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WVC-600 Wechselrichter fürs Balkonkraftwerk im Test – Finger weg von dem Teil!

Getestet von Michael am
Vorteile
  • günstig
Nachteile
  • IP67 Schutz fragwürdig
  • unbrauchbare App
  • technische Daten sind falsch
  • 600W Ausgangsleistung werden nicht erreicht (490W)
  • Gefahr! unsicheres Anschlusskabel
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Jeder, der ein Balkonkraftwerk betreibt, nutzt auch einen Wechselrichter. Dieser wandelt die Gleichspannung der Solarmodule in Wechselspannung um und speist diese in euer Hausnetz ein. Wir haben für euch bereits den Anker MI80 und den Hoymiles HM-800 ausführlich getestet. Heute schauen wir uns einmal einen Wechselrichter an, der im Internet einen fragwürdigen Ruf genießt. Der WVC-600 wird unter verschiedenen Herstellerbezeichnungen vertrieben. In manchen Shops heißt er Y&H WVC-600 in anderen wiederum Vevor WVC-600 oder auch CNCEST WVC-600. Vermutlich gibt es noch etliche andere Hersteller, die den Wechselrichter unter ihrem Namen vertreiben. In Foren wird er teilweise als günstige Alternative zu den namhaften Herstellern empfohlen. Man hört aber auch gegensätzliche Aussagen, die ihn als China-Müll bezeichnen, der ständig überhitzt oder sporadisch abschaltet.

WVC 600 Einleitung

Für unseren Test kommt ein WVC-600 Wechselrichter des „Herstellers“ VESKA zum Einsatz. Dieser wurde ursprünglich mit einem Balkonkraftwerk Komplettset von dem Lebensmitteldiscounter Netto erworben. Im Internet bekommt ihr ein vergleichbares Model für 90 bis 140 Euro. Ob ihr hier bedenkenlos zugreifen könnt oder ob ihr lieber die Finger davon lassen solltet, erfahrt ihr in unserem Test.

Design und Verarbeitung des WVC-600

Das silberfarbene Gehäuse besteht vollständig aus Aluminium. Normalerweise sind Wechselrichter für Balkonkraftwerke lediglich aus zwei Gehäuseteilen gefertigt, um höchstmöglichen Schutz gegen Staub und Wasser zu gewährleisten. Der WVC-600 besteht aus vielen einzelnen Gehäuseteilen, die zusammengeschraubt wurden. Auf der linken und der rechten Seite befinden sich die Anschlüsse für jeweils ein Solarmodul und der Ausgangsstecker für den Anschluss des Adapterkabels auf Schuko Steckdose. Auch eine WLAN-Antenne ist auf der rechten Seite verbaut.

Der Wechselrichter wird über einen 3-poligen Spezialstecker auf Schuko Adapter angeschlossen. Wir konnten bisher nicht die genaue Bezeichnung des Steckertyps herausfinden. Vielleicht hat einer unserer Leser hier nähere Informationen? Die drei Kontakte des Anschlusskabels bieten keinen ausreichenden Berührungsschutz. Es ist möglich, die Kontakte mit dem Finger zu berühren. Somit besteht Lebensgefahr, wenn der Schuko Stecker in der Steckdose steckt und die andere Seite berührt wird. Es ist unverständlich, wie so eine Steckverbindung eine Zulassung in Deutschland erhalten konnte. Wenn ihr den Wechselrichter verwendet, achtet darauf, dass der Anschlussstecker immer fest mit dem Wechselrichter verschraubt ist, bevor ihr ihn in die Steckdose steckt. Auch auf der linken Seite findet sich derselbe Spezialstecker wieder. Hier können mittels eines passenden Kabels mehrere Wechselrichter in Reihe geschaltet werden. Somit benötigt nicht jeder Wechselrichter eine eigene Steckdose/Anschlussdose.

Laut Typenschild ist der Wechselrichter nach IP67 gegen Staub und Wasser geschützt. Aufgrund der vielen Verschraubungen würden wir diesen Schutz stark anzweifeln. Zumal auch WVC-600 Wechselrichter von anderen Herstellern nur mit IP65 Schutz angeboten werden. Wir haben unser Model einmal aufgeschraubt und hineingeschaut. Offenbar wurde hier die komplette Elektronik in eine Art Kunststoff eingegossen. Leider wurde hier ein wenig am falschen Ende gespart. Die Trafos und Kondensatoren schauen noch aus der Vergussmasse heraus, sodass hier Wasser bis zum Platinenboden vordringen könnte. Die Frontplatte ist mit einer breiten Gummidichtung gegen eindringendes Wasser gerüstet. Ein normaler Regenschauer kann dem Wechselrichter vermutlich nichts anhaben, aber unter Wasser tauchen (wie es IP67 erlaubt) würden wir ihn allerdings nicht.

Technische Daten des WVC-600

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Wenn wir im Internet nach einem Datenblatt suchen, stoßen wir auf sehr widersprüchliche Angaben. Sowohl die Spannungsbereiche als auch die Leistungswerte unterscheiden sich teils erheblich. Aus diesem Grund schauen wir uns die offiziellen Daten in der Bedienungsanleitung an, die auch dem Typenschild entsprechen.

Demnach handelt es sich um einen 600W Wechselrichter mit zwei getrennten Eingängen, der 2 Solarmodule mit jeweils 380W verwalten kann. Die Anlaufspannung liegt bei niedrigen 22V, wodurch er sich auch für den Betrieb an kleineren Solarmodulen oder einem 24V Akku eignen würde. Die maximale Eingangsspannung sollte 60V nicht überschreiten. Im weiteren Test wird sich allerdings zeigen, dass ein Großteil der technischen Daten schlichtweg gelogen ist.

Steuerung und Überwachung

Für die Nutzung des WVC-600 ist es nicht notwendig, diesen mit dem Internet zu verbinden. Es genügt auch diesen mit den Solarpaneelen und der Steckdose zu verbinden, um Strom zu produzieren. Möchtet ihr allerdings den kompletten Funktionsumfang nutzen, müsst ihr die passende App verwenden.

Die App nennt sich Cloud Intelligence und ist leider alles andere als intelligent. Nach dem Download müsst ihr euch zunächst einen Nutzeraccount anlegen. Dazu genügt die Angabe einer Mailadresse und eines Passwortes. Folgt dann den Anweisungen auf den Infoseiten, um euren Wechselrichter hinzuzufügen. Die Startseite informiert euch über allerlei Leistungswerte wie Spannung der Solarmodule, Eingangsleistung, Ausgangsleistung und Ertrag eures Balkonkraftwerks. Bedauerlicherweise stimmt keiner der angezeigten Werte auch nur annähernd mit der Wirklichkeit überein. Bei gemessenen 400W Ausgangsleistung werden in der App nur 150W angezeigt. Die Spannung der Solarmodule liegt laut Anzeige 10 bis 20V über der Realität. Die Aktualisierung der Daten dauert mitunter 10 bis 60 Sekunden, da alle Daten erst über die Cloud übertragen werden müssen. Das ist allerdings nicht weiter tragisch, da die Werte sowieso nicht stimmen.

Das chinesische Untermenü bietet euch noch diverse Funktionen, die wir aber bisher nicht vollumfänglich entschlüsseln konnten. Man kann hier Uhrzeit, W-LAN und das Datum ändern und die Firmware aktualisieren. Weitere Funktionen wurden mangels der Sprachbarriere nicht getestet. Auf der Startseite habt ihr noch das Untermenü „Installieren“. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, die Ausgangsleistung des Wechselrichters stufenlos zu drosseln. Somit könnte man das System mit weniger Ausgangsleistung betreiben, um möglichst nichts oder wenig einzuspeisen. Leider funktioniert die Drosselung auch nicht ganz zuverlässig. Betreiben wir den Wechselrichter mit weniger Leistung, wird gelegentlich die Schutzschaltung aktiviert und der Wechselrichter startet neu. Die App ermöglicht weiterhin, einen Zeitplan zu konfigurieren. Somit könnt ihr festlegen, dass der Wechselrichter nur zu bestimmten Zeiten einspeist. Die W-LAN Verbindung ist sehr unzuverlässig und so verliert der Wechselrichter sehr häufig die Verbindung zur App. Zusammenfassend kann man der App als unbrauchbar deklarieren. Wenn ihr wissen wollt, wie viel der Wechselrichter erzeugt, ist es sinnvoller eine smarte Steckdose zwischen Ausgang und Steckdose zu schalten.

Der WVC-600 im Testaufbau

Um Werte wie Ausgangsleistung, Startspannung und Effizienz zu beurteilen, haben wir den Wechselrichter an unserem Labornetzteil (60V/20A) betrieben.

Als Erstes haben wir überprüft, ob der Wechselrichter über zwei separate Eingänge verfügt. Dem ist bedauerlicherweise nicht so. Beide Eingänge für die Solarmodule sind intern parallel geschaltet. Das bedeutet, der Wechselrichter verfügt nur über einen MPPT Tracker. Vereinfacht erklärt bedeutet das: Betreibt ihr zwei Solarmodule mit unterschiedlicher Ausrichtung oder mit einem Modul im Schatten an dem Wechselrichter, sinkt die Gesamtleistung des Systems überproportional stark ab, da der verbaute MPPT Tracker seine Leistung immer nach dem schwächsten Modul ausrichtet.

Die Startspannung liegt nicht wie angegeben bei 22V, sondern bei 32V. Das bedeutet ein Betrieb an Solarmodulen mit niedriger Spannung ist nicht möglich. Weiterhin liegt die maximale Spannung nicht bei 60V wie auf dem Typenschild angegeben, sondern bei 47V. Bei höherer Spannung schaltet der Wechselrichter einfach den Ausgang ab. Somit können auch Solarmodule mit hoher Leerlaufspannung nicht verwendet werden. Doch das ist noch nicht alles. Auch die Ausgangsleistung von 600W wird nicht erreicht. Wir konnten unabhängig von der Eingangsspannung maximal 490W Ausgangsleistung erzeugen. Die Effizienz des Wechselrichters haben wir mit drei Messungen (150W/300W/450W) überprüft. Diese lag zwischen 88 und 92%. Gemittelt ergibt das einen Wert von rund 90%. Damit liegt der Wechselrichter 3-4% hinter der Konkurrenz.

Temperaturverhalten

Für diesen Test haben wir den WVC-600 bei 20°C zwei Stunden unter Vollast laufen lassen und danach die Aufnahmen angefertigt.

Die Temperaturen auf der Oberfläche bewegen sich im Bereich 50-55°C. Lediglich an den Seiten werden Temperaturen bis 60°C gemessen. Auch nach zwei Stunden Betrieb hat der Wechselrichter die Leistung nicht gedrosselt. Bei sehr hohen Außentemperaturen oder Betrieb direkt unter dem Solarpanel werden vermutlich Temperaturen um die 100°C erreicht.

Testergebnis

Getestet von
Michael

Der WVC-600 hat in unserem Test keinen guten Eindruck hinterlassen. Wer so einen Wechselrichter zu seinem Balkonkraftwerk geliefert bekommt, wird sich nach kurzer Zeit ärgern und womöglich frustriert resignieren. Zwar funktioniert der Wechselrichter in seinen Grundzügen, doch die Steuerung per App ist eine Katastrophe, der Anschlussstecker bietet ein erhöhtes Gefahrenpotential und die Leistungswerte werden auch nicht erreicht. Der Hersteller bietet eine Garantie von bis zu 10 Jahren. Wo und bei wem man diese dann allerdings durchsetzten soll, ist fraglich, da es keinen direkten Vertrieb in Deutschland gibt. Insgesamt können wir hier keine Empfehlung aussprechen und würden als Alternative den Hoymiles HM-800 empfehlen. Hier erhaltet ihr für 150-200€ alles, was das Wechselrichter-Herz begehrt.

Wir haben auch bewusst auf einen Preisvergleich verzichtet, da wir den Kauf nicht guten Gewissens empfehlen können.

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Kommentare

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Karl May
Mitglied
Mitglied
Karl May(@karl-may)
4 Monate her

Oha, eine deutlich Warnung. So was erlebt man bei Test´s eher weniger – Ich finde das aber richtig!

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