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Longer LK4 X 3D-Drucker im Test

Getestet von Jonas Schlag am
Vorteile
  • exzellentes Auto Leveling
  • Direct Drive Exturder für flexible Filamente
  • im Betrieb sehr zuverlässig
  • PEI Bett für zuverlässigen Halt der Druckteile
Nachteile
  • Probleme mit dem Touchscreen
  • lauter Lüfter am Netzteil
  • Druckqualität könnte besser sein
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220 x 220 Millimeter PEI Druckbett, Bedienung per Touchscreen, manuelles und Auto Leveling. Erinnert euch das an einen bestimmten 3D-Drucker? Könnte es zumindest, denn genau so liest sich das Datenblatt des Creality Ender 3 S1 Pro (zum Test). Der Drucker hat im Test ein hervorragendes Ergebnis erzielt, kostet aber auch mehr als 500€. Wie erfreulich ist es da, dass nun Longer mit dem Longer LK4 X einen 3D-Drucker mit genau diesen Spezifikationen für unter 300€ auf den Markt bringt. Ob es der Longer LK4 X mit dem Ender 3 S1 aufnehmen kann, was seine Stärken und Schwächen sind, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Lieferumfang und Aufbau

Beim Öffnen des Pakets des Longer LK4 X erwartet euch ein mäßiger Lieferumfang. Alle wirklich wichtigen Bestandteile liegen bei, mehr aber auch nicht:

  • Drucker bestehend aus Basis und Rahmen
  • Filamenthalterung, Filamentsensor
  • Leveling Sensor
  • Touchscreen
  • Werkzeug (Inbus, Schraubschlüssel, Kabelbinder)
  • Spachtel
  • microSD-Karte und USB Adapter

Den Spachtel braucht bei einem PEI Bett eigentlich niemand, eine Kneifzange für das Filament wäre da sinnvoller gewesen. Eine Nadel zum Befreien verstopfter Hotends und ein oder zwei Ersatz-Düsen wären ebenfalls willkommen gewesen.

Wie inzwischen üblich wird der Longer Lk4 X vormontiert angeliefert. Die maßgeblichen Teile sind der Portalarm und die Basis (Netzteil, unteres Gestell, Druckbett). Die zwei Teile werden über vier Schrauben verbunden. Dafür sind in die Profile des unteren Gestells zwei Einlässe gefräst, in die der Portalarm gesetzt wird, bevor er von unten mit vier Schrauben befestigt wird. Die Toleranzen sind akzeptabel, etwas Ziehen und Drücken braucht es aber, um die Löcher übereinanderzubekommen.

Longer LK4 X Lieferumfang

Danach müssen noch Kabel angeschlossen und die Linearführungen nachgestellt werden. Insgesamt ist somit etwas mehr Arbeit nötig als bei anderen Druckern. Vor allem das Einstellen der Linearführungen übernehmen meist die Hersteller. Das ist jetzt aber auch kein Beinbruch – mit dem mitgelieferten Schraubschlüssel zwei Muttern nachgezogen und fertig. Das Anschließen der Kabel ist in der Anleitung und mit kleinen Schildern an den Kabeln dokumentiert. Ganz trivial ist es dennoch nicht und bei einigen Kabeln besteht Verwechslungsgefahr. Im Endeffekt habe ich aber alle Kabel im ersten Versuch richtig eingesteckt. Nur mit dem Kabel für den Endsensor an der Y-Achse hatte ich wirklich Probleme. Der dafür vorgesehene Platz ist definitiv zu klein.

Zum Schluss noch den Filamentsensor, die Filamenthalterung und das Touchdisplay angebracht und der Drucker kann eingeschaltet werden.

Hardware des Longer LK4 X

Longer LK4 X 2Während der Creality Ender 3 S1 Pro hier mit einigen Extras glänzen kann, beschränkt sich der Longer LK4 X auf das Wesentlich. Das macht er dafür ziemlich gut. Grundsätzlich ist der Drucker im kartesischen Design aufgebaut. Zwischen den zwei Gestellarmen fährt der Druckkopf auf einem Aluminium-Profil die X-Achse ab, während ein Servomotor diese auf und ab bewegt (Z-Richtung). Die Bewegung in Y-Richtung übernimmt das Druckbett. Für die Bewegung in Z-Richtung setzt Longer auf eine einzelne Spindel. Teurere Drucker kommen hier auf zwei Spindeln und damit eine ausgeglichenere Bewegung des Druckkopfs. Die verbaute Spindel ist leider nicht gefettet. In den anderen beiden Bewegungsrichtungen übernehmen Riemen die Bewegung. Diese können über montierte Riemenspanner nachgezogen werden. Insgesamt nimmt dieser Aufbau ein Volumen von 485 x 465 x 615 Millimeter ein. Die maximalen Druckabmessungen liegen bei 220 x 220 x 250 Millimeter.

Druckbett und Leveling

Ausgeliefert wird der Longer LK4 X mit einem 220 x 220 Millimeter großem Federstahl-Bett mit rauer PEI Beschichtung. PEI ist mit Abstand meine Lieblingsbeschichtung für die gängigen Filamente. Die Flexplate des Longer LK4 X zeigt mal wieder, warum. Die Drucke halten exzellent an der Oberfläche und lösen sich nach dem Abkühlen quasi von allein. Maximal kann das Druckbett auf stolze 100 Grad aufgeheizt werden, was für alle gängigen Filamente genug ist. Wer die Platte regelmäßig vor dem Drucken mit Alkohol reinigt und fertige Teile erst entfernt wenn die Platte abgekühlt ist, wird lange Freunde mit dem Druckbett des Longer LK4 X haben!

Für das Leveling verbaut Longer zwei Methoden. Am Druckkopf ist ein Touchsensor angebracht, dieser erlaubt Auto-Leveling. Zusätzlich kommen vier Handräder unter der Druckplatte für manuelles Leveling zum Einsatz. Bei Inbetriebnahme des Druckers muss dieser zuerst manuell gelevelt werden. Dazu fährt der Druckkopf fünf Punkte an, an denen von Hand der Abstand zwischen Düse und Druckbett auf die Dicke eines Papierblattes eingestellt wird. Danach übernimmt das Auto-Leveling. Dafür fährt der Drucker 16 Punkte ab, an denen mit dem Touchsensor Abstände aufgenommen werden. Der Drucker führt diese Messung vor jedem Druck durch. Etwas oft würde ich sagen, dafür hat aber auch wirklich jeder einzelne Druck beim ersten Durchlauf problemlos an der Platte gehalten. Ein Lob gibt es auch für die gleichmäßige Beheizung des Betts. Die Temperaturdifferenz zwischen der Mitte des Betts und den Kanten liegt bei wenigen Grad.

Extruder und Filamentführung

Das Filament kann an einer einfachen Filementhalterung oberhalb des Druckers aufgehängt werden. Von dort aus wird es durch einen Filamentsensor an den Extruder geleitet. Der Filamentsensor ist somit ein gutes Stück vom Extruder entfernt. Bricht der Filamentstrang zwischen Sensor und Extruder, fällt dem Drucker das nicht auf. Hier gibt es bereits zuverlässigere Lösungen. Der Elegoo Neptune 3 (zum Test) hat etwa einen Filamentsensor verbaut, der die Bewegung des Filaments wahrnimmt, nicht nur seine bloße Existenz. Ich hatte im Test aber keine Probleme mit abbrechendem Filament und insgesamt sollte das auch ein seltenes Problem sein. Wenn es dann aber mal vorkommt, ist es umso ärgerlicher.

Für die Filamentzufuhr ist im Longer LK4 X ein Direct-Drive Extruder direkt über dem Hotend zuständig. Solch ein Direct-Drive Extruder hat den Vorteil, dass nachgiebige Materialien, wie TPU einfacher gedruckt werden können. Das Filament hat keinen Raum, um gestaucht zu werden, wie bei einem herkömmlichen am Gehäuse befestigen Extruder. Somit funktioniert die Zufuhr zum Hotend, und vor allem das schnelle Zurückziehen des Filamentstranges, zuverlässiger. Gekühlt wird das Hotend von drei Lüftern. Der Luftstrom zweier Lüfter wird direkt auf die Düse gelenkt, der dritte Lüfter kühlt den oberen Teil des Hotends. Die Lautstärke der Lüfter ist vertretbar.

Touchdisplay des Longer LK4 X

Etwas Probleme hatte ich mit dem Touchdisplay des Longer LK4 X. Voller Vorfreude habe ich den Drucker nach dem Zusammenbau eingeschaltet und wollte los drucken. Leider hat das Display aber schlicht nicht auf Berührungen reagiert. Erst eine Demontage des metallenen Displaygehäuses hat das Problem behoben. Der Trick an dieser Stelle war das Gehäuse nur lose zusammenschrauben. Nun funktioniert das Display ausreichend zuverlässig. Optimal ist das aber natürlich nicht. Die Montage des Displays seitlich neben dem Druckbett ist sehr gelungen. So kann dieses einfach auch während des Drucks bedient werden.

Das Netzteil des Longer LK4 X liefert 360 Watt Leistung bei 24 Volt Spannung. Etwas störend ist der Lüfter, der wohl die lauteste Komponente im ganzen Drucker ist. Verbaut ist er lediglich mit zwei Schrauben, ein Wechsel sollte also einfach möglich sein. Hier gilt aber Vorsicht mit Netzteilen und ihren Kondensatoren!

Software – angepasstes Cura

Longer setzt auf einen der beliebtesten Slicer – Cura – und liefert alle nötigen Profile mit. Cura bietet als Slicer etliche Möglichkeiten und ist für den Hobbybereich mehr als ausreichend, um fantastische Ergebnisse zu erzielen.

Longer LK4 X Cura

Für die einfache Einrichtung liefert Longer ein eigenes Profil für den Drucker mit, so spart ihr euch das manuelle Einpflegen der Größe des Druckers. Dazu liefert Longer dann auch noch einige Druckprofile für unterschiedliche Filamente, sodass einem einfachen Einstieg in den 3D-Druck nichts im Wege steht. Wer schon fortgeschrittener ist, wird mit den Profilen aber nicht lange seine Freude haben und schnell (wenn nicht schon geschehen) eigene Profile nutzen.

Betrieb des Longer LK4 X

Longer LK4 X LevelingIhr habt den Aufbau des Longer LK4 X abgeschlossen, euch ein Bauteil herausgesucht und gesliced und wollt nun beginnen zu drucken. Vor dem ersten Druck müsst ihr dafür noch das Leveling vornehmen. Die Handräder dafür sitzen unter dem Druckbett und sind super zu bedienen. Nachdem ihr die Abstände an fünf Punkten des Druckbetts manuell richtig eingestellt habt, geht es mit dem Auto-Leveling weiter. Der Drucker fährt 16 Punkte auf dem Druckbett ab und nährt sich diesen langsam von oben. Sobald der Berührungssensor das Druckbett wahrnimmt, fährt der Kopf wieder nach oben und misst zur Sicherheit noch ein zweites Mal nach. So geht das dann bei allen 16 Messpunkten. Inklusive Aufwärmen des Druckbetts dauert dieser Prozess ungefähr 10 Minuten.

Das Wechseln von Filament ist extrem einfach. Die Rolle wird auf die Halterung gehängt und die Spitze dann durch den Filamentsensor gezogen. Dann wird die Spitze des Filaments in das Oberteil des Druckkopfs gesteckt. Das letzte Stück übernimmt dann der Extruder selbst. Das funktioniert insgesamt kinderleicht. Etwas störend ist nur, dass der Druckkopf etwas “tropft”. Langsam aber sicher bahnt sich bei beheizter Düse ein dünner Filamentstrang seinen Weg aus dem Druckkopf heraus. Dieser wirdLonger LK4 X Filamentfuehrung 1 zuverlässig vor dem Druck auf dem Druckbett abgelegt, irritiert dann aber doch etwas. Beim Leveling scheint das zumindest nicht zu stören, die Ergebnisse waren nämlich wirklich perfekt! Kein Druck hat auch nur den Anschein gemacht, sich zu lösen, bevor der Druck abgeschlossen und die Druckplatte abgekühlt war!

Für das Ändern der Einstellungen des Druckers kann das Touchscreen genutzt werden. Dessen Funktion ist zweckmäßig. Die Blickwinkel sind schlecht und immer mal wieder werden Berührungen nicht registriert, insgesamt erfüllt er aber seinen Zweck. Im Menü kann das Leveling gestartet werden, Druckparameter können vor oder während des Druckens geändert werden, ein weiterer Punkt dient dem Zuführen oder Entnehmen von Filament. Geht das Filament während des Drucks aus, hält der Drucker an und fordert euch auf, Filament nachzulegen.

Insgesamt verrichtet der Longer LK4 X zuverlässig seine Dienste. Die Lautstärke im Betrieb dürfte gerne etwas leiser sein, der Filamentsensor könnte gerne näher am Exturder hängen und ein hochwertiges Touchscreen wäre auch wünschenswert. Aber all das ist Luxus. Wir dürfen nicht vergessen, in welchem Preissegment der Longer LK4 X sich bewegt. Dass dieser Drucker mit zuverlässigem Auto Leveling, einem brauchbaren Touchscreen und einem Direct-Drive Extruder ausgestattet ist, ist schon wirklich toll und zu diesem Preis eine Seltenheit.

Druckqualität

Die Druckqualität wirklich zu beurteilen, ist immer so eine Sache. Mit falschen Einstellungen bekommt ihr jeden 3D-Drucker zu schlechtesten Ergebnissen, dazu kommen Einflüsse von Filament und Umwelt. Wir haben den Longer Lk4 X mit den mitgelieferten Profilen getestet und sind mäßig zufrieden. Überhänge gelingen gut, dafür hat der Drucker etwas Probleme mit sauberer Schichtablage und Stringing. Wirklich gut gelingt dafür der Testcube, der in allen Dimensionen bis auf ein Zehntel korrekt gedruckt wird.

Das größte Problem an den Standardeinstellungen ist eine stark sichtbare Z-Naht. Wenn der Druckkopf sich eine Schicht nach oben bewegt, hinterlässt er dabei stets einen unschönen Blop an Material. Den Vasenmodus macht das quasi nicht benutzbar. Leider hat auch ein deutliches Erhöhen der Rückzugsgeschwindigkeit und Weite nicht geholfen.

Mit eigenen Einstellungen bekommt ihr mit etwas Übung gut aussehende Modelle aus dem Drucker. Das Problem mit der Z-Naht ist bei normalen Drucken weniger auffällig, dennoch ist es durchaus festzustellen, wenn man darauf achtet oder das Modell dafür anfällig ist. Die maximale Geschwindigkeit ist mit 180mm/s ausreichend. Wir haben unsere Testmodelle mit 50mm/s gedruckt. Überhänge gelingen bei dieser Geschwindigkeit mit PLA bis 50° sehr zuverlässig. Bridging ist im realistischen Maße ebenfalls kein Problem. Kleine Konturen und scharfe Kanten gelingen weniger ansehnlich. Insgesamt kann uns die Druckqualität des Longer LK4 X nicht vollends überzeugen.

Testergebnis

Getestet von
Jonas Schlag

Gemessen an seinem Preis von knapp 280€ ist der Longer LK4 x ein guter Drucker mit erstaunlich vielen praktischen Features. Vor allem das sehr zuverlässige Auto-Leveling hat es uns angetan. In Verbindung mit der Möglichkeit von Hand zu nivellieren, bietet der Longer LK4 X ein perfektes Setup, für einen zuverlässigen Start in den 3D-Druck. Vor allem, da mit dem PEI Bett auch noch ein traumhaftes Druckbett dazu kommt. Die Zuverlässigkeit, mit der der Longer LK4 X Drucke durchzieht, ist wirklich erste Sahne! Dennoch haben wir auch Kritik an dem Gerät. Ohne viel Arbeit im Slicer ist die Druckqualität schlechter als bei der Konkurrenz. Dazu kommt ein fehleranfälliges Touchdisplay und ein relativ lauter Lüfter im Netzteil.

Dennoch bietet der Longer LK4 X insgesamt eine interessante Möglichkeit für den Einstieg in den 3D-Druck. Ohne jegliche Ahnung von der Materie ist es theoretisch möglich, innerhalb von einer halben Stunde seine ersten Drucke zu starten. Das ist schon toll. Wer dranbleibt und sich mit der Software auseinandersetzt, der bekommt dann auch immer bessere Drucke geliefert. Zu guter Letzt ermöglicht der Longer FDM-Drucker mit seinem Direct Drive Extruder auch noch, sich an flexibleren Filamenten zu probieren.

Vor nicht allzu langer Zeit wäre der Longer LK4 X noch als Preis-Leistungs Wunder durchgegangen. Der Markt für Budget 3D Drucker aus China wächst aber weiterhin rasant und so muss der Longer LK4 sich letzten Endes der Konkurrenz geschlagen geben. Diese hört momentan auf den Namen Elegoo. Deren Neptune 3 Pro befindet sich gerade bei Lukas im Test. Um so viel schon vorwegzunehmen: Der Neptune 3 Pro schlägt den Longer LK4 X um Längen – es lohnt sich also auf jeden Fall, diesen Test abzuwarten.

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