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NIO, BYD & Co. – Was hat der chinesische E-Auto Markt zu bieten?

Wenn es um Innovationskraft und Wirtschaftswachstum geht, befindet sich das “Reich der Mitte” auf der Überholspur – auch im Automobilsektor. Während der Markt lange Zeit von großen Konzernen aus Europa, Japan, Korea und den USA dominiert wurde, könnte die bevorstehende Elektrifizierung alles ändern. BMW, Daimler & Co. haben den klassischen Verbrennungsmotor perfektioniert, doch bei den alternativen Antrieben gibt es keinen Erfahrungs-Vorsprung.

Hintergrund-Infos

Mini, Smart, Porsche, Lamborghini – europäische Automarken, die größeren Konzernen untergeordnet sind. Genauso sieht das Gefüge in China aus, wo komplexe Fusionen und Übernahmen zur Tagesordnung gehören. Viele der chinesischen Hersteller sind daher sehr jung und vollständig auf Elektroautos fokussiert – ein großer Wettbewerbsvorteil. Neue Produkte ohne Altlasten können viel flexibler und zielführender entwickelt werden. Bevor VW mit dem ID.3 das erste eigenständige Elektroauto auf den Markt gebracht hat, wurden Verbrenner-Modelle elektrifiziert (e-Golf, e-Up). Das spart Kosten, verhindert aber z.B. eine strukturelle und schwerpunktgünstige Integration des Akkus in den Fahrzeugboden.

Hersteller-Übersicht

Marke Tochter von Gründung Standort
Aiways 2017 Shanghai
BYD 1995 Shenzhen
Byton FMC 2016 Nanjing
MG Motor SAIC Motor 2007 Shanghai
NIO 2014 Shanghai
WEY GWM 2016 Baoding
Xpeng 2014 Guangzhou
Zeekr Geely 2021 Hangzhou

Werfen wir nun einen Blick auf die bekanntesten Hersteller, die sich auch in Deutschland bereits einen Namen gemacht haben:

MG Motor

E Autos China MG Map

Der ehemals britische Kfz-Hersteller wurde 2007 von der „Shanghai Automotive Industry Corporation“ übernommen und vertreibt seitdem Autos chinesischer Herkunft zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Es ist der einzige Hersteller in unserer Liste, der es bereits geschafft hat, ein nennenswertes und stetig wachsendes Händler-Netzwerk in Deutschland aufzubauen. Der MG ZS EV ist offiziell in Deutschland verfügbar und wir hatten die erste Version (es gibt mittlerweile ein Facelift) sogar schon im Test.

NIO

Nio ist insbesondere für sein rasantes Wachstum und die Aktienrally von 2020 bekannt. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen weltweit über 10.000 Mitarbeiter, das Design-Zentrum befindet sich in der bayrischen Landeshauptstadt München. Besonders innovativ sind die Batterie-Tauschstationen, von denen in China bereits über 500 Stück im Einsatz sind. Hierbei wird der leere Akku nicht im Auto aufgeladen, sondern von einer “Roboter-Garage” aus dem Fahrzeugboden entnommen und gegen einen voll aufgeladenen, neuen Akku ausgetauscht. Der Prozess dauert nur etwa 5 Minuten und löst gleichzeitig ein weiteres Problem: Man muss sich keine Gedanken mehr um die Alterung des Akkus machen.

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Letztes Jahr startete das Unternehmen mit dem Premium-SUV ES8 bereits in Norwegen. Im Jahr 2022 stehen Deutschland und weitere EU-Länder auf dem Plan.

Aiways

Aiways ist ein sehr junges Unternehmen, das 2019 erstmals Fahrzeuge in China ausgeliefert hat. 2018 wurden bereits 1300 Mitarbeiter beschäftigt, die europäische Vertretung befindet sich in München. Aktuell wird in Deutschland nur ein SUV-Modell verkauft, der U5. Den hatten wir auch schon im Test.

Aiways U5
Vorteile / Nachteile
  • stabile Straßenlage + gute Federung
  • top motorisiert (205 PS)
  • hoher Fahrkomfort
  • viele Assistenzsysteme (Sicherheit)
  • hervorragendes Platzangebot
  • gute Verarbeitung (Innen und Außen)
  • ordentliche Reichweite
  • kein Android Auto
  • geringe Zuladung von 350kg
  • eingeschränkte Rundumsicht (hinten)
  • träges System und teils unpratische Handhabung
  • schwache Ladegeschwindigkeiten
Zusammenfassung
Der Aiways U5 zeigt sich im Test als ausgewachsener SUV mit viel Stauraum und reichlich Platzangebot im Innenraum. Komfort steht häufig im Vordergrund und vor dem Losfahren muss man nicht mal den nicht vorhandenen Startknopf betätigen oder gar den U5 aufschließen. Alles geht automatisch und eine Armada an Assistenzsystem sorgt in Kombination mit dem gut abgestimmten Fahrwerk und der starken Motorleistung für Entspannung beim Autofahren....

Nun kommen wir zu den Marken, die noch einen etwas längeren Weg vor sich haben:

BYD

BYD Kommertielle Autos

BYD ist neben seiner Rolle als Autohersteller hauptsächlich durch den Erfolg in einem anderen Sektor bekannt geworden: Elektrische Busse und Nutzfahrzeuge. Der “BYD ebus” ist mit über 50.000 verkauften Exemplaren der Erfolgreichste seiner Art. Die Busse sind – in verschiedensten Ausführungen – auch schon in Europa im Einsatz, z.B. in Deutschland, England und den Niederlanden. Für Privatkunden ist BYD damit zwar nicht greifbar, aber auf dem gewerblichen Markt unschlagbar. Seit 2010 gibt es den BYD E6, der unter anderem in der Elektronikmetropole Shenzhen bereits seit 10 Jahren als Taxi im Einsatz ist. Mittlerweile gibt es alleine in Shenzhen 22.000 E-Taxis und auch die Polizei stellt auf den E-SUV um. Der lange und intensive Einsatz von batteriebetriebenen Fahrzeugen bietet BYD einen entscheidenden Vorteil bei der Entwicklung neuer Akkus.

Byton

Byton China

Die Vergangenheit von Byton gleicht eher einer Tragödie als einer Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen hat viele Wechsel in der Vorstandsebene und viele Besitzübergänge mitgemacht. Es gibt keine endgültige Gewissheit, aber aktuellen Informationen zufolge wird bereits der Insolvenzantrag bearbeitet, da das Unternehmen – abgesehen von interessanten Konzeptfahrzeugen – keinen wirtschaftlichen Durchbruch erlangen konnte.

WEY

Wey EAuto Hersteller

WEY ist ein Tochterunternehmen von “Great Wall Motor” (GWM), einem riesigen Konzern mit über 70.000 Mitarbeitern. WEY soll vorwiegend ins Luxussegment eindringen, während ORA – ein weiteres Tochterunternehmen – mit günstigen und kompakten Elektroautos punkten will. Beide Marken sollen unter anderem in Deutschland Wurzeln schlagen, wozu GWM bereits eine Europa-Zentrale in München eingerichtet hat.

Xpeng

Xpeng P7 Xiaomi 15

Xpeng, kurzform für Xiaopeng, ist ein chinesischer Autohersteller, der mit einem kompakt-SUV (G3) und einer Limousine (P7) bereits bis nach Norwegen vorgedrungen ist – auch wenn bislang nur geringe Stückzahlen exportiert wurden. Die chinesische Palette umfasst drei Modelle, ein weiteres soll im Laufe des Jahres folgen. Xiaomi ist unter anderem seit 2019 an Xpeng beteiligt und wird in den nächsten Jahren auch ein eigenes Elektroauto vorstellen.

Zeekr

Zeekr Porsche Klon E Auto SUV

Zeekr ist ein sehr junges Tochterunternehmen von Geely und wurde als Luxusmarke positioniert, um den Platzhirschen Tesla und Nio entgegenzutreten. Der Mutterkonzern steht ebenfalls über Polestar, der in Europa recht bekannten Elektro-Sparte von Volvo.

Markt & Konkurrenz

Die chinesischen Hersteller müssen viele Hürden überwinden, bevor sie auf dem deutschen Markt Fuß fassen können. Abgesehen von einem allgemeinen Misstrauen gegenüber Produkten aus Fernost haben sie mit einem schwachen Vertriebs- und Service-Netzwerk zu kämpfen. Daher ist Kreativität gefragt: Aiways kooperiert beispielsweise mit der Elektronik-Fachmarkt-Kette “Euronics”. In einigen Geschäften werden gesonderte Verkaufsflächen eingerichtet, auch Probefahrten können durchgeführt werden. Falls es nach dem Kauf technische Probleme geben sollte, kann sich der Kunde an eine ATU Werkstatt wenden. Dort wird auch der Service für die Fahrzeuge durchgeführt.

Bei der Herstellung können die Chinesen von ihren kostengünstigen Produktionsstandorten profitieren. Das bekommt auch der Kunde zu spüren. In der Basisausstattung bewegen sich die Unterschiede zu vergleichbaren deutschen Fabrikaten meist noch rund um 10%. Berücksichtigt man jedoch eine bessere Ausstattung, welche von vielen Kunden gewünscht wird, geht die Spanne immer weiter auseinander. Vor allem im Bereich Infotainment und Sicherheit bieten die asiatischen Konkurrenten viele Features für wenig Geld, auch wenn die Benutzeroberfläche manchmal etwas überfrachtet und kompliziert wirkt.

Fazit

Wer hätte das gedacht? Der E-Auto-Absatz pro Kopf ist in Europa deutlich größer als in China. Dies liegt an dem Zusammenspiel zweier Tatsachen: Zum einen werden Autos immer teurer. Die <20.000€-Klasse ist vom Aussterben bedroht. Zum Anderen gibt es in China viel mehr Armut als in Europa. Elektroautos, die aufgrund der benötigten Rohstoffe (wie etwa Lithium) deutlich teurer sind als vergleichbare Verbrenner-Modelle, haben es also schwierig – vor allem ohne ausreichende staatliche Förderung.

Dies bringt jedoch auch einen Vorteil mit sich: Durch den hohen Druck und die starke Konkurrenz muss ein chinesischer E-Autohersteller besonders kosteneffizient arbeiten. Ein Auto wird nur zum “Volkswagen”, wenn es erschwinglich und praktikabel ist – genau dort besteht eine Marktlücke. Um Knowhow zu vereinen und globale Kassenschlager zu entwickeln, können auch internationale Kooperationen nicht ausgeschlossen werden. Wir dürfen also gespannt sein, was in nächsten 10 Jahren passiert! Auch wenn die chinesischen Hersteller bei Verbrenner-Modellen kläglich gescheitert sind, bei Elektroautos könnte das ganz anders kommen.

Quellen


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Jürgen
Gast
Jürgen (@guest_84420)
4 Monate her

Ihr habt Geely (Volvo und Polestar) vergessen.

Jens
Gast
Jens (@guest_84453)
3 Monate her
Antwort an  Jürgen

sowie BAIC und DFSK die vekaufen schon ordentlich Autos hier…

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