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Beelink GT-King Pro TV-Box im Test

Getestet von Joscha Becking am
Vorteile
  • schneller Prozessor
  • viele Anschlüsse
  • gute Fernbedienung
Nachteile
  • Software-Bugs
  • keine Widevine Zertifizierung
  • Instabiles Bluetooth & Wlan
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Schaut man sich auf dem Markt für TV-Boxen aus Fernost um, findet man eine Vielzahl günstiger Geräte von wenig namhaften Herstellern. Der Name Beelink sticht da nicht unbedingt hervor, wären da nicht die Preise, die die anderer TV-Boxen klar in den Schatten stellen. Die GT-King Pro stellt die Speerspitze der Auswahl bei Beelink dar. Während die TV-Box auf dem Papier nichts zu wünschen übrig lässt, schafft sie es in der Praxis eher durch fundamentale Schwächen hervorzustechen.

Lieferumfang der Beelink GT-King Pro

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Der Lieferumfang der Beelink GT-King Pro überrascht wenig, enttäuscht allerdings auch nicht. Neben der TV-Box selbst liegen ein Hdmi Kabel (1m), das Netzteil und die Fernbedienung samt 2.4Ghz Funkantenne im USB-Stick Format bei.

Design und Anschlüsse

Wirft man einen Blick auf die GT-King pro, fragt man sich, was man da überhaupt vor sich hat. Während die Form und die Abmessungen mit 12*12*2 cm dem entsprechen, was man von einer TV Box erwartetet, überrascht das Design doch gehörig. Statt schlichtem matten Schwarz oder zumindest einem dezenten Grauton, springt einen ein Hellblau an. Das könnte man mit etwas Geschick vielleicht noch in die Wohnzimmergestaltung mit einbinden, wäre da nicht der riesige hellgraue Totenkopf, der die Oberseite der Box ziert. Das mag den ein oder anderen Gamer eventuell ansprechen, in das familiäre Wohnzimmer passt solch ein Design allerdings nicht wirklich.

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Die Verarbeitung der TV-Box ist zufriedenstellend. Die oberen Kanten sind geschliffen, Spaltmaße sind keine zu finden und die Unterseite ist für verbesserte Rutschfestigkeit gummiert. Einziges kleines Manko sind die Anschlüsse, die teilweise minimal von den vorgesehenen Gehäuseeinschnitten versetzt sind.

Wo die Beelink GT-King Pro durchaus überzeugt, sind die Anschlüsse. Neben dem Stromanschluss ist ein HDMI 2.1 Anschluss, ein VGA Ausgang für die Bildübertragung zu älteren Bildschirmen, eine Klinkenbuchse, vier USB 3.0 Ports (einer davon OTG – etwa für den Anschluss von Controllern) und ein Micro-SD-Speicherkartensteckplatz mit dabei. Über den HDMI Anschluss ist die GT-King Pro in der Lage, Inhalte in bis zu 4K wiederzugeben.

Betriebssystem und Einrichtung

Leider leider unterstützt die Beelink GT-King pro kein natives Android-TV. Die Box kommt also mit einer eigenen Benutzeroberfläche von Beelink. Wer hier, für den immerhin doppelten Preis im Vergleich zur Xiaomi TV Box S, ein schönes durchdachtes Interface erwartet, wird schwer enttäuscht. Die ganze Oberfläche wirkt lieblos. Zwar beruht sie auf Android 9.0, hat also ein relativ neues Grundgerüst und ist sogar größtenteils intuitiv zu bedienen, kommt aber ohne jeglichen ästhetischen Anspruch und wirkt rein funktionell.

Im Wesentlichen besteht das System aus einer Startseite und einem aufrufbaren Appdrawer. Genauso wie klassisches Android also. Nur hat man hier das Gefühl, keiner hätte darauf geachtet, dass der Kunde seine neue TV-Box am Ende auch gerne benutzt. Icons wirken veraltet und wild zusammengewürfelt, Menüflächen sind nicht für die Eingabe per Airmouse optimiert, Widgets trotz deutscher Betriebssprache auf Englisch, Animationen- etwa bei einem Screenshot- sucht man vergebens. Vieles davon lässt sich zum Glück einfach beheben, neuen Launcher installieren und fertig.

Legt man damit los, kommt man allerdings langsam zu den schwerwiegenderen Problemen der TV Box. Zwar sind Playstore und Playspiele vorinstalliert und auch die anderen Play Services können nachinstalliert werden, allerdings erkennt Google die GT-King pro nicht als TV-Box. Für Android-TV optimierte Apps, wie Spotify-TV, YouTube-TV oder eben der Android-TV Launcher sind über den Playstore nicht zu installieren und funktionieren teilweise auch nach der Installation über einen anderen Store nicht. Dazu kommt ein Haufen Bloatware, wie „AppMarket“, „BeeMusic“ oder der „biene datei explorer“ die sich ohne weiteres auch nicht deinstallieren lässt. Auch diese Apps sind allesamt sehr schlicht aufgebaut und erinnern an Android Apps, von vor vier bis fünf Smartphone Generationen.

Wie wahrscheinlich die allermeisten anderen Nutzer einer TV-Box nutze ich meine zumeist, um auf meinem Fernseher Onlinedienste, wie Netflix, Spotify, Prime Video oder Youtube zu genießen. Wie bereits beschrieben ist die Installation der TV optimierten Versionen dieser Apps nur über Umwege möglich. Besonders hervor sticht dabei Netflix, welches nur über Beelinks eigene App „Appmarket“ zu installieren war. Leider laufen Filme und Serien bei Netflix außerdem nicht mit maximaler Auflösung, wie bei vielen Produkten aus dem ost-asiatischen Raum fehlt die passende Widevine Zertifizierung.

Fernbedienung

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Die Fernbedienung, die der Beelink GT-King pro beiliegt ist, ist eigentlich der einzige Part an der Box, der zu überzeugen weiß. Sie lässt sich ohne Komplikationen mit der Box verbinden und steuert diese dann zuverlässig und intuitiv. Dabei werden zwei Modi zur Steuerung angeboten. Einmal eine Airmouse, die Fernbedienung wird also verwendet, indem man durch Zeigen auf den Bildschirm Elemente auswählt, wie auf einer Wii, oder man nutzt die Steuerung per Pfeiltasten. In der Praxis hat sich ein fließender Wechsel zwischen den beiden Modi bewährt. Zum Auswählen von Apps wird der Airmouse-Modus genutzt, in Menüs dann die Steuerung über die Pfeiltasten. Generell lassen sich beide Modi parallel benutzen oder die Airmouse per Knopfdruck Aus- oder Einschalten.

Dazu lässt sich die Lautstärke über die Fernbedienung steuern, ein weiterer Knopf ruft Menüs auf. Dazu noch ein Zurück- und ein Homescreen Button, eigentlich wie auf dem Smartphone. Als kleine Besonderheit verfügt die Fernbedienung über einen Google-Assistant Knopf und ein Mikrofon, so können Apps schnell per Sprachbefehl geöffnet werden und man kann sich umständliche Google-Eingaben von Hand sparen, diese sind per Airmouse doch relativ langwierig.

Dazu liegt die Steuerungseinheit gut in der Hand und auch die Verbindung zur Box selbst ist durchweg zufriedenstellend.

Alltägliche Nutzung

Die Hauptaufgabe einer TV-Box in meinem Haus ist das Streaming. Ich will Netflix, ZDF- und ARD Mediathek, Youtube und Sky einfach und problemlos nutzen können. Leider scheitert die Beelink GT-King pro dabei an gleich mehreren Hürden.

Die größte davon trat direkt zu Anfang auf. Die Box ließ und lässt sich einfach nicht mit meinem Router verbinden. Auf dem Papier unterstützt sie zwar WIFI 802.11 ac, als auch Wlan über 2.4 und 5 GHz, allerdings hat auch Stundenlanges switchen durch die Einstellungen von Router und Box nichts gebracht und die einzige Lösung, die sich als tragfähig erwiesen hat, ist das Zwischenschalten eines Repeaters. Mit dessen Netzwerk lässt sich die GT-King pro dann einfach verbinden. Allerdings kommt es auch hier zu regelmäßigen Verbindungsabbrüchen und unerklärlichen Schwankungen bei der Verbindungsgeschwindigkeit. Dazu sagen muss ich allerdings, dass andere Nutzer dieses Problem nicht teilen, es kann sich also durchaus um ein individuelles Problem meiner Box handeln.

Ähnliche Probleme macht die Bluetooth Verbindung. Unser Soundsystem sollte per Bluetooth mit der TV-Box verbunden werden, die Verbindung hielt allerdings nie länger als ein paar wenige Minuten, wenn sie denn überhaupt zu Stande kam. Andere Geräte geben problemlos Medien über das Soundsystem wieder. Der Anschluss über den Klinkenstecker an eine Boombox funktionierte immerhin tadellos. In der Theorie unterstützt die GT-king pro 5.1 Surround-sound, was Soundenthusiasten freuen dürfte.

Sind dann alle Streaming Apps aus irgendwelchen Quellen zusammengesucht, der Sound per Klinkenstecker gesichert und die Wlan-Verbindung kurzzeitig stabil, kann das Streaming losgehen. Alle von mir probierten Streaming Apps (Ard, Zdf, Youtube, Spotify, Prime Video, TV-Now) funktionieren, Ausnahme ist Sky-Ticket, hier wird der Stream mit Hinweis auf einen übermäßig großen Bildschirm abgebrochen.

Beelink GT Settings

Streamt man dann erstmal, sind die Probleme Geschichte. Die Box selbst gibt alles in allen probierten Standards wieder, Ruckler sind keine zu sehen, Sound und Bild sind synchron. Selbst der Wechsel zwischen Streaming Apps stellt kein Problem dar, die Hintergrundprozesse scheinen sauber abgestimmt zu sein.

Fliegt man dann allerdings einmal aus dem Stream raus, gehen die Probleme weiter. Neben den wirklich großen angesprochenen Problemen sind es vor allem kleine Undurchdachtheiten, die einfach nerven: Scrollen funktioniert normalerweise problemlos über gedrückt halten der Pfeiltasten, in manchen Apps (etwa Netflix) setzt diese Funktion dann allerdings einfach aus. Gleiches passiert, wenn man in das Menü der zuletzt genutzten Apps wechselt. Man will nur kurz von Spotify zu YouTube wechseln, geht nicht, bitte erst mit der Airmouse rumziehen, um zu scrollen. Zieht man dabei zu schnell, weil man etwa nicht nur ein Element nach oben, sondern bis zum Listenanfang will, und lässt dabei den Mauszeiger an den Bildschirmrand kommen, bricht das Scrollen ab. Total nervig!

Loggt man sich irgendwo ein, so überdeckt die Bildschirmtastatur auch schon mal gerne Felder, die man eigentlich gerne anklicken würde, auch wieder total nervig! In anderen Apps, selbst in der Einstellungsapp, sind manche Schaltflächen einfach nicht anklickbar, ein Grund dafür ist nicht zu erkennen.

Etwas tröstet da, dass zumindest die Systemsprache auf Deutsch umstellbar ist, allerdings bleibt die Bloatware auf Englisch (wie gut, dass man die eh nicht braucht).

Wer statt Stream lieber auf die eigene Filmesammlung vertraut, kann externe Festplatten mit bis zu 4TB an die GT-King pro anschließen und über die USb 3.0 Ports problemlos Medien aller Art wiedergeben.

Leistung und Gaming

Mit einem Punkt sticht die Beelink GT-Pro dann wirklich hervor, ihrer Leistung. Mit ihren 4Gb LPDDR4 RAM und dem S922X Chip von Amlogic, hat die Beelink GT-King pro eine der stärksten Hardware Konfigurationen im TV-Box Bereich. Beim Streaming ist das relevant, wenn es um sehr hochauflösendes Videomaterial geht, 4k ist kein Problem für die Box. Andere Vorteile sind ebenfalls zu spüren. Multitasking ist kein Problem, es treten keine Ruckler auf, Ladezeiten sind nur selten.

Wichtig ist die Hardware ebenfalls für das Gaming-Erlebnis. In diesem Bereich sollte die Box theoretisch vollkommen überzeugen und das tut sie auch. Allerdings darf man auch hier nicht vergessen, dass die Leistung des S922X, obwohl er bei den TV-Boxen führend ist, nur etwa auf dem Level eines Top Smartphone Prozessors von vor etwa drei Generationen ist. Als Beispiel wäre hier der aus dem MI5 bekannten, Snapdragon 820 oder der Nachfolgeprozessor Snapdragon 821 zu nennen. Gepaart ist das Ganze mit 4GB RAM, also auch nur etwa der Hälfte von dem, was heute die meisten Top-Smartphones verbaut haben.

Doch was heißt das nun in der Praxis?

Praktisch heißt das, dass alle Spiele flüssig laufen.  Asphalt 8 etwa läuft ohne Ruckler, PUBG schlägt von sich aus die höchsten Grafikeinstellungen vor, Call of Duty mobile, als momentan wohl anspruchsvollstes Androidgame, konnte ich leider nicht testen – bereits die erste anzuclickende Schaltfläche ließ sich nicht bedienen.

Generell stellt sich dennoch die Frage, wie sinnvoll eine Android TV-Box für Gaming ist. Ein Controller lässt sich zwar problemlos an der GT-King pro anschließen, allerdings längst nicht in allen Apps verwenden – die Entwickler fürchten ungerechte Vorteil für Controllernutzer. Spiele, wie PUBG, lassen sich also gar nicht erst richtig spielen. Der aller größte Großteil der Androidspiele ist nun mal auf Touchsteuerung ausgelegt und die fällt an der TV-Box einfach flach.

Hier sollte man jedoch eine Entwicklung auf dem Gaming Markt bedenken: Das Game-streaming. Google hat mit Stadia sein Programm zum Streamen von PC- und Konsolentiteln auf Android Geräten gelauncht. Die Geforce-Now App von Nvidia ist inzwischen für alle registrierten Nutzer verfügbar und erlaubt das Gleiche. Es ist also schon jetzt mehr oder weniger problemlos möglich, Triple-H Titel auf Android wiederzugeben und diese Titel sind für Controller oder Tastatur und Maus optimiert, sie nicht auf dem Handy, sondern auf stationären Androidgeräten mit größeren Bildschirmen zu spielen bietet sich also an. Hier ist meiner Meinung nach das Konzept „Gaming“ auf der TV-Box richtig interessant, denn über Game-streaming könnte die Android TV-Box bald zur echten Option fürs Wohnzimmer Gaming werden und der Konsole Konkurrenz machen.

Allerdings reicht für das Streaming von Games auch ein schwächerer Prozessor als der S922X aus, solange die Netzwerkverbindung schnell genug ist. So richtig lohnt sich die Power der GT-King pro also dann doch nur für Androidgames und ob die das Potenzial haben, Gamingspaß ins Wohnzimmer zu holen, ich bezweifle es.

Testergebnis

Getestet von
Joscha Becking

Ich muss sagen, die Beelink Gt-King pro hat mich rundum enttäuscht. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, dass Specs nicht alles sind. Natürlich, ein starker Prozessor, Surroundsound und vielleicht auch ein Totenkopf auf der Front mag Kunden neugierig machen, aber wenn das Grundgerüst nicht stimmt, bringt das Alles nichts. Ich habe keine hohen Ansprüche an eine TV-Box, ich will eigentlich nur störungsfrei streamen, mehr nicht. Doch selbst das erfüllt die GT-King Pro nicht. Als richtiger Dealbreaker ist vor allem die mangelhafte Netzwerkverbindung zu nennen, dazu eine Tonne kleiner, nerviger Softwareunreinheiten. Abgerundet durch ein unansehnliches Interface, Bloatware und eine abstürzende Bluetoothverbindung. Das macht einfach keinen Spaß.

Als positiv im Sinn bleiben das große Portfolio an Anschlussmöglichkeiten, ein starker Prozessor, die guten Multitasking Fähigkeiten und die Fernbedienung.

Wägt man das gegeneinander ab und bezieht dann auch noch den hohen Preis mit in die Kalkulation ein, kann ich nur von der Beelink Gt-King pro abraten. Eher würde ich zur Xiaomi TV Box S greifen, die, mit nativem Android-TV für den halben Preis wohl mehr Freude in das heimische Wohnzimmer bringt.

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Hallo Joscha,
danke für den Test – du hast nur einen kleinen Fehler im Text.
Die RS232-Buchse ist keine VGA-Buchse, sondern eine serielle Schnittstelle (aka COM-Port).
Evlt. ist die hilfreich im Hinblick auf das Flashen alternativer Firmwares bzw. fürs Debuggen – ich geh davon aus, dass man über diesen COM-Port direkt aufs darunterliegende Android als root direkt über die Console zugreifen kann. Das wär dann schon wieder ein nettes Feature für Bastler.

Trotzdem halte ich auch nicht viel von der Box, dein Test hats schön gezeigt: gute Specs alleine reichen einfach nicht.
Schönen Gruß,
Roman