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CPUs aus China bald für Custom PCs erhältlich (Zhaoxin KaiXian KX-6780A)

Interessierte PC-Schrauber wissen um die Dreifaltigkeit der Chip Hersteller. Die Einzigen drei großen Hersteller von starken Grafikkarten und Prozessoren sind AMD, Nvidia und Intel. Während sich der Grafikkarten Markt gerade etwas von Veröffentlichung zu Veröffentlichung schleppt und keine dramatischen Kurswechsel vor sich gehen, gab es in der CPU Sparte eine, nennen wir es…

Erschütterung der Machtverhältnisse

Zhaoxin KaiXian 6780A News 2

…denn AMD hat vor ein paar Jahren seine neuen Ryzen CPUs ins Feld geführt und macht Intel damit ordentlich Dampf unterm Hintern. Man könnte meinen, dass alleine ist genug der News, doch es geht noch weiter. Jetzt versucht nämlich ein chinesischer CPU Hersteller seine eigenen x86 CPUs auf den Markt zu bringen und insbesondere, typisch China, das Low-Budget und Mittelsegment anzugreifen.

Zhaoxin KaiXian KX-6780A

Zhaoxin nennt sich die Firma, die es wagt, besagte Dreifaltigkeit anzugreifen. Entstanden ist sie aus einem Joint-Venture zwischen Lizenzinhaber VIA Technologies, die auf Mainboards lange Zeit zum Beispiel Sound Chips lieferten, und der chinesischen Regierung. Anscheinend arbeitet man schon länger daran, eine x86 CPU in Schlagweite zu AMD und Intel zu bringen, doch bislang waren die CPUs nur für OEMs, also für fertig zusammengestellte PCs verfügbar und oft fest auf den Mainboards verlötet. Dieser Umstand ändert sich mit der KaiXian-CPU, die im Juni 2019 vorgestellt wurde. Dieser Prozessor soll jetzt auch in den normalen Handel kommen.

Als genaue Bezeichnung hat man sich bei Zhaoxin die Kombination K(ai)X(ian)-6780A ausgedacht. Der Prozessor wird im 16 nm Verfahren gefertigt, was schon etwas zurückhängt, gleichzeitig aber noch nicht so weit ab vom Schuss liegt. Intel hadert ja zurzeit mit 10 nm, während AMD bei TSMC schon in 7 nm fertigen lässt.

Der Prozessor bietet immerhin 8 Kerne auf 8 Threads, es kommt also kein Multithreading zum Einsatz, das mehr Kerne simuliert, dafür spendiert man 8 MiByte L2-Cache, ein Dual-Channel-DDR4 Interface und einen I/O-Hub, der sich nicht vor der Konkurrenz verstecken muss. Verzurrt wird die CPU in einem 70 Watt TDP-Korsett, was wohl in diesem Fall für die maximale Leistungsaufnahme steht. Integriert ist außerdem noch eine GPU, die immerhin DX11.1 beherrscht, wohl eine direkte Kreation von VIA, die dort S3 genannt wird. Ebenfalls interessant ist der Takt, der mit 2,7 GHz angegeben ist. Der KX-6780A kann sogar mit einigen aktuellen Befehlssatzerweiterungen wie AVX umgehen.

Zhaoxin KaiXian 6780A News 1

Der wichtigste Aspekt ist aber, dass die CPU nicht einfach von den großen Herstellern abgekupfert ist, sondern eine Eigenentwicklung darstellt, die unter dem Codenamen LuJiaZui auftritt. Man muss also nicht direkt Patentverletzungen befürchten, Zhaoxin sollte sich in Ruhe weiter an die aktuelle Speerspitze rantasten können.

Doch eine CPU alleine bringt einem noch nicht viel, es bedarf eines passenden Unterbaus, in Form eines Mainboards. Hierzu gibt es wohl schon eine recht breite Auswahl, ein Vertreter ist das Cjoyin C1888, welches immerhin PCI-E 3.0 und einen M.2 Slot mit sich bringt. Außerdem ist es möglich, auf dem Board zwei RAM-Sticks unterzubringen.

Was bleibt, ist die Frage nach der Geschwindigkeit. Wo ist die CPU denn anzusiedeln, wenn man sie zum Laufen bekommt? Laut Zhaoxin erreicht der KX-6780A die Geschwindigkeit eines i5 der siebten Generation. Im Passmark soll die CPU 5760 Punkte erreichen, was ein zweischneidiges Schwert ist. Auf der einen Seite erreicht man die Leistung moderner U-Prozessoren von Intel, also den abgespeckten Varianten, auf der anderen landet man im direkten Vergleich bei sehr alten CPUs, die den gleichen Takt aufweisen. Moderne 8 Kerner, wie die der Ryzen oder die aktuellen Oberklasse I-Modelle von Intel, erreichen mehr als die doppelte Leistung.

Ganz abschreiben sollte man den Prozessor deshalb aber nicht. Angepeilt wird speziell mit dem KX-6780A das Mittelfeld und wenn der Preis stimmt, kann man die CPU aus China vielleicht in einer günstige Multimedia-Kiste betreiben. Wir bleiben am Thema dran und werden weiter berichten.

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Igor
Gast
Igor (@guest_59165)
4 Monate her

Von AMD gibt es auch günstige CPUs, wieso sollte man jetzt diesen günstigen aber schlechteren CPU kaufen ?

MinJung
Gast
Min Jung (@guest_59157)
4 Monate her

Nicht weit ab vom Schuss?
Bei etwa doppelter Fertigungsgröße wird die Verlustleistung vermutlich auch deutlich höher liegen.
Dann bringt ein super Preis im Vergleich wenig, da man mit den laufenden Stromkosten nach kurzer Zeit teurer ist als die Konkurrenz…

Steinlaus
Gast
Steinlaus (@guest_59155)
4 Monate her

Man sollte nicht unterschlagen, dass diese CPUs grundsätzlich auf AMD-Patenten basieren, die die Firma vor Jahren, als es ihnen finanziell sehr schlecht ging, an die Chinesen lizenzierten. Wohlweislich lies man aber bedeutende Teile weg, die nun dafür sorgen, dass man geschwindigkeitstechnisch noch lange nicht an die beiden Marktführer heranreicht. Auch mit Reverse Engineering ist hier nichts zu holen, da es sich um extrem komplexe Technik handelt. Die neuesten Tests bestätigen daher auch eher grottige Performance.

https://www.pcgameshardware.de/CPU-CPU-154106/News/China-Prozessoren-mit-Zen-Technik-langsamer-als-gedacht-1344436/amp/

Steinlaus
Gast
Steinlaus (@guest_59160)
4 Monate her
Antwort an  Max Drechsel

Stimmt, sorry. Bin da tatsächlich ein wenig fehlgegangen. Hatte mich die letzten Tage in die Hygon Dhyana-Thematik eingelesen und hab das verwechselt. Aber interessant, dass da noch mehr aus der Ecke kommt. Vielleicht wird man ja tatsächlich in einigen Jahren konkurrenzfähige (für Gamer und sonstige Leistungshungrige) Desktop-CPUs aus China sehen, aber momentan ist der Rückstand noch zu groß. Für Office-Rechner eventuell in Zukunft eine Überlegung, jedoch sehe ich auch im Lowcost-Bereich AMD und Intel dort einfach deutlich vorn. Aber das kann sich in 5-10 Jahren komplett drehen, wenn die chinesische Partei viel Geld in ihre Produkte pumpt, und gerade mit… Weiterlesen »