Wer sich heutzutage für den Kauf einer Drohne entscheidet, hat es nicht gerade leicht. Unzählige Produkte zu unterschiedlichsten Preisen auf Amazon & Co. führen dazu, dass man leicht den Überblick verliert. “Schuld” daran ist, dass neben den bekannten Vertretern wie DJI, die hohe Qualität nur bei ebenso hohen Preisen bieten, sich unzählige Konkurrenzprodukte tummeln, die primär von chinesischen Firmen angeboten werden. Eine davon ist auch Holy Stone; eine Marke die bereits mit ihrem Modell HS100 im positiven Sinne auf sich aufmerksam machen konnte. Mit dem neuen Flaggschiff HS700 Ophelia möchte der Hersteller jetzt aber den nächsten Schritt wagen und bietet für derzeit knapp 300€ ein interessantes Gesamtpaket, das auch hohen Ansprüchen gerecht werden soll. Ob Holy Stone (warum hat man diesen Namen eigentlich gewählt?) seine Versprechen hält und die HS700 eine gute Alternative für den Einstieg in die Welt der Drohnen darstellt, haben wir für euch herausgefunden.

Lieferumfang der Holy Stone HS700

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Die Holy Stone HS700 Drohne präsentiert sich in einem gut gepolsterten Karton, in welchem sich auch allerhand Zubehör befindet. Der Lieferumfang umfasst neben der Drohne selbst:

– 1x Fernbedienung mit Handyhalterung
– 1x Batterie
– 2x Propellersets
– 1x Landegestell
– 1x Kamera
– 1x Schraubendreher
– 1x Handbuch
– 1x Ladegerät
– 1x explosionssichere Tasche
– 1x Notizbuch
– 1x 8GB Micro SD Speicherkarte

holystone hs700 15Beim Notizbuch habe ich mich gefragt, wozu dieses eigentlich bei einer Drohne notwendig ist. Wer jedoch Notizen zu Flugzeiten o. ä. aufzeichnen möchte, freut sich sicherlich über die Dreingabe. Zur doch eher ungewöhnlichen “explosionssicheren” Tasche verliere ich später noch ein paar Worte.

Der Lieferumfang lässt sich unterm Strich als großzügig bezeichnen und steht der Konkurrenz in nichts nach. Natürlich wäre es toll, wenn auch ein zweiter Akku oder ein Transportcase gleich mit von der Partie wären. Man darf aber nicht den Preis von 300€ aus den Augen verlieren, der dem Hersteller natürlich auch gewisse Grenzen setzt, die letztendlich auch das Zubehör betreffen.

Verarbeitung und Zusammenbau

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Die HS700 hinterlässt ab dem ersten Eindruck einen hochwertigen Eindruck. Nahezu vollständig besteht der Quadrocopter aus mattem Plastik, das wahlweise in schwarz oder weiß daherkommt. Die Brushless Motoren sind hochwertig in den Korpus eingelassen und auch sonst wackelt oder knarzt hier nichts. Auch beim Zusammenbau wurde mein guter Eindruck nicht getrübt. Dieser erweist sich nämlich als schnell und unkompliziert und wird von der deutschen Bedienungsanleitung gut beschrieben. Sobald die Landegestelle eingesteckt sowie die Kamera in ihrer Halterung befestigt und an der Drohne angebracht als auch angeschlossen ist, kann es eigentlich schon fast losgehen. Nur die Propeller müssen noch an den Motoren festgeschraubt werden. Beim richtigen Zuordnen, wo welcher Propeller hingehört, hilft entsprechend ein A oder B jeweils an dem Propeller und dem Korpus der Drohne. Dabei sollte man auch darauf achten, dass das Ende des Gewindes der Propeller am Endstück des Motors direkt aufliegt und nicht noch Gewinde über ist.

holystone hs700 13Natürlich ist auch bei der Fernbedienung die Verarbeitung und insbesondere die Haptik von Bedeutung. Auch hier gibt es kaum etwas zu beklagen außer, dass mehrere Schalter keine Funktion besitzen und damit anfangs etwas verwirren. Hier scheint man Geld sparen zu wollen, indem eine Vorlage einer anderen Produktionslinie verwendet wird. Ansonsten sitzen die restlichen funktionstragenden Schalter und Joysticks aber sicher im Gehäuse. Der Halter für das Smartphone fasst auch größere Smartphones mit einer Displaydiagonale von knapp über 6 Zoll inklusive Schutzhülle noch gut. Das kleine monochrome Display an der Unterseite der Fernbedienung zeigt zudem elementare Informationen, wie die Anzahl der verbundenen Satelliten und die aktuelle Flughöhe der Drohne. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt die Anzeige noch lesbar.

holystone hs700 9An der Verarbeitungsqualität der HS700 lässt sich wie bereits erwähnt wenig aussetzen, die Bauweise jedoch bringt mit sich, dass sich die Drohne nicht so einfach wie eine DJI Mavic zusammenklappen lässt und daher deutlicher sperriger ist. Vielmehr ähnelt sie einer DJI Drohne der Phantom-Serie. Da sich aber die Landegestelle leicht lösen lassen und auch die Propeller schnell wieder entfernt sind, kann die Drohne auch halbwegs gut im gepolsterten Rucksack verstaut werden. Große Maße bringen für gewöhnlich auch große Masse mit sich und so bringt die Holy Stone HS700 Ophelia gute 587 Gramm mitsamt des Akkus auf die Waage. Diese Kennzahl ist besonders hier in Deutschland von Bedeutung, da die Drohne damit die Kennzeichnungspflicht trifft. Das bedeutet im Konkreten, dass an der Drohne selbst eine Plakete mit der Anschrift des Inhabers angebracht sein muss.

Features

holystone hs700 21Sobald also die Drohne zusammengebaut ist und die dazugehörige App, die sowohl für Android als auch iOS verfügbar ist, auf dem eigenen Smartphone installiert wurde, kann durch das Einsetzen des Akkus am hinteren Ende die Drohne aktiviert werden. Vorher sollte man zudem noch daran gedacht haben, die Fernbedienung mit vier AA-Batterien auszustatten. Eine Verbindung mit der Fernbedienung stellt die Drohne auf Anhieb her und im Laufe der Testphase hat es dabei auch nie Probleme gegeben. Bevor die Drohne jetzt jedoch durch Knopfdruck in die Luft steigt, müssen zuerst noch sämtliche Sensoren kalibriert werden. Das erfolgt zum einen durch die Ausrichtung der Joysticks an der Fernbedienung, die den entsprechenden Befehl weitergeben, und dem Drehen der Drohne sowohl horizontal als auch vertikal auf ihrer eigenen Achse. Bei sämtlichen Schritten informiert die Drohne über ihren Status mithilfe der gut sichtbaren LED-Lichter unterhalb der vier Motoren.

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Nachdem die Kalibrierung abgeschlossen ist, sollte man das eigene Smartphone noch via Wlan mit der Drohne verbinden, damit die App die erforderlichen Daten erhält und auch die Live-View zur Verfügung steht. Tatsächlich bedarf es zum Betrieb der Drohne nicht zwingend der App-Anbindung, ohne jene büßt man aber eine große Vielfalt der Funktionen ein. Das Smartphone wiederum verbindet sich nicht mit der Fernbedienung, wie dies bei DJI zum Beispiel üblich ist. D.h. dass man hier app-technisch an die technischen Limits des verbauten Wlans gebunden ist.

In der App selbst hat der Nutzer neben dem Zugriff auf das Live-Bild der Kamera auch noch die Möglichkeit Foto-oder Videoaufnahmen zu starten sowie diese von der Micro SD Karte abzurufen. Desweiteren kann der Flugverlauf auf einer Karte betrachtet werden und die Flughöhe und -weite limitiert werden. Dieser Punkt ist insbesondere in Deutschland von Relevanz, da hierzulande Richtlinien gelten, die es zu beachten gilt. So darf die Drohne immer nur in Sichtweite geflogen werden und außerhalb von speziellen Modellflugplätzen eine Flughöhe von 100 Metern nicht überschrieiten. Werden diese Vorgaben beachtet, können aber ohne Probleme auch noch die weiteren Funktionen in der App genutzt werden. Hier stehen dem Nutzer nämlich noch zwei weitere Flugmodi zur Verfügung. Bei ersterem, dem Point-of-Interest Modus, umfliegt die Drohne einen festen Punkt in weitem Umkreis und fixiert dabei mit der Kamera diesen konstant. Im Follow-Me-Modus wiederum erkennt die Drohne eine Person und folgt dieser auf Schritt und Tritt. Ähnliches kennt man bereits schon von der Konkurrenz, die Extras sind aber tatsächlich nutzbar und nicht nur ein weiterer Punkt auf dem Datenblatt.

Auch ein Headless-Modus lässt sich an der Fernbedienung aktivieren und ein Custom Flight Plan in der App einrichten. An Features bietet die Holy Stone HS700 damit sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene ausreichend viele Funktionen.

Flugeigenschaften

holystone hs700 4Durch Knopfdruck können die Propeller der Drohne “entsichert” werden, die dann in eine Art Leerlauf starten. Drückt man daraufhin den Take-Off Button an der Fernbedienung, steigt die Drohne auf ca. 2,5 Meter in die Luft und wartet dann dort auf weitere Befehle des Nutzers. Sofort fällt dabei auf, wie stabil die Drohne auch bei stärkerem Wind in der Luft steht, was sie ihrer GPS-Anbindung zu verdanken hat. Damit sichert die Drohne sozusagen konstant ihren aktuellen Standpunkt und richtet ihre Motoren dauerhaft so aus, dass sie stets an selber Stelle verbleibt. Weiterer Vorteil dieser Technik ist auch die Return-Home Funktion, mithilfe welcher die Drohne per Knopfdruck an ihren ursprünglichen Startpunkt zurückkehrt und dort landet. Dieser Modus wird auch automatisch aktiviert, sobald der Akku der Drohne einen kritischen Bereich erreicht und funktioniert im Test mit einer Toleranz von ca. einem Meter recht gut.

holystone hs700 14Während meines Tests habe ich bei der Steuerung der Holy Stone HS700 zudem viel Spaß gehabt, was nicht zuletzt an der sehr präzisen Befehlserkennung lag. Die Fernbedienung lässt nämlich sehr präzise Manöver zu, die die Drohne zuverlässig umsetzt. Zudem fliegt die Drohne mit bis zu 25 km/h auch ausreichend schnell. Nur beim Absteigen lässt sich die HS700 gerne etwas Zeit, so dass es von unten gar so wirken kann, dass der Steuerungsbefehl von der Drohne nicht erkannt wurde.

Die Befehle der Fernbedienung empfängt die Drohne bis zu einer Entfernung von rund 800m. Durch Gegenstände innerhalb der Luftlinie kann dieser Wert aber natürlich stark beeinträchtigt werden. Das Live-View Bild wird bis ca. 400 Metern noch zuverlässig auf dem Smartphone angezeigt. Damit kann die Drohne also bestens innerhalb des rechtlichen Rahmens in Deutschland geflogen werden und schränkt den Flugspaß von dieser Seite aus nicht ein.

Kamera

holystone hs700 6Die mitgelieferte Kamera im Action-Cam Format nimmt 1080p FHD Videos mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf. Fotos haben eine maximale Auflösung von 12 Megapixel. Damit entstehen grundsätzlich gute Aufnahmen die den Ansprüchen von Hobby-Aufnahmen definitiv gerecht werden könnten. Die Holy Stone HS700 besitzt aber leider einen erheblichen Nachteil gegenüber manchen Konkurrenzmodellen; die Drohne besitzt nämlich keinen Gimbal. Stattdessen setzt der Hersteller auf eine Konstruktion mit vier Gummifedern, die zwar leichte Wackler ausbügeln sollten aber letzten Endes nichts gegen die stark verwackelten Aufnahmen ausrichten können. Dabei gehen die Farben und die Dynamik der Kamera für den Preis definitiv in Ordnung, dank der Wackler sind die Aufnahmen aber schlecht verwendbar. Zudem paart sich das Ganze auch noch mit dem einen oder anderen Framedrop zwischendrin.

holystone hs700 22Ich hoffe daher darauf, dass der Hersteller noch ein Nachrüstpaket nachliefert, mithilfe dessen es möglich sein wird, der HS700 eine echtes Gimbal zu verpassen. Womöglich wäre dies dank des Micro USB Anschluss an der Drohne, der zum Anschluss der Kamera bereitsteht, im Bereich des Machbaren. Sollte man über diesen genügend Strom bereitstellen können, wäre der mit Abstand größte Kritikpunkt der HS700 Geschichte. Wie sich die Kameraqualität im Doppelgespann mit einem aktuellen und kompatiblen GoPro Modell verhält, konnte ich leider mangels einer entsprechenden Kamera nicht testen. Jedoch wage ich zu bezweifeln, dass eine digitale Bildstabilisierung an einer Drohne mit einer optischen gleichziehen kann.

Akku

holystone hs700 5Während meiner Testflüge konnte ich mit einer Akkuladung rund 17 Minuten Flugzeit bei etwas stärkerem Wind erreichen. Natürlich ist diese Zeit auch immer von der Windstärke und weiteren Faktoren beeinflusst, 17 Minuten sind aber für eine Drohne dieses Kalibers gepaart mit einem 2.800 mAh Akku eine annehmbare Zeit. Geladen wird der Akku mithilfe des mitgelieferten Ladekabels, das via USB rund 4,5W zieht und damit ganze 4,5 Stunden benötigt um den Ladestand auf 100% zu bringen.

holystone hs700 23Dabei, so empfiehlt der Hesteller, soll der Akku in der bereits erwähnten “explosionssicheren” Tasche verstaut werden, um Unfälle zu vermeiden. Auch wenn dieser gut gemeinte Rat wohl eher verunsichert und vielmehr an die Geschichte des Samsung Galaxy Note 7 erinnert, kann ich von meiner Seite aus berichten, dass der Akku beim Laden nie nennenswert warm wurde. Daher denke ich, dass der Hersteller vielmehr nur ein nettes Extra beilegen wollte und nicht zwingend an der Qualität seiner Akkus zweifelt. Diesen gibt es außerdem auch einzeln zu erwerben, so dass der Flugspaß auch mal länger am Stück genossen werden könnte.

Fazit und Alternative

Leonardo_Staub
Leonardo Staub:

Es hätte so schön sein können. Eine gut fliegende Drohne mit toller Verarbeitung und spaßigen Funktionen hat Holy Stone nämlich allemal auf die Beine gestellt. Doch leider patzt die Kamera des Quadrocopters im Test und trübt damit den sonst guten Gesamteindruck. Allein ein simples 2-Achsen Gimbal zu einem moderaten Aufpreis hätte hier sicherlich vieles geändert, doch so bleiben die Aufnahmen kaum brauchbar. Wünschenswert wäre daher, wenn sich bald eine Option ergibt, mit welcher ein Gimbal nachrüstbar wird. Bis dahin lohnt sich aber eher ein Blick in die Richtung der Modelle von Xiaomi und Co. Wer natürlich keinen Wert auf die Qualität der Aufnahmen legt, der dürfte mit der Holy Stone HS700 mit hoher Wahrscheinlichkeit glücklich werden, fliegen kann sie nämlich hervorragend.

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