Wenn man glaubt, man hat schon alles aus der Welt der Chinahandys gesehen, dann bringt der Paketbote ein Homtom HT70. Klingt lustig, ist aber bitterernst: Mit stolzen 10.000 mAh Akkukapazität zählt das Gerät zu den ganz dicken Fischen im Teich der BigBatteryPhones. Der Hersteller verspricht, dass das 140 Euro teure HT70 schlanker als die Konkurrenz sein soll. Wir haben dem Gerät auf den Zahn gefühlt.

Design

Die ersten Reaktionen im Freundeskreis klingen eher so: „Wo hast du denn den Totschläger wieder her?“ oder „Da muss ich mir breitere Hosentaschen kaufen“. Zugegeben, subjektiv betrachtet ist das Homtom HT70 nicht gerade das schönste Smartphone im ganzen Land. Weil Schönheit aber im Auge des Betrachters liegt, kommen wir zu den harten Fakten: Homtom wirbt, dass das HT70 das „weltweit dünnste Fulldislplay-Phone mit 10.000 mAh“ sein soll. Stimmt leider nicht, denn das Oukitel K10 mit 11.000 mAh misst 14,55 mm in der Dicke, das Homtom 14,77 mm. Und so ganz nebenbei: „Fulldispay“ sieht auch anders aus.

HomTom HT70 Review 2 Auch mit seinen weiteren Maßen von 166,0 x 77,37 mm liegt das Homtom mit dem Konkurrenten aus dem Hause Oukitel auf einer Wellenlänge. Soll heißen: Es ist klobig, liegt ungemütlich in der Hand und bringt mit 308 Gramm ordentlich Gewicht auf die Waage. In Sachen Formensprache geht Homtom neue Wege: Weg vom trendigen Runden, hin zum Kantigen lautet die Devise. Die wenigen Metallelemente des Rahmens sind mit Schrauben am Gehäuse befestigt, was den rustikalen Eindruck verstärkt.

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Positiv ist, dass jene Schrauben wie auch die Lautstärke-Wippe sauber eingearbeitet sind; lediglich der On-/Off-Button darunter hat Spiel und klappert. Auf der Unterseite ist ein zeitgemäßer USB Typ C Anschluss verbaut. Anders als der matt gehaltene Teil des Geräts hebt sich die Rückseite durch glänzendes, fast schon spiegelndes Plastik ab. Dort sind die Dual-Kamera mit LED-Blitz und ein Fingerabdrucksensor platziert. Letzterer ist aufgrund der Größe des Gerätes schwer zu erreichen, entsperrt aber immerhin bei 9 von 10 Versuchen erfolgreich. Nervig: Ein Klinken-Anschluss ist nicht vorgesehen, dafür braucht es einen Adapter (mitgeliefert).

Lieferumfang

  • Homtom HT70HomTom HT70 Review 1
  • Handbuch
  • OTG-Kabel
  • USB Typ C Ladekabel
  • Netzteil
  • Bildschirmschutzfolie
  • Sim-Nadel
  • Adapter USB Typ C auf Klinke

Display

HomTom HT70 Review 10Damit man’s ja nicht vergisst, ist unterhalb des Displays das „Homtom“-Logo chromglänzend platziert. Hätte sich der Designer sparen können. Das Display selbst misst 6 Zoll und hat an den Seiten schmale Ränder, weshalb der Hersteller wohl mit „Full Display“ wirbt. Oberhalb des Displays befinden sich Ohrmuschel und Benachrichtigungs-LED sowie Frontkamera.

HomtomHT70 Multitouch

Die Technik ist eher unterdurchschnittlich: Mit einer Auflösung von 1440 x 720 im Format 18:9 hinkt das HT70 der FullHD-Konkurrenz hinterher. In der Praxis bedeuten 268 ppi: Einzelne Pixel lassen sich, wenn man die Augen kräftig zusammenkneift, erkennen. Im Normalbetrieb hat das aber keinerlei negative Auswirkungen: Die HD+ Auflösung ist absolut ausreichend; erst recht, wenn man bedenkt, für welchen Preis das Gerät in den Shops steht. Der Blickwinkel ist dank IPS-Technik sehr stabil, die Farben satt und der Kontrast ausreichend stark (gemessener Schwarzwert 3 Lux). Die maximale Helligkeit kann sich ebenfalls sehen lassen, 640 Lux stehen auf dem Messgerät, was einem Wert im oberen Mittelfeld gleichkommt.

Auf einen physischen Homebutton wurde verzichtet. Die Steuerung erfolgt über Onscreen-Buttons. In Anbetracht der enormen nutzbaren Displaylänge (18:9) ist das verschmerzbar. Der Bildschirm registriert fünf Berührungen gleichzeitig und lässt sich genau bedienen. Den Kratztest mit dem Schlüssel hat das Homtom bestanden, es ist also vermutlich Gorillaglas oder ähnliches verbaut.

Akkulaufzeit

HomtomHT70 PCMarkAkku

Hosen runter, Homtom HT70: Den Akku des Homtom HT70 haben wir auf Herz und Nieren geprüft. Mit dem Ergebnis: Für einen Platz in den Top 3 der BigBatteryPhones reicht es nicht. Mit gut 17 Stunden im PCMark Akkutest geht dem Homtom in Anbetracht von stolzen 10.000 mAh Akkukapazität recht früh die Luft aus. Zum Vergleich: Das Oukitel K8 (8000 mAh) macht erst nach rund 19 Stunden schlapp.

Wenn man das HT70 an das mitgelieferte Schnellade-Netzteil anstöpselt, brummt und surrt es gelegentlich, pumpt aber fleißig frische Power in den Riesenakku. Nach zwei Stunden ist er wieder 100 Prozent voll, ohne heiß zu werden.

 

Akkulaufzeit Ergebnis Einheit: Std

Im Alltag sind 10.000 mAh natürlich trotzdem eine Ansage: Im Standby döst das Smartphone wochenlang vor sich hin. Bei starker Nutzung bleibt es gut drei Tage wach. Wobei man natürlich sagen muss, dass es nicht ganz 10.000 mAh sind. Das Messgerät spuckt nach einer Nacht an einem konventionellen Netzteil 8000 mAh aus – das ist für einen Li-Polymer-Akku dieser Größe noch im Rahmen.

Leistung

Es ist ganz klar: Die Stärke des Homtom HT70 ist der dicke Akku. Was den Rest der Hardware angeht, herrscht Mittelklasse-Flair. Seine Rechenleistung bezieht das Smartphone über einen Mediatek MT6750T Prozessor, dieser Octa-Core taktet mit 8 x 1,5 GHz und hat eine Mali T860 GPU integriert. Oder, um es mit den Zahlen von Antutu zu sagen: 47804.

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Mit dieser Kombination kann das Homtom die Grundfunktionen schnell durcharbeiten. Das Android 7 harmoniert gut mit der verbauten Hardware und es gibt bei der Benutzung von den Onboard-Apps gibt es keine nennenswerten Probleme. Multitasking stellt das HT70 ebenfalls nicht vor große Herausforderungen dank der verbauten 4 GB Arbeitsspeicher. Simplere Spiele lassen sich flüssig zocken.

Antutu Ergebnis Geekbench Multi Ergebnis Geekbench Single Ergebnis

Der interne Speicher ist mit 64 GB großzügig bemessen, obendrein kann eine MicroSD-Karte zur Speichererweiterung eingeschoben werden. Dann muss man allerdings auf einen der beiden SIM-Slots verzichten. Für unter 150 Euro liefert das Homtom HT70 also genau das, was man erwartet: Hardware aus der Mittelklasse, die für den Alltag ausreicht, aber darüber hinaus auch keine Begeisterungsstürme auslöst.

Android

Es ist zum Haareraufen: Das Android 7, beziehungsweise der leicht modifizierte Launcher, verfügt nicht über einen Appdrawer. Das bedeutet: Pures Chaos auf dem Startbildschirm, außer man sortiert die Apps von Hand mühsam in Ordner. Das Aussehen der Icons ist zwar angepasst, doch das stört nicht weiter. Mit Android 7 hat der Hersteller eine angestaubte Software-Version auf dem Handy installiert, aber immerhin läuft sie stabil. User sollten sich darauf einstellen, dass Homtom wahrscheinlich kein Update auf eine neuere Version auf den Weg bringen wird.

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Was das Bedienen ebenfalls ein wenig erschwert: Obwohl noch ausreichend Platz an der Unterseite vorhanden wäre, hat der Hersteller auf eine physische Taste verzichtet. Stattdessen gibt es On-Screen-Buttons, die sich ein- und ausblenden lassen. Letztlich ist es eine Geschmacksfrage, aber prinzipiell wäre ein zusätzlicher Button außerhalb der nutzbaren Displayfläche praktischer.

Kamera

Es ist schwer, viele gute Worte zur Kamera des Homtom HT70 zu finden. Fangen wir mal klein an: Es gibt eine Kamera, immerhin. Sogar eine Dual-Kamera. Doch da geht es schon los: Die zweite Linse ist wohl ein Dummy, was die Ergebnisse bestätigen: Von einem schönen Bokeh-Effekt kann nicht die Rede sein; vielmehr legt eine Software einen (grauenhaften) Blur kreisförmig über das Bild – und das auch noch an einer völlig willkürlichen Position.

Auch bei normalen Motiven versagt die Software des HT70. Die 13MP-Kamera (interpoliert 16 MP) kommt mit starken Lichtkontrasten überhaupt nicht zurecht: Entweder sind große Teile des Bildes stark über- oder unterbelichtet. Die Temperatur der Farben ist eher kalt, die Kontraste schwach. Am auffälligsten ist jedoch, dass trotz manuellem Fokussieren die Bilder manchmal nicht wirklich scharf werden. Da ist es fast schon egal, dass die Auslösezeit kurz ist. Achja: Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen: ein Graus.

Die Frontkamera löst mit 8MP (interpoliert 13MP) auf. Die Selfies werden ebenfalls nicht berauschend. Bilder wirken verrauscht und sehen aus, als kämen sie aus einem in die Jahre gekommenen Smartphone. Auch die Farben sind bei der Frontkamera alles andere als kräftig.

Konnektivität

HomTom HT70 Review 9

Das Homtom HT70 unterstützt alle für Deutschland nötigen 2G-, 3G- und 4G-Frequenzen. Ganz wichtig: Vor allem das wichtige Band 20 ist mit an Bord. Der Nutzung des mobilen Internets sind somit keine Grenzen gesetzt. Im seitlichen Schacht finden zwei Nano-SIM Karten Platz – oder eine SIM plus eine Speichererweiterung.

Der Empfang ist durchweg gut und die Qualität der Verbindung ebenfalls. Anrufer sind gut zu verstehen,  positiv fällt vor allem die hohe Lautstärke aus der Hörmuschel auf.

HomtomHT70 GPS

Das GPS ist sofort einsatzbereit, ein Fix ist innerhalb weniger Augenblicke hergestellt und die Navigation startet. Die Navigation zu Fuß unterstützt der elektronische Kompass. Allerdings ist gleich im ersten Durchgang nach zehn Minuten die Google-Maps-App einmal abgestürzt. Generell hat Homtom an Sensoren nicht gespart. So wurden neben den Standardsensoren (Beschleunigungs-, Licht- und Nährungssensor) auch ein E-Kompass, Gyroskop, Schwerkraftsensor, geomagnetischer Sensor und ein Fingerabdrucksensor verbaut.

Bluetooth funkt mit dem Standard 4.0 und lässt sich mit dem Auto verbinden. Beim WLAN werden die Standards a/b/g/n unterstützt. Obendrauf gibt es die Möglichkeit, mittels dem mitgelieferten OTG-Kabel Daten zu übertragen oder ein das Smartphone als Powerbank zu nutzen.

Fazit und Alternative

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Philip Hauck:

Das Homtom HT70 ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Eigentlich sollte es mit seinem 10.000 mAh großen Akku ein absoluter Langstrecken-Läufer sein. Doch der Test hat gezeigt: Die Konkurrenz aus dem Hause Oukitel oder Ulefone kann das deutlich besser – und sieht dabei, subjektiv betrachtet, auch noch besser aus. Die größte Schwachstelle des HT70 ist die Kamera, die nicht nur eine Schummel-Dual-Kamera ist, sondern auch im „Normalmodus“ sehr bescheidene Bilder knipst. Der Rest der Hardware ist dem Preis angemessen. Soll heißen: Wer sich in die kantige Optik des HT70 verliebt und mit einer schlechten Kamera leben kann, der darf gerne zuschlagen. Ansonsten wird man bei der Konkurrenz für den gleichen Preis besser bedient.

62%
  • Design und Verarbeitung 60 %
  • Display 60 %
  • Leistung und System 60 %
  • Kamera 40 %
  • Konnektivität 80 %
  • Akku 70 %

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*Preise inkl. Versand und Zoll. Zwischenzeitliche Änderung der Preise, Rangfolge, Lieferzeit und -kosten möglich. Preise zuletzt aktualisiert am 17.05.2018

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Gast
Alex

Hallo zusammen und erst einmal herzlichen Dank an das Team von chinahandys.net für seine hier geleistete Arbeit und entschuldigt bitte direkt ein paar grammatikalische Fehler in diesem Post. Ich habe es aus zeitlichen Gründen mit der sprach Navigation getextet. Ich melde mich hier primär, weil ich euch mitteilen möchte dass ich eure Negativpunkte zum homtom ht70 so nicht bestätigen kann. Die Kamera macht für meine Begriffe erstaunlich gute Fotos, natürlich immer in Relation zum besprochenen Produkt und der Kategorie natürlich auch in preislicher Hinsicht. Laut CPU-Z hat das Kamera Modul eine 1.8 Lichtstärke. Darüber hinaus bin ich mit der Verarbeitungsqualität und den Sende- und Empfangseigenschaften mehr als zufrieden. Ich habe das silberne Exemplar und inklusive Überführung Zulassung;-)) von Tomtop nur 139 € bezahlt also in Relation zum aufgerufenen Preis ist es ein richtig gutes Gesamtpaket, wie ich finde. Ebenfalls positiv überrascht bin ich über das HD Plus Panel. Es ist farbintensiv und ausreichend leuchtstark. Zum verbauten Akku kann ich jetzt noch nicht so viel sagen, da ich das Gerät erst seit zwei Tagen Besitzer liebe Grüße

Webmaster
TeamStarMitglied
Joscha Becking

Vielen Dank für dein Lob. Wir freuen uns, dass du mit dem Handy zufrieden bist. Was die Kamera angeht, würden wir uns gerne einmal ein paar Testfotos von deinem Handy anschauen. Eventuell stimmt ja etwas mit der Kamera unseres Samples nicht. Wenn Du Zeit und Lust hast, könntest du ein paar Bilder (im Querformat) aufnehmen und per E-Mail an [email protected] schicken. Wir schauen dann mal, ob die Qualität wirklich besser ist als bei unserem Handy und würden die Bilder ggf. auch in den Testbericht einfügen. Liebe Grüße.

Gast
Alex

Hallo Joscha erstmal herzlichen Dank für die Antwort, ich habe gerade versucht Dir bzw euch drei Fotos zuschicken leider war der Anhang wohl zu groß die Nachricht konnte nicht rausgehen jetzt bin ich nicht der Große Konvertierungskünstler kannst du mir da bitte einen Tipp geben um dir die Fotos noch schicken zu können ? Grüße Alex