Die Chuwi Hi-Reihe steht im Programm des Herstellers für Tablets im Mittelklasse-Preisbereich, die häufig mit einem Dual-Boot System aus Android und Windows ausgestattet sind. Bei dem neusten Chuwi Hi9 kommt dieses Mal jedoch kein Dual-Boot Gerät auf den Markt. Stattdessen verfügt das Gerät über ein Android 7 System. Der Preis des Tablets ist im deutlich unterhalb der 200€-Marke angesiedelt und setzt hier zumindest auf dem Datenblatt ein paar verlockende Akzente. So verfügt das Tablet über ein hochauflösendes 2K-Display mit 8,4 Zoll, 4GB RAM und 64GB internen Speicher. Für genügend Performance soll ein Mediatek Quad-Core Prozessor sorgen. Ob diese Rechnung aufgeht und es sich bei dem Chuwi um ein empfehlenswertes Tablet handelt, erfahrt Ihr im folgenden Testbericht.

Design und Konnektivität

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Das Chuwi Hi9 verfügt über ein angenehm dezentes Design. Das Gehäuse des Tablets besteht gänzlich aus Kunststoff und ist in schwarzer Farbe gehalten. Trotz der Plastik-Verarbeitung macht das Handy einen soliden Eindruck und sieht im Gegensatz zu vielen Tablets im unteren Preisbereich keinesfalls billig aus. Die Ränder um das Display fallen mit 7mm seitlich sowie 17mm oben und unten, relativ groß aus – wie man es in dieser Preisklasse erwartet. Die Bedienung erfolgt über On-Screen-Buttons. Einen Homebutton oder gar Fingerprint-Scanner gibt es nicht. Auf der Rückseite befindet sich mittig das Herstellerlogo und links oben die 5 Megapixel Kamera. Zudem gibt es eine zweite Kamera auf der Frontseite mit mickriger 2MP-Auflösung. Als Anschlussmöglichkeiten bietet das Tablet einen herkömmlichen MicroUSB-Anschluss, einen Kopfhörer-Eingang und einen Micro-SD Slot zur Speichererweiterung. Der 5000mAh große Akku kann nicht gewechselt werden und auch einen SIM-Slot oder eine Benachrichtigungs-LED gibt es nicht.

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Der erste Eindruck des Tablets ist solide und die Verarbeitung scheint auf den ersten Blick stimmig. Übt man allerdings etwas Druck auf das Tablet aus, knackt und biegt es sich umgehend und das Gehäuse entfernt sich gefährlich weit vom Displayglas. Dieser Effekt kann schon ohne einen unnatürlich starken Druck beobachtet werden. Obwohl ich kein großes Freund von Biegetests mit Smartphones und Tablets bin, hat mich so viel Instabilität etwas schockiert.

Mit einem Gewicht von 352g ist das Tablet mittelschwer und liegt auch bei längerer Bedienung noch angenehm in der Hand. Die Tiefe beträgt 9,8mm und weicht damit deutlich von der Herstellerangabe (7,9mm) ab, obwohl ich das Tablet nicht als zu dick empfunden habe. Mit seinen Maßen von 216 x 130mm ist das Chuwi Hi9 zu groß für eine einhändige Bedienung, mit beiden Händen lässt sich aber jeder Teil des Displays noch gut erreichen.

Display

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Das Chuwi Hi9 wird ein 8,4 Zoll großes Display verbaut haben. Diese Größe stellt ein angenehmes Mittelmaß dar, das für Texte und Videos ausreichend groß ist aber immer noch eine angenehme Bedienung mit zwei Händen möglich macht. Die Auflösung ist mit 2560 x 1600 Pixel sehr hoch und sorgt mit guten 360ppi für ein Bild ohne einzeln sichtbare Pixel. Die hohe Auflösung schlägt sich allerdings auch in einem Energieverbauch und einer verminderten Akkulaufzeit nieder. Dazu aber später mehr. Die Helligkeit des Panels ist hervorragend und auch bei leichter Sonnenstrahlung gibt es keine Probleme mit der Lesbarkeit. Das IPS-Panel verfügt zudem über sehr stabile Blickwinkel und hat lebhafte Farben. Von Seiten des Displays sehe ich absolut keinen Raum für Kritik.

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Etwas gespart wurde allerdings bei den softwareseitigen Einstellungsmöglichkeiten. Es gibt weder Smart-Wake Features noch einen Lesemodus für die Abendstunden, was ich auf einem Tablet durchaus als sinnvolle Funktion betrachten würde. Weniger überzeugt hat mich zudem der Touchscreen des Displays. Dieser arbeitet zwar präzise und registriert bis zu 10 Berührungen gleichzeitig, allerdings ist er auch etwas schwerfällig. Wer es gewohnt ist, auf dem Touchscreen seines Handys sehr schnelle Bewegungen auszuführen, wird daher etwas genervt sein, wenn das Chuwi Hi9 diese häufig einfach nicht umsetzt. Smartphone-Neulingen dürfte dieser Effekt wahrscheinlich gar nicht erst auffallen, hektische Handynutzer werden das Tablet aber entnervt aus der Hand legen.

Leistung

Das Chuwi Hi9 wird mit einem Mediatek MT8173 Prozessor ausgestattet sein. Die gleiche CPU war auch im kürzlich getesteten Alldocube Freer X9 verbaut. Der Prozessor wurde 2015 auf den Markt gebracht und platziert sich heute in der unteren Mittelklasse. Er arbeitet mit zwei Cortex A72 Kernen à 2,4GHz und zwei weiteren Cortex A53 Kernen à 1,5GHz. Als GPU kommt eine PowerVR GX6250. Dazu packt Chuwi auf dem Hi9 noch 4GB RAM und 64GB Speicher. Der interne Speicher misst 64GB und bietet jede Menge Platz für Daten. Der 4GB große RAM ist groß genug, um eine größere Auswahl an Apps im Zwischenspeicher zu halten.

Obwohl der Chipsatz nicht gerade zu den schnellsten auf dem Markt gehört, schafft das Chuwi Hi9 in den einschlägigen Benchmarks durchaus passable Werte…

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… dass Benchmarks aber nur die eine Seite der Medaille sind, zeigt sich leider bei der alltäglichen Nutzung. Chuwi hat nämlich einen schwerwiegenden Fehler bei der Hardwarezusammensetzung des Tablets gemacht, der leider derzeit zur gängigen Praxis der China-Hersteller wird: Das Display ist mit seiner 2K-Auflösung über der der von Mediatek empfohlenen Full-HD Maximalauflösung und fordert daher den Chipsatz zu sehr. Das Ergebnis ist ein stockendes System, das bereits bei der Navigation im Launcher kleinere Lags aufweist, welche sich beim Surfen im Internet oder halbwegs anspruchsvollen Apps wie Facebook noch einmal deutlich steigern. Die Alltagsperformance des Tablets ist daher einfach nicht gut und Chuwi hätte gutgetan, das Tablet mit einem geringer auflösenden Display oder einem schnelleren Prozessor auszurüsten. Die 4GB RAM Arbeitsspeicher sorgen zwar grundsätzlich für dafür, dass das Tablet auch mit vielen Apps im Hintergrund nicht langsamer wird – wenn aber schon die Performance ohne RAM-Auslastung nicht gut ist, hilft dies auch nicht weiter. Hinzu kommt, dass die Speichermodule katastrophal langsam sind (37MB/s im Lesen und 44MB/s im Schreiben). Dies führt dazu, dass beim Öffnen und Installieren von Apps ziemlich viel Zeit verstreichen kann. Allein für das Einschalten des Displays braucht das Tablet mindestens 2 Sekunden, was häufig dazu führte, dass ich den Powerbutton aus Irrglauben, diesen verfehlt zu haben mehrfach gedrückt habe – woraufhin das Display dann auch gleich wieder ausgeschaltet wurde.

Gaming wird daher bei grafisch aufwendigen Spielen gelinde gesagt etwas schwierig, da die GPU hierfür nicht ausreichend Leistung zur Verfügung stellt. Einfache Spiele wie Temple-Run und Angry Birds sind aber noch flüssig spielbar. Angesichts dieser Hardwareausstattung entpuppt sich die Bezeichnung des Herstellers als „Gaming Tablet“ als maßlos übertrieben.

In punkto Performance kann das Chuwi Hi9 keinen guten Eindruck hinterlassen. Der Prozessor ist mit der Darstellung des hochauflösenden 2K-Displays schlichtweg überfordert, was in der Praxis zu langen Wartezeiten führte.

Android 7

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Dass das Chuwi Hi9 nicht mehr als Dual-Boot Gerät erscheint, dürfte einigen Nutzern ein Dorn im Auge sein. Gleichzeitig muss man dies relativieren. Aufgrund von Vorschriften seitens Microsoft gibt es überhaupt keine Dual-Boot Geräte mit einer neueren Version als Android 5 und in Deutschland sind Geräte dieser Art gänzlich unauffindbar. Der Hersteller hat sich daher entschlossen, das Gerät mit einem reinen Android System auf den Markt zu bringen. Viele Nutzer dürfte das Fehlen von Windows zwar stören, dafür bekommt man nun allerdings eine aktuelle Android 7 Version geboten – auch das ist auf dem Tabletmarkt eher eine Seltenheit. Das System wird läuft mit einem unveränderten Stock-Android Launcher und hat natürlich den Google Playstore und die deutsche Sprache an Bord. Nervige Apps von Drittanbietern gibt es keine und auch störende Bugs im System sind uns nicht untergekommen.

Kamera

Das Chuwi Hi9 verfügt über eine 5 Megapixel Kamera auf der Rückseite und eine 2 Megapixel Kamera auf der Front. Beide Kameras können im Test nicht überzeugen, was ja meistens bei Tablet-Cams der Fall ist. Die Bilder sind aufgrund der niedrigen Auflösung stark verpixelt und auch bei Videotelefonie kommt keine Euphorie auf.

Konnektivität

Das Chuwi Hi9 verfügt über keinen SIM-Slot. Wer unterwegs das Internet nutzen möchte, sollte also auf die Tethering-Funktion des Smartphones zurückgreifen. Zur drahtlosen Verbindung steht allerdings Wifi nach b/g/n/ac Standard mit Unterstützung von 2,4GHz und 5GHz Wifi-Netzen zur Verfügung. Aufgrund des Kunststoffgehäuses erzielt das Hi9 hier gute Empfangswerte und kann auch noch einige Räume neben dem Router eine stabile Verbindung zum Internet aufbauen. Gleiches gilt für das Bluetooth 4.0 Modul.

Der interne Lautsprecher sitzt auf der Rückseite des Gehäuses. Dies führt zwar dazu, dass der Sound etwas gedämpft wird, wenn das Tablet auf einer Unterlage liegt, in der Praxis finde ich diese Position aber immer noch besser als auf der Unterseite des Gerätes: Der Lautsprecher wird auch beim Halten im Landscape-Modus nicht verdeckt. Was den Sound angeht, liefert das Chuwi Hi9 eine durchschnittliche Qualität. Der Sound ist recht laut und verzerrt nicht, allerdings ist der Klang ziemlich blechern und Tiefen werden fast nicht wiedergeben. Einen guten Klang bekommt man allerdings, wenn man 3,5mm Kopfhörer an das Tablet anschließt.

Was die verbauten Sensoren angeht, bietet das Chuwi Hi9 einen Näherungssensor, einen Beschleunigungssensor und einen Helligkeitssensor. Ein Gyroskop ist nicht vorhanden. Dafür gibt es aber Standortbestimmung per GPS. Das Signal genügt, um das Handy grob zu lokalisieren, eine gute GPS-Navigation ist aber nicht möglich.

Akku

Chuwi Hi9 Battery TestDas Chuwi Hi9 hat einen 5000mAh Akku verbaut. Leider ist die Akkuanzeige des Tablet nicht wirklich zuverlässig und es kommt häufig dazu, dass die Prozente überproportional auf den letzten Prozenten verweilen. Ein verlässliches PC-Mark Akkutest Ergebnis konnte daher nicht ermittelt werden, da die Akkuanzeige zu schnell nach unten purzelt. In der alltäglichen Verwendung hielt das Tablet bei mir etwa 3 Tage mit 1-2 Stunden Nutzung aus. Die Akkulaufzeit genügt also für einen Tag bei intensiver Belastung. Allerdings ist die falsche Akkuanzeige auf Dauer ziemlich nervig.

Geladen wird das Chuwi Hi9 mit einem 5V/3A Schnellladeadapter. Der gesamte Ladevorgang nimmt nur 2 Stunden in Anspruch. Ein sehr guter Wert.

Fazit und Alternative

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Joscha Becking:

Das Chuwi Hi9 entpuppt sich in unserem Test als durchwachsenes Gerät, für das wir keine Kaufempfehlung aussprechen können. Es gibt einfach zu viele Dinge, die nicht passen. Das größte Manko ist die schlechte Systemperformance, die einem auf die Dauer einfach auf die Nerven geht. Zudem hat das Tablet erhebliche Schwächen in der Verarbeitungsqualität und die Akkuanzeige ist nicht zuverlässig. Hier kann auch das sehr schöne 2K-Display nicht mehr als Ausgleich gewertet werden. Mit dem aktuellen Lenovo Tab 3 ist man in fast jeder Hinsicht besser beraten und auch das Teclast T10 Master ist ein wesentlich ausgereifteres Gerät.

77%
  • VERARBEITUNG UND DESIGN 80 %
  • DISPLAY 90 %
  • BETRIEBSSYSTEM UND PERFORMANCE 80 %
  • KONNEKTIVITÄT UND KOMMUNIKATION 80 %
  • KAMERA 60 %
  • AKKULAUFZEIT 70 %

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