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Shure AONIC 40 – Testbericht

Getestet von Benjamin Kalt am
Vorteile
  • klappbar für platzsparenden Transport
  • starker Lieferumfang mit Tragetasche
  • Wiedergabe via USB-C & Kopfhöreranschluss
  • Bluetooth 5.0 mit AAC, SBC, aptX & aptX HD
  • analytische Wiedergabe der Mitten
  • sehr breite Bühne
  • überaus solide Akkulaufzeit
  • hervorragende App mit Equalizer
Nachteile
  • billige Materialauswahl
  • seltsamer Klinkenanschluss (2,5 Millimeter)
  • Ohrpolster sind etwas hart - Tragekomfort leidet
  • Klang nicht auf dem Niveau des AONIC 50
  • Höhen und Bässen fehlt es an Leben und Spontanität
  • Transparenzmodus mit starkem Rauschen
  • eher schwaches ANC
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Der Shure AONIC 50 konnte mich im Testbericht größtenteils überzeugen. Der Bluetooth-Kopfhörer spielt klar auf, ist überaus bequem und mit einer hervorragenden Konnektivität gesegnet. Bis auf das zweckmäßige Design, die billigen Materialien, die etwas schwache Akkulaufzeit und ausbaufähige Geräuschunterdrückung spielt der Over Ear-Kopfhörer über seiner Preisklasse. Puristen dürften den Kopfhörer des Studiospezialisten gegenüber der etwas verspielteren Konkurrenz bevorzugen. All das kombiniert mit einem Straßenpreis von rund 250 Euro hat mich zu einer Kaufempfehlung bewogen.

Shure AONIC40 16

Nun will es der Hersteller erneut wissen und hat uns zum Test den Shure AONIC 40 – den kleinen Bruder des AONIC 50 bereitgestellt. Dieser ist ab 180 Euro zu haben und unterbietet damit erneut das Preisniveau der Konkurrenz. ANC und einen Transparenzmodus gibt es weiterhin, auf hochwertige Codecs müsst ihr nicht verzichten und auch beim Klang soll der Mittelklasse-Kopfhörer wieder einmal eine ganze Menge leisten. Ob das aufgeht? Wir untersuchen all das im ausführlichen Testbericht!

Willkommen in der ChinaHandys.net HiFi Corner! Ich bin Benjamin Kalt, neben Smartphones ist Audio eine meiner größten Interessen und im Team bin ich der bekennende Snob, wenn es um hochwertige Bluetooth-Kopfhörer geht. In der HiFi Corner schreibe ich über alle möglichen Audio-Produkte, die mir so in die Finger geraten.

Alle weiteren in dieser Artikelreihe erschienenen Testberichte findet ihr unter diesem Link.

Design & Verarbeitung

Der Shure AONIC 40 wiegt 313 Gramm und besteht größtenteils aus Plastik. Er erscheint in den Farben Schwarz und Weiß – Schwarz haben wir im Test, Weiß gefällt mir persönlich etwas besser. Der Kopfhörer ist klappbar und kann somit platzsparend transportiert werden. Leider gibt es allerdings keine IP-Zertifizierung, was mittlerweile eigentlich zum guten Ton gehört. Wie schon beim großen Bruder sind die Ohrpolster abnehmbar.

Lieferumfang des Shure AONIC 40

Zumindest beim Lieferumfang steht der Shure AONIC 40 seinem Schwestermodell AONIC 50 in nichts nach. In der jetzt plötzlich eckigen Box befinden sich abgesehen vom Kopfhörer eine Tragetasche, ein Kabel von USB-A auf USB-C, ein Kabel von 3,5 Millimeter Klinke auf 2,5 Millimeter Klinke und die Bedienungsanleitung. Die Tragetasche ist aus einem lederähnlichen Material gefertigt und verstärkt – der Kopfhörer wird beim Transport also vor Beschädigungen geschützt.

Materialien & Verarbeitung – weiterhin der größte Schwachpunkt von Shure

Der Shure AONIC 40 besteht größtenteils aus Kunststoff – das sieht und fühlt man leider auch. Das Plastik ist hart und erinnert an billige Kopfhörer von vor zwei Jahrzehnten. Das wird dem Preis nicht gerecht und ist weiterhin mein vielleicht größter Kritikpunkt an Kopfhörern von Shure. Unschöne Spaltmaße gibt es zwar nicht, aber die Anmutung steht tief im Schatten der Konkurrenz. Immerhin ist der AONIC 40 klappbar – dieses Feature unterscheidet ihn vom Vorgänger und vielen Konkurrenzmodellen.

Shure AONIC40 13

Bedient wird der ohrumschließende Kopfhörer mithilfe der Tasten an der Rückseite der Ohrmuscheln. Toll finde ich den dedizierten Ein-/Ausschalter, weniger toll finde ich den miesen Druckpunkt aller Knöpfe. So sehr ich echte Tasten mag – sie müssen zumindest gut gemacht sein. Das gilt leider auch für den Bügel, der an der Unterseite erneut mit Gummi überzogen ist. Das fühlt sich wirklich seltsam an, dürfte aber zumindest für eine hohe Langlebigkeit sorgen.

Shure AONIC40 7

Die Ohrmuscheln sind abnehmbar und mit Lederimitat überzogen. Insgesamt muss Shure unbedingt an der Optik und Haptik seiner Kopfhörer arbeiten, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Natürlich kommt es unter dem Strich auf den Klang an, aber das Auge isst bekanntlich mit und für viele ist ein Kopfhörer eben auch ein Accessoire.

Tragekomfort

Beim Tragekomfort spielen einige Punkte eine wichtige Rolle. Einerseits ist das der Anpressdruck, den ich beim Shure AONIC 40 als durchschnittlich einstufen würde. Überdurchschnittlich bequem ist der Kopfhörer trotzdem nicht – zumindest nicht über einen langen Zeitraum. Das liegt an den zu wenig gepolsterten Ohrmuscheln, aufgrund derer die Plastikabdeckung nach einiger Zeit auf meine Ohren drückt. Das ist zwar nicht schmerzhaft, aber Konkurrenzmodelle wie der PX7 von Bowers & Wilkins sind auch über mehrere Stunden bequem zu tragen.

Shure AONIC40 10

Die Größe ist am Bügel einstellbar und reicht auch für große Rüben aus. Solltet ihr allerdings eine Glatze haben, dürfte das verwendete Gummi eure Haut berühren. Über das Material mit dem Finger zu streichen, fühlt sich schon seltsam genug an – das will ich definitiv nicht an meinem Kopf erleben.

Sound & Abstimmung

Zumindest solider Tragekomfort, eine gute Verarbeitung und billige Materialien. Das kombiniert mit Knöpfen ohne guten Druckpunkt und einem seltsamen Material am Bügel. Bis zu diesem Punkt kriegt der Shure AONIC 40 nicht sonderlich viel Lob ab. Das ändert sich glücklicherweise in diesem Kapitel – der Klang ist nämlich die größte Stärke dieses Kopfhörers.

Shure AONIC40 4

Die Treiber haben einen Durchmesser von 40 Millimeter – entgegen den 50 Millimeter beim Shure AONIC 50. Via Bluetooth 5.0 stehen die Codecs AAC, SBC, aptX und aptX HD bereit. Leider wurden LDAC und aptX LL gestrichen – beide Codecs werden vom großen Bruder unterstützt. Trotzdem ist die Auswahl auf einer Höhe mit der Konkurrenz und damit kein echter Kritikpunkt. Multipoint ist übrigens auch wieder mit dabei und funktioniert im Test tadellos.

Shure AONIC40 22

Wer keine Lust auf Bluetooth und die zusätzliche Komprimierung seiner Musik hat, kann den Shure AONIC 40 via Kopfhöreranschluss oder USB-C mit einem Wiedergabegerät verbinden. Auch das habe ich ausprobiert – bis auf die miserable Mikrofonqualität bei Gesprächen über USB-C klappt das wirklich gut. Ich habe den AONIC 40 trotzdem fast nur via Bluetooth bespielt, weil das für die meisten Nutzer das am ehesten realistische Szenario darstellen dürfte. Ich habe mein Google Pixel 6 Pro, die Tidal-App und den Codec aptX HD verwendet.

Hervorragende Mitten, behäbige Bässe und angenehme Höhen

Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Die Mittenwiedergabe des Shure AONIC 40 ist brillant, ausgeglichen und analytisch. Das geht nicht auf Kosten der Erlebnisses – hier schafft der Hersteller einen ausgezeichneten Kompromiss. Mir fehlt ein bisschen Wärme, wobei das über den integrierten Equalizer behoben werden kann. Die Mitten erinnern ohne Frage an das Schwestermodell, das bereits über seiner Preisklasse gespielt hat. Mit dem AONIC 40 haben wir vermutlich den Budget-Tipp für Fans angenehmer und dennoch klarer Mitten gefunden.

Shure AONIC40 14

Der Bass trägt indes nicht so dick auf, wie es die Konkurrenz aus Dänemark tut. Das gefällt mir – ein wenig mehr Präzision in den tiefen Frequenzen würde vielen Kopfhörern guttun. Dem AONIC 40 fehlt es dabei aber an Spontanität. Oft wirkt es, als würden Kicks und tiefes Brummen künstlich zurückgehalten werden. Das gibt den Mitten mehr Platz, sorgt aber für eine nicht überhörbare Unausgewogenheit in den tiefen Frequenzbereichen. Ich mag die Abstimmung trotzdem, für viele von euch dürfte es dem AONIC 40 aber an Punch fehlen.

Shure AONIC40 18

Die Höhen sind gegenüber dem großen Bruder zurückgeschraubt. Für die meisten potenziellen Käufer ist das eine gute Nachricht, immerhin hat der AONIC 50 schonungslos alle möglichen hohen Frequenzen wiedergegeben. Das ist zwar grundsätzlich eine fabelhafte Sache, bedeutet aber auch, dass die Ohren schneller ermüden. Der AONIC 40 ist eher auf Freizeitnutzung ausgelegt und kann auch mehrere Stunden getragen werden, ohne dass die spitzen Höhen zu nerven beginnen. Überdies ist die Bühne wirklich hervorragend und dreidimensional – Töne können klar geortet und zugeordnet werden. Die Separation ist auf einem hohen Niveau, zudem gibt es fast kein merkliches Grundrauschen.

Ein paar Beispielsongs…

Los geht’s mit Angst von Rammstein. Ja, dem AONIC 40 fehlt es wirklich an Kraft im Bassbereich. Zwar lösen die Gitarren und die Stimme von Till Lindemann wunderbar auf, aber der Spaß geht durch die zurückhaltenden Bässe irgendwie verloren. Überaus gut klingt dafür Blackbird – Remastered 2009 von The Beatles. Hier kommen die brillanten Mitten des AONIC 40 voll zum Einsatz und zaubern ein wunderbares Klangbild.

Ein schöner Test-Track für Kopfhörer aller Art ist Make Me Feel von Janelle Monáe. Die Bühne und die Dynamik überzeugen auf ganzer Linie, während es dem Drop einfach an Power fehlt. Für solche Musik solltet ihr wirklich mit dem Equalizer nachhelfen, um noch ein bisschen mehr aus den tiefen Frequenzen herauszukitzeln. Glitter & Gold von Barns Courtney unterstreicht diese Einschätzung, wobei ich den Klang der Stimme des Sängers erneut positiv hervorheben muss.

Love’s Train von Silk Sonic spielt dem Shure AONIC 40 hingegen in die Karten, da New Jack Swing grundsätzlich von der hohen Dynamik profitiert. Solche Musik will analytisch gehört werden, wobei mir der Spaß erneut etwas zu kurz kommt.

Akkulaufzeit des Shure AONIC 40

Vom Hersteller sind 25 Stunden angegeben, die im Alltag natürlich nicht erreicht werden. Allerdings sind ohne aktive Geräuschunterdrückung 16 bis 20 Stunden ohne Probleme möglich, womit der AONIC 40 seinen großen Bruder problemlos überflügelt. Aktiviert ihr das ANC oder den Transparenzmodus, gehen drei bis fünf Stunden Laufzeit verloren. Zudem zieht aptX (HD) etwas mehr Akku als die anderen Codecs, wobei sich das bei den Laufzeiten kaum bemerkbar macht. LDAC ist deutlich hungriger nach Energie – aber dieser Codec fehlt hier ja leider.

Shure AONIC40 1

Geladen wird via USB-C – 15 Minuten reichen für rund fünf weitere Stunden Musikgenuss. Das vollständige Aufladen dauert hingegen ungefähr zwei Stunden – ganz genau kann ich das nicht sagen, da die Dauer abhängig vom verwendeten Netzteil sein dürfte und Shure keine offiziellen Angaben zur Aufladedauer macht. Trotzdem liegen all diese Werte leicht über dem Durchschnitt und sind meiner Einschätzung nach mehr als ausreichend.

ANC, Features & sonstige Eindrücke

Der Shure AONIC 40 kommt leider ohne Google Fast Pair, dafür aber mit prozentgenauer Anzeige des Akkustands. Die App von Shure finde ich weiterhin richtig gut, vor allem der praktische Equalizer ist hervorragend umgesetzt. Außerdem gefallen mir die Hinweistöne – sie sind eindeutig, nicht zu leise und nicht zu laut. Abschaltbar sind sie überdies. Zudem sind die Tasten belegbar und die LED an der Seite des AONIC 40 kann über die App gesteuert werden.

Shure AONIC40 25

Kommen wir noch zum Transparenzmodus – der ist leider nicht besonders toll. Er ist von einem starken Grundrauschen betroffen und klingt zudem etwas blechern. Auch die aktive Geräuschunterdrückung hat Probleme, primär mit unkontrolliertem Rauschen, das in unregelmäßigen Abständen bei plötzlichen lauten Tönen in der Umgebung auftritt. Zudem gibt es keine einstellbaren Stufen und keine Automatik. Umgebungsrauschen wird nur teilweise entfernt und Tastenanschläge oder Klickgeräusche werden ebenfalls nur schwach abgemildert. Wer auf gutes ANC angewiesen ist, sollte zur Konkurrenz greifen.

Toll finde ich hingegen die Gesprächsqualität – dank der am Kopfhörer verbauten Mikrofone konnten mich meine Gesprächspartner immer ohne Probleme verstehen.

Testergebnis

Getestet von
Benjamin Kalt

Um ehrlich zu sein: Ich verstehe die Modellpolitik von Shure nicht. Der AONIC 40 kostet rund 75 Euro weniger als der AONIC 50 und versteht sich dementsprechend nicht als Nachfolger, sondern als Budget-Alternative. Gleichzeitig bietet er die bessere Akkulaufzeit und kann eingeklappt werden, was den Transport deutlich vereinfacht. Klanglich sehe ich den großen Bruder vorne, wobei auch der AONIC 40 für die allermeisten Hörer eine mehr als ausreichende Bühne mit klar wiedergegebenen Sounds bietet.

Seltsam ist, dass für den AONIC 40 einige Bluetooth-Codecs gestrichen wurden. Aus dem bunten Sammelsurium des großen Bruders ist jetzt eine eher eingeschränkte Auswahl geworden, bestehend aus AAC, SBC und aptX HD. Vor allem der Verzicht auf aptX LL dürfte vielen potentiellen Kunden sauer aufstoßen. Zudem ist die aktive Geräuschunterdrückung schlechter geworden und der Transparenzmodus ebenfalls – von anderen Marken wie Sony und Bang & Olufsen sind beide Features sowieso meilenweit entfernt.

Unter dem Strich kriegt ihr mit dem Shure AONIC 40 einen sehr gut klingenden Kopfhörer mit starker Akkulaufzeit. Defizite sehe ich bei den Features, der Materialauswahl und dem Tragekomfort. Je nachdem wie sich die Preise bewegen, würde ich eher zum großen Bruder greifen und den besseren Klang, die größere Auswahl an Bluetooth-Codecs und vor allem die bessere aktive Geräuschunterdrückung mitnehmen. Wer noch etwas mehr Geld übrig hat und den bestmöglichen Klang in dieser Preisklasse will, sollte sich den Master & Dynamic MH40 Wireless genauer anschauen.


Gesamtwertung
74%
Design & Verarbeitung
70 %
Tragekomfort
75 %
Sound & Abstimmung
75 %
Akkulaufzeit
80 %
ANC, Features & sonstige Eindrücke
70 %

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Wackelohr
Mitglied
Mitglied
Wackelohr(@wackelohr)
6 Monate her

Hallo,

fehlende IP-Zertifizierung: willst Du mit den Kopfhörern schwimmen oder tauchen?
“Seltsamer” 2,5 mm Klinkenanschluß:
1. Meine Sennheiser HD 4.40 BT und PXC 550-II haben den auch.
2. Der FiiO M11 hat einen symmetrischen 2,5 mm Klinkenausgang.
3. Vermutung: kann dieser Anschluß mit der Verwendung symmetrischer Kabel zusammenhängen?
Kopfbügel: Bei AE gibt es für wenige Euro gepolsterte Überzieher.

Gruß Georg

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