Mobvoi hat mit den Modellen Ticwatch S2 und Ticwatch E2 neue Smartwatches mit WearOS (ehemals Android Wear) vorgestellt, die besonders durch erweiterte Fitness-Funktionen und einen günstigen Preis punkten wollen. Geht diese Rechnung auf?

Einordnung

Ich verwende die Ticwatch S2 nun schon seit exakt einem Monat, da Mobvoi uns Vorserienexemplare für unseren Test zur Verfügung gestellt hat. Dieser Test trifft aber auch fast uneingeschränkt auf die Ticwatch E2 zu, da sich diese nur in einem Punkt von der Ticwatch S2 unterscheidet.

Ticwatch E2 Ticwatch S2

Vergleich Ticwatch E2 und S2

Das „S“ im Modellnamen steht nämlich für „Sport“, während das „E“ für „Express“ steht. Während die Ticwatch E2 mit einem günstigeren Preis punkten will, eignet sich die Ticwatch S2 aufgrund ihres robusteren Gehäuses auch für Extremsportler und Schwimmer. Die technischen Daten sind aber identisch. Für die Ticwatch S2 verlangt Mobvoi 180€ und für die Ticwatch E2 156€.  

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Optik und Haptik

Die Ticwatch S2 wird in einem kleinen Papp-Würfel geliefert, in dem sich neben der Uhr nur die Ladestation mit einem nicht abnehmbaren Kabel auf USB-A befindet. Ein Netzteil liegt nicht bei – ein Trend, der sich auch bei anderen Produkten beobachten lässt und der mir wirklich nicht gefällt.

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Der Lieferumfang ist relativ sparsam.

Beim ersten in die Hand nehmen der Smartwatch fällt ihre enorme Größe auf. Zwar sind Smartwatches von Fossil und co. ja eigentlich auch fast immer größer als analoge Armbanduhren, die Ticwatch S2 ist aber zusätzlich auch noch verdammt dick, was sie klobig erscheinen lässt. Der Durchmesser der Uhr beträgt stolze 4,6 Zentimeter, an dünnen Armen angelegt sieht die Uhr also schnell ein bisschen lächerlich aus.

Die Verarbeitung ist auch eher einfach gehalten und haut mich nicht wirklich vom Hocker. Die Uhr besteht vollständig aus Kunststoff und aus Gummi. Es knarzt nichts und es gibt keine großen Spaltmaße, schon allein wegen der Materialauswahl bleibt ein Premium-Gefühl aber aus.

Beim Tragen finde ich das wechselbare Gummi-Armband hingegen sehr angenehm, da es nicht auf der Haut scheuert und sehr weich ist. Durch die Elastizität des Bands lässt sich die Uhr sehr eng am Arm tragen, ohne dass man sich direkt die Hand damit abbindet.

Zusammenfassung

DSC6004Die Optik und Haptik der Ticwatch S2 sind wohl am ehesten als zweckmäßig zu beschreiben, was aber sicherlich auch am Einsatzzweck als Sport-Uhr liegt. Ich würde sie aber auch tatsächlich nur als solche verwenden, da sie für den Alltagsgebrauch zu klobig am Arm aussieht und allzu modisch kommt sie auch nicht unbedingt daher.

Der riesige Vorteil der Materialien ist natürlich die Wasserdichtigkeit bis 5 ATM. Sogar bis zu 50 Meter tiefes Untertauchen ist mit der Ticwatch S2 also möglich. Das Modell S2 ist im Gegensatz zur E2 auch nach dem MIL-STD-810G getestet, was aber relativ nichtssagend ist. Dennoch ist die S2 vor allem für Sportler und Outdoor-Enthusiasten wohl die bessere Wahl.

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Funktionen und System

Das Betriebssystem, das auf den beiden neuen Ticwatch-Modellen läuft, ist WearOS von Google. Mittlerweile hat sich das System gegenüber der Anfangszeit deutlich verbessert und die Bedienung ist angenehm intuitiv. Viele Google-Dienste wie Maps und Google Fit sind vorbildlich integriert. Übrigens: Dank des GPS-Empfängers könnt ihr mit der Uhr auch ohne gekoppeltes Smartphone navigieren.

Für viele andere Sachen, zum Beispiel Benachrichtigungen bei eingehenden SMS, Anrufen oder Whatsapp-Nachrichten ist aber eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone nötig. Dafür muss man erst einmal die WearOS-App installieren, ab da geht eigentlich alles von alleine. Das Koppeln geht immer angenehm schnell, nach zwei bis drei Sekunden ist die Uhr mit dem Handy verbunden.

DSC5963Dennoch: Auch mit gekoppeltem Smartphone ist der Funktionsumfang der Uhr relativ eingeschränkt. Durch das Fehlen einer NFC-Schnittstelle sind kontaktlose Zahlungen nicht möglich und die vorinstallierte Fitness-App Google Fit ist sehr minimalistisch.

Die Mobvoi-App verfügt über einen etwas größeren Funktionsumfang und lässt sich auch mit Google Fit, Runtastic und co. synchronisieren. In Kombination mit der App kann die Uhr außerdem automatisch eure Aktivitäten erkennen. Wenn ihr also schwimmen geht, erkennt die Uhr das und berechnet den Kalorienverbrauch anhand der Sportart. Das ist eine ziemlich coole Funktion, die ich auf Grund der Schließung unseres Schwimmbads wegen Legionellen leider nicht testen konnte. Den Unterschied zwischen Joggen und Radfahren erkennt die Uhr aber sofort.

Mit in die Berechnungen sollte natürlich auch der Herzschlag einfließen, dies ist aber erst ab Release der Uhr in wenigen Tagen möglich. Mobvoi will dann ein Update liefern, das diese Funktion aktiviert.

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Zusammenfassung

Smartwatches mit WearOS können verglichen mit proprietären Lösungen einiger Hersteller mit einer sehr guten Integration in das Google-Ökosystem punkten – egal ob es hierbei nun um Maps, den Play Store oder ganz allgemein das Android-System geht.

Auf Nachrichten kann man direkt auf der Uhr antworten oder sie als gelesen markieren. Auch der Google Assistant läuft natürlich auf der Ticwatch S2, leider aber mangels Lautsprecher ohne Audio-Ausgabe.

Die Fitness-Funktionen sind sehr schön in der Mobvoi-App zusammengefasst und lassen sich mit dem favorisierten Dienst synchronisieren. Das ist ein rundes Gesamtpaket!

Dennoch: Mehr als der verlängerte Arm des Smartphones ist auch die Ticwatch S2/E2 nicht – und wirklich lohnenswert sind diese beiden Modelle nur, wenn du sie auch für Fitness einsetzen willst. Durch das integrierte GPS sind aber Navigationen unabhängig vom Smartphone möglich – sehr angenehm!

Wirklich schade ist, dass Mobvoi in beiden Modellen auf NFC verzichtet, während es in der ähnlich teuren Ticwatch C2 verbaut wurde. Klar – das hier sind Fitness-Uhren – aber warum sollte ich nach dem Joggen nicht kurz beim Bäcker um die Ecke etwas kontaktlos bezahlen wollen?

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Akkulaufzeit und Wasserdichtigkeit 

Mobvoi setzt in beiden Modellen leider noch auf den mittlerweile überholten Snapdragon Wear 2100 von Qualcomm und nicht auf das Nachfolgemodell. Damit geht eine relativ bescheidene Akkulaufzeit einher.

Durch einen Tag konnte mich der 450-mAh-Akku zwar fast immer bringen, besonders bei längeren und aktiven Tagen war aber sogar das nur knapp möglich. Wenn man GPS, WLAN und Bluetooth ausschaltet, verbessert sich die Akkulaufzeit merklich, aber so will ja eigentlich niemand eine Smartwatch nutzen. DSC6011

Das Display löst übrigens mit 400 x 400 Pixeln auf und ist auch bei eingeschalteter „Always-On“-Funktion relativ sparsam, da es aufgrund der OLED-Technik nicht benötigte Pixel komplett ausschalten kann. Die Helligkeit regelt sich übrigens nicht automatisch, sondern kann in fünf Stufen auf der Uhr eingestellt werden.

Es kann also von Vorteil sein, an besonders langen Tagen mit intensiver Nutzung, zwischendurch nachzuladen. Dieses Problem haben aber ausnahmslos alle Smartwatches mit WearOS und diesem Prozessor, nur die Ticwatch Pro arbeitet mit einer Hybrid-Lösung darum herum.

Die Wasserdichtigkeit der Ticwatch S2

Die neuen Ticwatch-Modelle können ohne Probleme beim Hände waschen, Duschen, Baden und auch Schwimmen gehen getragen werden. Das habe ich auch mehrfach getestet und die Uhr hat das alles sehr gut gemeistert.

Der einzige etwas nervige Punkt sind die dauernden Eingaben durch die Wassertropfen, die bei mir auch schon zu von alleine beantworteten Whatsapp-Nachrichten geführt haben. Eine schnell erreichbare „Tastensperre“ habe ich nicht finden können.

Apropos Tasten: Eine drehbare Lünette haben beide Modelle leider auch nicht, sondern nur einen ganz normalen Knopf.

Fazit und Alternative

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Benjamin Kalt:

Die Ticwatch S2 bzw. Ticwatch E2 ist eine gute Fitness-Smartwatch, die Sportlern einen echten Mehrwert bietet. Für den dauerhaften Einsatz disqualifiziert sie sich aber wegen des klobigen Gehäuses, dem unmodischen Erscheinungsbild und der eher mäßigen Akkulaufzeit.

Wer eine eher schickere Uhr mit Sportfunktionen sucht, kann sich die Honor Watch Magic mal anschauen. Auch die Amazfit Stratos sei an dieser Stelle als Alternative erwähnt.

73%
  • Design & Verarbeitung 70 %
  • System, Funktionen & Performance 70 %
  • Display 90 %
  • Akkulaufzeit 60 %

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