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App-Tipp: Tidal – Was bietet der Hi-Res Streamingdienst?

Die Branchenprimi Spotify und Apple Music kennen wir alle. Gräbt man etwas tiefer auf dem Markt der Musik-Streamingdienste, stolpert man früher oder später über den Namen Tidal. Die Werbung des Anbieters verspricht tolle Soundqualität und eine breite Unterstützung von Drittanbietergeräten. Ich bin seit gut einem Jahr Abonnent von Tidal und schreibe in diesem App-Tipp über meine Erfahrungen!

tidal screenshot homepage

Tidal in der Übersicht: Kompatibilität, Angebot & Preise

Wie die bekannten Konkurrenzanbieter läuft Tidal auf allen gängigen Betriebssystemen. Es gibt unter anderem Apps für Windows, Mac OS, Android und iOS. Für Linux-Nutzer gibt es immerhin einen Web-Player, der beispielsweise im Chrome-Browser aufgerufen werden kann. Das ist allerdings mit einer erheblichen Einschränkung verbunden – dazu später mehr. Die Apps sind selbstverständlich alle kostenlos, für das Streaming-Abo muss aber gezahlt werden. Ein kostenloses Modell (wie bei Spotify) bietet Tidal nicht an – ein Probeabo gibt es natürlich.

Damit sind wir auch schon gleich beim Thema. Bei Tidal gibt es zwei verschiedene Abonnements: Premium kostet 9,99 Euro im Monat und bietet den Zugriff auf alle im Katalog enthaltenen Songs. Als Codec kommt AAC zum Einsatz, die Bitrate liegt bei 320 kbit/s. HiFi kostet hingegen 19,99 Euro im Monat. Entgegen dem normalen Abo ist hier fast der gesamte Katalog in CD-Qualität verfügbar. Als Codec kommt FLAC zum Einsatz, die Bitrate liegt bei rund 1.400 kbit/s. Ebenfalls im HiFi-Abo inklusive ist der Zugriff auf die Tidal Masters – als Containerformat wird hier MQA eingesetzt, die Bitrate liegt zwischen 2.304 und 9.216 kbit/s.

Der Katalog ist im Umfang mit dem von anderen Streamingdiensten vergleichbar. Tidal wirbt mit rund 70 Millionen verfügbaren Songs, bei Spotify sind es rund 50 Millionen. Auf die möglichen Gründe für diesen nicht unerheblichen Unterschied gehe ich später noch genauer ein.

Tidal im Praxistest – Was taugen die Apps des Streamingdienstes?

Ich verwende Tidal zu 90 Prozent auf meinem Android-Smartphone (Xiaomi Mi 10 Lite 5G). Die restlichen zehn Prozent teilen sich mein Notebook und mein Fernseher. Meistens nutze ich Kopfhörer, gelegentlich höre ich aber auch über meine HiFi-Anlage (Pioneer A656 Mark II, JBL L60). Beginnen wir einfach mal mit den verschiedenen Apps und deren Benutzerfreundlichkeit.

Die Android-App

Die mobile App von Tidal ist fast identisch aufgebaut wie die von Spotify. Auf der Startseite befinden sich vorgeschlagene Künstler, Alben und Playlists. Über die Navigationsbar auf der Unterseite kann ich die Reiter Videos, Entdecken und Meine Musik aufrufen. Bleiben wir aber erst einmal auf der Startseite.

Musikvorschläge

Die vorgeschlagene Musik ist insgesamt in Ordnung – Spotify ist allerdings besser. Obwohl ich fast nie Hip-Hop höre, wird Tidal nicht müde, mir diese Musikrichtung vorzuschlagen. Neben diesem unpassenden Vorschlag kriege ich aber oft neue Alben und Playlists von Künstlern angezeigt, die mir tatsächlich gefallen. Auch die von Tidal kuratierten Playlists gefallen mir wirklich gut. Wenn mir Künstler vorgeschlagen werden, die ich bisher nicht kannte, sind oft zu meinem Musikgeschmack passende Interpreten dabei. Es gibt außerdem eigene Bereiche für die Tidal Masters und für Musik mit 360° Sound. Charts und Radiostationen gibt es bei Tidal natürlich auch.

Musikvideos

Den Bereich Video benutze ich tatsächlich nie – Musikvideos sind allgemein nicht so mein Fall. Zu Testzwecken habe ich mir den einen oder anderen Clip angeschaut. Auffällig ist dabei, dass die Bitrate der Videos offensichtlich deutlich besser ist als bei YouTube. Alles wirkt knackiger und detailreicher, Bewegungen verschwimmen nicht so schnell. Negativ ist mir hingegen aufgefallen, dass die maximale Auflösung 1080p beträgt – 4K wäre wünschenswert gewesen.

Suchfunktion

Der Tab Entdecken ist eine Kombination aus Suchfunktion und Genre-Übersicht. Neben klassischen Musikstilen wie Rock und Country gibt es hier Felder für neue Musik, beliebte Musik, Podcasts, Tidal Masters, 360° Audio und familienfreundliche Inhalte. Die Auswahl an Podcasts ist übrigens sehr begrenzt, deutschsprachige Formate sind überhaupt nicht vertreten. Die Suchfunktion selbst ist überraschend gut. Oft werden genau die Songs ausgespuckt, nach denen ich tatsächlich suche. Gebe ich beispielsweise den Begriff Money ein, ist Money For Nothing von Dire Straits das vierte Suchergebnis. Zusätzlich zu Songs werden auch passenden Interpreten und Playlists angezeigt.

Meine Musikbibliothek

Unter Meine Musik werden alle gespeicherten Lieder, Alben, Interpreten und Playlists angezeigt. Es gibt zusätzlich Schaltflächen für Offline-Inhalte, Radiostationen und Musikvideos. Unten werden meine zuletzt wiedergegebenen Inhalte angezeigt. Es können natürlich eigene Playlists erstellt, benannt und auch geteilt werden. Simultanes Arbeiten mehrerer Nutzer an einer Playlist ist hingegen nicht möglich. Unter der Playlist werden Musikvorschläge angezeigt, die passend und vielfältig sind. Die Vorschläge unter meiner Wiedergabeliste Rock Anthems bestehen beispielsweise aus Künstlern wie Disturbed, Avenged Sevenfold, Slipknot und Scorpions.

Tidal auf Windows & Linux

Unter Windows werden dieselben Inhalte gezeigt wie unter Android. Lädt man die Tidal-App herunter, stehen alle Funktionen zur Verfügung, die es auch auf dem Smartphone gibt. Für Nutzer von Linux-Rechnern gibt es allerdings keine native Applikation – sie müssen auf die Web-App zurückgreifen. Die ist insgesamt zwar auch ziemlich gut, hat aber einen großen Nachteil. Die Tidal Masters können allesamt nicht wiedergegeben werden. Versucht man, einen entsprechenden Song abzuspielen, springt die Web-App automatisch auf die HiFi genannte CD-Qualität zurück.

tidal screenshot windows

Tidal auf dem Fernseher

Auf meinem Xiaomi Mi TV 4S mit Android TV gibt es eine Tidal-App. Diese funktioniert überraschend gut und ist eindeutig auf die Wiedergabe von Musikvideos fokussiert. Ganz normale Songs können aber natürlich auch abgespielt werden und das tatsächlich sogar in der höchstmöglichen Qualitätsstufe.

Die verschiedenen Qualitätsstufen – Was bringt Hi-Res Audio wirklich?

Nahezu jeder Song ist in den Qualitätsstufen Standard und HiFi verfügbar. Mir ist tatsächlich noch kein einziges Lied untergekommen, das nur in der Standard-Qualität mit 320 kbit/s angeboten wird. Im teureren Abo ist also HiFi der Quasi-Standard. Diese Songs bieten 16 Bit und eine Abtastrate von 44,1 kHz.

Zusätzlich zu HiFi sind viele Songs als Tidal Master verfügbar. Das bedeutet normalerweise 24 Bit und 96 kHz, bei einigen Songs sind sogar 192 kHz möglich. Die Tidal Masters sind mit einem orangen M-Symbol gekennzeichnet. Mittlerweile ist die Auswahl an Titeln in dieser Qualitätsstufe groß. Teilnehmende Künstler sind unter anderem Dua Lipa, The Weeknd und Tom Petty, aber auch deutsche Musiker wie KitschKrieg und Seeed. Ein solcher Stream schluckt natürlich einiges an Datenvolumen – passt also euren Mobilfunkvertrag entsprechend an oder bucht eine Option, bei der Musikstreaming nicht vom Volumen abgezogen wird. Tidal ist bei Vodafone und bei der Telekom im entsprechend Musik-Paket enthalten.

Ob man nun tatsächlich einen Unterschied zu einem normalen Stream mit 320 kbit/s im AAC-Format hört, hängt erst einmal von eurer Hardware ab. Meine Kopfhörer unterstützen beispielsweise den Bluetooth-Codec aptX HD – damit sind maximal 24 Bit/48 kHz möglich. Das kommt natürlich bei weitem nicht an das Maximum heran, das Tidal bietet. Der von Sony entwickelte Bluetooth-Codec LDAC kommt auf maximal 24 Bit/96 kHz bei rund 990 kbit/s. Auch das reicht nicht ganz für die CD-Qualität von Tidal.

Um das Maximum wirklich ausschöpfen zu können, braucht ihr also kabelgebundene Kopfhörer oder am besten ein Netzwerkabspielgerät, das den Codec MQA unterstützt. Der Codec ist außerdem in einige Verstärker, DACs und CD-Player integriert. Eine Liste der unterstützten Geräte findet ihr unter diesem Link.

So viel Aufwand für ein bisschen Musik?

Diese Frage ist berechtigt. Ganz ehrlich – für den ganz normalen Handynutzer lohnt sich Tidal HiFi nicht. Dort ist vermutlich das günstigere Premium-Abo die bessere Wahl. Wer aber hochwertige Kopfhörer oder eine HiFi-Anlage besitzt, könnte mit dem HiFi-Abo glücklich werden. Es ist zwar umstritten, ob man überhaupt einen Unterschied zu verlustbehaftet komprimierter Musik hört – ich tue das aber 😉. Ich habe diesbezüglich schon Blindvergleiche gemacht und habe mich immer für das hochauflösende Musikstück entschieden. Ob das bei euch auch so ist, müsst ihr vermutlich selbst herausfinden.

Wo Tidal anderen Streamingdiensten nicht überlegen ist, ist der Dynamikumfang. Der ist nämlich bei allen gleich schlecht. Moderne Musik wird mit möglichst hoher Lautheit abgemischt, was den Höreindruck erst einmal verbessert, die Dynamik aber deutlich verschlechtert. Die einzige Möglichkeit, diesem Trend zu entkommen, sind Schallplatten. Das ist auch ganz eindeutig keine Liebhaberei – für Vinyl abgemischte Musik hat einen höheren Dynamikumfang, als für Streaming und CDs abgemischte Musik. Das ist belegbar – hier seht ihr beispielsweise den Dynamikumfang des Albums Stadtaffe von Peter Fox als CD, hier als Schallplatte.

Ebenfalls nicht überzeugend ist die 360°-Musik bei Tidal. Diese Lieder sind leise, klingen blechern und insgesamt einfach total seltsam. Echter Mehrkanalton für eine Surround-Anlage wäre eine tolle Erweiterung, dieser Effekt ist aber absolut nichts für mich.

Streamingdienste und ihre Zahlmoral

Musik-Streamingdienste sind dafür bekannt, nicht unbedingt viel an die gestreamten Künstler zu zahlen. Pro Wiedergabe zahlt Spotify beispielsweise 0,00397 Euro – knapp über einen Drittel Cent also. Tidal zahlt mit 0,01284 immerhin gut einen Cent pro Stream. Für einen bekannten Musiker ist das erst einmal egal – mit zehn Millionen Streams auf Spotify verdient er immer noch knapp 40.000 Euro. Für weniger berühmte Musiker ist das allerdings ein großes Problem – teilweise kommen nur ein paar Euro im Monat zusammen.

Klar, auch von Streams auf Tidal wird man als unbekannter Musiker nicht sofort reich. Dennoch ist eine angemessene Entlohnung meiner Meinung nach erwähnenswert und für manche vielleicht ein Grund, ein Abo bei Tidal in Betracht zu ziehen. Nun schreibt aber nicht einmal Spotify konstant schwarze Zahlen – droht Tidal der Bankrott? Ob der Streamingdienst Gewinn macht, ist mir leider nicht bekannt. Allerdings stehen verschiedene bekannte Musiker wie Jay-Z hinter dem Vorhaben und pumpen konstant Geld in das Unternehmen. Tidal ist also gewissermaßen ein Liebhaberprojekt. Der baldige Untergang steht dem Streamingdienst vermutlich nicht bevor.

Fazit: Ist Tidal sein Geld wert?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Das Premium-Abo hat einen ähnlichen Umfang wie Spotify Premium und ist ebenso teuer. Wegen der besseren Bezahlung der Künstler und der ähnlich guten App ist es also definitiv eine Option, zu Tidal Premium zu wechseln. Tidal HiFi ist hingegen ein Nischenprodukt für Liebhaber, die entsprechendes Audioequipment besitzen. Für mich sind das gut angelegte 20 Euro – ich höre aber auch täglich Musik und Hörspiele.

Ähnliche Angebote sind Deezer HiFiAmazon Music HD und Qobuz. Von diesen Diensten bietet allerdings nur Qobuz dieselbe maximale Bitrate wie Tidal. Bei Qobuz ist dafür die App weitaus schlechter. Wenn ihr euch für Hi-Res Audiostreaming interessiert, empfehle ich aber, beide Dienste auszuprobieren.

Quellen


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Werner
Gast
Werner (@guest_77438)
6 Tage her

Guter Artikel! Zwei Punkte fehlen mir noch.
Bzgl. Mehrkanal, hebt sich Tidal deutlich von Spotify ab und unterstützt nicht nur 5.1, sondern bei manchen Titeln sogar dolby atmos. Ich habe eine atmos tv Anlage und muss sagen dass Musik noch nie so beeindruckend geklungen hat!
Mich hätte noch interessiert wie es mit Family sharing aussieht. Das geht ja bei Spotify problemlos und ist sogar erwünscht. Wie sieht es bei tidal aus?
Habe derzeit das Probeabo. Höre aber eher selten Musik am TV. Bin daher noch unentschlossen ob sich der Wechsel lohnt.

Tom
Gast
Tom (@guest_77431)
6 Tage her

Benutze momentan auch Tidal. Ich werde aber nächsten Monat wieder zu Apple Music wechseln. Finde die Hifi/Master Qualität hört sich auf meinen Wh1000xM3 ein gutes Stück besser an, aber leider funktioniert CarPlay sehr schlecht und es gibt keine Apple Watch App. Daher Apple Music oder Dezzer Hifi. Bei Dezzer leider keine ATV App, aber die nutze ich eh nie.

Tom
Gast
Tom (@guest_77434)
6 Tage her
Antwort an  Benjamin Kalt

In Apple CarPlay hängt es sich fast dauernd auf und man muss die App wieder neu starten, mit Glück funktioniert es dann wieder. Ja, die Bitrate ist wirklich ein großes Problem von Apple Music. Vielleicht schafft Apple es auch noch irgendwann ein Hi-Fi Abo zu bringen.

dani
Mitglied
Mitglied
dani (@dani)
7 Tage her

Toller Bericht, vielen Dank dafür!
Ich nutze Tidal ebenfalls gerne, aber stelle auch fest, dass leider jeder Streamingdienst seine Vor- und Nachteile hat.

DschaiFu
Gast
Dschai (@guest_77406)
7 Tage her

Das ganze normale Tidal bekommt man über congstar für 8,99 statt 9,99.
Interessant sind zB auch PrepaidKarten von Congstar, die man zB im Payback-Premienshop häufig 2er Kombi für 7 bekommt. Damit kostet dann Tidal nur 3,50 im Monat. Man aktiviert die Karte, bucht die Musik-Option, erhält einen Link, den man dann irgendwann (probiert sind 2 Monate später) aktiviert, man kann auch bestehende Accounts verlängern.

pavlov
Gast
pavlov (@guest_77402)
7 Tage her

Tidal? Ich dachte die schließen den Dienst. Zumindest habe ich entsprechende Meldungen vor einiger Zeit gelesen.

IgorB
Gast
Igor (@guest_77401)
7 Tage her

Meine streaming App ist das Internet, und es ist sogar gratis.

IgorB
Gast
Igor (@guest_77417)
7 Tage her
Antwort an  Benjamin Kalt

Das man die Musik wofür man sonnst zahlen würde, auch wo anders, z.b. YouTube auch umsonst bekommt. Mann muss nur danach suchen.
Ich verstehe aber auch dann so eine App und wenn man genug Geld zahlt, einfach gemütlicher ist.

Tobias#1
Gast
Tobias#1 (@guest_77423)
7 Tage her
Antwort an  Benjamin Kalt

YouTube Vanced

Jan
Gast
Jan (@guest_77425)
7 Tage her
Antwort an  Tobias#1

Dank Chinahandys.net habe ich die sogar! 😁👍