android System. Zusätzlich gibt es einen zweiten Chipsatz, den NRF52832, der im Sport-Modus der Uhr neben Bluetooth auch die Datenauswertung der Sensoren übernimmt. Die vier Kerne des Uniscoc SoC takten mit maximal 1,4 GHz und sorgen damit für eine flüssige Navigation durch das Android 9 System der Uhr. Mit Updates sollte man nicht rechnen. Der Antutu Wert des Prozessors sollte zwischen 50- und 60000 Punkten liegen. Multitasking ist systembedingt nicht die Stärke der Prime S und auch durch nur 1GB RAM limitiert. Mit 16GB internen Speicher sollte man hingegen locker auskommen.

Spezifikationen Kospet Prime S

Die weitere Ausstattung entspricht ansonsten einem stinknormalen Android-Smartphone. Mit dabei ist GPS Empfang, Bluetooth in der Version 4, ein 1050 mAh Akku und WiFi 4. Auch eine Nano-Sim Karte kann in die Kospet Prime S eingelegt werden und 4G Empfang auf folgenden Frequenzen ist möglich: B3/B7/B20. Warum man gerade bei dieser Android-Watch auf NFC verzichtet, ist mir ein absolutes Rätsel. Durch das vollwertige Android System wäre hier sogar die Zahlung mit Google Pay möglich gewesen. Die Hauptkamera der Uhr ist eine Art Notlösung:

 

Display

Kospet setzt bei der Prime S auf ein 1,6 Zoll großes IPS Display, das mit 400 x 400 Pixel auflöst. Daraus resultieren gestochen scharfe 354 Pixel pro Zoll. Die Farben wirken eher akkurat als knackig und der Kontrast ist keine Stärke der Prime S. Dafür ist die Helligkeit mit 380 Lux auf höchster Stufe ziemlich gut. Selbst an hellen Tagen kann man problemlos Inhalte auf dem Display ablesen. Auch die Blickwinkelstabilität ist hervorragend. Die Uhr ist grundsätzlich rund, aber man kann Apps auch in einen eckigen Modus zwingen. Dann verliert man zwar Bildfläche, aber insbesondere Apps aus dem Playstore lassen sich dann besser bedienen. Nicht eckig dargestellt wird so oder so die Tastatur. Auf der lässt sich durch den genauen Touchscreen ganz gut tippen, an der runden Rändern kommt es allerdings zu spürbaren Einschränkungen. Mit der Löschentaste rechts unten hatte ich einige Male so meine Probleme.

Kospet Prime S Knoepfe Kamera 2

Screenshot 2021 06 27 15 42 45 603Optisch lässt sich die Uhr natürlich anpassen, dazu sind einige Watchfaces bereits vorinstalliert und noch viele Weitere stehen zum Download bereit. So wirklich durchdacht und modern wirkte leider kein Watchface. Grundsätzlich bin ich zufrieden mit dem Display der Kospet Prime S. Ein AMOLED wäre zwar noch schöner gewesen, aber insbesondere die Helligkeit reicht aus. Auf die Schnelle lässt sich die Helligkeit im Schnellstartmenü der Uhr in 4 Stufen regulieren, eine automatische Anpassung gibt es aber leider nicht. Für den Preis muss man eben irgendwo auch Abstriche machen.

Konnektivität

Der Hauptgrund für die Anschaffung einer Kospet Prime S ist wohl der integrierte Simkartenslot. Mit einer Nano-Sim kann die 100€ teure Uhr telefonieren und über das 4G (LTE) Netz mobiles Internet nutzen. Das klappte in der Praxis mit meiner Telekom Simkarte hervorragend und mit Band 20 ist man im deutschen LTE Netz sämtlicher Anbieter gut aufgestellt. Die Gesprächsqualität ist definitiv solide und man versteht den Anrufer gut. Die eigene Stimme wird mit etwas Hall ebenfalls gut übertragen, solange man die Uhr etwas näher an den Mund hält. Über Bluetooth 4 kann man aber auch einfach TWS Kopfhörer koppeln und dann über die telefonieren, das ist auch etwas privater :).

Kospet Prime S Sim Netz Empfang

Auch WLAN Empfang mit n-Standard ist mit der Kospet Prime S möglich. Die Geschwindigkeit ist mit knapp 100 mbit/s ziemlich gut und in der Praxis hatte ich auch mit größeren Downloads im Playstore keinerlei Probleme. GPS, Glonass und Beidou Satelliten sorgen für eine schnelle und genaue Standortbestimmung. Das ist insbesondere beim Sport-Tracking interessant, kann aber in diesem Fall auch für Google Maps genutzt werden. Für Google Maps bietet sich wie üblich der quadratische Modus der Uhr an. Bei einem runden Kreis ist eine Nutzung leider kaum möglich. 10 Satelliten bestimmen die Position auf 3-4m genau. Bei einem Spaziergang kam es aber gelegentlich zu etwas größeren Abweichungen vom Kurs.

Kospet Prime S System 10

Mit dem Verzicht auf NFC schneidet sich Kospet hier ziemlich tief ins eigene Fleisch. So viele Fitnesstracker und Smartwatches können einfach nicht bezahlen mit Google Pay. Die Kospet Prime S hätte durch das autarke Android System hier die Ausnahme sein können.

Android Betriebssystem & Smartphone App

Bei den meisten Smartwatches und Fitnesstrackers geht ohne eine App absolut gar nichts. Hier ist die Kospet Prime S durch das komplette Android 9 System eine Ausnahme. Man kann die Uhr eigentlich völlig unabhängig vom Smartphone nutzen, aber leider wählt Kospet hier eine Art Zwischenweg. Ein beworbenes Hauptfeature ist gerade diese Doppelnutzung. Entweder als Handyersatz oder als Fitnesstracker/Smartwatch. Nur auf die erste Nutzung gehe ich in diesem Punkt etwas genauer ein, denn die Gao App hat gegen Huawei, Xiaomi oder Samsung leider nicht den Hauch einer Chance.

Die Analyse und grafische Darstellung der Daten in der App ist einfach nicht so gut. Auf der Uhr hingegen klappt das ganz gut und die Einrichtung mit der GaoFit App könnte man sich auch sparen. Hier bekommt man nicht mehr Einstellungen als auf der Uhr selbst und ansonsten nur die Schlaf, Hertzfrequenz und SpO2 Daten etwas schöner aufbereitet präsentiert. Die Kospet Prime S bietet sich für den autarken Betrieb an und das sollte man so auch versuchen.

Durch das Android 9 System lassen sich auf der Kospet Prime S sämtliche Android Apps aus dem Playstore installieren. Dafür müsst ihr nur euren Google Account (wie auch bei einem Android Smartphone) auf der Smartwatch hinterlegen. Während einige vorinstallierte Apps auf die Nutzung als kreisrunde App ausgelegt sind, ist das bei den meisten Apps aus dem Playstore natürlich nicht der Fall. Hier hilft dann der rechteckige Modus nach und man kann selbst Social Media Apps nutzen. Da das Tippen kaum Spaß macht auf dem kleinen Display, wird man nur noch mit Sprachnachrichten antworten. Aber auch dann klappt alles nicht so richtig dufte, denn dann fehlt etwas Text links und rechts… . Musikhören ist mit verbundene Kopfhörern problemlos möglich und das lässt sich auch über die Uhr gut steuern. Surfen geht auch, aber es dauert einfach lange auf dem Mini-Bildschirm. Zugriff auf den Speicher der Uhr und damit auf Bilder und Musik, bekommt man mit dem mitgelieferten Ladekabel.

normaler Speicherzugriff ueber das Ladekabel

Das wird einfach an den PC angeschlossen und schon kann man sämtliche Daten übertragen. Das ist super einfach und überzeugend gelöst.

Neben diesen eher gewagten Nutzungsmöglichkeiten hat die Kopset Prime S natürlich auch die Standardfunktionen einer jeden Smartwatch an Bord. Dazu gehört das Tracking von 9 unterschiedlichen Sportarten, die dauerhafte Messung der Herzfrequenz, die SpO2 Sauerstoffsättigung und das Schlaftracking. Die Werte entsprechen weitestgehend meinem Mi Band 6, zumindest beim Schlafen und bei der Herzfrequenz. Ganz komische Werte erhalte ich bei der Sauerstoffsättigung, aber das könnte auch an meinem vielen Haaren an den Armen liegen. Die SpO2 Werte sind ohnehin bei jeder Smartwatch nur mit Vorsicht zu genießen. Auch die Schritte sind deutlich schneller gezählt, als bei meinem Mi Band. Die Kopset Prime S eignen sich jedenfalls auch zum Sport und man kann sie autark ohne das Smartphone mitnehmen. Dabei muss man auf keine Daten bei der Aufzeichnung verzichten und ist sogar erreichbar.

Akkulaufzeit der Kospet Prime S

Mit einem 1050 mAh Akku ist die Kospet Prime S zwar nicht die Smartwatch mit dem größten Akku, aber als Handy mit einem 1,6 Zoll Display ist dieser Wert gar nicht mal so übel. In der Praxis schaffte ich es mit eingelegter SIM-Karte und einer Stunde DOT (Zeit mit eingeschalteten Display) am Tag auf genau 2 Tage Laufzeit. Wer noch eine Laufeinheit mit einstreut oder mal etwas surft, der kommt mehr oder weniger gerade auf einen Tag Nutzung. Das ist bei solchen Uhren aber irgendwie völlig normal. Ohne SIM und nur als Fitnesstracker wird die Laufzeit deutlich länger, aber die Nutzung als solche empfinde ich auch als völligen Unsinn. Da ist man bei sämtlichen Konkurrenten einfach besser bedient.

Eine volle Ladung dauert etwas unter 2 Stunden. Von 10 auf 93% dauerte es im Test einer Stunde und 20 Minuten. Der magnetische Mechanismus am Ladekabel könnte etwas stärker sein, denn einmal hat die Uhr leider nicht geladen.

Testergebnis

Getestet von
Jonas Andre

Wer für immer oder zumindest zeitweise komplett auf sein Smartphone verzichten will, der kann die Kospet Prime S in die nähere Auswahl nehmen. Optimierungsbedarf besteht allerdings an sehr vielen Stellen. Wirklich bessere Alternativen kann ich euch aber auch nicht nennen. In meinen 7 Tagen habe ich nur noch Sprachnachrichten verschickt und konnte angenehm telefonieren. Bereits die Synchronisation der Kontakte auf der Uhr war aber eine Herausforderung. Wer auf das vollwertige Android System in der Smartwatch gewartet hat, der macht hier grundsätzlich nichts falsch, aber ein ausgereiftes System solltet ihr auf keinen Fall erwarten. Man muss hier an sehr vielen Stellen Kompromisse eingehen, dann kann man für 100€ aber definitiv einen sinnvollen Einsatzzweck für diese Uhr finden.

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*Preise inkl. Versand und Zoll. Zwischenzeitliche Änderung der Preise, Rangfolge, Lieferzeit und -kosten möglich. Preise zuletzt aktualisiert am 25.10.2021

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Kommentare

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Marco
Gast
Marco (@guest_79157)
3 Monate her

Hat jemand mal versucht auf der Uhr Komoot laufen zu lassen? Das wäre für den Preis tatsächlich interessant. Oder vielleicht auch Geocaching-Apps…

Wackelohr
Mitglied
Mitglied
Wackelohr (@wackelohr)
3 Monate her

Hallo, nach einem überstandenen Schlaganfall fühle ich mich mit einer Uhr am Handgelenk, mit der ich im Notfall telefonieren kann, sicherer. Dazu habe ich etliches probiert. Meine Zeblaze Thor 5 hat auch einen Doppelprozessor, wobei der zweite für Pulsmessung und Schrittzähler sorgt. Die eigentlich richtig spannende Funktion ist aber ein AOD mit permanenter Uhrzeitanzeige die tagelang in einem long standby Modus läuft ohne nachzuladen. Aktuell nutze ich eine Ticwris max s, die durch ihr rechteckiges Format eine brauchbare Darstellung ermöglicht. Ich habe den Nova-Launcher mit Outlook und vielen weiteren Apps installiert und ja, im Notfall kann man das benutzen. Die… Weiterlesen »

Wackelohr
Mitglied
Mitglied
Wackelohr (@wackelohr)
3 Monate her
Antwort an  Wackelohr

Hallo,
das Doppelprozessor-Geheimnis ist gelöst. Die Uhr kennt zwei Modi:
1. Modus/Prozessor: Sport (mit langer Akku-Laufzeit)
2. Modus/Prozessor: Android

(Angaben lt. Herstellerseite)

Gruß Georg