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Energie aus dem Balkonkraftwerk – lohnt sich das?

Balkonkraftwerke sind gerade in aller Munde. Auch in meinem Umfeld schraubt sich jeder Solarzellen ans Haus oder aufs Dach. Seit einigen Monaten testen wir bei Chinahandys.net vermehrt sogenannte Powerstations, was nichts anderes ist als ein Akkupack mit vielen Anschlussmöglichkeiten. Jetzt kam schon öfter die Frage auf, ob man einfach sein Balkonkraftwerk an solche Powerstations anschließen kann. Ob das überhaupt möglich ist, klären wir in diesem Artikel und wenn ja, was das überhaupt bringt.

Bluetti SP120 11

Grundsätzlich ist das Laden einer Powerstation über Solar denkbar einfach, wie das Bild oben des Bluetti PV120 Solarpanel (Zum Test) suggeriert. Um mit diesem Solarpanel allerdings nur eine Kilowattstunde an Energie zu erzeugen, braucht ihr mindestens 10 Stunden vollen Sonnenschein. Diese tragbaren und faltbaren Solarpanel gibt es unter anderem auch vom Hersteller EcoFlow, dort hatten wir eine 160W Version im Test und bei der Banggood Eigenmarke Xmund wurde ein 100 Watt Solarpanel sogar gleich mitgeliefert. Alle diese klappbaren Solarpanel haben allerdings eine Gemeinsamkeit. Sie sind vergleichsweise teuer und nur für Notfallladungen oder als Spielerei für Camper geeignet. Wer dauerhaft Sonne tanken will, der sollte sich nach richtigen Solarzellen bzw. einem Balkonkraftwerk umschauen.

Was ist ein Balkonkraftwerk

Grundsätzlich sind Balkonkraftwerke einfach 1-2 Solarmodule in Kombination mit einem Wechselrichter. Der Wechselrichter sorgt dafür, dass ihr über Schuko- oder Wieland Stecker den Strom direkt in euer Hausnetz einspeisen könnt. Solche Solaranlagen sind grundsätzlich anmeldepflichtig. Das kann sich jedoch je nach Wohnort und Netzbetreiber unterscheiden. Also am besten vorher beim örtlichen Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur nochmals nachfragen, wenn ihr ein bestimmtes Modell gewählt habt. Als Mieter braucht ihr natürlich die Zustimmung des Eigentümers, um ein Solarkraftwerk zu betreiben. Nun widmen wir uns aber einer spannenden Frage:

Wie lange dauert es, bis sich ein Balkonkraftwerk amortisiert hat? 

Das kommt stark auf die Anschaffungskosten und aktuellen Stromkosten an. Ich halte die Rechnung hier sehr einfach und rechne mit einer schattenfreien Anbringung und 35 Cent durchschnittlichen Stromkosten.

  • 300Wp Kraftwerk für 500€ – Ertrag: 240 kWh pro Jahr – Ersparnis: 84€ (6 Jahre)
  • 600Wp Kraftwerk für 1000€ – Ertrag: 480 kWh pro Jahr – Ersparnis: 168€ (6 Jahre)

Bei einem Strompreis von 50 Cent pro Kilowattstunde in den nächsten Jahren wird das natürlich deutlich schneller gehen. Das hier sind aber auch nahezu perfekte Bedingungen für eure Solaranlage, die in der Praxis so kaum zu erreichen sind. Entsprechend kann es auch gut 10 Jahre dauern, wenn die Bedingungen (z.B. die Grundlast) und das Wetter eben nicht mitspielen. Als Beitrag für die Umwelt und zur nötigen Energiewende ist so ein Balkonkraftwerk zweifelsohne eine gute Investition. Solche Module sollten knapp 25 Jahre durchhalten und mit Wartungskosten kommt ihr in 10 bis 15 Jahren in jedem Fall positiv raus. Deutlich schwieriger wird die Amortisation aber, wenn man mit einem Solargenerator liebäugelt.

Powerstation mit dem Balkonkraftkraftwerk (Solarzellen) laden

Mittlerweile haben sehr viele Powerstations einen eingebauten MPPT-Laderegler und können somit auch als Solargenerator bezeichnet werden. Damit sucht euer Energiespeicher immer die beste Kombination von Spannung und Strom, wodurch das Solarmodul stets die höchste Leistung liefert. Ihr müsste allerdings darauf achten, dass eure Powerstation die Spannungen und den Stromfluss des Solarmoduls verträgt. Relevant ist dabei die Angabe “Voc” oder manchmal auch “Uoc” genannt (maximale Leerlaufspannung) des Solarmoduls. Rechnet da noch mal 25% dazu, da sich dieser Wert bei tiefen Temperaturen nochmals erhöht. Genau das Gleiche gilt auch “Imp”, also den maximalen Strom bei perfekten Verhältnissen. Hier könnt ihr mit 10% extra rechnen, um auf Nummer sicher zu gehen. Hier ein kurzes Beispiel:

Solarmodul Angaben 300Wp

Gehen wir davon aus, dass ihr das erstgenannte Modul im Bild am Laufen habt. Dann landet ihr bei einer Voc von 39,72 V x 1,25 (Sicherheitspuffer) = 49,65 V. Wenn ihr eure Powerstation mit diesem Modul koppeln wollt, dann sollte sie mindestens 50V Eingangspannung vertragen. Zusätzlich auch die Impp (auch Ampp, Imax oder Amax genannt) Angabe mit 9,27 (+10%) A beachten, dann seid ihr auf der sicheren Seite. Eine Bluetti EB3A ist für diesen Einsatzzweck entsprechend ungeeignet, da die gerade mal maximal 28V verträgt. Eine deutlich teurere Powerstation wie die EcoFlow Delta 2 verträgt hingegen 60V und 15A, ist also für ein solches Solarmodul zu nutzen. Aber auch die teureren Modelle von Bluetti vertragen Eingangsspannung von bis zu 60V, z.B. die Bluetti EB180. Wobei hier die 10A gerade an der Grenze sind.

Der typische Steckertyp bei Solarmodulen ist ein MC4-Stecker. Der passt z.B. in die zuletzt genannte Bluetti Powerstation. Allerdings kann es auch gut sein, dass ihr einen DC-Stecker oder einen XT60-Stecker (bei Ecoflow) benötigt, um euer Solarmodul mit einer Powerstation zu koppeln.

Also die meisten 300Wp Module könnt ihr an knapp 1000€ teuren Powerstations nutzen. Das ist mehr oder weniger eine Grundregel, natürlich müsst ihr direkt auf die jeweiligen Geräte und Solarzellen achten. Wie oben im Beispiel beschrieben, sind die Angaben beim Hersteller von Solarmodulen immer mit dabei. Und auch bei eurer Powerstation findet ihr stets die Angabe zum MTTP-Regler und welche Spannung und Stromfluss das Gerät verträgt.

Powerstation und Balkonkraftwerk für den Blackout?

Dass ihr nun ein 600Wp Balkonkraftwerk an eure Powerstation bedenkenlos anschließen könnt, ist eher unwahrscheinlich. Je nachdem, ob die Zellen in Reihe oder parallel geschaltet sind, verdoppelt sich die Spannung oder der Strom. Damit sind die oben genannten Powerstations alle raus. Auch für größere modulare System wie die Bluetti AC500 mit ihren B300S Erweiterungen benötigt ihr einen externen MTTP-Laderegler, den Bluetti mit dem D300S (Zum Shop) auch selbst anbietet.

Bluetti AC500 B300S Aufladen

Dass sich die Anschaffung der Powerstation zum Auffangen von überflüssigem Strom von eurem Balkonkraftwerk lohnt, ist nahezu unmöglich. Die paar Euro, die ihr über einige Monate ins Netz einspeist, werdet ihr auch nach mehreren Jahren nicht wiedersehen. Die Kapazitäten der Powerstation sind zu gering und die Kosten pro Kilowattstunde Kapazität einfach viel zu hoch. Wenn ihr wirklich in Angst vor dem Blackout lebt, dann schnappt euch lieber einen Generator im Baumarkt und ein paar Kanister Benzin.

Für Camper und Vanlifer könnte sich die Kombination aus Solarzelle und Powerstation hingegen durchaus lohnen. Aber auch nur dann, wenn ihr mehrere Tage von einer Steckdose abgeschnitten seid. Ansonsten dauert es auch hier viel zu lange, bis ihr die Anschaffungskosten der Solarzellen wieder drin habt. Gelegentlich die Powerstation an die Steckdose hängen, ist definitiv die deutlich günstiger Variante.

Fazit und Ausblick

Als Statement für die Umwelt und für die Reduzierung der heimischen Stromkosten lohnt sich ein Balkonkraftwerk definitiv. Die Kombination mit einer Powerstation ist alleine schon wegen den hohen Anschaffungskosten eher fraglich. Zum Auffangen von überflüssigem Strom ist so was ungeeignet und zur Notstromversorgung ist die Kombination mit den Solarzellen zumindest zu Hause nicht das Gelbe vom Ei. Für echte Abenteurer, die in der Natur unterwegs sind, sehe ich die beste Einsatzmöglichkeit.



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Tobias
Gast
Tobias (@guest_92208)
1 Monat her

Toll ! Ich denke wirklich, dass ich mir ein hole.
Sind die an gewisse Stellen verboten?

UdoP
Gast
UdoP (@guest_91478)
1 Monat her

Endlich mal ein realistische Darstellung von Vor- und Nachteilen. Danke dafür!
Ich kann mir in Zukunft viel Zeit sparen und muss mich nicht mehr mit dem Thema “Solargenerator” beschäftigen.
Im Grunde handelt es sich nur um vollkommen überteuerte Batterien.

Fred Freiflug
Gast
Fred Freiflug (@guest_91470)
2 Monate her

Die Frage bei einem Blackout, vor dem ja gerade die Angst umgeht, ist ja nicht so sehr, ob es sich lohnt, sondern mehr ob man dann noch genügend Strom für die notwendigsten Dinge (z. B. Kühlschrank und Herd) hat. Und wenn ja für wie lange. Wenn ich z. B. Medikamente kühlen muss, ist mir relativ egal, ob sich das Balkonkraftwek finanziell lohnt bzw. ab wann. Eine kleine Info bzw. Betrachtung zu der Frage “kann so ein Balkonkraftwerk plus Powerstation ein paar Tage Blackout überbrücken und wenn ja, unter welchen Rahmenbedingungen und wie lange?” würde ich sehr spannend finden! Vielen Dank… Weiterlesen »

Priprivatvat
Gast
Priprivatvat (@guest_91412)
2 Monate her

Die Rechnung zum Balkonkraftwerk oben ist falsch. Ich kann nicht 100% des Ertrags als Einsparung rechnen. Wenn Nachmittag die Sonne scheint, das Balkonkraftwerk 600 Watt liefert, aber niemand Zuhause ist, wird man nur ca. 100 Watt Grundlast benötigen und 500 Watt gehen unvergütet ins Netz. Je höher der Hausverbrauch und je höher die Grundlast, desto mehr kann ich von einem Balkonkraftwerk profitieren. Wir sind eine 4 köpfige Familie, ich arbeite viele im Home-Office. Ich habe 2x350Watt Module an einem 600Watt WR. Habe knapp 750 kWh im letzten Jahr erzeugt und könnte knapp 70% davon selber nutzen, also gute 500kWh. Ein… Weiterlesen »

Priprivatvat
Gast
Priprivatvat (@guest_91421)
2 Monate her
Antwort an  Jonas Andre

Der angegebene Ertrag den du angegeben hast hätte schon gepasst (ca.900-1100 kWh/kWp, je nach Winkel und Lage in Deutschland), nur eben die eigene Nutzung hängt extrem stark vom eigenen Stromverbraucher und Profil des Stromverbrauchs ab. Kurze hohe Lasten sind nicht ideal. Eine Wärmepumpentrockner der permanent 500 Watt verbraucht an einem sonnigen Nachmittag sind natürlich ideal (hier kann man auch mit Startzeit Programmierung arbeiten, wenn die Geräte sowas haben).

Simon
Gast
Simon (@guest_91442)
2 Monate her
Antwort an  Priprivatvat

Ich wollte mir vor zwei Jahren bereits eins anschaffen, als es noch ca. 700 Euro gekostet hat. Allerdings habe ich nur eine Grundlast von ca. 130 Watt, da hätte es sich erst nach vielen Jahren rentiert.
Ein Bekannter hat noch nen alten Ferrari-Zähler, da ist es sogar schon nach 2-3 Jahrne amortisiert (aber Achtung, das ist illegal).

prinzenrolle
Gast
prinzenrolle (@guest_91609)
1 Monat her
Antwort an  Priprivatvat

nun wenn die powerstation genau dann am stromnetz hängt, wenn ich bei bestem sonnenstand (11 bis 14 uhr) mit dem balkonkraftwerk strom ins hausnetz einspeise, kann sich das schon rechnen! bekomme meine delta2 erst. kann man mit einer simplen zeitschaltuhr bewerkstelligen.

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