Sogenannte „Pocket-PCs“ sieht man nicht mehr all zu oft und auch wir hatten bisher nur einen Vertreter im Test. Chuwi war sich bei der Nachfrage wohl selbst nicht sehr sicher und hat deshalb das MiniBook über die Plattform Indiegogo finanzieren lassen. Zur Auswahl stehen dabei zwei verschiedene Modelle, die beide auf dem Papier schon deutlich besser abschneiden, als das bereits getestete One Mix Yoga aus der gleichen Geräte-Kategorie. Ob das Chuwi MiniBook aber tatsächlich besser ist und wie sich die Benutzbarkeit und Nützlichkeit im Alltag beweisen, erfahrt ihr im Testbericht.

Design und Verarbeitung

Das Chuwi MiniBook gibt es in zwei unterschiedlichen Hauptausführungen, die sich hauptsächlich durch den Prozessor unterscheiden. Die teurere Variante bietet einen Intel m3-8100Y, ein Dual-Core mit maximaler Taktrate von 3,4 Ghz. Die integrierte Grafikeinheit (Intel UHD Graphics 615) hat eine maximale Taktrate von 900 Mhz. Unterstützt wird der Prozessor von 8GB LPDDR3 RAM, der fest verlötet und nicht erweiterbar ist. Allerdings kann gegen Aufpreis auch 16GB RAM integriert werden. Die günstigere Variante des MiniBook wird von einem Intel Celeron N4100 versorgt, einem Quad-Core mit maximal 2,4 Ghz. Die integrierte Grafikeinheit (Intel UHD Graphics 600) hat eine maximale Taktrate von 700 Mhz. Unterstützt wird der Prozessor hier von 8GB LPDDR4 RAM. Dieser kann allerdings nicht aufgestockt werden, was angesichts der allgemeinen Leistung des Gerätes in dieser Variante aber auch keinen Sinn machen würde. Abgesehen von RAM und Prozessor sind die Varianten aber vollständig gleich. Der Speicher kann bei allen Modellen auf bis zu 512 GB geupgradet werden.

Chuwi Minibook Design

Wenn ich unseren ehemaligen Kandidaten, das One Mix Yoga, neben das Chuwi MiniBook halte, ist das Geräte von One Netbook das deutlich Kompaktere. Das Chuwi MiniBook misst immerhin 208 x 135 x 19 mm und wiegt ganze 662g. Damit passt das Gerät leider in keiner meiner Hosentaschen oder in die Innentasche meines Sakkos, beim One Mix Yoga war das immerhin gerade so noch möglich. Trotzdem lässt sich das Chuwi MiniBook als sehr kompakt bezeichnen, wenngleich ich das Gewicht bei einer so geringen Größe als hoch empfinde.

Das Gehäuse besteht komplett aus Aluminium und fühlt sich sehr wertig an. Auch die Verarbeitung ist top und es gibt keinerlei Mängel. Da sich das Display um 360° umklappen lässt, ist die Qualität der Scharniere sehr wichtig. Das Umklappen geht relativ schwer, man muss allerdings keine Gewalt anwenden. Die Scharniere machen einen sehr stabilen Eindruck und haben keinerlei Spiel. Das Display lässt sich vollständig umklappen und liegt auch auf der Rückseite komplett an und steht nicht ab.

Chuwi Minibook Test Tablet geklappt 2 Chuwi Minibook Test Tablet geklappt 3

Auf der linken Seite bietet das Chuwi MiniBook einen USB 3.0 Anschluss, einen Mini-HDMI Anschluss und sogar einen USB Typ C Anschluss, und ja er ist voll funktionsfähig. Somit können die Anschlüsse über einen USB-C Dock erweitert werden, bzw. das Chuwi MiniBook auch stationär mit Monitor, Tastatur und Maus genutzt werden. Auf der rechten Seite befinden sich ein USB 2.0 Anschluss, eine Kopfhörerbuchse und ein Micro-SD Slot. An der Unterseite befindet sich ein kleiner, mit einer Schraube verschlossener Schacht, unter dem sich ein M.2 Anschluss befindet. Der Speicher kann also auch mit einer SSD erweitert werden.

Chuwi Minibook Unterseite Rückseite 1

Das Chuwi MiniBook macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Verarbeitung ist hervorragend und die vielen Anschlüsse lassen in dieser Hinsicht keine Wünsche offen.

Display des Chuwi MiniBook

Das Chuwi MiniBook setzt auf 8“ großes Full-HD Display, das mit 1920 x 1200 Pixeln auflöst und damit ein Format von 16:10 besitzt. Das LCD-Display ist leider nicht matt und spiegelt gerade bei ungünstigen Lichtverhältnissen stark. Die maximale Helligkeit überrascht hingegen und liegt am hellsten Punkt bei 640 cd/m². Damit lässt sich auch draußen noch etwas auf dem Display erkennen. Die Helligkeit verteilt sich allerdings nicht gleichmäßig auf dem Bildschirm, was aber im realen Betrieb nicht erkennbar ist. Gemessen schwankt die Helligkeit allerdings doch etwas stärker, hauptsächlich auf der linken Seite des Displays, wo die Helligkeit im Durchschnitt zwischen 560 und 580 cd/m² liegt. Auch die Farbdarstellung wirkt lebendig. Das Touchpanel kann bis zu 10 Berührungspunkte gleichzeitig verarbeiten und reagiert recht flott auf jede Eingabe.

Chuwi Minibook Test Anschlüsse Verarbeitung 3

Das Display ist eines der Highlights des Chuwi und hat einen Klappradius von 360°. Damit lässt sich er Pocket PC entweder als Tablet oder eben als Mini-Laptop nutzen. Wer das Gerät über den Bildschirm bedienen, es aber nicht auf der Tastatur ablegen möchte, kann es im Tent-Modus verwenden. Der Inhalt des Displays passt sich dank Lagesensor an die Kopfüber-Position an. Dadurch lässt sich das „Tablet“ sowohl im Hoch- als auch Querformat nutzen.

In Sachen Display macht Chuwi so gut wie alles richtig. Die Farben sind kräftig, die Helligkeit ausreichend, die Auflösung hoch und der Touchscreen reaktionsschnell. Leider spiegelt das Display je nach Lichteinfall aber dann doch etwas stark, was ihm einen kleinen Minuspunkt einhandelt.

Leistung und System

Eingangs haben wir schon über die unterschiedlichen Ausführungen des Chuwi MiniBook gesprochen. Für den Test lag uns die Variante mit Intel Celeron N4100 und 8 GB LPDDR4 RAM vor. Dem MiniBook stehen für Windows und die Daten 128GB eMMC 5.1 Speicher zur Verfügung. Der Speicher leistet beim Lesen maximal 233 MB/s beim Schreiben maximal 212 MB/s, was ein solider Wert ist. Schaut man sich allerdings die geringen Aufpreise für die Add-On SSDs der Indiegogo Kampagne an, hätte man auch gleich auf den doch langsameren eMMC Speicher verzichten können. Wie schon erwähnt lässt sich der Speicher erweitern, dabei kann man entweder auf eine Micro-SD Karte oder eine SSD zurückgreifen, die über den M.2 Anschluss angeschlossen werden kann.

chuwi minibook geekbench chuwi minibook hdtune

Das der Intel Celeron N4100 keine Bäume ausreißt wissen wir schon von anderen Testgeräten. Der Quad-Core reicht für Standardnutzung wie Officeanwendungen und Surfen aus und ist auch in der Lage anspruchslose Spiele wie Hearthstone oder MTG Arena relativ flüssig wiederzugeben. Allerdings dreht der kleine Lüfter dann völlig durch. Läuft der Prozessor auf Hochtouren, kommt der kleine Lüfter kaum mit dem Kühlen hinterher und ist unerträglich laut und nervend. Aufgrund der leider nicht allzu optimalen Kühlleistung wird das Gerät dabei trotzdem sehr warm.

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Die Leistung des Geräts reicht für alltägliche Aufgaben aus, besonders viel zumuten darf man ihm allerdings nicht, was unter normalen Umständen auch in Ordnung geht. Dass der Lüfter allerdings so unerträglich laut wird, sobald nur minimal etwas mehr Leistung benötigt wird, finde ich persönlich unattraktiv.

Das Chuwi MiniBook wird mit einem bereits aktivierten Windows 10 Home ausgeliefert. Windows läuft auf dem Pocket PC einwandfrei und gibt kaum Anlässe zur Kritik. Einzig und allein die Anpassung von Programmfenstern an das Display funktioniert nicht immer und kann dazu führen, dass benötigte Bedienelemente nicht erreichbar sind. Dies war bei den Benchmark-Programmen (3D Mark, PCMark) beispielsweise der Fall. Ansonsten wechselt Windows zuverlässig beim Klappen des Displays über 180° in den Tablet-Modus oder frägt nach ob in diesen gewechselt werden soll. Der Virenscan blieb ergebnislos und auch sonst ist nichts auf dem Chuwi MiniBook vorinstalliert. Das deutsche Sprachpaket war bereits vorhanden, allerdings würde ich die Nutzung des englischen Tastatur-Layouts jedem empfehlen, da die Sonderzeichen hier anders verteilt wurden als bei einer Standardtastatur – ansonsten tippt man blind. Am linken Rand des Displays sind ein Mikrofon und eine 2MP Kamera angebracht. Beides erweist sich im Test allerdings als Technik aus dem letzten Jahrzehnt und ist nur für gelegentliche Videotelefonie gerade so geeignet. Die Auflösung der Kamera beträgt auch nur im 4:3 Modus 1,9 MP und bei 16:9 sind es gerade mal 0,9 MP. Das Bilder oder Videoaufnahmen dabei niemals scharf werden können und gut aussehen, brauch ich an dieser Stelle wohl kaum näher zu erwähnen.

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Bedienung des Chuwi MiniBook

Das Chuwi MiniBook lässt sich nicht nur via Touchscreen oder Tastatur bedienen, sondern besitzt auch einen sogenannten Track-Point – für ein Touchpad war kein Platz mehr. Die Maus wird mit dem Track-Point bedient und das gelingt auch präzise. Trotzdem muss man um von einem Bildschirmende zum Anderen zu kommen zwei Mal absetzen. Ein Doppelklick lässt sich mit dem Track-Point ebenfalls durchführen, einen Rechtsklick allerdings nicht. Dafür stehen allerdings alternativ auch die beiden Tasten unter der geteilten Leertaste zur Verfügung.

Chuwi wirbt mit einer Tastatur, die größentechnisch einer Laptoptastatur in fast nichts nachstehen soll und tatsächlich, die Tasten weisen eine Abmessung von circa 16 x 16 mm auf. Das ist nur minimal geringer als bei einem klassischen Laptop und ermöglicht so tatsächlich ein fast normales tippen mit 10 Fingern. Leider ist das Tastenverhalten für ein schnell Tippen hinderlich, denn der benötigte Druck ist für ein flüssiges 10-Finger-Schreiben zu hoch. Das Feedback der Tasten ist dafür allerdings gut. Leider steht die Tastatur auch nur im QWERTY Format zur Verfügung, wodurch keine Umlaute abgebildet werden, für die deutsche Sprache ein Hindernis. Windows lässt zwar eine Umschaltung auf das deutsche Layout zu, allerdings muss man dann schon einige Zeichen suchen, denn das @-Zeichen lässt sich beispielsweise nicht über das Q, wie sonst üblich, einfügen. Highlight der Tastatur: die Hintergrundbeleuchtung, die auch bei absoluter Dunkelheit ein einwandfreies Tippen garantiert.

Chuwi Minibook Test Tastatur

Auch gut gelöst wurde die Hardwaredeaktivierung der Tastatur, sobald der Bildschirm nach hinten geklappt wird, sodass diese nicht versehentlich betätigt werden kann. Der Track-Point wird dabei leider nicht deaktiviert.

Konnektivität und Audio

Für die Verbindung mit dem Heimnetz setzt Chuwi auf den Intel 3165 Chip, der die Nutzung von WLAN Netze mit 2,4 und 5 Ghz ermöglicht. Auch die Standards ac/b/g/n werden unterstützt. Die WLAN-Verbindung war immer sehr stabil und an der Reichweite gab es nichts auszusetzen. Zusätzlich ist auch Bluetooth 4.0 mit an Bord, welches ebenfalls ohne Probleme funktionierte.

Das Chuwi MiniBook besitzt waschechte Stereo-Lautsprecher, die sowohl im linken als auch im rechten Rand des Gerätes untergebracht wurden. Eine besonders hohe Lautstärke erreichen diese zwar nicht, aber auch ein Übersteuern ist dadurch nicht vorhanden. Der Sound ist nicht überragend und eine leichtes Blechern durchaus gegeben, ansonsten sind die Lautsprecher aber annehmbar.

Akku

Das Chuwi MiniBook verfügt über einen Akku mit einer Kapazität von circa 5000 mAh Stunden. Das führt bei einer durchschnittlichen Auslastung von 60% der CPU und einer Belegung von circa 4GB RAM zu einer Laufzeit von circa 4 Stunden. Bei weniger Auslastung (20% und 2GB) kam ich knapp auf 5 Stunden. Das ist okay, aber auch kein überragender Wert. Bei vollster Auslastung macht das MiniBook leider ziemlich schnell schlapp und fährt auch gerne schon ab 7% Akku direkt herunter. Geladen wird über den USB-C Anschluss und eine vollständige Ladung dauert knapp 3 Stunden.

Fazit und Alternative

Mathias
Mathias:

Das Chuwi MiniBook bedient nur einen kleinen Nischenmarkt, scheint aber durch die Indiegogo Kampagne schon eine gute Resonanz zu erzielen. Mit der höchsten Ausstattung kostet das MiniBook allerdings deutlich über 500€ und ab da gibt es auch unter der geringen Konkurrenz Mitbewerber, die zum gleichen Preis ähnliche Hardware bieten. Um vernünftig arbeiten zu können, gibt es in dieser Preisklasse auch bereits Notebooks mit mehr Leistung. Wer also nicht zwanghaft die geringe Größe benötigt, sollte sich definitiv auf ein normales Notebook konzentrieren. Ansonsten ist das MiniBook ganz gut gelungen, ich würde den m3 Prozessor aber jederzeit dem Celeron vorziehen. Die einzigen Kritikpunkte, die nach halbherziger Umsetzung aussehen, sind die unnötige und schlechte Kamera und der doch etwas schwache Akku, der allerdings für den m3 Prozessor reichen könnte, da der eine geringere Leistungsaufnahme vorweist.

Die Indiegogo Kampagne ist noch bis Mitte August online. Wir raten allerdings wie üblich vom Kauf über Indiegogo eindringlich ab! Sobald das Gerät dann wirklich verfügbar ist, kann man über einen Kauf bei den einschlägigen Onlineshops nachdenken, wenn man denn einen speziellen Einsatzzweck für so ein Gerät hat. Unser Preisvergleich wird ergänzt, sobald es soweit ist!

77%
  • Design und Verarbeitung 100 %
  • Display 80 %
  • Leistung und System 70 %
  • Bedienung 70 %
  • Konnektivität und Audio 80 %
  • Akku 60 %
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minitux

Ohne QWERTZ-Tastatur kommt mir das nicht ins Haus. Ich brauche das Keyboard zum Schreiben, wenn es dann doch nur mit Verrenkungen funktioniert, verzichte ich lieber und nehme gleich andere Verrenkungen in Kauf, die bei mir schon vorhanden sind (Tablet mit Bildschirm- oder BT-Tastatur).