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Morus Zero Trockner – Crowdfunding Abzocke?

Wenn Ihr fleißig unseren Artikeln folgt, ist euch bestimmt aufgefallen, dass wir nicht müde werden, Vorsicht bei der Finazierung von Crowdfunding Kampagnen anzumahnen. Einige von euch fragen sich bestimmt, warum wir das tun. Gute Frage! An sich ist Crowdfunding eine tolle Option. Kleine Unternehmen können neuartige Produkte finanzieren und die Finanzierenden haben direkten Einfluss auf die Gestaltung der unterstützen Produkte. So zumindest die Theorie. Leider läuft das aber nicht immer glatt und genau deshalb warnen wir vor Crowdfunding. Besonders wenn ein Produkt zu schön klingt, um wahr zu sein. Wir wollen uns hier einmal mit einem Beispiel für eine missglückte Crowdfunding Kampagne beschäftigen.

Der Morus Zero Trockner

Zunächst einmal zu dem Produkt selbst. Der Morus Zero ist ein kompakter Wäschetrockner, der mit allerhand nützlichen Features wirbt. Er ist klein und handlich und kann dank seines kompakten Design überall platziert werden. Zusätzlich ist kein Abfluss nötig, nur eine Steckdose wird gebraucht, um den Trockner zu betreiben. Ganz an die Spitze stellt man die Fähigkeit des Trockners Wäsche in nur 15 Minuten trocknen können zu sollen. Dazu habe man Infrarot und Vakuum Technik kombiniert, um das Wäschetrocknen zu revolutionieren.

Um das Ganze noch etwas besser zu machen, schafft der Morus das auch noch, ohne den Einsatz von übermäßiger Hitze. Nur 37 Grad seien in der Wäschetrommel. Diese niedrigen Temperaturen sollen die Wäsche weniger beanspruchen. Das alles kombiniert mache den Morus Zero zu einer schnellen und umweltfreundlichen Alternative, zu traditionellen Trocknern. Ach ja, besonders schick scheint der Trockner auch zu sein, immerhin ist mehrmals in der Kickstarter Kampagne vom reddot Design Award die Rede.

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Klingt nach einem sehr interessanten Produkt. Vor allem kleine Wohnungen könnten von einem handlichen Trockner profitieren. Und 15 Minuten für`s Wäsche trocknen klingen doch wirklich verlockend. Kein Wunder also, dass der Morus Trockner bei Kickstarter sehr beliebt war. Innerhalb kurzer Zeit hat er sein Finanzierungsziel von 50.000$ weit übertroffen. Inzwischen sind mehr als 600.000$ in die Kampagne geflossen. Gleichzeitig berichteten etwa ANDROIDMAG und TURN ON über den Trockner und lockten so vermutlich noch mehr Spender an. Im Dezember hätte der Morus Zero dann offiziell in den Verkauf gehen sollen. Leider ist er das aber immer noch nicht und hier fängt dann die Tortur für die Geldgeber an.

Nach dem Hype

Inzwischen ist es Oktober und vom Morus Zero ist nicht mehr viel zu sehen. Zehn Monate müssen sich die Spender inzwischen gedulden. Auf Kickstarter zeigen sie, was sie davon halten. Eine Nutzerin schreibt etwa der Morus sei schwerer zu fassen als Bigfoot, viele anderen bitten einfach nur um regelmäßigere Updates. Denn das ist die gute Nachricht, noch meldet der Produzent sich mit Updates. Zuletzt war es bei Kickstarter am 6. September so weit. Der Inhalt des Updates ist leider nur für Unterstützer einsehbar.

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Auf Indiegogo hat der Trocker ebenfalls eine Kampagne, wenn auch eine weit weniger erfolgreiche. Hier war zuletzt Ende September die Rede von Problemen mit der Wäschetrommel. Wie es jetzt mit dem Produkt weiter geht, ist unklar. Im besten Fall wird es noch fertig und bald ausgeliefert, dann war die Wartezeit ärgerlich, aber verkraftbar. Im schlimmsten Fall erblickt der Morus Zero nie das Licht der Welt und die Geldgeber schauen in die Röhre.

Hintergründe zum Morus Zero

Schaut man sich die Kampagne zum Trockner etwas genauer an, dann fällt auf, dass hinter den spannenden Schlagworten oft wenig steckt. Ein gutes Beispiel dafür ist der reddot Design Award. Schaut man mal auf der offiziellen reddot Website nach, so schaffen es 49 Produkte einen Award abzustauben – alleine unter dem Schlagwort “Trockner”. Schaut man auf der Morus Webseite nach, stellt sich raus, dass es sich auch nur um eine “honourable mention” seitens reddot handelt. Der Trockner ist also lediglich eine Erwähnung wert und kein Preisträger.

Ein anderes Beispiel sind die 15 Minuten Trocknungszeit. Stimmt schon so, bezieht sich allerdings auf genau ein Kleidungsstück. Will man mehr trocknen, dauert das entsprechend länger. Da kommt die Frage auf, wer bitte den Trockner für ein einzelnes Wäschestück anschmeißt? Da kann der Trockner dann noch so energiesparend sein, das ist unter keinen Umständen gut für die Umwelt.

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Der Youtuber thunderf00t hat sich in einem halbstündigen Video den technischen Hintergründen des Morus Zero gewidmet und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis. Da ich allerdings nicht alle beschriebenen Prozesse und Rechnungen verstehe, belasse ich es an dieser Stelle mal mit einer Verlinkung für alle, die das näher interessiert.

Fazit zum Morus Zero Wäschetrockner

Produkte wie der Morus Zero zeigen, warum bei Crowdfunding immer Vorsicht geboten ist. Klar, die Idee kleine innovative Unternehmen zu unterstützen und dabei Teil von neuen Produkten zu sein, ist verlockend. Aber die meisten Firmen bei Kickstarter und Co. sind eben klein und haben wenig Erfahrung und damit steigt die Chance, dass das finanzierte Produkt ein Griff ins Klo wird.

Crowdfunding pauschal verteufeln, wollen wir hier nicht – wie gesagt, den Grundgedanken finden wir toll. Aber falls Ihr euch entscheidet, Teil einer Kampagne zu werden, dann tut das bewusst und nicht aus einer Übersprunghandlung heraus. Beschäftigt euch mit den Produkten und den Firmen dahinter und investiert vor allem niemals mehr Geld, als ihr euch problemlos erlauben könnt.

Zum Schluss interessiert uns noch, wie eure Erfahrungen mit Crowdfunding sind. Habt Ihr schon mal eine Kampagne unterstützt? Und wenn ja, wie lief es ab? Wurdet Ihr schon mal über den Tisch gezogen oder habt Ihr bisher nur gute Erfahrungen gemacht?

Quellen


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Zagros der Vierte
Gast
Zagros der Vierte (@guest_69690)
7 Monate her

Ich habe damals das Tastatur Mod für das Moto Z unterstützt.
2 Jahre lang musste ich warten und am Ende wurde die Tastatur eingestampft.
Immerhin habe ich mein Geld wieder bekommen.

Schnubbi
Gast
Schnubbi (@guest_69675)
8 Monate her

Finde ich gut, dass ihr euch kritisch mit dem Thema auseinandersetzt. Im Bereich Spiele habe ich einige Erfahrungen gemacht, wobei ich das Problem dort weniger akut finde. Wenn ich 15€ oder 20€ bezahle und dafür nie das fertige Spiel erhalte, aber trotzdem Spaß beim Spielen der Alpha habe, dann ist das immerhin ein Kompromiss. Wenn in der Welt der Produkte und Dienstleistungen allerdings ein Produkt nicht unfertig aber nutzbar sein kann, wie hier im Beispiel, dann ist mir das Risiko einfach zu hoch. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie hoch mein Beitrag gewesen wäre. Es droht ja immer… Weiterlesen »